Gewissenskonflikt [Garbenmesser, Mordmesser, Srbosjek ]

Sigtrygg

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Hallo Forum.

Ich habe vor einigen Jahren ein Sammelsurium aus alten Klingenresten und Metall-Schrott zum umschmieden bekommen.

Es war auch ein seltsam geformtes Messer mit Ledergriff dabei das ich nicht einordnen konnte.

Viel benutzt, oft nachgeschliffen, das Leder hart aber komplett...

Ich habe es gesäubert, eingeölt und als Skurilität aufbewahrt.

Vor einigen Wochen war ich dann im Internet unterwegs und habe Anregungen für alte Klingenformen gesucht die ich nachschmieden wollte...

Bildsuche per Google.

Und dabei fand ich heraus um was es sich bei diesem Messer handelt:

Bitte nur dem Link nachgehen wenn man gute Nerven hat!

http://www.answers.com/topic/srbosjek

und jetzt die Frage:

Was macht man mit sowas?

Mein erster Gedanke war das Leder verbrennen, und die Klinge solange in den Sandstrahler packen bis nichts mehr davon übrig ist.

Auf der anderen Seite sollt... Nein... DARF so etwas niemals vergessen werden.

Aber ich will nicht riskieren das irgendein dummer Mensch es seiner Sammlung hinzufügt und es auch noch toll findet so etwas zu besitzen

Vieleicht könnt Ihr mir einen Tip geben wie man verantwortungsbewusst mit so einer Klinge verfahren sollte.

Ich danke schonmal im Voraus.

Falls dies Thema zu Pervers für dies Forum ist bitte ich um Entschuldigung und um Löschung des Threads.

Danke.
 

judge1401

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AW: Gewissenskonflikt

Ich für meinen Teil würde es nicht behalten wollen. Wie Du ja selbst sagst sollten die Verbrechen der Zeit nicht vergessen werden. Mein Vorschlag wäre, dass Du dich mit Museen oder Ausstellungen, die sich mit der NS-Zeit beschäftigen in Verbindung setzt und denen das Ding überlässt. So kann es als abschreckendes Beispiel dienen und somit letztendlich noch einen sinnvollen Zweck erfüllen (soweit möglich). Und in der Sammlung eines "Dummen" landet es so auch nicht.

chris
 

fossie1960

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AW: Gewissenskonflikt

Hallo

vielleicht gibt es ja in Jasenovac eine Gedenkstätte oder ein Museum
mit der du dich in Verbindung setzen kannst ,dort wäre das grausige Teil bestimmt ganz gut aufgehoben.
Gruß Jürgen
 

thor_of_asgard

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AW: Gewissenskonflikt

Also, behalten wollte ich das auch nicht.

Aber es darf auf keinen Fall vernichtet werden, damit es einen echten physischen Beweis gibt, dass es diese Vorfälle wirklich gegeben hat.

Aber welches Museum dafür geeignet ist, weiss ich auch nicht. Es stimmt aber, so etwas darf auf keinen Fall in die falschen Hände kommen.
 

chamenos

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AW: Gewissenskonflikt

Moin

Wikipedia und Konsorten in allen Ehren.

Das in dem Artikel abgebildete Messer ist ein sogenanntes Garbenmesser und als solches vor 100 Jahren ein ganz normaler bäuerlicher Alltagsgegenstand gewesen:
http://www.hr-online.de/website/fer...&key=standard_document_33193668&lugal=1&ibp=0

Ich selber habe schon mehrfach solche Messer beim Sanieren von alten Scheunen gefunden. Leider meist in einem erbärmlichen Zustand.

Gruß
chamenos
 

Woz

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AW: Gewissenskonflikt

Hab so ein Ding vor ein paar Jahren - bevor ich Messerinteressierter war - beim Ausmisten der Werkzeughütte beim Opa weggeschmissen weil verrostet und brüchiges Leder. Wußte nicht was das war, Opa damals gefragt, er nannte es Kornmesser.

Dann das "Nazi" Messerbild, und mir fiel kein kroatischer Schlächter in der Verwandtschaft ein - Bauern sehr wohl. Wobei ich es durchaus für möglich halte dass man das Ding damals zweckentfremdet hat, aber der Hauptzweck dürfte tatsächlich landwirtschaftliche Nutzung gewesen sein.

Also: Viel Lärm um nix - am Flohmarkt in Kroatien wäre mir so ein Teil eventuell noch suspekt, aber in AT oder DE ist es nur ein Werkzeug.
 

[Nick]

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AW: Gewissenskonflikt

Gemäß dem ersten Link handelt es sich bei diesem "Srbosjek" ja um eine spezielle Anfertigung zum genannten Zweck, und nicht um ein "normales", zweckentfremdetes Garbenmesser.
Anhand des genannten Aufdrucks "Gräwiso" im Leder sollte es sich ja zweifelsfrei feststellen lassen, ob Du ein Mordinstrument besitzt oder ein bäuerliches Handwerksgerät.

Unabhängig lässt mich der erste Link mal wieder erschüttert dasitzen, gibt aber auch Zeugnis ab, wie verkehrt es wäre, die Ermöglichung des Holocaust nur ein paar "irren" Nazis zuzuschreiben. Anlehnend daran verweise ich auf den vorletzten Spiegel, der die Schuld und Verantwortung williger Helfer in den besetzten Zonen zum Thema hatte:
http://microshop.spiegel.de/einzelhefte/spiegel-2009-21
 

chamenos

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AW: Gewissenskonflikt

Anhand des genannten Aufdrucks "Gräwiso" im Leder sollte es sich ja zweifelsfrei feststellen lassen, ob Du ein Mordinstrument besitzt oder ein bäuerliches Handwerksgerät.

Moin.

Wieso?

Eine schnelle Recherche ergibt das die

Gebr. Gräfrath GmbH & Co. KG in Solingen

Messer unter der Bezeichnung Gräwiso seit Jahrzehnten verkauft.
Aktuelles Beispiel gefällig:
http://www.yatego.com/solingen-shop..._8,grÄwiso-solingen-kabelmesser-taschenmesser

Ich schiebe dan ganzen Thread mal zu den Vitage Knives.
Vielleicht hat ja z.B. unser grandioser cut einen alten Katalog von dem Hersteller, in dem genau dieses Messer in seinem eigentlichen Kontext angeboten wird.
Nämlich als Hilfsmittel bei der Feldarbeit.

Gruß
chamenos
 

[Nick]

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Ok, dann wäre zunächst die Frage wichtig, ob die normalen Garbenmesser auch von der Firma Gräfrath hergestellt wurden und "Gräwiso" im Leder eingeprägt war, bzw. ob es weitere Unterscheidungsmerkmale gibt (Klingenform, Länge etc.)
Ich komme nur darauf, weil in dem Link ja von speziell angefertigten und designten Messer die Rede ist, also kein Original-Garbenmesser war.
Auch nach etwas Internetrecherche scheint es so zu sein, dass es sich bei dem "Srbosjek" um eine spezielle Anfertigung handelt, und nicht um eine "Zweckentfremdung". Von daher müsste sich doch klären lassen, was Sigtrygg da liegen hat.
 

chamenos

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Ich komme nur darauf, weil in dem Link ja von speziell angefertigten und designten Messer die Rede ist, also kein Original-Garbenmesser war.

Moin.

In dem Artikel ist die Rede von einem speziell designten Messer, das dann für derartige Abscheulichkeiten benutzt wurde.
Da steht nicht, dass es speziell für diesen Zweck so angefertigt wurde.

Weiter steht da, dass es einen speziellen Auftrag durch die Kroatische Regierung gab.
Der Text gibt nicht her, dass es sich um eine Sonderanfertigung handelte, sondern er macht deutlich, dass diese Messer eben nicht durch die Lageraufseher privat beschafft wurden, sondern dass sie damit ausgestattet worden sind.

Gruß
chamenos
 

[Nick]

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Stimmt, so kann man es auch verstehen.
Hoffen wir auf cut.
Wobei es dadurch für Sigtrygg natürlich schwieriger wäre festzustellen, wo der Ursprung seines Exemplares liegt.
 

onox

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AW: Gewissenskonflikt

Moin.

Wieso?

Eine schnelle Recherche ergibt das die

Gebr. Gräfrath GmbH & Co. KG in Solingen

Messer unter der Bezeichnung Gräwiso seit Jahrzehnten verkauft.
Aktuelles Beispiel gefällig: [...]

Gruß
chamenos

Natürlich ist nicht jedes Messer mit Gräwiso-Prägung ein Mordinstrument. Es geht um diese spezielle Kombination: Garbenmesser UND Gräwiso-Prägung. Wenn dies bei Sigtryggs Messer zutrifft, dann ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass er ein srbosjek besitzt, wenn es keine Gräwiso-Prägung aufweist, ist es wahrscheinlich ein stinknormales Garbenmesser von irgendnem Bauernhof.

mfg,
Onox
 

[Nick]

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Eben nicht. Wenn es sich bei dem Srbosjek doch um ein herkömmliches Garbenmesser handelte, das zudem sowieso von Gräfrath hergestellt wurde, ist die Herkunft bzw. Verwendung nicht nachweisbar.
Vielleicht sollten wir bei diesem furchtbaren Thema auch die Spekulationen beenden und auf Sachverstand hoffen.
 

onox

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Hallo Nick, darum sagte ich ja, es wäre die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass es ein Srbosjek wäre. Absolute Sicherheit könnte man nur erlangen, wenn man die Herkunft des Messers abschließend klären könnte.
 

cut

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...seltsam geformtes Messer mit Ledergriff dabei das ich nicht einordnen konnte.

Viel benutzt, oft nachgeschliffen, das Leder hart aber komplett...

Ich habe es gesäubert, eingeölt und als Skurilität aufbewahrt. ...

Hallo Sigtrygg,

Sicherlich war es sinnvoll, das "seltsam geformte Messer mit Ledergriff" gesäubert und eingeölt aufzubewahren.

Um uns allen einen besseren Eindruck von deinem Messer zu ermöglichen und zu klären, ob es sich überhaupt um ein Messer entsprechend der von Dir verlinkten Beschreibung handelt, ist es sicherlich sinnvoll, ein paar Fotos mit Details von Deinem Messer und Markierungen hier einzustellen.

Ich bin zunächst einmal skeptisch gegenüber den Veröffentlichungen zum Verwendungszweck, auch die zitierten Quellenangaben zeigen doch offenbar keine Hinweise auf den vom Hersteller bei Entwicklung und Fertigung dieses Messers vorgesehenen bestimmungsgemäßen Gebrauch.

Die von "Chamenos" aufgezeigte Erklärung erscheint mir zunächst einmal sehr überzeugend zu sein, dazu paßt ja wohl auch bestens der Hinweis als "Kornmesser" von "woz".
Der Messertyp "Garbenmesser" ist mir bekannt, dazu habe ich wohl auch einige Informationen.

Grüße
cut
 

cut

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Garbenmesser, Mordmesser, Srbosjek ]

... Auch nach etwas Internetrecherche scheint es so zu sein, dass es sich bei dem "Srbosjek" um eine spezielle Anfertigung handelt, und nicht um eine "Zweckentfremdung". ...

@ Nick,

sei doch bitte so freundlich und stell die Ergebnisse zu Deinen Internetrecherchen in Hinblick auf die "spezielle Anfertigung" hier ein.
Sicherlich erleichtert und beschleunigt das eine sachliche Bewertung.

Grüße
cut
 

[Nick]

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Moin cut,

das Ergebnis ist eben, dass ich außer der Angabe

"This knife was manufactured during World War II by German factory ''Gebrüder Gräfrath'' from Solingen-Widderit (which is still in existence today, albeit under another name) under a special order from the NDH government",

der darauf hindeutet, dass es sich bei dem im Artikel genannten Messer um eine "Sonderanfertigung" handelt, keinen Hinweis gefunden habe, dass es sich um klassisches Garbenmesser handeln könnte.

Hier findet sich der Hinweis auf den angeblichen Designer des Srbosjek namens Ante Pavelic, Führer des kroatischen Ustaschastaates NDH:

http://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Srbosjek_(knife)&diff=215040072&oldid=prev

Und hier noch Fotos sowie eine Zeichnung des Srbosjek:
http://www.arhivrs.org/jasenovac6.asp
 

ingoweimar

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Ich hab da mal ne dumme Frage, aber fällt so ein Messer eigentlich unter das Waffengesetz? Denn in Form und Handhabung finde ich es einem Faustmesser schon ähnlich.