Bitte um Empfehlung zum Schleifwinkel

@pebe: Ich verstehe noch nicht so ganz, was Du geschrieben hattest. Du sagtest ja, dass Du am Schleifsystem 20° einstellen würdest, wobei 17,5°-18,5° an der Fase ankämen. Ich kann nicht nachvollziehen, warum der effektive Schleifwinkel kleiner sein sollte als der eingestellte.

Weil die eingestellten 20 Grad nur dann an der Fase ankommen, wenn die Klinge zentriert (rot) aufliegt, was sie aufgrund der schrägen Flanke aber nicht tut (blau).

Die Lage der Achsenmitte, also die Gerade aus der Mitte des Rückens zur Spitze, ist ausschlaggebend.

grüsse, pebe

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@Valentinian II: Ich habe das jetzt so verstanden, dass der angegebene Schleifwinkel von 17,5° - 18,5° einen Schneidenwinkel von 35° - 37° ergibt.
Wenn du symmetrisch schleifst an einem Messer mit symmetrischem Primärschliff, ist der Schneidenwinkel einfach der doppelte Schleifwinkel.
Am Schleifsystem muss ich dann den Flankenwinkel berücksichtigen, damit bei jedem Messer der gleiche Schneidenwinkel herauskommt.
Richtig. Aber warum willst du das überhaupt?
@pebe: Ich verstehe noch nicht so ganz, was Du geschrieben hattest. Du sagtest ja, dass Du am Schleifsystem 20° einstellen würdest, wobei 17,5°-18,5° an der Fase ankämen. Ich kann nicht nachvollziehen, warum der effektive Schleifwinkel kleiner sein sollte als der eingestellte.
Eben wegen des Winkels der Primärfase. Das ist einfach die "Abschätzmethode". Du kannst bei vollem Flachschliff auch den Winkel der Primärfase direkt messen oder bei anderen Anschliffen per Arkussinusfunktion aus Klingenstärke und Klingenhöhe berechnen. Ich schätze inzwischen ebenfalls ab, auch wenn ich idR nicht auf 17.5-18.5° ziele. Alles außer Schätzen halte ich aber auch für Overkill bei irgendwelchen zusammengewürfelten Messern aus der Nachbarschaft. Etwa drei Grad mehr als gewünscht wie von @pebe vorgeschlagen trifft's halt meistens gut, sofern man keine sehr dicken Klingen wie Äxte oder Beile schärft.

Wenn die Winkelführung des Systems auf parallelen Flanken sitzt, weil das Messer im oberen Bereich keine Fase hat, ist der eingestellte Winkel gleich dem Schneidenwinkel.
Noch eine kleine Extrafrage abseits des Themas: Wie geht Ihr mit kleinen Ausbrüchen um? Setzt Ihr die Schneide soweit zurück, dass alle Ausbrüche verschwunden sind oder schärft Ihr nur "normal", damit weniger Material verloren geht?
(Ich selbst tendiere zum Stehenlassen kleinerer Ausbrüche, solange sie beim Schneiden nicht stören.)
Wenn ich die Schneide zurücksetze, muss ich ausdünnen oder damit leben, dass das Messer schlechter schneidet. Wofür ich mich entscheide, hängt vom Ausmaß des Ausbruchs, dessen Lage, dem Messer und dem "Kunden" (ich schleife bisher nicht für Geld) ab und ist somit eine komplette Einzelfallentscheidung. Ich investiere nicht ein bis zwei Stunden und einen halben Millimeter Steinhöhe in ein Supermarktmesser
 
Wie geht Ihr mit kleinen Ausbrüchen um? Setzt Ihr die Schneide soweit zurück, dass alle Ausbrüche verschwunden sind oder schärft Ihr nur "normal", damit weniger Material verloren geht?
Wegmachen. Was sonst? Die eigentliche Frage sollte aber mMn lauten: Wieso hat mein Messer Ausbrüche?
 
Vielen Dank für die Erklärungen bezüglich des Schleifwinkels beim Systemschleifen.

Ich habe am WE die mir überlassenen 5 Messer auf der Record Power WG250 auf eingestellte 16° Schleifwinkel ohne Mikrofase geschärft.
Dazu habe ich eine 80-er Edelkorund-Schleifscheibe der Bötzower Schleifwerkzeuge GmbH verwendet, die für ihre Grobheit eine erstaunlich gute Schneide erzeugt hatte, die ich für normale Küchenmesser passend empfand. Ich fand es auch erstaunlich, dass am Ende der Schleifaktion der Wasserbehälter kaum Steinabrieb enthielt sondern fast nur Stahlspäne, die schön vom Magneten gesammelt und festgehalten wurden.

Oh Mann, ich fasse mir gerade an den Kopp, weil mir beim Schreiben auffällt, dass ich den halben Flankenwinkel nicht hätte rechnerisch abziehen dürfen, sondern hätte ihn draufaddieren müssen - also 18° gewünschter Schleifwinkel + halber Flankenwinkel von z.B. 4° = 20° und nicht wie ich Döskopp gerechnet hatte: 18° - 1/2 von 4° = 16° :-(
Ich bin halt vom jahrelangen Bankstein-Schleifen gewohnt, den Winkel vom Schleifstein zur aufgesetzten Messerflanke zu messen und hatte nicht bedacht, dass die Winkeleinstellung mittels Winkellehre bei der Schleifmaschine von der gegenüberliegenden Messerflanke erfolgt und deshalb der Flankenwinkel bei der Winkeleinstellung draufgeschlagen werden muss :eek:

Mein Irrtum ist wahrscheinlich nicht so schlimm, weil ich die Schneiden zuerst mittels Keramikwetzstab und anschließend auf dem Lederrad abgezogen hatte, was die Schneide zusätzlich verrundet und den Winkel wieder vergrößert.

Viele Grüße, Mico
 
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