Verwendung von Wironit beim Messerbau

Paulus

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Hallo Werkstoffsachkundige,

hat einer von Euch schon mal Wironit beim Messerbau verwendet. Normalerweise ist das die Modellgusslegierung der Zahntechniker. Zusammensetzung 64%Co, 28%Cr 5%Mo und 0,35%C. Was auf jeden Fall geht ist polieren und das Zeug rostet definitiv nicht und läuft auch nicht an. Man könnte Backen daraus gießen oder Abschlussplatten für nordische Messer oder Teile für die Messerscheiden usw. So denke ich mir das jedenfalls. Liege ich da völlig falsch?

Paulus
 
Also, Wironit, das ist ein Stellit, und zwar Stellite 21, ähnlich dem Stellite 8. Eigentlich eine Co-Basislegierung für Hochtemperatur- und Verschleißanwendungen (am besten ist der Werkstoff nach Altern zwischen 700 und 1150°C). rostfrei ist er auf jeden Fall (klar, kein Eisen) und bildet natürlich zweite Phasen, Karbide und was weiss ich. Die Deutsche Werkstoffnummer ist etwa 2.4723 (achtet auf die 2).
Es gab ja auch schon Messer aus Stellite. Kann man auch Klingen draus Machen. Talonite ist auch ein Stellite. Talonite enthält noch Wolfram und deutlich mehr Kohlenstoff. Die Einstellung der Eigenschaften erfolgt hier durch die Warmformgebung in Kombination mit dem Altern (siehe oben). War doch mal das bevorzugte Material von Cheffe, gell, Talonite rulz.
 
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Hallo Herbert,

wie war das? Der Werkstoff muß "altern". Bedeutet das, daß älteres Material andere Eigenschaften hat? Oder wie muß ich mir das vorstellen?
Wenn man daraus eine Klinge machen will würde das also auch gehen? Auf dem Datenblatt steht Vickershärte 350. Lässt sich das irgendwie umrechnen?

Paulus
 
Hallo Paulus,

ich bin zwar nicht Herbert ..., aber vielleicht kann ich auch ein klein wenig beitragen.

Als Altern werden üblicherweise Ausscheidungsvorgänge im übersättigten Mischkritall bezeichnet, die unter anderem auch zur Härte bzw. Festigkeitssteigerung führen können. Dies kann auch bewusst herbeigeführt werden.

Vickershärte lässt sich nicht ohne weiteres in Rockwellhärte, bzw. Zugfestigkeit umrechnen. Für unlegierte und niedriglegierte Stähle gibt es (oder gab es) die DIN 50150, das ist eine Tabelle. Mit dieser kann man sich oft für einen "Daumenwert" behelfen.
Danach entspricht 350 HV ungefähr 35,5 HRC. Aber wie gesagt -- eben nur für Stahl.

Viele Grüsse,

Thomas
 
Hallo, Paulus und Pacebene: genau so ists. Altern ist eigentlich nur die Änderungen von Eigenschaften durch Auslagern. Kann gewollt sein oder auch nicht. Hier ist es gewollt. Und die Sache mit der Umrechnerei gilt wirklich eigentlich nur für Stähle (niedrig legiert), ist aber als Anhaltwert sehr brauchbar.
Ich konnte leider nicht früher antworten, ich bin eben aus Lindenstruth zurück. Ihr habt was verpaßt, Leute.
 
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