Bunthärten

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Bunthärten

Hallo zusammen,
ich habe in der Zeitschrift „ Hesphaistos „ etwas über das Bunthärten gelesen,
da werden Metallteile ( vorwiegend Historische Waffen ) in einem speziellen verfahren gehärtet.
Das Ergebnis sieht aus als währen es Anlassfarben, von Gelb über Rot bis Blau sind alle Farben vertreten. Soll aber mit Anlassen nichts zu tun haben.
Laut Bericht war es eine gängige Methode Kohlenstoffarme Stähle zu härten, zum Beispiel
Waffenschlösser oder ähnliche Verschleißteile.
Der Stahl wurde mit einem Granulat aufgekohlt und beim abschrecken in Wasser bildete
sich eine Dampfhaut die je nach Materialstärke eine andere Farbe ergab.
Mehr konnte ich zu diesem Thema nicht finden , das Ergebnis sah aber echt toll aus.
Nun würde mich interessieren :
Kann man mit den bescheidenen Mitteln eines Hobbyschmiedes so ein spezielles Verfahren anwenden.
Wie haltbar ist die Farboberfläche ( wird sie durch Feuchtigkeit oder Handschweiß angegriffen) .
Welche chemische Mittel und Härteverfahren sind dazu notwendig.
Mir geht es nicht um das Härten einer Klinge eher zum optischen Aufpeppen des Griffes oder der Scheide.
Ich stelle mal ein paar Bilder ein vielleicht hat jemand eine Ahnung.

Viele Grüße
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Hamurra-e

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Geh mal in ein Jagd und Waffen Geschäft, die haben früher so ein Mittel zum Aufhärten gehabt. Ich hab es Selber ein paarmal verkauft.
Normaler weise reichte es wenn du die Teile in ein Kleines Rohr steckst zusammen mit dem Pulver und dann in die Schmiede Esse damit.
Da müsste aber eine Bechreibung dabei sein.
Industriepulver sollen aber wesendlich besser sein!


Gruß HUGH
 

Hobbyschmied

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Hallo link ! Meines Wissens nach ist das Bunthärten eine äuserst komplexe Angelegenheit.Das zu härtende Material wird mit verschiedenen Substanzen,wie Tierkohle ,Lederkohle und ähnlich "leichtzubeschaffenden"Bestandteilen in einem Kasten luftdicht verschlossen und wie beim Eisatzhärten über einen längeren Zeiraum bei einer bestimmten Temperatur gehalten.Ob das mit dem Härten im eigentlichen sinn so hinhaut glaube ich Persönlich nicht,da eigentlich nur wenig beanspruchte Teile so behandelt werden.Ich wollte eigentlich auch mal sowas machen,aber nachdem ich einen Bericht darüber in einer Waffwnzeitschrift gelesen hatte beschloss ich für mich,daß sowas hobbymäßig nicht machbar ist.Interessiert Dich diese Thema trotzdem suche mal auf Seiten für Vorderlader-oder Winchestersammler/Restaurierer.Soweit ich weiß,gibt es professionelle "Bunthärter",aber das ist meines Wissens nicht ganz billig.Übrigens sind die Teile auf Deinen Bildern m.e.Echte "Sahnestückchen" Viele Grüße Jürgen
 

link

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Danke für die Tips,
eigentlich hatte ich mir schon gedacht daß es für einen Hobbyschmied zu aufwendig wird,
sonst hätte ich hier im Forum etwas darüber gefunden.
Nach diesem Pulver werde ich mal im Waffengeschäft nachfragen.
Ich stelle mir gerade vor, ich gehe in die Apotheke und verlange Tierkohle, Lederkohle und
andere exotische mittel, die würden doch bestimmt denken ich hätte zufiel Harry Potter gelesen. :p

Gruß Link
 

roman

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Zunäschtmal ist das Bunthärten kein echter technischer Begriff sondern ein Konstrukt des Marketings vermutlich von Anwendern der Verfahren.

Was könnte es sein? Da liefert Google dann

(idw) Jena (16.09.04) Bunthärten ist ein historisches thermochemisches Verfahren, mit dem auf Stahloberflächen farbige Marmorierungen erzeugt werden und eine bessere Verschleißfestigkeit erreicht wird. Das Farbspiel reicht von blau über braun und gelb bis hin zu Rottönen. Die rein empirischen Erfahrungen der Bunthärter wurden von Generation zu Generation nur mündlich weitergegeben. "Welche chemischen und physikalischen Vorgänge ablaufen war nicht bekannt und aufgrund der vielfältigen Einflussfaktoren war das Ergebnis oft nicht reproduzierbar", berichtet PD Dr. Jürgen-Dieter Schnapp. Der Materialwissenschaftler von der Universität Jena hat nun mit seinen Mitarbeitern in Kooperation mit einem Thüringer Unternehmen erstmals das Verfahren wissenschaftlich untersucht. Daher können jetzt die technologischen Parameter zielgerichtet gewählt werden. Die neuen Ergebnisse zum "alten" Verfahren werden vom 21.-23. September auf der Messe Materialica in München präsentiert (Halle C1, Stand 202/Nr.19).

"Das gewonnene Wissen über den Bunthärte-Prozess kommt direkt unserem Industriepartner, der Firma Schilling Spezialbeschichtungen GmbH in Zella-Mehlis, zugute", berichtet Dr. Schnapp. Das mittelständische Thüringer Unternehmen ist eine von weltweit wenigen Härtereien, die dieses Spezial-Verfahren anbieten.

Das Bunthärten ist kein Härteverfahren im üblichen Sinne. Die Stahloberfläche wird dabei unter definierten Wärmebehandlungsbedingungen mit verschiedenen Elementen angereichert und anschließend in einem Wasserbad mit speziellen Zusätzen abgeschreckt. Ziel des Verbundprojektes, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit gefördert wurde, war es, die dabei entstehenden farbigen Schichten zu charakterisieren und zu bestimmen, bei welchen Temperaturen, Einwirkzeiten sowie Zusätzen im Aufkohlungsmittel und im Wasserbad, welche Ergebnisse erzielt werden können.

"Dieses wissenschaftliche Know-how geben wir unserem Industriepartner an die Hand", verdeutlicht Dr. Schnapp. "Mit den Forschungsergebnissen kann das Unternehmen nun zielgerichtet die von den Kunden gewünschten Stahlbauteile mit den farbigen Marmorierungen produzieren und die Qualität ist reproduzierbar", freut sich der Werkstoffwissenschaftler von der Jenaer Universität

Also ist es letzendlich das gezielte steuern der Anlassfarben. Technologische Eigenschaften zur Qualitätsverbesserung konnte ich bis jetzt noch nicht finden, es ist jedoch auch von Aufkohlungsmittel die Rede, was bedeuten würde das eine Oberflächenhärtbarkeit auch gegeben sein könnte. Ob das nun genutzt wird weis ich nicht.
 

Hamurra-e

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Ich will ja nicht Unken, aber in der Büchsenmacherei ist das Bunthärten eine Uralte und schon seit Ewigkeiten angewande Oberflächenveredlung.
Die besonderst viel im bereich von Perkussions-, Wester- und Jagdwaffen angewandt wird.
Seit Jahrzehnten werden Schlösser, Hähne, Abzüge und Monturen aller art mit Bunthärten verziert!

Natürlich kann es viele verschiedene Methoden geben um den gewünschten Effekt zu erzielen, aber mir wurde es Tatsächlich als eine Aufkohlungsmethode von unseren Büchsenmachern erklärt!

Was will diese Firma also "neu" entdecken was seit Jahren schon von Büchsenmacherfirmen rund um die Welt verwendet wird???
Kann mir denken dass deren Verfahren sehr zuverlässig und wiederholbar sind!
Ich kann mir nicht vorstellen das die nicht Wissen was sie tun :rolleyes:

Ich denke eher dass die Firmen eben auch ihre Geheimnisse wahren, natürlich ist es Super, dass jemand tiefer in die Materie eintritt, aber das Rad wurde selten neu erfunden…

Sorry, nix gegen dich Roman, aber wenn ich solche Artikel lese stellen sich mir die Haare auf!!
Besonderst wenn dann gleich die Firma "soundso" in einem Atemzug genant wird, mit dieser Revoluzionären hmgrlggmnn..... :teuflisch

Nix für ungut :D

Gruß Hugh
 

Reinhold Vögele

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@ link
Buntgehärtetes Metall ist zweifellos ein wunderbarer Schmuck und würde uns Messerfreunde bestimmt sehr reizen.
Doch dann bleibt immer die Frage, hält die "Farbe" dann wirklich was sie verspricht?
Mein Lehrmeister hatte eine Kipplaufflinte, ein uraltes Teil, an der die Bunthärtung auch nach zig Jahren wie neu ausgesehen hat.
Lange später hatte ich eine Revolver-Replika mit einem anfänglich herrlichen Metallschmuck durch Bunthärtung. Öl, Pulverdampf und Schweiß machten dem Farbvergnügen innerhalb Monaten ein jähes Ende.
Also, es gibt auch in einem relativ soliden Handwerk "Solche und Solche".
@ Hamurra-e
Gebe Dir recht. Manchmal wird um einfache Vorgänge von Handelsleuten viel Wind und natürlich Geld gemacht. Ist beileibe nicht verboten. Für uns im Forum ist es leicht zu sehen, wie sich Spreu vom Weizen trennt. Wir haben hier dankbarer Weise exzellente Ratgeber und Experten wie Roman, Herbert und U.Gerfin (Stellvertretend für alle Anderen!). Diese Leute beziehen ihr Wissen natürlich auch durch Fragen und Forschen.

Grundsätzlich denke ich, dass ein Klingenschmuck durch Bunthärtung etwas für Vitrinenmesser sein kann, jedoch nicht für ein Werkzeug zur täglichen Nutzung.
Nur meine bescheidene Meinung, die nicht aller Evangelium sein muß.
Servus-Reinhold.
 

U. Gerfin

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Traditionell wurde Bunthärten durch Aufkohlen der Oberfläche und Anlassen auf die gewünschte Farbe durchgeführt. Wenn es nur um die Farbe ginge, könnte man das Aufkohlen auch weglassen. Die entstehende Oxydschicht ist relativ empfindlich und muß durch ein geeignetes Öl geschützt werden, wodurch sie in der Regel nachdunkelt.
Aufkohlen mit Lederkohle ist ein recht wirksames Verfahren, das den zusätzlichen Effekt hat, daß zum Kohlenstoff auch noch Stickstoff in die Oberfläche eindringt. Lederkohle ist nichts andres, als verkohltes Leder. Man kann sie durch Erhitzen von Lederabfällen problemlos selbst herstellen. Mit einer gewissen Geruchsbelästigung ist allerdings zu rechnen.
Stähle, die unterschiedlichen Korrosionswiderstand haben, oxidieren auch unterschiedlich. Steve Schwarzer nutzt das, um Mosaikdamast auch noch bunt zu färben. Er möge mir verzeihen: ich finde das furchtbar.
Im Handel gab es mal ein Mittel, um Stahl kalt schwarz zu färben. Die Oberfläche erhielt dadurch einen hervorragenden Korrosionsschutz. Das Mittel arbeitete mit Phosphatschichten und wurde -angeblich wegen seiner Giftigkeit- vom Markt genommen.
Die neuen Mittel, deren Wirkungsweise ich nicht kenne, sind möglicherweise geeignet, haltbarere und vielseitigere Färbungen zu erzielen. Wem`s gefällt...
MfG U. Gerfin
 

Hamurra-e

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Also mal generell und damit ich auch in Zukunft nicht missverstanden werde! :D
Ich bin wirklich Dankbar das ich mich hier mit Leuten wie:
U. Gerfin, Roman und Herbert austauschen kann, auch dann wenn sie mir manchmal Kopfschmerzen bereiten ;)
so wie mit sämtlichen Profi- und Hobbymessermachern!!!

Also hier an dieser Stelle ein ehrlich gemeintes Lob und Danke!!!

Natürlich muss jeder aus Erfahrungen und Büchern lernen und wenn das einer für mich schon gemacht hat, na dann wäre ich doch Dumm wenn ich nicht davon profitieren würde :hehe:

An diesem Artikel ( den Roman ja nur weiter gegeben hat ) hat mich der Totale Kommerz gestört, der hängt mir so langsam zum Hals raus :mad:
Vor allem, weil schon wieder ein Riesen Geheimnis aus dem Ganzen gemacht wird und diese Leute mit Sicherheit keinen Ottonormalverbraucher, an ihren Geistigen Ergüssen teilhaftig werden lassen!!!
Oder täusche ich mich da?? :confused:

Oh und U. Gerfin das Mittel hab ich auch schon benutz ist echt nicht schlecht! Bringt Damast schön heraus wenn man mal was anderes will.
Mittlerweile sind schon wieder „Neue“ ungiftige auf dem Markt aber die sind Sch****!!

Gruß Hugh