Nakiri Sumō by Fabian Jaeger

pebe

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Nakiri Sumō by Fabian Jaeger


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Ein Nakiri nach Wunsch war das letzte fehlende Messer für unsere Küche.

Hoffentlich. 😋

Mein Herder K-Nakiri in rostfrei, systemisch fein ausgeschliffen, befriedigt eigentlich bestens mein Verlangen nach feinsten Lauchröllchen und Paprikastreifen bei pflegeleichter Schärfe.

Eigentlich. Aber. Dann doch.

Bei der K-Serie sind die Flanken stark ansaugend, wie bei den meisten schlichten Lasern und Halblasern. Bei Schnittlauch& Co. kommt das weniger hinderlich zum Tragen - bei rohen Kartoffeln und anderem feuchtflächigen Gemüse schon.

Hier klebt‘s nicht nur lästig an der Flanke, sondern der Schnitt wird bei gemächlichem Arbeiten zuweilen sogar etwas gebremst.

Und. Es sind leichte Klingen. Das ist zunächst kein Nachteil - leichtgewichtiges Gemüse im feinsten Endzustand läßt sich damit für meinen Geschmack auch am leichtgängigsten zubereiten.

Aber. Bei mehr Widerstand kommt schon mal ein brüchiges Glasgefühl auf.

Das Gegenstück hierzu ist dann natürlich kein Solinger Dickeisen, sondern ein balliges Workhorse wie mein Masterpiece Gyuto von Fabian.

Das schneidet einfach alles - ist aber zuweilen mit Kanone auf Spatzen schießen, braucht halt auch einen größeren Arbeitsplatz und für 3 Tomaten holt noch nicht mal ein Messerspinner wie ich, das große Brett auf den Tresen.

Here we go.

Das Sumō hat ein Schneidblatt von 18,5 cm Länge bei 57mm Höhe und ist vollständig aus Apex Ultra Stahl auf 66 HRC gehärtet. Die Klinge kommt mit satten 6,7mm aus dem Griff und tapered dann zügig auf knapp 1,5mm vorne.


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Der Schwerpunkt liegt kurz vorm Logo - dass Gesamtgewicht von 222g ist stramm, empfinde ich aber hier sehr ausgewogen stabil und keineswegs schwer - Zahlen sind nicht alles.

Jedenfalls. In meiner großen Hand ist das Sumō schlicht und ergreifend perfekt. Nach Größe, Form und Gewicht. Traumhaftes Handling!

Die Flanken sind ungewöhnlich längsformatig gehämmert - man könnte auch Tsuchime Ryōshi schreiben oder neudeutsch Jäger‘s Hammerschlag. 😋

Wunschgemäß weit runter gearbeitet, zwischen 1 und 1,5cm oberhalb der Schneidfase. Das ist natürlich in erster Linie für besseren Foodrelease gedacht, gibt aber gleichzeitig dem schnödem Monostahl auch eine tolle Optik - die Klinge hat fast schon Skulpturcharakter.


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Die Flanken sind vom Rücken flach runtergeschliffen - erst im ungehämmerten Teil geht‘s in eine ballige Kurve. Das reicht tatsächlich für den angedachten Einsatz und hilft nebenbei auch etwas, das Gewicht zu reduzieren.

Die Schneidfase - ein Hauch von Nix.


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Ich bin noch nicht alle relevanten Gemüsesorten durch, meine aber schon jetzt, dass das Sumō zu den Guten beim Foodrelease gehört - rohe Kartoffeln sind jedenfalls eine Freude.

Der Griff ist nach Vorgabe ein Rokkaku Hanmaru Griff, also ein Mix aus Rundung und Kanten.


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Als Griffmaterial habe ich mir dunkle Mooreiche ausgesucht, eines meiner Lieblingshölzer. Wenig empfindlich, mit seiner Struktur etwas lebendiger als andere sehr dunkle Hölzer und passend zum eher rustikalen Erscheinungsbild des Nakiri.

Ähnliche Überlegungen gab es zur Zwinge. Und eine Zwinge sollte dieses Custom unbedingt haben.

Ich war eine Weile versucht, das Sumō als Halbintegral mit Rokkaku Hanmaru aus Carbon zu nehmen, vielleicht auch mit der Mooreiche - ein gehämmertes integrales Bolster passend zur Klinge wäre sehr schlüssig gewesen und ganz sicher auch besonders geworden.

Fabian hatte schöne Beispiele seiner neuesten Technik hier im MesserForum vorgestellt.


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Aber. Am Ende wollte ich doch lieber ich eine spezielle Burg Edition. Ein Unikat.

Hier überlies ich vertrauensvoll die Entscheidung Fabian, was er mit meiner Vorgabe einer rostfreien und bearbeiteten Metallzwinge anstellen würde - und wurde nicht enttäuscht.

Es ist ein aufgeglühter VA Stahl geworden. Farblich ist das ein Spiel von Bronze, Schwarz und Struktur und bildet wunderbar ein drittes Element, das den gewünschten, leicht archaischen Charakter unterstreicht.

Das Ganze natürlich perfekt stufenfrei an die Rokkaku Hanmaru Form angepasst, eine minimale Spalte mit gerundeten Kanten dazwischen, auch Heirloom Fit genannt, lässt dem Holz etwas Platz für mögliche Bewegungen und verhindert damit fühlbare Kanten im Zeitablauf.

Anders gesagt, passgenau zusammengefügte Kanten, Stoss auf Stoss, sind zwangsläufig scharfkantig geschliffen. Schrumpft oder dehnt sich eines der unterschiedlichen Materialen auch nur minimal aus, wird auch die kleinste scharfe Kante fühlbar.

Sicherlich kein zwingend erforderliches Muss, aber in jedem Fall eine schöne Reminiszenz an die Handwerkskunst.


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Welche Länge, Höhe, Breite, Spitze, Gewicht, Bauch oder Griff am Messer ist eine Frage der Vorlieben und der Erfahrungen. Wer viel kennt, weiß besser zu benennen, womit er gerne oder besser arbeitet - es bleibt eine subjektive Betrachtung, auch wenn es objektiv darstellbare Kriterien gibt.

Das Sumō ist etwas größer, aber vor allem deutlich wuchtiger als das Herder Nakiri, verlangt bei kleinsten Teilen schon etwas mehr Routine, geht dafür aber auch bei den größeren und deftigeren Teilen souverän ans Werk.

Es hat ein bisschen Anleihen in Richtung chinesisches Kochmesser - anders gesagt, es könnte mir persönlich auch als Hauptmesser taugen. Die Mengen in unserem Haushalt ohne Gäste verlangen nicht nach bequemen Wiegeschnitt.

Und so ist es ein Genau mein Ding Messer geworden.

Oder. Gehobene Schmiedekunst für die Burgküche. Etwas archaisch angehaucht, aber dennoch unverkennbar mit der Raffinesse eines sorgsam gefertigten Customs - genau so war die Vorgabe an‘s Burgtor genagelt und genau so hat der Burgschmied für die Küche geliefert. 😍


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Qualität ist weniger subjektiv - wieviel man davon braucht hingegen schon.

Materialien und Verarbeitungsniveau sind die einen Komponenten, Stahlbehandlung und die exakte Umsetzung einer gewollten Geometrie die anderen.

So ein Custom wie das Sumō von Fabian ist dann der Gipfel der Möglichkeiten.

Jeder gestaltbare Punkt ist individuell umgesetzt. Dass so ein Messer technisch auch so funktioniert und in jedem Detail auch so aussieht wie erwartet, ist die Meisterschule des Messermachens.

Solche Messer kann man auch nicht nur nach werkzeuglichen Gesichtpunkten beurteilen. Das wird diesen Messern einfach nicht gerecht.

Es ist auch ein sinnliches Vergnügen. Und das bei profaner Küchenschnibbelarbeit. Ich fürchte, in nächster Zeit gibt es häufig und reichlich Bratkartoffeln auf der Burg.

Mit dem Sumō sind alle meine Küchenmesserwünsche erfüllt, vorerst kehrt auch hier endlich Ruhe ein. 😬

Mein herzlichen Dank an Fabian Jaeger für diese herrliche Arbeit und Euch allen ein schönes Wochenende.

grüsse, pebe
 
Zuletzt bearbeitet:
Glückwunsch zum Sumō Nakiri! Ein Echtes Meisterstück!
Alle Eigenschaften des Messers sind, mit Blick auf die Anwendung, nachvollziehbar sinnvoll und ergeben ein sehr stimmiges Gesamtkonzept.
Obwohl ich kein Nakiri-Nutzer bin, könnte ich mich mit einem Messer, das so wie hier umgesetzt ist sofort anfreunden.

Viel Spaß damit!

Gruß, Andreas
 
Sehr cool und von Fabian wie zu erwarten toll umgesetzt.
Ich bin auch in freudiger Erwartung eines Gyutos vom Meister, da hab ich mich frech von einem Küchen-Knappen inspirieren lassen.

Greez,
Wischi
 
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