1.2210 anders Härten für Rasiermesser?

fireforger

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Hallo Schmiedefreunde,

bei mir steht als eines der kommenden Projekte ein Rasiermesser füer einen Freund an. Der Herr hätte gerne ein Damast San Mai, also Damast aussen und einen Wunschstahl für die Schneide. Wir haben uns bei der Schneidlage klassisch für den 1.2210 entschieden, mit dem ich auch schon viel Erfahrung gesammelt habe.

Da ich vorher noch nie ein Rasiermesser gebaut habe habe ich mich natuerlich darauf vorbereitet, und bin unter anderen auf diese Seite gestossen [1]. Eigentlich wollte ich mich nur von ein paar Formen inspirieren lassen, aber was da steht (und auch teilweise anderen, dennoch sehr ähnlichen Seiten) verwundert mich doch etwas:

Dieses Rasiermesser besteht aus Kohlenstoffstahl mit der Werkstoffbezeichnung 1.2210, besser bekannt als Silberstahl. Um eine Härte von circa 61 HRC zu erreichen, wird das Material auf über 1000 Grad erhitzt und anschließend sofort mit einem Spezialöl abgeschreckt. Das darauf folgende Anlassen bei etwa 200 Grad gibt der Klinge Elastizität und Zähigkeit.

Ich habe mich bisher immer an das Datenblatt von Meusburger [2] gehalten, da wird fuer das Härten 780 - 840°C angegeben. Ich härte den 1.2210 bisher bei 830°C und habe damit sehr zufriedenstellende Ergebnisse erziehlt (bei Messern).

Jetzt zu meiner Frage: macht es Sinn mit der Austenitisierungstemperatur nach oben zu gehen wenn das Endprodukt ein ein Rasiermesser werden soll? Wenn ich Roman und Rapatz richtige interpretiere erreiche ich damit nur das ich weniger Zähigkeit und gröberes Korn bekomme. Ein SHM scheint mir bei den Legierungsbestandteilen nicht sinnvoll, und bei [1] wird ja auch von 200°C Anlasstemperatur gesprochen, was für mich einfach noch mehr Fragen aufwirft.

Ergibt die Temeratur von 1000°C irgendwie Sinn, oder ist das einfach nur Marketing für den unwissenden Käufer?

[1] Barbarossa (https://shop.dovo.com/de/dovo-rasiermesser-barbarossa-45582.html)
[2] 1.2210 Kaltarbeitsstahl bei Meusburger (https://www.meusburger.com/DE/AT/materialqualitaeten/12210-kaltarbeitsstahl)
 
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wunderbar

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Das läuft wahrscheinlich so: Heißt aus der Chefetage "neue Charge, muss verkauft werden, stell online mit Würze". Sabine, die junge Dame, die den Webshop betreut sagt sich "joa", nimmt die Herstellerinformation zur Hand und denkt sich "hmmm alles schön runde Zahlen nur 780-840°C" liest sich nicht gut und Chef will Würze also...substituiere mit tausend weil TAUSEND. Der von Stoppeln geplagte Jochen liests, sagt sich "BOAH TAUSEND? das glüht ja voll ey!" und kauft gleich drei.
 

xtorsten

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die 1000° ergeben bei einer 'normalen' Härtung im Ofen keinen Sinn - bei induktiver Aufheizung/ Härtung liegen zwar prinzipiell höhere Temp. als im Datenblatt vor, aber dazu passt dann die angegebene Härte von 61 HRC nicht. Zudem wäre das eher was für reine Rasierklingen und nicht ganze Messer (geht zwar auch bei Messern, ist aber eher selten).

Also irgendwo haben die da den Wurm drin in ihrer Beschreibung ;)
 

Hamurra-e

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Ok weil wir schon beim Induktiven Härten sind, ich habe (keine Ahnung wo) einen Bericht gesehen, dass die hohe Hitze beim Induktiven Härten kein Problem sind, weil das so schnell geschieht, dass Grobkorn nicht vorkommt. Ist da was dran? Kann sein, dass das hier schon mal erörtert wurde, aber ist lange her.
 

xtorsten

Premium Mitglied
ja, da ist was dran - hinzu kommt, dass die Wärme IM Werkstück selber entsteht - also keine Durchwärmung von außen nach innen stattfindet. Sehr günstige, weil schnelle und gleichmäßige Aufheizung.
Genaue Temp.Angaben habe ich aber leider auch nicht gefunden.