Und Rothirsch taugt doch !

flintenkoffer

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Nachdem das Thema "Rothirsch=Müll / Sambar=super" immer mal wieder kontrovers diskutiert wird, stelle ich hier mal ein Bildchen, damit man mal sieht, wovon wir eigentlich sprechen.

Alle 4 Stangenabschnitte sind europäischer Rothirsch. Die beiden mittleren sind extrem schlecht, die linke ganz gut, die rechte wunderbar. Es ist oft schlechter als Sambar, aber eben nicht immer. UND: ein gutes Stück vom Rothirsch ist besser als ein schlechtes vom Sambar (jaja, der Braten auch...). Und allemal preiswerter.

Und jetzt behaupte hier keiner mehr, dass Rothirsch gar nicht geht.

miniimg0764as7.jpg
 
Danke. Find ich klasse, dass Du als Rothirsch-Verfechter trotzdem alle Abstufungen zeigst. Nochmals danke für das Bild.
 
Hallo,
da ich wie flintenkoffer ein Verfechter der Hirschhornware bin, kann ich nur dem gesagten Wort von flintenkoffer zustimmen. Ich habe mehrere Messer mit Hirschhornbeschalung vom Rotwild und kann nur gutes über das Material berichten. Da verzieht sich nichts,da bricht nichts,die Ware wird mit Gebrauch auch immer schöner.(Patina)
Für mich, DAS Griffmaterial schlechthin!

Dizzy
 
Hallo Flintenkoffer.

Ein befreundeter Waidmann hat mir mal eine Abwurfstange, die über
50 Jahre alt war geschenkt. Stammte noch von seinem Vater.
Die Qualität stimmt mit dem auf Deinem Foto links abgebildeten
Abschnitt überein.
Inwieweit ist meine Information korrekt, dass durch die heutige
Nahrung der Tiere das Hirschhorn im Kern poröser ist ?? (Jägerlatein, oder??)

Wünsche noch ein schönes Wochenende.
Willy Grey Eyes
 
Da ich noch nie ein Messer mit Hornschalen /-griffen hatte, mal eine Frage. Wie ist denn die "Griffigkeit" dieses Naturmaterials in Kombination mit Nässe (Handschweiß, Schweiß,...)? Ich hatte immer bedenken, daß das Hornmaterial dann rutschig wird. Da aber traditionsgemäß Horn im jadlichen Einsatz Verwendung findet, liege ich wohl falsch mit meiner Einschätzung, oder?
Finden bei dir, Dizzy, "behörnte" Messer auf der Jagd Verwendung?
(Gehört jetzt nicht ganz hier her, aber wie greifen sich denn Lederscheibchen im Vergleich zu Horn bei feuchten Bedingungen?)

THX,
mrfalli
 
Jungs, Jungs, Jungs, wieviele von den Dingern habt Ihr denn so auseinandergesägt?

Machen wir uns nix vor, beim Rothirschgeweih gibt es sicher manchmal gute Stücke, aber im großen Schnitt ist der verwendbare Anteil gering. Es gibt allerdings, und das habe ich auch schon anderswo erwähnt, ganze Populationen von Cervus elaphus, die durchweg hervorragendes Geweihmaterial für Messergebrauch hergeben (z.B. die aus Schottland).

Aber genau hier steckt doch das Problem für den Anwender. Du kaufst ein ganzes Geweih vom Rothirsch ohne Kenntnis der Provenienz und sägst es auseinander. Ob es gut ist oder Mist kann man vorher nicht sagen. Echt toll. Ist etwa so, als ob ich für die Klingenschmiederei nur unbekannte Stähle nehme und mir nach dem Fertigstellen ansehe, ob das was taugt.

Aus dem Grund nehmen die Profis eben gerne Sambar oder andere "immer dichte" Hirschsorten. Da weiß man was man bekommt.

Von den oben gezeigten Stücken würde ich die linken drei wegwerfen. Nur das rechte ist gut brauchbar und an Sambar-Maßstäben gemessen nicht "wunderbar" sondern vollkommen normal, allerdings etwas wenig geperlt.

Was nun Farbe, Perlung, Dicke und andere Qualitätsmerkmale angeht, so gibt es beim Rothirsch nichts, aber auch gar nichts, was man beim Sambar nicht findet. Wer's nicht glaub, dem kann ich gerne mal meine paar Stücke Sambar zeigen, da findet sich alles.

Ach ja, zur Frage der Griffigkeit. Quasi alle natürlichen Materialien haben, im Gegensatz zu vielen künstlichen Materialien, bei Nässe und/oder Kälte hervorragende Eigenschaften. Sie sind rutschfest und warm.

Achim
 
Aber genau hier steckt doch das Problem für den Anwender. Du kaufst ein ganzes Geweih vom Rothirsch ohne Kenntnis der Provenienz und sägst es auseinander. Ob es gut ist oder Mist kann man vorher nicht sagen.


Beim bekannten Internetauktionshaus würd ich auch keines kaufen, weil es eben nur nach Sicht geht. Wenn man das aber in die Hand nehmen kann, merkt man schon, ob das eher was solides oder Mist ist.

Du hast ja auch absolut Recht, das Sambar ein ganz tolles Zeug ist. Überhaupt keine Frage. Aber wie Du auch schreibst (und genau darum ging es mir), gibt es eben auch gutes Geweih vom Rothirsch.

Noch was zur Griffigkeit: ich führe auf der Jagd nur Messer mit Geweihgriffen und bin sehr zufrieden. Griffig, warm, schön. Platzt nicht ab, wird mit dem Alter im schöner, patina-fähig. Was will man mehr.

Nur in der Spülmaschine wird es nicht schöner, aber da gehört das Jagdmesser sowieso nicht hin. Das mach ich immer gerne von Hand.

Schönen Abend noch.
 
Natürlich hält Sambar locker die Qualität die Rothirschstangen bieten. Es gibt mit Sicherheit viel "Müll" unter dem angebotenen Rothirschmaterial. Aber wenn man eine gute Quelle hat,die in der Lage ist qualitativ gutes Hirschhorn zu liefern, sehe ich keinen Grund , warum man kein Rothirschhorn verwenden sollte.
Mancher Messermacher hat eine solche Quelle! ;)

Dizzy
 
Hallo Zusammen,

warum denn nicht Rothirsch?

Wo man ihn doch schön stabilisieren kann?

Es kommen doch auch wunderschöne Hölzer zum Einsatz,
die unstabilisiert gar nicht in Frage kämen.

Wo ist das Problem?
 
Bei den Rothirschen und auch bei den Rehböcken giebt es leichte (poröse) und schwere Gehörne. Die Unterschiede sind regional bedingt, aber auch vom Nahrungsangebot in der Gehörnwachstumsperiode abhängig. Bei der Jagd im Ausland wo nach Gewicht abgerechnet wird ist der "poröse" ein Vorteil, als Messergriff ist er ungeeignet. lg k.hunter
 
So,
ich zeige Euch hier mal Bilder von Messern mit ausschliesslich Rothirschhorn. Teilweise Einsatzbilder am erlegten Stück, teilweise Messer, die ich schon sehr lange im jagdlichen Einsatz habe. Ich hatte in all den ganzen Jahren noch nie Probleme mit dem Rothirschhorn. Es liegt gut in der Hand, verzieht sich nicht, ist an kalten Tagen kein künstlich,kaltes Material in der Hand.
Warum sind so viele Jagdmesser,ob Custom oder Serie, mit Hirschhorn ausgestattet?
Natürlich spielt hier auch die Tradition eine Rolle, aber ein gutes Stück mehr noch die Tatsache , daß es sich bei Hirschhorn oder Sambarhorn einfach nur um ein wirklich gutes Griffmaterial handelt.

Dizzy
 

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Ich denke, Achim wollte Rothirschhorn nicht generell für untauglich erklären, sondern nur hervorheben, daß Sambar einfach unproblematischer ist.
Für Schalen ist es sicher nicht ganz einfach, ausreichend dickes Mateial zu finden, bei dem man nicht auf den porösen Kern kommt. Es gibt das aber durchaus auch bei Rothirsch. Ich war vor Jahren bei einem Menschen in St. Oswald (Bayerischer Wald), der Geweihe aus Rumänien einführte. Er selbst sägte nur die Rosen ab, um daraus Gürtelschnallen zu machen. Die Stangen selbst waren mächtig- teilweise handgelenksdick- und hatten eine porenfreie Schicht von ca. 7-8 mm.
Wenn es nicht um Griffschalen geht, sondern um ein passendes Stück für eine Steckangel, spielt die Porosität sowieso keine Rolle und man kann die Stücke allein nach der Schönheit wählen.
MfG U. Gerfin
 
Na also, flintenkoffer, da sind wir uns also einig.

Stabilisieren kommt übrigens nicht in Frage, wenn man die Oberfläche erhalten und nicht abschleifen möchte. Und das einfache Vollschütten mit Cyanacrylat ist nicht der Weisheit letzter Schluss, weil es lange nicht überall eindringen kann.

Ich brauche mich glücklicherweise mit dem Rätseln vor dem Aufschneiden von dem Material nicht aufzuhalten, weil ich einen Lebenszeitvorrat vernünftiges Hirschhorn habe.

Und Ulrich, gerade für Steckangelmesser, die ich ja bevorzugt baue, glaube ich nicht, dass Du Recht hast, weil die Angel nicht wirklich fest in der Spongiosa sitzt. Zumindest ich vertraue dem Braten nicht.

Essen tu' ich die Viehcher aber dennoch gerne....... :D
 
Zuletzt bearbeitet:
Achim, ich kann dir nicht ganz recht geben !
Mit dem festen Sitz im Schwammgewebe hast Du sicher recht. Ich setze die Angel deshalb bewußt krumm und verschraube sie mit einer Schlußplatte.
Am besten schmecken mir aber die Tierchen, die noch nicht Riesengeweihe ausgebildet haben.
Wie bei Wilhelm Busch:
"Besonders isst er Junge gern,
viel lieber als die alten Herrn.
Ein alter Herr ist immer zäh,
so spricht er oft, und macht bäh, bäh"
MfG. U. Gerfin
 
Zuletzt bearbeitet:
OT on

...und deshalb mach' ich aus den Alten ein hervorragendes Rotweingulasch und kein Steak. Das wird gekocht, bis auch der alte Herr seine Zähigkeit verliert.

OT off

:D
 
Am besten schmecken mir aber die Tierchen, die noch nicht Riesengeweihe ausgebildet haben.

Das ist so schon mehr oder weniger richtig, aber für die Griffschalengeschichte gibt es nichts besseres wie einen alten Recken mit dementsprechenden Geweihaufbau.

Dizzy
P.S. Zur traditionellen Verkostung empfehle ich mehr aus lustigen ,denn aus geschmacklichen Gründen folgendes::steirer:Klavinius ist einfach GEIL!

www.jagdweine.de
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Ich möchte das Thema nochmal aufgreifen.
Habe von einem befreundeten Jäger einiges an Abwurfmaterial bekommen und hatte erst hinterher gelesen das der Europäische Rothirsch eher weniger geeignet sein soll.

Naja, habe mich dann einfach mal getraut und habe "angeschnitten"
Bisher hat mich jede Stange überzeugt.

Hier ein Bild.

Gruß

 
Vielleicht hängts ja davon ab was die Hirsche so an Nahrung zu sich nehmen, bin aber weder Jäger noch Veterinär.
Meine Meinung >> Ich hab mehrere Abwurfstangen Rothirsch geschenkt bekommen und der Anschnitt zeigt sich wohl immer unterschiedlich. Mal gut mal eher schlecht.

Die "schlechten" für Experimente, wie Kochen und in den Schraubstock spannen zum begradigen. Zum Verarbeiten zu Falzbein, Hirschhornknöpfen, usw.

Ist halt ein Naturmaterial, wer erwartet das Hirschhorn immer gleich ist, sollte sich entweder künstliches besorgen (uuuäähh :() oder gleich Micarta nehmen :D
 
Hat man ein Geweih vom Gatter-Hirsch erwischt wird es schon mal sehr dünnwandig. Das ist so meine Erfahrung die ich gemacht habe, ich mag Rothirsch aber mir ist es auf die Dauer zu teuer 3 Geweihe wegen einem guten Stück zu kaufen.



Gruß Scholl-ti
 
Der für mich wichtigste Aspekt - diese Dinge die wir da tun und schaffen haben für mich auch eine Seele (na, nix esoterisches, aber einen Bezug bauen wir auf, so ist das gemeint)
Und da ist mir der Hirsch, den ich bestenfalls selber im September schreien hab hören, viel lieber als ein Trumm eines asiatischen Tieres.
Das ist keine gestrige Heimattreue oder ein Gedudel über sozialen Transfer aus Asien, aber für mich dennoch ein starkes Argument.

Danke auch an alle die Bilder hier hereinstellten, Gruß Clemens
 
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