Maresch Seekuh Linerlock - ein Sackmesser für die Burg

pebe

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Maresch Seekuh Linerlock - ein Sackmesser für die Burg


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Es kam, wie es kommen musste.

Jedenfalls. Mir schwante es von Anfang an. Nachdem das amtliche Burgmesser bei mir eingezogen war, wurde schnell klar, dass irgendwann ein weiteres Messer mit der Lizenz zum Tafelplatz folgen musste.

Einen guten Grund hierzu hatte ich mir geschickter Weise auch schon zurecht gelegt.

Denn. Um das noble Burgmesser zu schonen - wer schickt schon einen Edelmann der Tafelrunde zur Arbeit in die Küche oder auf‘s Feld - braucht es halt noch eine einfachere Variante. 😜


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Nun denn.

Mein vorhandenes Burgmesser läßt sich aus meiner Sicht ohnehin nicht mehr übertrumpfen. Es ist ebenso stimmig wie perfekt verarbeitet in jeder Hinsicht.

Maresch Burgmesser

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Also.

Obwohl ich größter Fan von dem hauseigenen Damast bin und davon auch zweie besitze, musste ich diesmal einigermaßen widerwillig darauf verzichten und somit ist es ein Wolframstahl geworden - der 1.2442 Stahl mit 62/63 HRc.

Weil. Nur Arbeitsmesser und so. 😩

Denn. Wolframstahl ist gut zäh, hält ordentlich die Kante, läßt sich fein ausschleifen und ist dabei konkurrenzlos einfach mit einem Sieger Longlife auf sehr hohem Schärfeniveau zu halten.

Ich mag diese typischen Wolframstähle wegen dieser guten Eigenschaften generell sehr gerne. Wäre da nur nicht das leidige Rostthema, das mich in der Vergangenheit oft vom Kauf abhielt.

Industrielles coating, also Beschichtung, kann hier zwar helfen, ist aber in Regel optisch überhaupt nicht mein Ding - nicht mal an taktischen Messern.

Und. Jeder Einsatz jenseits von Salami und Weichkäse sorgt für ein Erscheinungsbild so gefällig, wie ein verkratzter Hochglanz-Steinwayflügel.

Brünierung oder Oxidation hingegen, gleichen bei Gebrauch eher Spuren einer natürlichen Alterung. Die Spuren sind weniger punktuell, der Abrieb passiert weiträumiger mit Verläufen.

Allerdings, gleichmäßig und schön Brünieren oder Patinieren, kann nicht jeder. Und ein solches passt auch nicht zu jedem Messer.

Hier passt jedoch alles.


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Meine bevorzugten Griffmaterialien sind regelmäßig Zahn und Horn oder auch Knochen. Horn ist am griffigsten, weißer Zahn am edelsten. Für glatte Oberfläche mit Zeichnung sind Rippenknochen hervorragend geeignet.

Hier sticht besonders die fossile Stellersche Seekuh hervor. Deren Knochen ist besonders hart mit dichter Struktur in schönen Erdtönen und läßt sich zudem gut polieren. Ein Klassiker im Messerbau für besondere Messer (von wegen einfach). 😆

In meinem Fall, ein besonders schönes Exemplar, wie ich finde und wie gehabt, mit etwas Überstand.

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Eine Seekuh passt auch ziemlich gut zu einer oxidativen Klingenbehandlung. Mathias hat hier beim Sackmesser zu seinen Hausmitteln gegriffen, die mir jedoch bekannt sind.

Und. Schwarzwaldspucke kommt darin nicht vor. 😋

Dieses Patinieren hat generell den Vorteil, dass ich selbige zum einen rückstandstandslos wieder entfernen und zweitens bei Bedarf selbst nachpatinieren kann. Bei den anderen Behandlungen funktioniert das weniger gut bis gar nicht.

Und dann. Der Hosensack Maresch ist der leichtere Zwilling vom Burgmesser. Die Klinge hat 2,6mm statt 2,9mm, die Scales sind einen Ticken schmaler und das Paket wiegt nur 106g statt 114g. Die Klinge ist hier mit 8,9cm dabei nur einen Milimeter kürzer.

Ich kann das wohlwollende Nicken von @Virgil4 aka Virgil IV von und zu dem kaiserlichem Throngestühl förmlich spüren.

Schneidteufel mit Hosentaschengewicht.

Das Ganze natürlich in der gewohnt präzisen Bauweise, die Klinge läuft seidig weich und der Lock ist beim Lösen sogar der samtigste meiner Maresch Trilogie. Chapeau.

Ich bin mal wieder vollständig zufrieden mit meinem besonderen Fang aus der Staufener Schmiede und werde nicht müde, die Fähigkeiten des Schmiedemeisters hervorzuheben.

Und die Moral von der Geschichte?


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Ein Maresch ist zwar meistens schlicht, aber nie nur ein einfaches Messer. Denn. Ein Maresch ist immer ein Maresch.

Dröpje voor Dröpje - Kwaliteit.

Euch allen ein schönes Wochenende.

grüsse, pebe
 
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Wie sind denn, neben der erwähnten Klingenstärke, die weiteren Abmessungen des guten Stücks? Auf den Bildern fehlen die Relationen, so dass die Maße schwer einzuschätzen sind. Meines ist ja eher ein größerer Vertreter mit ca. 11 cm Klingenlänge und mit knapp 160g kein Leichtmatrose.
 
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Glückwunsch @pebe zu dem Maresch-Worker, damit das edle geschont in der Vitrine bleiben kann. Das Gesamtbild mit der patinierten Klinge ist total stimmig, ein Maresch halt! Seekuh in seiner Vielfalt ist zumindest meine bevorzugte Wahl an Griffen, also auch da 1+.

Die Freude daran ist dir gewiss!

Abu
 
damit das edle geschont in der Vitrine bleiben kann.

Ich sach‘ nur - Alibi. 😆

Der tatsächliche Unterschied ist, dass die ohnehin schlankere Seekuh ohne Hülle in die Hosentasche kann, was schon mal einen häufigeren Einsatz ermöglichen sollte.

grüsse, pebe
 
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