Geschwindigkeit des Kornwachstums

roge

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Hallo zusammen

Wenn ich einen Stahl auf Härtetemperatur, sagen wir mal 820 Grad, bringen will und ich benutze dafür eine Gasesse so geht dies ja deutlich schneller als wenn ich die Klingen in ein Stahlrohr stecke welches ich mit Asche fülle und in einen Härteofen packe. Daß die Asche gut gegen Entkohlung ist da sie vor Sauerstoff schützt ist positiv, gleichzeitig isoliert sie aber auch und es dauert wesentlich länger bis das Werkstück durchwärmt.

Geht das Kornwachstum schnell vor sich oder eher langsam?
Ist das Kornwachstum bereits abgeschlossen sobald ich die Temperatur von 820 Grad im ganzen Werkstück erreicht habe oder wächst das Gefüge weiter mit zunehmender Haltedauer bei 820 Grad? Will heißen ist es egal ob ich die Klinge 2min bei 820 Grad halte oder 2 Std.?
Soweit ich es verstehe behindern Legierungelemente das Kornwachstum doch tut dies ja nichts zur Sache wenn man für beide Mehoden den gleichen Stahl in Betracht zieht.

Grüße aus der Oberpfalz

Rob
 
Hallo Rob,

wie schnell Kornwachstum vor sich geht hängt im höchsten Maße von der Temperatur ab. Und ebenfalls sehr stark von den enthaltenen Legierungselementen.
Wenn du die korrekte Härtetemperatu gewählt hast wird in beiden Fällen kein Grobkorn auftreten. Nur wenn du grundsätzlich eine zu hohe Temperatur gewählt hast wird mit etwas Glück die Klinge in der Gasesse dennoch kaum oder zumindest weniger Kornwachstum zeigen während die andere schon Grobkorn hat.


Ich verstehe allerdings nicht weshalb man eine Klinge aus Werkzeugstahl die nur kurze bis gar keine Haltezeit benötigt in ein Rohr mit Asche geben sollte um sie im Härteofen zu härten...
Die Randentkohlung sowie die Verzunderung halten sich da wirklich sehr in Grenzen, auch ganz ohne Schutz.
Anders sieht es natürlich mit hochlegierten Stählen aus, aber die sind ein anderes Thema.

mfg
Ulrik
 
Hallo Koraat

Danke für Deine Antwort, auch wenn sie nicht so ganz meine Frage trifft. Ich erwärme meine Klingen generell in der Gasesse zum Härten und auch ohne irgendwelche Schutzpaste, Lehm etc. Da ich auf der Schneidenseite sowieso immer noch min. 1-2mm abschleife hält sich das mit evtl. Randentkohlung sicherlich in Grenzen. Die Stähle die ich normalerweise verwende sind 1.2510, 1.2842 u. 1.3505 da die bei mir auf der Arbeit als Restmaterial anfallen und ich dafür kein Geld ausgeben muss.

Was mich interessiert ist ob das Austengefüge bei einer bestimmten Temperatur in sehr kurzer Zeit eine gewisse Größe erreicht und diese Größe beibehält unabhängig davon wie lange der Stahl auf dieser Temperatur gehalten wird.

Gruß
Rob
 
Ulrik hat das Wesentliche schon gesagt. Bei Einhaltung der korrekten Härtetemperatur ist auch bei längeren Haltezeiten nicht mit unerwünschtem Kornwachstum zu rechnen.

Die Temperatur ist gegenüber der Zeit der deutlich wirksamere Faktor.
Im "Atlas der Wärmebehandlungen" findet man für die gängigen Stähle Schaubilder, die das Kornwachstum in Relation zu Temperatur und Haltezeit wiedergeben.

Das ist sicher interessant. Man kann sich aber die Fahrt zur nächsten Universitätsbibliothek sparen. Bei den genannten Stählen passiert bei Einhaltung der Härtetemperatur nichts.

Freundliche Grüße

U. Gerfin
 
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