Pampa
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Hallo zusammen,
im Nachfolgenden eine kleine Kurzvorstellung eines Neuzuganges über den ich mich sehr gefreut habe und der mittlerweile auch seinen Platz festen Platz an der Leiste erkämpft hat.
Kurzes Vorabgeplänkel:
Der Stil der Messer von Michl (AVAV) hat mich schon länger angesprochen und so habe ich dann einfach mal Anfang diesen Jahres eine Anfrage gestellt aus der dann relativ flott ein mega netter Gedankenaustausch via Nachrichten und Telefonaten wurde.
Angefragt habe ich ein Gyuto Monostahl mit beidseitiger Hohlkehle, ausgeführt als Flacherl. Habe noch (wie es glaub mehreren hier bekannt sein könnte..) diese Angaben mit einer satten Liste Spec´s garniert. So bleibt dem Messermacher gleich vom ersten Moment an die Möglichkeit offen zu sagen "..du bist doch deppert, mach ich nicht, such dir jemand anders.."
Erfreulicherweise war das hier nicht der Fall..
Tatsächlich schaltete der werte Herr nach den ersten Gesprächen sogar in einen Vollgas-Modus, dass einem schon fast schlecht werden konnte und ließ mich auch an dem Produktionsprozess durch regelmäßige Bilderupdates quasi hautnah dabeisein.
Ich möchte auch gar nicht lange rumsabbeln, soll ja schließlich eine Kurzvorstellung werden und kein Epos tolkienschen Ausmaßes..
Das ist rausgekommen:
Hier mal ein paar nackte Daten des neuen Schneidwerkzeuges:
Stahl ist 1.2419, gehärtet auf ca. 62/63 HRC
Klingenlänge scharf ~23 cm
Klingenhöhe am Kehl ~58mm
Moderater Taper von ca. 3,3mm am Griff auf 0,34mm (1cm vor der Spitze)
beidseitige Hohlkehle
Flacherl mit getapertem Erl
Schwerpunkt ca. 2cm in der Klinge vom Kehl weg
Griffmaterial Zwetschge (heimisches Holz)
Generell kann ich sagen, dass das Fit&Finish durchgehend solide ausgeführt ist.
Alle Kanten und Ecken die stören könnten sind sauber verrundet und angenehm zu greifen. Optisch z.T. leicht rustikal ausgeführt, haptisch aber keinerlei Beanstandungen.
Lediglich bei den Griffschalen hätte das Holz noch etwas genauer angepasst werden können.
Das ist aber meckern auf hohem Niveau, der Gebrauchseigenschaft dieses Messers tut das genau null komma null Abbruch.
Man muss fairerweise auch dazusagen, dass durch meinen Wunsch nach einem "tapered tang" die Anpassung der Griffschalen ungleich schwieriger wurde. Diese Tatsache gepaart mit der unsichtbaren Verstiftung war für den Erbauer glaub ein eher unangenehmes Stück Arbeit. Das Resultat ist trotzdem super geworden.
Der leichte Überstand des Erls zu den Griffschalen wurde bewusst durch den Erbauer so ausgeführt und ist eine rein optische Spielerei. Mich persönlich stört das im Pinchgrip nicht die Bohne, ich könnte mir aber vorstellen, dass bei anderer Griffart die Kante irgendwann unangenehm werden könnte.
Dazu sei aber auch gesagt, dass ich lediglich für den Heimgebrauch eines 4-Personen-Haushalts koche und nicht in der Gastro.
Zur Geometrie muss ich auch noch etwas loswerden.
Vorab habe ich versucht (!!) ein Bild davon zu machen:
Ergänzend dazu noch ein paar Worte:
Der Bereich zwischen Schneide und Beginn Hohlkehle ist leicht ballig.
Von der Hohlkehle bis Klingenrücken wieder ebenfalls leicht ballig, das Resultat daraus ist also, dass der dickste Punkt der Klinge nicht am Klingenrücken sondern ca. 10-15mm in der Klinge liegt. Evtl. hilft das der besseren Beurteilung der o.g. Maße des Klingenrückens..
Ob ich hier jetzt in der Gesamtheit von einem Walkschliff sprechen würde habe ich mit mir selbst noch nicht ganz ausgemacht. Wenn dann von einem "leichten Walkschliff"..
Der Anschliff des Messers war i.O., wurde von Michl mit System angebracht, gefinisht mit einem JNat (grad kein Plan was für einer).
So, jetzt wirds wieder subjektiv.. mir persönlich war der Schnitt zu "rupfig". Das hört sich jetzt schlimmer an als es ist - wirklich..
Habe dann selbst einen systemgeführten Schliff mit synthetischen Schleifsteinen angebracht, spaßeshalber bis 8k glaub, mit 18°Grad pro Seite ohne MF.
Tatsächlich hat mir danach das Schnittgefühl viel besser zugesagt.
Generell würde ich das Messer irgendwo zwischen einem Userfriendly und einem Laser einordnen (mit Tendenz Richtung UF).
Für mich persönlich könnte das Messer noch etwas (!!) dünner ausgeschliffen sein, Michl hat auch sofort angeboten noch einmal nachzuarbeiten, Fleisch wäre noch genug da. Nach ein paar Wochen Gebrauch habe ich aber beschlossen, dass das Messer vorerst so bleibt wie es ist.
Das Schnittgut was bisher anstand war durchgehend angenehm zu schneiden, Zwiebeln lassen sich fein einschneiden ohne haken und bremsen, auch gröbere Sachen wie z.B. Sellerieknolle, Weißkohl, etc hat die Klinge brav gefressen ohne irgendwo ne Notbremse reinzuhauen oder sich plastisch zu verformen.
Zwischenzeitlich ist das Messer für mich so eine Art No-Brainer geworden (jaja.. scheiß Anglizismen überall..).
Da das Messer mit Hohlkehle ausgeführt ist muss ich gezwungenermaßen das Thema Schnittgutfreisetzung auch kurz ansprechen.
Anmerken möchte ich, dass das Messer nicht auf Schnittgutfreisetzung optimiert ist, das war allerdings auch nicht gefordert.
Ich würde soweit gehen und sagen, dass die Gene dazu vorhanden sind aber noch nicht konsequent und ausgeprägt verfolgt wurden.
Die Hohlkehle setzt einfach zu weit oben an, auch eine klare Abscherkante ist nicht gegeben. Dazu hätte man den Schliff noch konsequenter ausführen können, das hätte allerdings auch ganz anderes Ausgangsmaterial erfordert.
Bei gröberem Schnittgut wie z.B. Karottenscheiben tut die Hohlkehle aber brav ihren Dienst und das Schnittgut bleibt größtenteils nicht an der Klinge kleben, das was dranbleibt lässt sich problemlos abschütteln/abstreifen ohne dass man meint man hätte ne Sorte erwischt die von UHU verkauft wurde..
Bei feinerem Schnittgut, z.B. wenn eine Zwiebel gewürfelt wird dann setzt das Schnittgut halt auch hier zur munteren Bergwanderung an, da keine Abscherkante gegeben ist
Mein Fazit also:
Ein grundsolides, tolles Messer mit fairem Preis-Leistungs-Verhältnis, welches bedenkenlos als genau das Werkzeug eingesetzt werden kann als das es erbaut wurde.
Auch hier habe ich für mich wieder ein paar Sachen mitgenommen, die ich ggf. bei zukünftigen Messern mit einfließen lassen kann, im Großen und Ganzen habe ich aber ziemlich genau das erhalten was ich wollte.
Eine wirklich absolute Empfehlung geht an Michl (AVAV), die Kommunikation und alles drumherum war wirklich super nett und vorbildlich.
Ich kann jedem der es sich überlegt nur nahelegen, dass er sich mit ihm in Verbindung setzt und ihm eine Chance gibt.
Abschließend noch ein paar Bilder der Herstellung mit freundlicher Genehmigung des Erbauers:
im Nachfolgenden eine kleine Kurzvorstellung eines Neuzuganges über den ich mich sehr gefreut habe und der mittlerweile auch seinen Platz festen Platz an der Leiste erkämpft hat.
Kurzes Vorabgeplänkel:
Der Stil der Messer von Michl (AVAV) hat mich schon länger angesprochen und so habe ich dann einfach mal Anfang diesen Jahres eine Anfrage gestellt aus der dann relativ flott ein mega netter Gedankenaustausch via Nachrichten und Telefonaten wurde.
Angefragt habe ich ein Gyuto Monostahl mit beidseitiger Hohlkehle, ausgeführt als Flacherl. Habe noch (wie es glaub mehreren hier bekannt sein könnte..) diese Angaben mit einer satten Liste Spec´s garniert. So bleibt dem Messermacher gleich vom ersten Moment an die Möglichkeit offen zu sagen "..du bist doch deppert, mach ich nicht, such dir jemand anders.."
Erfreulicherweise war das hier nicht der Fall..
Tatsächlich schaltete der werte Herr nach den ersten Gesprächen sogar in einen Vollgas-Modus, dass einem schon fast schlecht werden konnte und ließ mich auch an dem Produktionsprozess durch regelmäßige Bilderupdates quasi hautnah dabeisein.
Ich möchte auch gar nicht lange rumsabbeln, soll ja schließlich eine Kurzvorstellung werden und kein Epos tolkienschen Ausmaßes..
Das ist rausgekommen:
Hier mal ein paar nackte Daten des neuen Schneidwerkzeuges:
Stahl ist 1.2419, gehärtet auf ca. 62/63 HRC
Klingenlänge scharf ~23 cm
Klingenhöhe am Kehl ~58mm
Moderater Taper von ca. 3,3mm am Griff auf 0,34mm (1cm vor der Spitze)
beidseitige Hohlkehle
Flacherl mit getapertem Erl
Schwerpunkt ca. 2cm in der Klinge vom Kehl weg
Griffmaterial Zwetschge (heimisches Holz)
Generell kann ich sagen, dass das Fit&Finish durchgehend solide ausgeführt ist.
Alle Kanten und Ecken die stören könnten sind sauber verrundet und angenehm zu greifen. Optisch z.T. leicht rustikal ausgeführt, haptisch aber keinerlei Beanstandungen.
Lediglich bei den Griffschalen hätte das Holz noch etwas genauer angepasst werden können.
Das ist aber meckern auf hohem Niveau, der Gebrauchseigenschaft dieses Messers tut das genau null komma null Abbruch.
Man muss fairerweise auch dazusagen, dass durch meinen Wunsch nach einem "tapered tang" die Anpassung der Griffschalen ungleich schwieriger wurde. Diese Tatsache gepaart mit der unsichtbaren Verstiftung war für den Erbauer glaub ein eher unangenehmes Stück Arbeit. Das Resultat ist trotzdem super geworden.
Der leichte Überstand des Erls zu den Griffschalen wurde bewusst durch den Erbauer so ausgeführt und ist eine rein optische Spielerei. Mich persönlich stört das im Pinchgrip nicht die Bohne, ich könnte mir aber vorstellen, dass bei anderer Griffart die Kante irgendwann unangenehm werden könnte.
Dazu sei aber auch gesagt, dass ich lediglich für den Heimgebrauch eines 4-Personen-Haushalts koche und nicht in der Gastro.
Zur Geometrie muss ich auch noch etwas loswerden.
Vorab habe ich versucht (!!) ein Bild davon zu machen:
Ergänzend dazu noch ein paar Worte:
Der Bereich zwischen Schneide und Beginn Hohlkehle ist leicht ballig.
Von der Hohlkehle bis Klingenrücken wieder ebenfalls leicht ballig, das Resultat daraus ist also, dass der dickste Punkt der Klinge nicht am Klingenrücken sondern ca. 10-15mm in der Klinge liegt. Evtl. hilft das der besseren Beurteilung der o.g. Maße des Klingenrückens..
Ob ich hier jetzt in der Gesamtheit von einem Walkschliff sprechen würde habe ich mit mir selbst noch nicht ganz ausgemacht. Wenn dann von einem "leichten Walkschliff"..
Der Anschliff des Messers war i.O., wurde von Michl mit System angebracht, gefinisht mit einem JNat (grad kein Plan was für einer).
So, jetzt wirds wieder subjektiv.. mir persönlich war der Schnitt zu "rupfig". Das hört sich jetzt schlimmer an als es ist - wirklich..
Habe dann selbst einen systemgeführten Schliff mit synthetischen Schleifsteinen angebracht, spaßeshalber bis 8k glaub, mit 18°Grad pro Seite ohne MF.
Tatsächlich hat mir danach das Schnittgefühl viel besser zugesagt.
Generell würde ich das Messer irgendwo zwischen einem Userfriendly und einem Laser einordnen (mit Tendenz Richtung UF).
Für mich persönlich könnte das Messer noch etwas (!!) dünner ausgeschliffen sein, Michl hat auch sofort angeboten noch einmal nachzuarbeiten, Fleisch wäre noch genug da. Nach ein paar Wochen Gebrauch habe ich aber beschlossen, dass das Messer vorerst so bleibt wie es ist.
Das Schnittgut was bisher anstand war durchgehend angenehm zu schneiden, Zwiebeln lassen sich fein einschneiden ohne haken und bremsen, auch gröbere Sachen wie z.B. Sellerieknolle, Weißkohl, etc hat die Klinge brav gefressen ohne irgendwo ne Notbremse reinzuhauen oder sich plastisch zu verformen.
Zwischenzeitlich ist das Messer für mich so eine Art No-Brainer geworden (jaja.. scheiß Anglizismen überall..).
Da das Messer mit Hohlkehle ausgeführt ist muss ich gezwungenermaßen das Thema Schnittgutfreisetzung auch kurz ansprechen.
Anmerken möchte ich, dass das Messer nicht auf Schnittgutfreisetzung optimiert ist, das war allerdings auch nicht gefordert.
Ich würde soweit gehen und sagen, dass die Gene dazu vorhanden sind aber noch nicht konsequent und ausgeprägt verfolgt wurden.
Die Hohlkehle setzt einfach zu weit oben an, auch eine klare Abscherkante ist nicht gegeben. Dazu hätte man den Schliff noch konsequenter ausführen können, das hätte allerdings auch ganz anderes Ausgangsmaterial erfordert.
Bei gröberem Schnittgut wie z.B. Karottenscheiben tut die Hohlkehle aber brav ihren Dienst und das Schnittgut bleibt größtenteils nicht an der Klinge kleben, das was dranbleibt lässt sich problemlos abschütteln/abstreifen ohne dass man meint man hätte ne Sorte erwischt die von UHU verkauft wurde..
Bei feinerem Schnittgut, z.B. wenn eine Zwiebel gewürfelt wird dann setzt das Schnittgut halt auch hier zur munteren Bergwanderung an, da keine Abscherkante gegeben ist
Mein Fazit also:
Ein grundsolides, tolles Messer mit fairem Preis-Leistungs-Verhältnis, welches bedenkenlos als genau das Werkzeug eingesetzt werden kann als das es erbaut wurde.
Auch hier habe ich für mich wieder ein paar Sachen mitgenommen, die ich ggf. bei zukünftigen Messern mit einfließen lassen kann, im Großen und Ganzen habe ich aber ziemlich genau das erhalten was ich wollte.
Eine wirklich absolute Empfehlung geht an Michl (AVAV), die Kommunikation und alles drumherum war wirklich super nett und vorbildlich.
Ich kann jedem der es sich überlegt nur nahelegen, dass er sich mit ihm in Verbindung setzt und ihm eine Chance gibt.
Abschließend noch ein paar Bilder der Herstellung mit freundlicher Genehmigung des Erbauers: