EDC TNT666 und Jute Micarta

Taperedtang

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Hallo,

heute stelle ich ein schlichtes EDC vor, dass man gut in der Öffentlichkeit führen kann, da es mit seinen freundlichen Farben nicht gefährlich auftritt.

Ich habe es so ausgelegt, dass alle alltäglichen Aufgaben gut damit bewältigt werden können. Dabei habe ich den Schwerpunkt auf Schärfe in Verbindung mit Schnitthaltigkeit gelegt.

Die Klinge habe ich ballig auf Null geschliffen, zur Stabilisierung der Schneide habe ich eine Microphase mit gesamt ca. 35° angelegt.

Die Bearbeitung des TNT666 Stahls ist im weichgeglühten Zustand gut machbar, nach der Wärmebehandlung sieht das etwas anders aus. Ich kann nur jedem, der diesen Stahl verwenden möchte empfehlen vor der Wärmebehandlung bis min. Korn 600 besser noch bis 800 oder 1000 zu schleifen, da beim Finishen Schleifspuren von Korn 180/240 sehr mühsam zu entfernen sind.


Die technischen Daten:

Gesamtlänge: 18,5 cm

Klingenlänge: 8,5

Klingenhöhe: max. 22 mm

Klingenstärke: max. 2,5 mm

Stahl: TNT666 ca. 64° HRc

Griff: blaues Jute Micarta mit 0,8 mm Liner aus gelbem Vulcanfiber, mit 3 x 4mm Messingpins befestigt.

Gewicht: 94 g









Gruß
Matthias
 
Zuletzt bearbeitet:
Sehr schönes Messer, Matthias, sieht bei der Griffform sehr nach einem Handschmeichler aus.
Das blaue Jute-Micarta in Kombination mit den gelben Linern: Ein richtige Eyecatcher-Kombination, sehr freundlich zudem.

Schöne Grüße
carrot
 
Moin Matthias,

Ziel erfüllt, würde ich sagen. Die cleane, unaufgeregte Linie in Kombination mit den Griffmaterialien dürfte selbst ängstliche Persönlichkeiten nicht in Schrecken versetzen ;) gefällt mir gut!

Mich würden hier insbesondere deine Erfahrungen mit dem TNT666 in der täglichen Nutzung interessieren. Ich hatte leider noch keine Klinge aus diesem Stahl.
 
Sehr schön, Matthias - sauber und fein!
Das Micarta sieht so aus, als würde es gut polieren und keine (oder wenig) stumpfe Stellen am Gewebe haben. Das gefällt mir sehr gut.
Das Blau ist von der Optik sehr erfrischend. Das passt gut mit dem Gelb - und auch den Pins.


....dass das ein super User ist: keine Frage. Für Dich?

Auf jeden Fall Glückwunsch zu dem Messer :)

Viele Grüße,
Torsten
 
@carrot
Danke, freut mich, dass Dir das Messer gefällt. Ja, ist wirklich ein Handschmeichler. Die Haptik des Jute Micartas ist sehr angenehm.

@Bukowski
Danke Daniel, den Stahl TNT666 habe ich hier auch zum ersten Mal verbaut. Da das Messer gerade erst fertig geworden ist, kann ich noch nicht viel zur Leistungsfähigkeit des Stahls sagen. Nach meinem Verständnis ist der TNT666 (1.2443) ein leistungsgesteigerter 1.2442 der zusätzlich mit Titan legiert ist. Ich gehe davon aus, dass der TNT den 1.2442 bezüglich Schnitthaltigkeit und Zähigkeit übertrifft. Beim Bearbeiten hatte ich auf jeden Fall den Eindruck, dass er deutlich schwieriger zu bearbeiten ist als der 1.2442. Der TNT666 nimmt auch eine hervorragende Schärfe an.

@xtorsten
Hallo Torsten, dein Lob freut mich! Das Jute Mircata lässt sich wirklich sehr gut polieren, es ist sehr hart und die groben Jute Fasern sind komplett vom Harz durchdrungen. Selbst wenn die Fasern an der Oberfläche liegen lassen sich diese Stellen polieren. Wie so oft habe ich vergessen woher ich es habe, es kann aber nur das Nordische Handwerk oder Jürgen Schanz sein, beide bieten dieses "Aqua Jute Micarta" an. Wo das Messer einmal landen wird, weiß ich noch nicht ;). Im Augenblick gefällt es mir noch ganz gut. :D::

Viele Grüße
Matthias
 
Mal wieder was echt schönes gezaubert, Matthias. Form der Klinge ist wohl optimal für ein EDC, und Griffform sowie die dazu ausgesuchten Materialien sind eine Augenweide, und lassen erst gar nicht den Verdacht auf Gefahr aufkommen. Damit kann man an jedem Tisch und überhaupt in der Öffentlichkeit nur positiv auffallen.
Natürlich, wie von Dir gewohnt, eine erstklassige Arbeit mit hoher Präzision, flawless, wie die Amerikaner sagen würden.
Ich bin natürlich wie alle anderen gespannt, wie sich das Messer schlägt.
Gruß
Herbert
 
Die Bearbeitung des TNT666 Stahls ist im weichgeglühten Zustand gut machbar, nach der Wärmebehandlung sieht das etwas anders aus. Ich kann nur jedem, der diesen Stahl verwenden möchte empfehlen vor der Wärmebehandlung bis min. Korn 600 besser noch bis 800 oder 1000 zu schleifen, da beim Finishen Schleifspuren von Korn 180/240 sehr mühsam zu entfernen sind.
Die Erfahrung durfte ich auch schon machen - dieser Stahl ist gehärtet eine echt harte Nuss. Mein Bandverbrauch nach dem Härten bei dem einen Messer, dass ich bis dato aus diesem Stahl gemacht habe, war durchaus bemerkenswert. Auch das Anbringen der Schneidphase mit der Tormek dauerte ein ganzen Stück länger als ich es gewohnt war.

Das Picanha, bzw. Steak-Messer das ich aus diesem Stahl gebaut hatte, ist zwar schon im Januar fertig geworden, ist jedoch bis dato nur ein paar mal im Einsatz gewesen, so dass ich nichts substantielles zur Haltbarkeit der Schneidkante beitragen kann.

Auf Grund der Biestigkeit bei der Bearbeitung des Stahls, bleibt der 1.2442 nach wie vor mein Lieblingsstahl (für Küchenmesser) - schade nur, dass die Restbestände an 1.2442 bei Achim zunehmend schwinden.
 
@herbert
Vielen Dank, Herbert! Ja, ich bin auch gespannt, ob der TNT666 leistungsstärker als der 1.2442 ist. Sollte das der Fall sein, wird das sicherlich nicht das letzte Messer sein, dass ich aus diesem Stahl gefertigt habe. Ob sich der erhöhte Bearbeitungsaufwand tatsächlich lohnt, muss jeder der den Stahl bearbeitet selbst entscheiden. Ein interessanter Stahl ist er allemal.

@Bolos
Bei der Bearbeitung des TNT666 habe ich überwiegend Bänder von M3 (Cubitron II) eingesetzt, damit bekommt man auch den TNT666 gebändigt. Aber es ist wie Du schreibst, der Verschleiß ist sehr groß. Der weichgeglühte Stahl lässt sich zwar normal bearbeiten, wirkt aber auch schon sehr verschleißend auf die Werkzeuge. Ich habe mit einer Handsäge mit Bi-Metallsägeblatt ein Stück TNT666 von einem längeren Streifen abgesägt, danach war das neue Sägeblatt aufgebraucht. Auch beim Feilen stellt man fest, dass die Feile schneller stumpf wird als bei anderen Stählen. Und ja, nach dem Härten ist das wirklich kein Kindergeburtstag mehr. :D Aber ich mag solche Herausforderungen.
 
Ein sehr schönes Messer, schlicht vllt, aber optisch sehr erfrischend und sozialverträglich! Und eine sehr gebrauchstüchtige Klingenform.

Abu
 
@Abu, @Partizan
Danke, für Eure sehr positiven Kommentare.

Ich habe noch eine zweite, fast identische Klinge aus TNT gefertigt. Dieses Messer bekommt Kupferbacken und vermutlich Griffschalen aus Mooreiche. Ich werde es in nächster Zeit auch vorstellen. Ich bin schon gespannt, ob es Euch auch gefallen wird.

Gruß
Matthias
 
Genau mit den gleichen Griffmaterialien in blau mit gelben Linern habe ich einen Klingenrohling aus Tenasteel von Markus Reichart versehen.
Gefällt mir also ausgesprochen gut:D
 
Der Klingenrohling aus Tenasteel (11,5cm Klingenlänge, Stärke 5mm Klingenhöhe ähnlich groß wie beim MR103/5) hatte 63 HRC, mit meinen Feilen konnte ich ihn nicht bearbeiten...

Beim Anbringen der Sekundärfase hat er sich auch recht stark gewehrt, ich habe dafür im ersten Schritt einen Zische Silifix 220 verwendet.
Der Winkel der Sekundärfase liegt bei ca. 35°, ich nutze das Messer bei meinen Outdooraktivitäten, bearbeite Holz und schneide Lebensmittel. Batonen mache ich mit Messern nicht.

Ich habe hier nur vergleichbar große, feststehende Messer aufgezählt, die einen Flachschliff haben und die ich vergleichbar intensiv genutzt habe.

Die Schneide hält die Schärfe sehr gut, vom Gefühl her besser als der ATS 34 von Linder, der D2 von Enzo oder der 14C28N von Ruike, aber schlechter als der M390 an meinem Reichart MR141. Der Stahl nimmt die Schärfe gut an, es ist kein Problem ihn so scharf zu kriegen dass man ohne jeden Druck die Beine rasieren kann...

Ausbrüche kann ich mit meiner Geologenlupe nicht finden. An meinen Messern aus ATS34 und D2 konnte ich bei ähnlicher Nutzung kleine Ausbrüche finden, M390 und 14C28N nicht. Wobei ich den Tenasteel spitzer ausgeschliffen habe.

Die Rostträgheit ist in etwa dem D2 vergleichbar.
 
Danke, für die Infos zum Tenasteel! Ich habe hier auch noch etwas Interessantes zum Tenasteel gefunden. Nach meiner Einschätzung ist der Tenasteel der "bessere" D2, da er bei min. doppelter Zähigkeit (viel kleinere Karbide als D2) annähernd die gleiche Schnitthaltigkeit besitzt.
 
Das PFD von Recknagel hätte ich dir schicken können, ich dachte du meintest praktische Erfahrungen...
Markus Reichart war von dem Tenasteel sehr begeistert und hatte überlegt mehr daraus zu machen. Leider hat er dann seine Tätigkeit als Messermacher aufgegeben. Waren immer interessante Gespräche mit ihm über Messerstähle. Er als Praktiker hatte dann doch teilweise eine andere Sicht als ich, der sich nur theoretisch mit diesen Stahlsorten befasst (beruflich bin ich sonst bei den hochwarmfesten Stählen unterwegs).
Der Tenasteel hat eigentlich die Eigenschaften gezeigt, die ich aufgrund der Zusammensetzung erwartet hatte, blöderweise habe ich nie den Titangehalt gemessen den Recknagel zwar mit aufführt, aber ohne Zahlenwert. Wenn ich nochmal ein Probestück in die Finger kriege werde ich es nachholen. Ist schon praktisch wenn man die technischen Möglichkeiten auf der Arbeitsstelle hat :D
 
@Bukowski
……Da das Messer gerade erst fertig geworden ist, kann ich noch nicht viel zur Leistungsfähigkeit des Stahls sagen. Nach meinem Verständnis ist der TNT666 (1.2443) ein leistungsgesteigerter 1.2442 der zusätzlich mit Titan legiert ist. Ich gehe davon aus, dass der TNT den 1.2442 bezüglich Schnitthaltigkeit und Zähigkeit übertrifft. Beim Bearbeiten hatte ich auf jeden Fall den Eindruck, dass er deutlich schwieriger zu bearbeiten ist als der 1.2442. Der TNT666 nimmt auch eine hervorragende Schärfe an.

@xtorsten
……Das Jute Mircata lässt sich wirklich sehr gut polieren, es ist sehr hart und die groben Jute Fasern sind komplett vom Harz durchdrungen. Selbst wenn die Fasern an der Oberfläche liegen lassen sich diese Stellen polieren….. "Aqua Jute Micarta" an.
Wo das Messer einmal landen wird, weiß ich noch nicht ;).……
Zum #5 kann ich inzwischen einige Ergänzungen beitragen.

Das Messer ist jetzt bei mir gelandet! Wann immer Matthias eines seiner konzeptionell durchdachten und handwerklich sauber gemachten Messer vorstellte, fiel mir jeweils dieses „Blaue“ wieder ein. Die zivile, gesellschaftsfähige Farbe war der Anker, der echte Reiz lag und liegt aber im Griff insgesamt und natürlich in der Klinge aus TNT666!

Der Griff ist hervorragend in Haptik und Ergonomie! Gratulation an @Taperedtang aka Matthias zu diesem Konzept. Er liegt mit dem breiteren Hinterteil und der Fingermulde bei meiner Gr. 9,5 satt und sicher in der Hand. Dreh- und Angelpunkt ist die Fingermulde….
…..für den Zeigefinger beim Faustgriff…
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….für den Mittelfinger beim Pinchgrip…
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….und wer mag, für den Daumen beim revers.
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Das Micarta fühlt sich warm und sehr angenehm an, es ist schön gleichmäßig glatt poliert. Ganz allgemein: für jagdliche „Sauereien“ wäre es sicher zu rutschig; aber das ist ja nicht meine Anwendung.

Inzwischen hat es auch eine passende Scheide, klasse und schnelle Arbeit von @Nick 👍, für mich eine sehr schicke, gelungene EDC- und Citykombination.
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Bliebe der Stahl, Fragen zur Leistung und letztlich: lohnt der Mehraufwand? Der singuläre Gebrauch muss es zeigen, aber einen Vergleichstest zu fünft habe ich in Arbeit - Geduld bitte.
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Gruß
Abu
 
Hallo Abu,

vielen Dank, für deinen schönen Bericht und die tollen Bilder! Und auch dafür, dass Du weiter testen möchtest. Ich kann noch nicht viel über den TNT666 sagen, ich weiß nur, dass eine sehr gute Schärfe erreichbar ist und die Bearbeitung wirklich fordernd ist. Ich bin gespannt, was Du zu diesem Stahl berichten wirst.

Gruß
Matthias
 
Ich habe den Test des TNT666 abgeschlossen, HIER der Link.

Die Frage, ob sich TNT666 „lohnt“, könnte ich jedoch nur beantworten, wenn ich den zusätzlichen Aufwand kennen würde, also eher eine Frage aus Sicht der Macher. Den zusätzlichen Nutzen als Anwender kann ich für mich nun beurteilen, er ist gegenüber dem 1.2442 erheblich. Die Standzeit der Schärfe ist besonders beachtlich, lag sogar im Niveau des CPM3V, also hervorragend!
Ich pflege die Schärfe bzw. hier die Fase mit dem Spydi–Sharpmaker, den Schleifwinkel habe ich von 36 auf 30 Grad damit geändert.
Der Test hat auch Erfahrungen mit dem Messer insgesamt gebracht. Die Griffform bleibt Spitze, bei einem harten Einsatz mit 1000 Schnitten (mit 4Messern a. 250) in Holz fühlt man jeden Hotspot. Optimal wäre dafür, die Kanten flacher zu gestalten, dem Griff im Querschnitt eine eher ovale Form zu geben. Für normale EDC-Aufgaben sicher nicht unbedingt notwendig. Mal schauen, vllt lasse ich es für mich und meine Schnibbeleien von Matthias nacharbeiten.

Resümee: Das ist ein erstklassiges Messer, freue mich, dass es mit diesem außergewöhnlichen Stahl bei mir gelandet ist.

Abu
 
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