Härtetemperatur SB1 [->WB, Zeiten, Vorwärmstufen]

AW: Härtetemperatur SB1

Und wer auf Nummer sicher mit der Temperatur bei der Trockeneis-Kältemischung (-80°C) gehen will, nimmt Aceton anstelle Spiritus - da liegt man schon bei -87°C und ist auch bei dickeren Geometrien entsprechend sicherer über den Umwandlungs-Sprungpunkt hinaus. Noch tiefer käme man sicherlich mit Äther (-95°C), nur wäre Äther im Gegensatz zum relativ leicht in den benötigten Litermengen verfügbaren Aceton nicht gerade handelsüblich und zu teuer und auch zu kitzlig in der Anwendung - Äther-Dämpfe sind in Puncto Explosivität nicht zu unterschätzen, während sich Spiritus und Aceton in dieser Hinsicht nicht sehr unterscheiden und gut handlebar sind.

-ZiLi-
 
AW: Härtetemperatur SB1

...wenn man sich auf die erstbeste Quelle verlässt. Macht man das im Dewar (also Thermosgefäß) anstelle des nicht gerade für seine Wärmeisolation bekannten Becherglases, kommen eher meine Werte dabei raus. Die Jungs auf der verlinkten Site haben ja nicht mal geschafft, bei den weniger tief gehenden Eis-Kältemischungen (mit Ausnahme der Kochsalz-Standardmischung) die erreichbaren Werte reproduzierbar zu erreichen - bei dem gelinde gesagt schlampigen Aufbau auch nicht wirklich verwunderlich... Schliesslich wird Isolation umso wichtiger, je weiter man sich von der Umgebungstemperatur entfernt.

-ZiLi-

Edit: Beim Klingen-TK mit Trockeneis-Lösungsmittel-Mischung dürften sich übrigens (wegen iher Robustheit) Edelstahl-Thermosflaschen mit einer zusätzlichen dünnen Schaum-Kunststoff-Isolierhülle (damit man sich nicht die Finger "verbrennt" - aber besser kein Styropor nehmen, das wird von verschüttetem Aceton 'gefressen'; PU-Schaum dürfte gut sein) ganz gut einsetzen lassen - und die dürften auch einem Dewar funktionell schon relativ nahe kommen. In der Laborpraxis vor vielen Jahren bin ich selbst (im Dewar-Gefäß) immer sehr nahe (<1K) an die Optimaltemperaturen rangekommen.
 
Zuletzt bearbeitet:
AW: Härtetemperatur SB1

Wenn du dich im Internet umschaust, findest du für die
die Kältemischung Trockeneis+Aceton eine Angabe von -78° bis -80° Grad Celsius.

Die von mir verlinkte Seite ist nicht das Erstbeste, was ich fand, sondernm ein Beispiel.

Es gibt noch andere Beispiele...

Aber die Hauptsache ist, das "wir" kälter als -70° C werden...
 
Zuletzt bearbeitet:
AW: Härtetemperatur SB1

sorry, aber ich hätt da noch mal eine frage...

Muß das Tiefkühlen direkt nach dem Härten erfolgen? Ich könnte immer erst einige Stunden nach dem Härten tiefkühlen (flüssiger Stickstoff), da der Stickstoff so weit vom Ofen entfernt ist und ich auch nicht wirklich mit 1 l flüssigem N2 zug fahren will...

ach ja, und dann nochwas, wenn ich flüssigen N2 habe, steck ich die Klinge da direkt reinstellen (und wie lange) oder auch besser noch ein Zwischenmedium benutzen...?

vielen Dank schon mal Steffen
 
AW: Härtetemperatur SB1

Hallo Steffen,

die Profis empfehlen ein sofortiges tiefkühlen (max. 2Stunden) nach dem Härten, weil der Restaustenit sich sonst bei Raumtemperatur stabilisiert und danach nicht mehr in Martensit umgewandelt werden kann.
So hab ich´s mal in Romans Buch gelesen.


Gruß Klaus
 
AW: Härtetemperatur SB1

na super! trotzdem danke!!!

muß ich mir halt doch noch mal überlegen wie ich den stickstoff zum ofen kriege...

nochmal danke! steffen
 
AW: Härtetemperatur SB1

Ich habe zu dem ganzen auch noch eine Frage.
Wozu wird der Stahl 2 mal vorerwärmt?
Würde es auch funktionieren, wenn man in nur auf eine Temperatur von 500°C vorerwärmt? Ich habe leider nur 2 Öfen zur Verfügung:(

Danke schonmal für Eure Hilfe!!
 
AW: Härtetemperatur SB1

Ich möchte die letzte Frage gern auch noch mal wiederholen.

Wie realisiert man die 2 Vorwärmstufen? Und welchen Sinn haben sie?

Grüße

Nils
 
AW: Härtetemperatur SB1

Das hat Roman in den letzten Wochen über mehrere threads verteilt erklärt, Aufwärmen/Vorwärmen/Vorwärmstufe(n) gilt für (fast) alle hochlegierten Stähle:
1. WB bei rostfreien/hochlegierten Stählen
2. Härten von 1.4112 fehlgeschlagen

Das waren jetzt nur zwei einzelne Antworten aus relativ aktuellen WB-Themen...

edit:
Den ausführlichen Beitrag, in dem alle WB-Temperaturschritte der Reihe nach gelistet sind, habe ich jetzt auf die Schnelle nicht gefunden, kann jeder für sich suchen.

Jedenfalls wird der 1.4153.03/SB1/Niolox in mehreren Beiträgen von AchimW, Jürgen, Roman und auch Mark23 WB-technisch mit dem 1.4112 gleichgestellt - nur bevor jetzt jemand kommt, "jaja, aber das ist keine Antwort auf die Frage nach dem SB1". Damit wären dann auch gleich alle gängigen Namen für diesen Stahl in einem Absatz genannt. Kann man auch in Jürgens Unterforum nachlesen, da wurde der Stahl seinerzeit bekanntgemacht :cool:

Gruß Andreas
 
Zuletzt bearbeitet:
AW: Härtetemperatur SB1

Das ich nochmal ein *RTFM* Post bekomme...

Nein, ich habe meine Frage nicht gut gestellt, die threads hatte ich gelesen. Kann ich eine korrekte Härtung hinbekommen, wenn ich im 1. Ofen den Stahl in Härtefolie bei der ersten Vorwärmtemperatur einlege und dann im gleichen Ofen auf die zweite Temperaturstufe aufheize. Dann in den 2. Ofen für die Härtetemperatur, dann TK, dann anlassen.

Da wollte ich eigentlich wissen, oder darf das langsame Aufheizen bei Niolox von 400 auf 650 Grad nicht sein?

Nils
 
AW: Härtetemperatur SB1

Hier wird wieder mal Aufwand und Geheimnistuerei betrieben, weil man sich nicht klarmacht, was die Erwärmungsstufen bezwecken.
Sie werden eingeschaltet, nicht weil sich beim Vorwärmen irgendwelche geheimnisvollen Vorgänge im Stahl abspielen. Es spielt sich nämlich im Prinzip gar nichts ab.
Geht man von gut vorbehandeltem Gefüge mit feinem Matrix- und Karbidkorn (falls vorhanden) aus, so tut sich unter AC 1 erst mal nichts.
Weil die hochlegierten Stähle schlechtere Wärmeleiter sind, würde bei schneller Erwärmung die Außenseite und in unserem Fall die dünne Schneide in der Erwärmung voreilen, was wiederum Wärmespannungen zur Folge hätte, die durchaus zu Verzug und Rissen führen können.
Das umgeht man mit den Vorwärmestufen, die insbesondere bei Härtebädern wegen des dort stattfindenden schnellen Wärmeübergangs erforderlich sind.
Vom Härtetechnischen aus gesehen kann man genau so gut eine Klinge mit dem Ofen von Raumtemperatur aus langsam hochfahren.
Das Ergebnis wird nicht besser oder schlechter sein als bei 87 Vorwärmestufen. Es dauert allerdings länger, als wenn man stufenweise in entsprechende Bäder steckt und die Oberfläche könnte leiden, wen man da nicht sinnvolle Vorkehrungen trifft.

Was die Härtetemperatur beim SB 1 betrifft-Warum soll sie von der bei a l l e n hochlegierten martensitisch umwandelnden korrosionsbeständigen Stählen unterschieden sein ?. Diese Stähle bieten eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten, von Härten am unteren Rand des Temperaturfensters (hier etwa 1020 Grad) und niedrigem Anlassen bis zum Abschrecken von hoher Temperatur und Anlassen im Sekundärhärtemaximum-Ich erinnere: Für den 154 CM wurde ursprünglich mal eine Haltezeit von 2 Stunden auf 1080 Grad empfohlen. Ich habe das abgewandelt, bin mit der Temperatur noch etwas höher gegangen, habe die Haltezeit abgekürzt und im Dunkeln auf gerade erkennbare Braunglut angelassen-mehrfach und dabei ca 60 HRC erzielt.
Wunder kommen dabei weder so noch so heraus. Roman hat mal den 1.4111 einer Unzahl verschiedener Wärmebehandlungen unterzogen in der Hoffnung, die Karbidstruktur zu verfeinern. Das blieb erwartungsgemäß erfolglos.

Freundliche Grüße

U. Gerfin
 
AW: Härtetemperatur SB1

d.h. die vorwärmstufen um unnötige spannungen zu erzeugen und damit härteverzug vorzubeugen ? hab ich das nun richtig verstanden?
 
AW: Härtetemperatur SB1

Nee Jürgen, vermutlich nicht ganz. "Der" Härteverzug, den Du vermutlich im Hinterkopf hast, ist der "andere", bedingt durch rein mechanische Spannung mittels Scherenschnitt oder Walzhaut oder vor dem Härten schon verwundenes Material.

Dieser hier, wegen der die Vor- bzw. Aufwärmstufe noch mal erklärt wird, ist wohl eher ein rein thermisch bedingter Härteverzug, weil der Werkstückkern (bzw. der massivere Teil dessen) dem Temperaturanstieg nicht so schnell nachkommt, wie der Aussenbereich vorauseilt. Die Vorwärmstufen sollen eine temperaturbedingte Spannung verhindern, ist quasi ein zeitlicher Ausgleich, um dem Kern (dem massiveren Bereich des Werkstücks) die Chance zu geben, ebenfalls auf gleiche Temperatur zu kommen.

Ist wie im Kuchen, wo die Kruste schon "durch" ist, aber innen drin noch alles breiig, obwohl die Backtemperatur und die eigentliche Backzeit korrekt war - ich hoffe, der Vergleich passt halbwegs.

Diese Differenz allein kann Verzug oder Riss verursachen. Der andere "normale" Verzug, der durch Spannungsarmglühen im Voraus korrigiert/vermieden werden kann, käme dann noch dazu.

Gruß Andreas
 
AW: Härtetemperatur SB1

nö - ich meinte schon verzug der durch das härten ensteht ( entstehen könnte).
den "anderen" könnte man ja durch spannungsarmglühen "ausschalten"..
 
Zurück