Wann wird das Sammeln zur Sucht?

Bjarne

Mitglied
Messer haben mich fasziniert, solange ich denken kann und meine Sammlung an Taschenmessern hat einen Umfang angenommen und in dem Maße Geld verschlungen, daß ich ins Grübeln gekommen bin. Nicht über Sinn und Unsinn des Sammel von Messern, sondern über die Möglichkeit, das Dämme brechen und die Sache aus den Fugen gerät.

Die Anzahl aber auch der Preis für jedes neue Stück sind kontinuierlich gestiegen. Was aber erschreckender ist, die Halbwertzeit der Freude an jedem Neukauf hat abgenommen, vieleicht auch weil zu viele in kürzer werdenden Zeitabschnitten dazu kamen. Ich habe festgestellt, daß ein großer Anteil an der Freude das, reine Finden, Jagen und Erhandel der guten Stücke ausmacht, sei es im Forum oder bei Auktionshäusern. Das Warten auf die Liferung und das damit verbundene Kribbeln im Bauch hat sein Weiteres dazu getan.

Vor kurzem habe ich ein Buch meiner Frau gelesen (Simplify your life), ging im wesentlichen um das Entrümpeln im Algemeinen. Darauf hin habe ich einige, auch sehr teure Stücke wieder verkauft und festgestellt, das selbst das großen Spaß gemacht hat. (netter Kontakt und Handeln, nur einmal von der anderen Seite). Das Verkaufen hat mich erleichtert und gezeigt, daß ich auch wieder loslassen und neue Prioritäten setzen kann. Das Geld wurde aber zumeist wieder in andere Messer investiert ;)

Mich würde interessieren ob ihr änliche Erfahrungen gemacht habt und wie ihr mit eurer Sammelleidenschaft umgeht. Habt Ihr euch Bremsen eingebaut, stoppen euch eure Partner...? Wie ist eure Sammelleidenschaft gestrickt? Habt ihr sie oder hat sie euch im Griff?

Gruß Bjarne


ps. wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten.

Der Spruch stammt nicht von mir sondern von einem anderen Mitglied. Hätte ich den schon zu meiner Schuhlzeit gekannt, wäre mir viel Leid erspart geblieben.
 

Schanz Juergen

Premium Mitglied gewerblich
sammeln wird meiner meinung nach dann zur sucht, wenn ich etwas unbedingt haben muss, es auch bestelle und von vornerein weiss das ich es nie bezahlen kann....
das sind für mich dann suchtkranke...
 

siebenstern

Mitglied
Hallo.

Habe grade mal bei wikip****.de nachgeschaut, unter Sucht, das bringt mich zu Abhängigkeit, da gibt es dann so etwas wie Sammel - und Kaufabhängigkeit.

Ich war sehr erstaunt wie extrem vielfältig dieses Thema ist - für eine sinnvolle Diskussion sollten wir mal erst den Begriff Sucht in diesem spez. Fall definieren.

Aber damit bin ich überfordert...

Ich finde dieses Thema hochinteressant.
UND ich bin überzeugt, daß es Messer-Sammel-Süchtige gibt. Ob hier oder nicht, da maße ich mir kein Urteil an.

@ Jürgen - das mit dem nicht bezahlen können, ist m. M. nach KEIN Argument - es gibt genügend Menschen die genug Geld haben, um Koks zu frühstücken, aber dafür nicht anschaffen müssen.
Bei Messern ist das bestimmt genau so.

Bjarne trifft die Sache vielleicht schon ganz gut, wenn er schreibt:
"Die Anzahl aber auch der Preis für jedes neue Stück sind kontinuierlich gestiegen. Was aber erschreckender ist, die Halbwertzeit der Freude an jedem Neukauf hat abgenommen, vieleicht auch weil zu viele in kürzer werdenden Zeitabschnitten dazu kamen. Ich habe festgestellt, daß ein großer Anteil an der Freude das, reine Finden, Jagen und Erhandel der guten Stücke ausmacht, sei es im Forum oder bei Auktionshäusern. Das Warten auf die Liferung und das damit verbundene Kribbeln im Bauch hat sein Weiteres dazu getan."

Heisses Thema IMHO.

LG

M7*M
 

Frank

Mitglied
Vor kurzem habe ich ein Buch meiner Frau gelesen (Simplify your life), ging im wesentlichen um das Entrümpeln im Algemeinen. Darauf hin habe ich einige, auch sehr teure Stücke wieder verkauft
Bjarne,
wieviel hast Du denn für Deine Frau gekriegt? :hehe:

Bis denne!
Frank
 

Knothole

Mitglied
Die Sammelleidenschaft und der Messervirus werden bei mir automatisch,durch die dicke des Bankkontos und der Brieftasche,in schach gehalten. :mad:

Gruß W
 

teachdair

Mitglied
ja, ich gestehe es, ich bin mittlerweile suechtig. kaum habe ich ein neues messer, brauch ich mehr. aber es bewegt sich noch im rahmen des normalen, es ist eher eine art von sammelfimmel, wie bei briefmarken. aber wo soll man da die grenze ziehen??
 

ex Vento

Premium Mitglied
Dann bin ich ja noch nicht schlimm befallen. Nach den letzten teuren Anschaffungen, wobei es allerdings recht viele waren, habe ich mir ein Delica 4 gekauft. Das ist für meine Begriffe im unteren Preissegment angesiedelt (wobei bei nicht messerbegeisterten Leuten 66€ für ein olles Messer völlig übertrieben sind). Ich kann mich trotz dem darüber freuen und befingere es mindestens so oft wie die "edleren Stücke".
 
G

gast

Gast
Bjarne schrieb:
[...] Was aber erschreckender ist, die Halbwertzeit der Freude an jedem Neukauf hat abgenommen, vieleicht auch weil zu viele in kürzer werdenden Zeitabschnitten dazu kamen. Ich habe festgestellt, daß ein großer Anteil an der Freude das, reine Finden, Jagen und Erhandel der guten Stücke ausmacht, sei es im Forum oder bei Auktionshäusern. [...]

Die eigentliche Freude am Sammeln ist auch für mich das Aufspüren und Erwerben. Der anschließende Besitz kann mitunter sogar zur Belastung werden, eben weil man schon zuviel hat und kaum noch Raum, die Neuerwerbung unterzubringen.

Bevor ich angefangen habe, in bescheidenem Maßstab Messer zu sammeln, habe ich im größeren Maßstab Bücher angehäuft. Nachdem alles schon in Zweierreihen stand, Regale meine Wohnung zustellten und überall Bücherstapel lagen, fühlte ich mich erdrückt und habe kurzentschlossen kistenweise Bücher verkauft oder verschenkt. Das hat geholfen und bis jetzt habe ich auch nichts davon vermißt. Meine Bibliothek umfaßt immer noch um die 2000 Bände, doch meine Sammelleidenschaft für Bücher war damit halbwegs gebändigt.

Das seltsame ist nur, das der Sammeltrieb sich schleichend ein anderes Feld gesucht hat: Seit einiger Zeit sind es Messer. Das bringt mich zu der Ansicht, daß Sammeln immer schon eine gemäßigte Form von Sucht ist, die nicht mit Besitztrieb zu verwechseln ist. Man kann das Feld der Sammlung wechseln oder sich auch komplett von Sammlungen trennen aber die Sammelleidenschaft ist hartnäckig. Solange sie einem Freude bringt und finanziell nicht ruiniert finde ich das auch nicht weiter schlimm. Gefährlich wird es m.E. erst, wenn das Ganze in zwanghaftes Verhalten ausartet, mit dem man sich und anderen schadet, so daß das Sammeln für alle zur Bedrückung wird. Dann wäre für mich die Grenze zur krankhaften Sucht überschritten. Bis dahin ist es Gottseidank aber noch ein Stück...

Gruß
Michael
 
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Paco

Mitglied
Das ist ein weites Feld das wir da beschritten haben...

Auch bei richtigen Suchtmitteln wie z.B. Alkohol, Drogen oder harmloserern Dingen wie Kaffee etc. sind sich experten nicht ganz einig darüber wo der "normale Konsum" aufhört und die Sucht los geht.

Die WHO hat, was den Alkoholkonsum angeht, hier sehr sehr strenge Maßstäbe, die einen großteil der Bevölkerung in die Nähe der Suchtgefahr rücken würden...

Viele Definitionen zum Suchtbegriff im allgemeinen nennen "Kontrollverlust" und "Zwanghaftigkeit" sowie "Mangelzustände" als Suchtindikatoren. - Dinge, die bei den meisten hier doch nicht gegeben sein dürften sondern sich eher im Bereich der Rauschmittel wieder finden lassen.

Was das Sammeln angeht, klar auch da kann es in sehr seltenen Fällen zur Sucht kommen. Man liest oder hört ja immer wieder von Sammlern, die z.B. alles aber auch alles Ihrem Hobby unterordnen und alles darum geben Ihre Sammlung unbedingt "vollständig" zu bekommen. - Haben diese Sammler dann eine (ihrer meist subjektiven Einschätzung und gemäß Ihrem gewählten Sammelgebiet) "vollständige" Sammlung, verkaufen Sie das Ganze dann (oft auch zu schlechten Preisen) und beginnen mit einem neuen Sammelgebiet. - Hier ist also vielleicht auch das Sammeln selbst die Sucht, die mit verschiedenen Sammelgebieten befriedigt werden kann.

Sicher geben 90% aller Messersammler mehr Geld für Messer aus, als zum Schneiden notwendig wäre. - Aber Messer nehmen weniger Platz weg als z.B. Radkappen, kosten i.d.R. weniger als Oldtimer und sind bei richtiger Lagerung nicht verderblich...

Spaß bei Seite: Nach dem Aufbei einer kleinen "Anhäufung" (die ich persönlich nicht als Sammlung betrachte, da überhaupt nicht systematisch) hat sich mein Interesse auf qualitativ hochwertigere Stücke verschoben und ich spiele mit dem Gedanken mir irgendwann das erste Messer selbst zu bauen (oder bauen zu lassen) deshalb habe ich auch schon länger keine Käufe von Productions mehr getätigt... Viele Messerinteressierte, die ich kenne, sind diesen Weg gegangen und ihr anfängliches Kauf(oder Sammel-)interesse ist damt in den Hintergrund getreten...

Viele Grüße

Paco
 
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porcupine

Super Moderator
Meine Messr passen bisher noch in 2 mittelgroße Schubladen. Das liegt natürlich auch daran, daß ich viele ehedem heiß ersehnte schon wieder verkauft habe. Und das wird auch so weitergehen, ich will schlußendlich nur eine begrenzte Anzahl handgemachter Einzelstücke behalten sowie ein paar liebgewonnener Serienmesser.
Aber dies mit den immer kürzeren Zeitintervallen bis zur nächsten Anschaffung kenne ich auch. Drum habe ich in diesem Jahr noch ein Projekt verwirklicht, und das solls jetzt auch mal für längere Zeit gewesen sein...
Heimlich bewundere ich ja alle, die mit einem einzigen Messer durchs Leben hehen. hoffe, ich komme auch mal dahin; ich weiß bloß noch nicht, welches es sein soll...
arno
 

Hamurra-e

Mitglied
Also ich denke mal dass das "Sammeln und Jagen" eines unserer Urtriebe ist. Schaut euch mal bei euren Freunden und Bekannten um, jeder Sammelt irgendwas, nur oft fällt das nicht auf.
Der eine sammelt Gummibänder, der andere Streichholzschachteln, wieder ein anderer sammelt alles, was man vieleicht irgendwann mal gebrauchen kann.
Ich denke das ist normal!
Für mich ist der Unterschied zwischen Sucht und Normal der, das ich bei der Sucht etwas haben oder tuen Muss!
Also der Unteschied zwischen habenwollen und habenmüssen.
Was nun Messer betrieft... hmm ... naja :hehe:
nee bei mir keine Gefahr mehr, ich wollte mal viel aber musste nie haben. Und zur Zeit gibt es kein Messer auf dem Markt, dass mir wirklich gefällt. Da macht das selbermachen mehr Spaß, oder die Messer die andere mir der Hand gemacht haben.

Ich glaube das ein Teil des Messersammelns auch der ist, dass man immer glaubt, dass das nächste noch schärfer und schnitthaltiger und robuster ist, wie das letzte.
So war es bei mir! bis ich endlich begriffen habe das es sicher unterschiede gibt, aber das die bei weitem nicht so groß sind wie man denkt. Klar gibt es unterschiede zwischen "Rostfrei" und "Karbonstahl" oder unlegiert, niedrig oder hochlegiert. Aber wenn man weis was man will und wofür, dann ist mann in den entsprechenden Klassen (siehe Romans Buch) gut aufgehoben und dort sind die Unterschiede eher Subjektiv. mho!
 
G

Gast 110908

Gast
Schanz Juergen schrieb:
sammeln wird meiner meinung nach dann zur sucht, wenn ich etwas unbedingt haben muss, es auch bestelle und von vornerein weiss das ich es nie bezahlen kann....
das sind für mich dann suchtkranke...

Ich mußte mich auch bremsen, weil ich...

1) gemerkt habe das die Freude
über das neue Messer, Lampe, Uhr oder Feuerzeug nach dem Kauf immer schneller vorbei ging.

2) Das sehen und haben müssen teilweise extrem wurde. Und ich das erhaltene Messer oder ähnliches am nächsten Tag achtlos in den Schrank getan habe und nach neuem Ausschau gehalten habe.

3) Ich immer bezahlen konnte und auch jetzt noch kann, aber diverse Geldreserven nur so wegschmolzen.

Es kann zum ernsten Problem werden!
 

Bamboo-Jack

Mitglied
Meine Mutter meint, ich sei ein typischer Jäger und Sammler aber immer wenn ich etwas für eine meine vielen Sammlungen kaufe, fällt mir bezüglich der Dauer des "Hochgefühls danach" folgendes auf:

Hat die Sammlung bereits eine große Stückzahl erreicht, war das erstandene Stück nicht sehr teuer und wandert dann noch in einen Schrank, dann hält sich die Dauer der Freude sehr in Grenzen. Hier ist es von Vorteil, wenn man es ab und zu mal befingen kann.
Deutlich länger Spaß habe ich an Objekten, die ich in meine Vitine legen kann. Hier komme ich täglich oft vorbei und freue mich jedes Mal über den erstandenen Gegenstand. Natürlich ist der Platz in einer Vitine begrenzt und so kommen nur die teureren Messer hinein.
Extrem viel Freude bereitet mir meine noch kleine Iaito Sammlung. Die Schwerter liegen nicht nur jederzeit sichtbar auf einem Schwertständer, sondern ich benutze sie auch regelmäßig zum Training.
Die regelmäßige Nutzung der schönen Schwerter läßt dann den relativ hohen Anschaffungspreis schnell vergessen.

Zusammenfassend bin ich zu dem Schluß gekommen das weniger mehr ist. Ich sammle nur noch Dinge, die ich in einer Vitrine oder auf einem Ständer präsentieren kann. Sammlungen, die Ihr Dasein in einem dunklen Schrank fristen mußten, wurden abgestoßen. Zugunsten einer besseren und damit auch teureren Qualität wurde die Stückzahl der Sammlungsobjekte reduziert. Wenn ich dann die so gesammelten und präsentierten Dinger noch regelmäßig benutzen kann, ist die Freude daran optimal.

Gruß
Volker
 

hhirsch

Mitglied
Das Thema Sammeln ist sicher unerschöpflich. Meistens fängt es ganz harmlos an.
Auch mich haben Messer schon als Kind sehr interessiert. Kleine Taschenmesser zum Schnitzen, Apfelschälen und für viele andere Arbeiten hatte der Vater stets bei sich und so war es selbstverständlich, dass ich diese Angewohnheit schon als Kind übernahm. Das erste Fahrtenmesser mit Hirschhorn war sicher ein Höhepunkt im Gebrauch von Messern. Schnell waren 3 oder 4 Messer zusammen und erst wenn so ein paar Stücke nebeneinander liegen, erweckt so etwas, wie eine Sammelleidenschaft.
Doch nicht nur Messer können faszinieren, jeder hat da so seine Interessen wie Briefmarken, Münzen und und und..
Doch bei mir hat sich das Messer langfristig durchsetzen können. Schon der Gedanke, dass es sich beim Messer um eines der ältesten Werkzeuge des Menschen handelt, macht es wieder so begehrenswert.
Die Anschaffung des ersten Messers für den jagdlichen Gebrauch hat mir erst die Augen der großen Vielfalt der Messer geöffnet.
Natürlich waren meine ersten wirklichen Gebrauchsmesser Serienmesser wie der Jagdnicker von Puma, den ich auch heute noch besitze und pflege.
Hier ging es nun los. Meine Zielrichtung waren Messer mit natürlichen Griffbeschalungen wie schöne Hölzer, Horn, Knochen usw. Diese Vorliebe habe ich mir bis heute erhalten, bin aber mittlerweile in der Auswahl flexibler geworden.
Ich muß an dieser Stelle meinen Vorschreibern recht geben, es ist wie ein Virus und man muss gut aufpassen, dass man die Kontrolle über seine Möglichkeiten behält.
Natürlich steigert man sich und verändert die Sammelgewohnheiten, das kenne ich sehr gut. Schon bald interessierte ich mich immer mehr für die Herstellung von Messer und dann hat man verloren. Das erste "handgemachte Messer" mußte her. Zuerst klein anfangen und dann geht es an unsere ausgezeichneten Messermacher in Deutschland. Das Thema ändert sich nun, aber auch der Einsatz wird höher. Hatte man sich früher mit Namen wie Buck, Katz, Puma, Linder und wie sie alle heissen beschäftigt, so sind heute Namen wie Borger, Kaljumae, Hutzler, Steigerwald, Schanz, Jankowski, Spitzl und so weiter die Ziele meiner Begierden.
Die Anschaffung einer Vitrine für die schönen Stücke wurde dringend notwendig und erst jetzt kann man auf einem Blick in jede Schublade die Objekte jahrelangen Sammelns bewundern.
Ich bin froh, dass meine Frau Verständnis für mein Hobby hat und abends oft mit mir die schönen Stücke betrachtet und befingert.
Bis jetzt habe ich es noch nicht geschafft, mich von einigen Messern zu trennen aber es wird aus Platzgründen notwendig werden.
Eines muß auch ich eingestehen, je größer eine Sammlung wird, es bleibt zwar die Spannung auf das neue Messer aber die Halbwertzeit der Freude beim Erhalt eines neuen Messers verringert sich.
Es fällt mir zwar oft schwer, aber ich kann auch nein sagen, wenn es finanziell zu eng wird.
Deshalb würde ich mich für einen leidenschaftlichen Sammler halten aber ich glaube nicht, dass ich süchtig bin.

hhirsch
 
K

Kwisatz

Gast
Der Sammler sucht nach der einen, immertreuen, immerwährenden Liebe. Aber hat er das vermeintliche Stück gefunden, ist die Freude kurz und er jagt schon dem nächsten Schatz hinterher.

Mittlerweile achte ich bei Neuanschaffungen stark auf den Wiederverkaufswert oder den Wertverfall durch Abnutzung.

Ich kenne aber auch einen Hartz4-Bezieher, der mir (und anderen wohl auch) grundsätzlich alles abkauft, was ich ihm anbiete. Ungeachtet Hersteller, Zustand, Zusammenhang, etc.

Da ist die Dunkelziffer wohl hoch, aber im Prinzip reden wir wohl von einer Wohlstands- und Konsumkrankheit.
 

Peter1960

Moderator Spyderco Forum
Bjarne,

deine Frage ist so gut, dass ich mir einige Tage genommen habe um über meine Antwort nachzudenken.

In Wikipedia steht unter Sucht als Wortbedeutung: Sucht ist nicht verwandt mit suchen, sondern geht auf siechen zurück.

Das oftmals zitierte Sammeln als Urtrieb hat meiner Meinung nach nur bedingt, wenn überhaupt, mit meiner Leidenschaft Messer zu sammeln zu tun. Ich sammle sie nicht aus Überlebensnotwendigkeit (und bin damit wohl nicht der Einzige), sondern aus einem gewissen Mangel der Wohlstandsgesellschaft.

In Wahrheit brauche ich mir ja (noch) keine Sorgen um mein tägliches Überleben machen und habe deshalb Zeit mich mit nicht überlebensnotwendigen Dingen zu beschäftigen. Für mich ist es somit eine derzeit leistbare Ersatzbefriedigung, bei der ich ein Prickeln spüre (suchen + aufstöbern + warten). Ich schätze auch die neuen persönlichen Kontakte die sich daraus ergeben und die mehr oder weniger entgegenbebrachte Wertschätzung meines angeeigneten "Spezialwissens".

Natürlich ist es einfach zu sagen: "Ich höre sofort damit auf, wenn sich daraus empfindliche Einschränkungen für meine privaten Beziehungen ergeben." Ich kann nur darauf vertrauen, dass es auch weiterhin bei mir so ist. Ich bin kein junger Mensch mehr und in meinem verstrichenen Leben konnte ich bisher immer einen Schlußstrich ziehen, wenn etwas Ungesundes zu sehr meine Zeit und Aufmerksamkeit gebunden hat.

Auf keinen Fall möchte ich dahinsiechen, mein Leben stelle ich mir anders vor!

Wichtig finde ich bei mir auch (wie bereits von Vorpostern auch erwähnt), dass meine Sammlung nicht in Schubladen oder sonstwohin verschwindet, sondern sichtbar bleibt. Nicht die teuersten Messer stehen an bester Stelle bei mir ausgestellt, sondern jene, die mir die meisten Erinnerungen hervorrufen.

Auch kann ich mich immer noch mitfreuen, wenn jemand bekanntgibt, was er an Neuzugängen für seine Sammlung verbuchen kann. Kein Neid oder Ärger kommt bei mir auf, wenn jemand anderer was hat, was ich nicht habe. Ich sehe das als gutes Anzeichen nicht süchtig im Sinn von siechen zu sein.

Trotzdem: Ich bin nicht so blauäugig zu glauben auf einem breiten, sicheren Weg zu gehen, der Grat ist schmal und aufpassen ist angesagt!
 

pick-up

Mitglied
für mich ist eine sucht dann gegeben, wenn man etwas haben muß um jeden preis, egal welche folgen der erwerb dieser sache hat.

so weit ist es bei mir ja zum glück noch nicht :glgl:
 

AGUIRRE

Mitglied
Ja, das Buch "simplify your life" habe ich auch gelesen.
Die darin vorgestellten Theorien habe ich zum Teil in der Praxis vollzogen und mir damit einige "Stolpersteine" aus dem Weg geräumt.

Sucht ist für mich dann gegeben, wenn das Sammeln aus Kompensation von erlebten Defiziten geschieht ( i.S.v. einer Art Selbstbefriedigung ).
Ich verstehe darunter Leute die durch eine Sammlung Anerkennung in dem entsprechenden Sammelgebiet "erkaufen".
Das bezieht sich aber nicht nur auf das Ansammeln von Objekten sondern auch über das Anhäufen von Wissen und die Präsentation des einen/anderen oder beiden.

Ich finde das aber nur dann als "bedrohlich" wenn die finanzielle Existenz und/oder die soziale Position in der nicht sammelnden Lebensumgebung dadurch gefährdet wird bzw. verloren geht.

Ansonsten halte ich es mit dem Spruch "Leben und leben lassen"

Munter bleiben

Klaus
 

Dyemond

Mitglied
Viel habe ich noch nicht gesammelt, aber manchmal war es finanziell schon "auf Messers Schneide"...:argw:
Trotzdem hab ich mir ein paar Sachen angewöhnt, sodass ich der Sucht nicht verfalle...:lechz:
Wenn ich mir z.B. ein Messer zulege für einen bestimmten Zweck (sei es nun für den harten Outdooreinsatz), dann soll es auch bei dem einen bleiben. Es bleibt dann das EINE, für dieses Gebiet, ich kann damit umgehen (auch in stockfinsterer Nacht, Halbschlaf, etc. ) und ich kann mich drauf verlassen. Jeden Zentimeter und jede Eigenschaft des Messer zu kennen ist mir wichtiger, als den neuesten Schnickschnack zu haben (mit dem man sich vllt mitten im Wald schneidet, weil es einfach "unbekannt" ist).
Somit hat jedes Messer seine Niesche. Wenn es nicht mehr die Standards/ Qualität erfüllt wird es ausgetauscht. Aber das alte kommt dann weg.
Ich würde mir auch nie ein Messer nur für die Vitrine kaufen. Es nur da hinzulegen und zu betrachten, bereitet mir viel weniger Freude als vllt zu sehen, wie die Holzsplitter beim Schnitzen nur so durch die Luft fliegen...:hehe:
Und ich versuche meine Finanzen auch einigermassen gleichmässig auf die anderen Hobbies zu verteilen.