Vorstellung Böker Urban Trapper Nonlock 42. Das Springmesser das keins ist.

Jogi030

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Moin zusammen,

ich möchte heute mal meine ersten Eindrücke über das Böker Urban Trapper Nonlock 42 mit euch teilen.

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Vorab ein paar Worte, wieso dieses Messer bzw. dieses Messerdesign einen besonderen Stellenwert für mich hat. Ich habe das Design erstmals bei der echten Automatik-Version auf der Blade Show Anfang 2024 gesehen und mich direkt „verliebt“. Irgendwie eine Mischung aus dem bekannten Urban Trapper von Böker und einem Protech, genau mein Beuteschema. Also nichts wie vorbestellt, und ich glaube, im August/September 2024 wurde es dann ausgeliefert. Leider hat sich das genau mit der anbahnenden WaffG Verschärfung überschnitten, und ich musste es schweren Herzens zurückschicken. Geld wächst ja leider nicht auf Bäumen, und 150 € waren mir das Risiko nicht wert, was sich am Ende dann leider auch bestätigte.

Durch Zufall sehe ich dann vor etwas mehr als einer Woche exakt dieses Messer in einer in Deutschland legalen Version bei Böker. Da konnte ich nicht anders und musste es bestellen.

Auch wenn ich etwas voreingenommen bin, probiere ich hier mal, ein halbwegs neutrales Feedback zu dem Teil abzugeben.

Einmal kurz die technischen Daten:

Erscheinungsjahr: 2026
Hersteller: Böker
Modell: Urban Trapper Non-Lock 42
Verschluss: Slipjoint
Klingenmaterial: MagnaCut
Klingenlänge: 8,5 cm
Klingenstärke: 3 mm
Klingenform: Drop Point
Gesamtlänge: 19,5 cm
Öffnungshilfe: Druckknopf
Griffmaterial: Aluminium
Clip: Deep-Carry-Clip (Tip-up/r)
Gewicht: 51 g
Designer: Brad Zinker
Made in: Solingen, Deutschland

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Aber wie genau funktioniert das Teil?

Faktisch fast so wie ein reguläres Springmesser, nur mit einem kleinen, aber wichtigen Unterschied, der dafür sorgt, dass es nicht als solches eingestuft wird: Es verriegelt nicht.

Die Feder, die die Klinge aufschleudert, hat echt Power. Man sollte das Teil beim Öffnen also wirklich gut festhalten. Zudem ist der Button Lock, der sonst (bei einem regulären Automatikmesser) normalerweise im geöffneten Zustand vollständig in die Klingenwurzel greift und diese fixiert, durch eine rampenartige Ausfräsung darin so ausgelegt, dass wie bei einem Slipjoint Druck auf den Klingenrücken ausreicht, um diesen wieder zu lösen und die Klinge einzuklappen. (Hoffe ich konnte das auf dem folgenden Bild gut einfangen). Somit handelt es sich um ein Slipjoint, und es fällt nicht unter §42a. Das BKA bestätigt, dass diese Bauart nicht die Kriterien eines Springmessers erfüllt (siehe hierzu Schreiben in der Produktbeschreibung bei Böker).

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Wir haben somit die Federspannung plus einen minimalen Detent, der die Klinge offen hält. Gemessen beträgt der Detent-Widerstand bei meinem Exemplar ca. 250 g, bevor nur noch die Federspannung beim Einklappen zu merken ist (Achtung: Ich hatte nur eine Küchenwaage zum Testen). Vergleichbar ist der Detent-Widerstand z. B. mit einem Böker Fire Ant. Hinzu kommt dann natürlich nach dem Überwinden des Detents zusätzlich die starke Federspannung.

Verarbeitungstechnisch lässt sich hier absolut nicht meckern: kein Gewackel, alles sauber verarbeitet und für die Klingenform/den Anschliff sauscharf.

Für mich persönlich bietet es genau den gleichen Fidgetfaktor und Spaßfaktor wie die jetzt leider verbotenen Springmesser in Deutschland. Essen zubereiten, Kartons öffnen und abends vor dem Fernseher etwas damit herumspielen, erledigt das Ding super.

Konstruktionsbedingt würde ich von Dingen wie Schnitzen und vor allem allen deutlich anspruchsvolleren Aufgaben abraten. Was ich unter keinen Umständen probieren würde, wäre, mit Kraft etwas mit dem Messer zu durchstechen das Risiko, dass hier die Klinge einklappt, ist einfach zu groß.

Nichtsdestotrotz möchte ich hier zusätzlich noch eine kleine Warnung aussprechen!!!

Dieses Messer ist absolut nichts für jemanden, der sich nicht mit Taschenmessern auskennt. Das Verletzungsrisiko ist durch die Bauart deutlich höher als bei anderen Taschenmessern. Ich habe mich mit dem Teil leider auch schon ordentlich geschnitten, weil in meinem Muscle Memory bei Springmessern irgendwie noch die Klingenarretierung abgespeichert ist.

Fazit:

Pro: Qualität, Spaßfaktor, §42a-konform
Con: Bei falscher Nutzung deutlich schneller gefährlich als andere Slipjoints.

Beste Grüße und einen schönen Sonntag euch. Jogi
 
Zuletzt bearbeitet:
Besten Dank, Jogi für die Review des Messers und deine Einschätzung zur Handhabung.

Der Vergleich mit der Fire Ant hilft auf jeden Fall den Schließwiderstand einzuordnen (eher "schwächer" also).

Die Umgewöhnung auf ein nicht verriegelndes Automatikmesser stelle ich mir ach potentiell "gefährlich" vor ...

Schönen Sonntag noch!

Greetz

Virgil
 
Kleiner Edit:

Wer das Ding in der Öffentlichkeit zugriffsbereit führt, muss sich bei einer Kontrolle, darüber bewusst sein, dass mit ziemlich hoher Warscheinlichkeit das Teil erstmal eingezogen wird. Ich nehme an, dass 99% der Polizisten erstmal davon ausgehen, dass das ein verbotenes Springmesser ist. Auch wenn das BKA und die Gesetzgebung das anders sieht. Hier gebe ich den Beamten keine Schuld, die sind leider Waffenrechtlich nicht immer ausreichend geschult worden. Hatte hierzu auch kurz mit einem befreundeten Polizisten gesprochen, nach kurzer Erklärung und Debatte, hat er den Unterschied verstanden. Er betonte aber auch, dass er ohne dieses Gespräch bei einer Kontrolle das Messer eingezogen hätte, weil er es nicht auf Anhieb von den verbotenen Springmessern abgrenzen konnte.
 
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