Doku-Victorinox Totalumbau

kev

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Guten Abend allerseits,

Schon lange schwirrt mir die Idee eines edlem Custom-Victorinox im Kopf herrum. Ich wollte ein möglichst schmales Messer mit den wichtigsten Werkzeugen die man(n) so braucht. Nach vielen Ideen, wie man besonders die Lagerung der Werkzeuge nach Demontage erreicht und etlichen Sackgassen glaube ich die bestmögliche (mit meinen Mitteln zu realisierende) Konstruktion gefunden zu haben. Ich werde alle paar Tage mal den Fortschritt posten und die Arbeitsschritte bildlich festhalten und kommentieren. Ich finde sone Dokus immer spannend um auch mehr über die Arbeitsweise anderer zu erfahren.
So genug geredet:
Ausgangsobjekt ist ein "Spartan" .

Schritt 1:
Demontage Messer:
Dazu die originalen Griffschalen abhebeln (dünnes Messer oder Schraubendreher.
Dann die Nieten entfernen (absägen, Flex, Dremel etc.)
Schritt 2:
Die Achsen ausmessen, um neue anzufertigen. Achsen werden aus 3mm Messing gedreht (mit freundlicher Unterstützung von meinem Opa)

Tag 1:
Ausgangsmaterial:
Für die Platinen benutze ich 1mm starkes Messingblech. Das Messer im zerlegten und gereinigtem Zustand und das Holz für die neuen Schalen.



Die Konturen werden angezeichnet:



Die Achslöcher bohren. Dabei ist zu beachten das ja nix verrutscht (soll ja später wieder genauso funktionieren wie vor dem Umbau)



Nachdem die Löcher fertig sind kann mit dem Herausarbeiten der Konturen begonnen werden (es empfiehlt sich die Platinen zusammen zu bearbeiten und eine Originale als Vorlage zu nehmen, einfach die alten Achsen durch die Löcher stecken)


Die Platinen bleiben nicht so! :glgl:

Ich hoffe es besteht doch einiges Interesse an so einer Doku. Über Ideen und Verbesserungsvorschläge freue ich mich auch. :D


Gruß Kev
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Hallo Kev!

Aber definitiv besteht Interesse!
Bin gespannt, wohin Dich der Weg führt.

Kannst Du schon sagen, für welche Tool-Zusammenstellung Du Dich entschieden hast? Dann kann man besser mit Rat zur Seite stehen, fals sich mal wieder eine Sackgasse auftut...was wir nicht hoffen wollen ;-)

Viel Erfolg schon mal von meiner Seite, der Beginn schaut ja schon vielversprechend aus.
 
Hi Kev -
sieht spannend aus ...
Freu mich schon auf das Ergebnis!
Herzliche Grüße aus Stuttgart,
Jost
 
Hey Kev,
interessante und spannende Sache! :super: Spiele auch schon mit dem Gedanken eines Umbaus, aber hab mich noch nicht dran getraut.

Schonmal Danke für die Mühe die du dir mit der Doku machst! Weiter so :super:

Viele Grüße
Ceratos

PS: mehr haben will :lechz:
 
Weiter gehts,

@Thehunt: die Werkzeuge die reinkommen sind oben auf dem 1. Bild zu sehn
@macbayer: Messingplatinen stimmen:D, doch es ist kein Ebenholz:hehe:

Tag 2:
Die Griffschalen werden vom Holzkantel abgesägt, dazu empfiehlt sich eine scharfe Japanische Zugsäge. (eine Bandsäge oder ähnlich tuts auch)
Nachdem beide Schalen abgesägt sind müssen die Schalen plan geschliffen werden. Ich habe dazu ein grobes Schleifpapier (K40) auf eine plane Pressspanplatte gespannt.



Nach dem beide Schalen schön eben sind können die Umrisse aufgezeichnet werden. Um die Linie gut sehen zu können habe ich die Kontur erst auf eine weißes Blatt gezeichnet und dann das Blatt auf das Holz geklebt. (wenn die Schalen fertig sind einfach ein paar Züge auf einem Schleifpapier und sie sind papierfrei)



Jetzt können die Konturen herausgearbeitet werden. Um das Holz vor den Spannbacken zu schützen lege ich immer 2 Buchenplättchen zwischen. (es gehen natürlich auch andere Schutzmaßnahmen)



Tag 3:
Die mittlere Platine wird fertig gestellt. Dazu wie gehabt die Originale mit dem Replica verbinden und entlang der inneren Linie Bohrlöcher setzten. Danach mit der Proxxon (Dremel) und einer Trennscheibe die Stege wegschneiden.



Nun kann mit einem guten Schlüsselfeilensatz weiter gearbeitet werden.



Hier sind die zwei Griffschalen und die (fast) fertigen Platinen mit allen Löchern zu sehn. (die zusätzlichen Löcher haben schon ihre Bewandtnis, mehr dazu später)



Ich werde die Achsen später mit den äußern Platinen verlöten, um eine Führung für die Schalen zu bekommen werden 3mm lange Messingstifte eingelötet. Den Messing-Nagel (Durchmesser 2mm) den ich dafür vorgesehen habe entpuppte sich nachdem der Kopf abgesägt wurde als Stahlnagel...
Zum Glück ist der nächste Baumarkt nicht weit weg.
Um dem Lötzinn eine gewisse Fläche zum Haften zu bieten werden die Löcher großzügig angesenkt. Vor dem Löten müssen die Flächen schön blank sein (sonst wird das Messing nicht richtig verzinnt)



Zum Löten von so "großen" Teilen braucht man schon einen größeren Lötkolben. Jetzt geht auch noch ein Gasbrenner. (um die Achsen einzulöten geht das nicht, da der Brenner das Messing zu stak und großflächig erwärmt) ACHTUNG Verbrennungsgefahr :glgl:



Nachdem alle Löcher verzinnt sind können die Stifte eingelötet werden. (oder wie bei mir Rohre)



Auf der Rückseite wird das Überflüssige Zinn wieder abgeschliffen.



Jetzt können die Griffschalen angepasst werden.




PS: natürlich müssen bevor man die Stifte einlöten kann, die Löcher aufs Holz übertragen werden

to be continued...


Gruß Kev
 
Es geht weiter...:hmpf:

Tag 4:

Nun kommt das Erkennungsmerkmal jedes Vic, das Logo. Dafür wird wie bei den Griffschalen das Logo auf die plane Fläche geklebt. Das Logo hatte ich schon für den ( http://www.messerforum.net/showthread.php?t=101728 ) Umbau gedacht...naja hatte mir das irgendwie nicht zugetraut :argw:



Den Umriss habe ich mit einem scharfen Skalpell nachgezogen und ein wenig bin ich auch ins Material gegangen.



Danach fräse ich mit einem kleinen Kugelfräser weiter.



Passt fast :D den Freiraum wird mit Kleber aufgefüllt. Dafür 2K Kleber mit Holzspänen mischen. Wenn man das nach dem Trocknen über schleift ist nix mehr zu sehen.



Fertige Griffschalen (ja ein wenig schleifen muss ich noch)



Wenn sich mache gefragt haben für was das weitere Loch in 2 Platinen ist, hier die Auflösung: Da bei mir der Korkenzieher raus fliegt (1. ist dann die Haptik besser und 2. gebraucht habe ich den eigentlich noch nie)
Um den Korkenzieher zu ersetzten wird ein Stück Holz eingepasst. Dabei ist zu beachten, dass die Feder beim Öffnen des Kleinen Messers weiter nach oben kommt als im geschlossenem Zustand.




Das Stück lag einen Tag im Öl.



Tag 5:
Die Zwischenlage über der kleinen Klinge habe ich kurzer Hand auch noch neu gefertigt. Vorgang wie bei der mittleren Platine.
Die mittlere Platine wurde poliert, alle Kanten ebenfalls.
Hier kann man auch gut die angesenkten Löcher sehen.



Als nächstes werden die Achsen eingelötet. Dann alles wieder plan schleifen (sonst passen die Schalen nicht rauf :haemisch:)



Passt ganz gut



Morgen wird denke ich alles zusammengebaut.
Ich denke ich werde hier auch noch zeigen wie ein Leder Etui entsteht. (muss nur gucken wie ich meinen Plan verwirkliche :D bin in der Leder Bearbeitung recht unerfahren)

Gruß Kev
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi,

um auch mal zu zeigen was bei so einem (erst) Umbau schiefgehen kann hier zwei Probleme die ich gestern feststellte:

Als ich alles schön zusammengelötet habe, musste ich mit Bedauern feststellen, dass die große Klinge viel zu weit reinging :mad:
Nach dem ich heute das ganze Messer wieder auseinander genommen habe fand ich den Grund:
Das Holzstück hatte dem Druck der Feder nachgegeben. Oder hat sich durch die Wärme beim Löten verzogen. Falls jemandem die Idee kommt, dass die Wärmebehandlung der Teile auch in Mitleidenschaft gezogen werden könnte: Ich habe ständig der Temperatur der Werkzeuge/Federn beobachtet. Keins ist über handwarm gekommen.
Naja nun stellt sich mir die Frage wie ich das Problem löse...Eventuell das Loch mit Messing Stücken verstärken.



Das zweite ist der Flaschenöffner. Er ging total schwer auf und knirschte dabei schrecklich. (Hoffe man erkennt das auf dem Bild) Der Flaschenöffner hinterließ komischerweise Kratzspuren auf der Feder. Meine einzige Idee wäre, dass auf einer der beiden Teile ein Grat war der dies verursacht hat...



Vielleicht hat jemand Lösungsvorschläge oder Ideen wie das passieren konnte. Ich würde jetzt einfach beide Teile abschleifen und polieren.

Gruß Kev

PS: ich hoffe die doppelten Beiträge sind ok (sind ja zwischen ihnen immer ein paar Tage :hmpf:)
 
Sieht gut aus, das wird sicher was.
Das der Flaschenöffner kratzt kann vielleicht Schmutz sein. Ich habe festgestellt das der Umbau mit neuen Platinen einfach ein sehr genaue Arbeitsweise voraussetzt. Victorinox sind sehr präzise gefertigt, das muss einfach alles stimmen was man zusammen werkelt.

Gruess René
 
Ich hätte den spacer nicht aus Holz gefertigt. Bei so wenig Fleisch zum Rand hin hätte ich immer Angst, daß es da reißt. Vielleicht war auch das Einlegen in Öl noch nicht lange genug her, d.h. das Leinöl (?) war garantiert noch nicht ausgehärtet und das Holz vielleicht sogar noch etwas "aufgeweicht".
 
Sooooo,
es geht weiter, nachdem ich zwischenzeitlich noch ein Messer geschmiedet habe wollte ich bevor ich mein neues Projekt beginne dieses noch fertig stellen. Was sich doch gelohnt hat.
Also musste ich erstmal neue Achsen anfertigen un einen Spacer aus Messing.
Wie gehabt: die Achsen mit einer Platine verlöten (WICHTIG: unbedingt auf absolut blanke Kontaktflächen achten)
Der Aufbau der 2 Lagen


(noch altes Bild mit Holz-Spacer)


zweite Platine verlöten


Zum Schluss die Griffschalen feinschleifen und mit den Platinen verkleben. Danach das Holz ölen.




Die große Klinge sitzt jetzt auch perfekt...




Ich hoffe die Doku hat einigen gefallen und geholfen.

Gruß
Kev
 
Hi,
ist eine super Doku. geworden.
Danke für die ganzen Tips.
Bin schon am überlegen, ob ich nicht meinem Camper ein paar Holzschalen verpasse.
Peter (pgj)
 
Guten Tag,

Da mich das Vic in letzter Zeit nicht mehr so oft begleitet hat nahm ich es gestern mal wieder in die Hand. Bestürzt musste ich feststellen, dass alle Werkzeuge ein gewisses Spiel haben. Nur weiß ich nicht ob das schon von Anfang an da war oder erst mit der Zeit kam. Jedenfalls möchte ich das demnächst beheben und das Messer vernieten.
Nun meine Frage: Wie bekomme ich die Griffschalen runter ohne sie zu zerstören? Alles wurde mit UHU Endfest 300 verklebt. Ich habe gelesen das Aceton oder eine Erwärmung auf 200°C wirken sollen. Bei beiden Möglichkeiten bin ich mir mit den Auswirkungen nicht ganz klar. Wie wird sich die Hoche Temperatur auf die Werkzeugen,Klingen, Federn auswirken?
Ich bitte um AUfklärung :hmpf:

Mfg Kev
 
Guten Abend,

heute bin ich dazu gekommen das Messer zu reparieren.
Als erstes das Messer in kochendes Wasser gelegt. 10min gewartet und vorsichtig die Schalen abgehebelt.
Als nächstes habe ich mir einen Kopfsetzer gebaut. (erste mal das ich etwas vernietet habe :D)
Dann die vier Nieten gemacht.



Alles gereinigt und wieder zusammengesetzt.







Die Schalen sind auch angepasst. Sie müssen nur noch geschliffen werden und verklebt...

Gruß Kev
 
Guten Tag,

der Umbau hat doch etwas länger gedauert als gedacht :glgl:. Jetzt kann ich aber sagen das diese Version final ist. Das vernietete Messer hält wunderbar zusammen, man sollte das Rad halt doch nicht neu erfinden :hmpf:. Das Messer ist jetzt seit einer Woche im Dauereinsatz und zeigt bisher keine Ermüdungserscheinungen.
Zu guter letzt noch ein paar Bilder:









Ich hoffe ich konnte dem ein oder anderen ein paar offene Fragen beantworten, mir hat der Umbau viel Spaß bereitet und gelernt habe ich auch das ein oder andere ;)

Gruß Kev
 
Vielen Dank für die umfangreiche Doku,
jetzt kannst Du uns ja noch mitteilen wann die messer in serie gehen :D

Gruss lenny
 
Hey,
viel Dank, Serie glaube ich nicht^^ dazu fehlt mir die Zeit :hmpf: Nur exklusive Einzelstücke.
Die nächste Idee schwirrt mir schon im Kopf herum :glgl:, ich bin schon auf der Suche nach den Materialien...

Gruß Kev
 
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