Federhammer Tuning

link

Mitglied
Beiträge
381
Hallo Zusammen,

ich möchte demnächst meinem Meitinger Federhammer (Record) Baujahr 1966 einen neuen 4KW Motor gönnen, der Alte (2KW) macht in letzter Zeit seltsame Geräusche.
Dabei überlege ich ,ob ich nicht auch noch gleich eine größere Keilriemenscheiben einbauen soll um die Schlagfrequenz zu erhöhen.
Zur Zeit macht er ca. 180 H/min, was meint ihr, wie hoch kann ich mit der Schlagzahl maximal gehen?

Gruß Link
 
Federhammer-Tuning

......ich möchte demnächst meinem Meitinger-Federhammer (Record) Baujahr 1966 einen neuen 4kW-Motor gönnen.....
Dabei überlege ich, ob ich nicht auch noch gleich eine größere Keilriemenscheiben einbauen soll, um die Schlagfrequenz zu erhöhen......was meint ihr, wie hoch kann ich mit der Schlagzahl maximal gehen?.....
Ich bin kein Kenner der Materie, da Du aber nach Meinungen fragst, gebe ich mal meine preis:
Allgemein treten durch höhere Drehzahlen bei oszillierenden Bewegungen erhöhte Massenkräfte auf, für die Dein Hammer vielleicht nicht eingerichtet ist. Ich denke dabei an die Lager und das Fundament, und vermute, dass Du dann mit stärkerem Verschleiß und möglicherweise auch Vibrationen rechnen musst.

Ob eine höhere Schlagzahl generell Vorteile hätte, weiß ich nicht. Nach allem, was ich gelesen habe, sind sie eher ein Kennzeichen der kleineren Hämmer.

Daher würde ich die Schlagzahl nicht wesentlich erhöhen.

Gruß

sanjuro
 
Hi,

da hat Sanjuro völlig recht. Das System ist mit Bärgewicht, Federrate und Hubzahl auf einander abgestimmt. Bei Erhöhung der Hubzahl kommst Du irgendwann in den Bereich, wo sich Federschwingung und Pleuel gegenläufig verhalten. Das gibt dann höchstwarscheinlich Kernschrott.
Aber vielleicht findest Du ja jemand, der aus den Kenngrößen die maximale Hubzahl errechnen kann.

Gruß
Reiner
 
Dabei überlege ich ,ob ich nicht auch noch gleich eine größere Keilriemenscheiben einbauen soll um die Schlagfrequenz zu erhöhen.
Zur Zeit macht er ca. 180 H/min, was meint ihr, wie hoch kann ich mit der Schlagzahl maximal gehen?

Lass die Finger davon. Die Leute, die Maschinen konstruieren, wissen, welche Kräfte auftreten, kennen ihre Konstruktion und das Material, wissen, welche Reserven einkalkuliert werden sollen - damit das Ding eben noch nach über vierzig Jahren läuft. Wenn das Teil 180 Hübe/Minute macht, dann hat das den Grund, dass es dafür ausgelegt ist. Daran rumzumachen ist Pfusch. Solltest Du eigentlich wissen.

Pitter
 
Ich weiss dass link Maschinenbau Ingenieur ist. Und genau wie er weiss ich als Maschinenschlosser dass man Maschinen mit einem mehrfachen an Sicherheit berechnet. Bei älteren umso mehr als bei den modernen an Material gesparten Maschinen.

Alle vorausgegangenen Komentare sind absolut richtig!
Trotzdem denke ich lassen sich durch geringfügige Änderungen etwas an der Leistung machen. Ich sage dies weil ich exakt den gleichen Federhammer habe wie unsere Schmiedevereinigung die Hephaistosbruderschaft.

Mein Hammer schlägt 260mal in der Minute, das ganze mit einem Flachriemenantrieb, das ganze 2 mal untersetzt.
Deren Hammer ,untersetzt durch ein Planetengetriebe, schlägt 180 mal in der Minute. Beide Hämmer sind wirklich genau die gleichen (75Kg Bär) und vom Hersteller so geliefert.
Der knackpunkt an solchen Konstruktionen sind wie bereits richtig erwähnt erstens die Schmierung der Gleitgelagerten Teile in unserem Falle durch Fett über Stauferbuchsen. Und 2 tens die nicht ungefährlichen Schwingungen die beim harten Einsatz sehr schnell und unbemerkt auftreten können.
Die Frage der Schmierung lassen sich durch moderne Fette und disipliniertes achten auf Schmierung(Schmiernippel oder Stauferbuchsen,evtl. autmatische Fettpresse lösen. Die Frage der Schwingungen, lassen sich durch :rolleyes:wie soll ich das sagen....Erfahrung , Gefühl ...während des Schmiedens erfühlen.

Gruss unsel
 
Hallo,
Ingenieur bin ich eigentlich nicht, arbeite aber seit 30 Jahren in der Metallindustrie
und kann die Kräfte die in einer Maschine wirken einigermaßen einschätzen.
Wie Unsel schon schreibt sind die älteren Maschinen noch robuster und auf Sicherheit berechnet,
ich denke dass eine Schlagzahlerhöhung auf 220-240 H/min auf die Konstruktion keine große Auswirkung hat.
Als ich den Hammer bekam war die Hubhöhe so eingestellt das bei jeder Umdrehung der Schwungscheibe der Bär ¼ Umdrehung auf den Amboss gedrückt wurde,
dass er das jahrelang überstanden hat spricht doch für eine stabile Konstruktion.

Gruß Link
 
Hallo zusammen,

Ich denke auch, dass man nicht ganz ohne Bedenken sein sollte.

Ich habe eine kurze "auf dem Briefumschlag" Rechnung gemacht. Soll nicht heissen, dass die Rechnung korrekt ist, aber man bekommt eine grobe Idee, in was für einen Bereich man sich begibt:



Wird die Schlagfrequenz von 180 auf 240/min erhöht, bekommt man eine um 33% erhöhte Geschwindigkeit des Bärs.

Die Energie des Bärs, die beim Schlag abgefangen werden muss, steigt quadratisch mit der Geschwindigkeit nach der Formel E=0.5mv^2. Die Energie ist also um 1.33x1.33=1.77 höher.

Wenn wir jetzt (konservativ) annehmen, dass die Stossbedingungen beim Schlag genau gleich bleiben, d.h. die Bewegung des Bärs auf der gleichen Strecke und gleich schnell abgebremst wird, können wir sagen, dass die auftretenden Kräfte, nach der Formel E=Fs (Kraft mal weg), auch 1.77-fach erhöht werden.

Der Sicherheitsfaktor ist üblicherweise bei schlagenden, unregelmässigen Belastungen mindestens 4.
Die verbleibende Sicherheit bei 1.77-facher Kraft wäre 4/1.77=2.26. Also doch schon erheblich heruntergesetzt.
Kommen dann noch Verschleiss, ungünstige Schwingungen und eine Überbelastung zusammen, könnte es doch schon dazu reichen, dass Teile im Raum spazieren gehen.



Ich stelle wirklich keinen Anspruch, dass die Rechnung exakt ist, es wurden sehr viele Details ausgelassen und vereinfacht. Aber ich denke, dass entsprechende Vorsicht geboten ist.

Mit 30 Jahren Berufserfahrung wird man die entsprechenden Anzeichen einer auseineanderfliegenden Maschine schon deuten können. Einfach, Vorsicht eben...

Liebe Grüsse

Chris
 
Zuletzt bearbeitet:
Heute hab ich mein Hammertuning abgeschlossen.
Eingebaut hab ich einen 4 KW Motor mit einer 63mm Doppelriemenscheibe (eine kleinere hab ich nicht bekommen) auf einer 20mm Welle, die Mittleren Riemenscheiben hab ich ausgebaut, der Keilriemen geht jetzt direkt vom Motor auf die Antriebswelle und macht 245 U/min.
Erhöhte Schwingungen oder sonstige Schwierigkeiten habe ich bei meinem ersten Schmiedeversuch nicht festgestellt, aber ein erheblicher Anstieg der Leistung.
Teile die ich sonst mit zweimal erwärmen bearbeitet habe konnte ich locker mit einer Hitze umformen.
Wie sich das auf die Lager oder andere Verschleißteile auswirkt kann ich noch nicht sagen,
werde es aber genau beobachten und euch mitteilen.
Gruß Link
 
Bei youtube hab ich zwei Videos eingestellt, Federhammer Tuning 1 und 2
da schmiede ich C45 mit Durchmesser 20mm und Durchmesser 32mm.
Die Filmqualität ist nicht besonders aber man sieht wie Kraftvoll der Hammer schlägt.

www.youtube.com/watch?v=K7PwLWv0UhM
www.youtube.com/watch?v=pJT48ejEX0s

Zusätzlich hab ich noch aus zwei alten keilförmigen Gesenke Rundgesenke geflext.

Gruß Link
 

Anhänge

  • 1.JPG
    1.JPG
    52,8 KB · Aufrufe: 282
  • 2.JPG
    2.JPG
    54,5 KB · Aufrufe: 195
  • 3.JPG
    3.JPG
    58,9 KB · Aufrufe: 221
  • 4.JPG
    4.JPG
    57,2 KB · Aufrufe: 175
  • 5.JPG
    5.JPG
    59,8 KB · Aufrufe: 189
  • 6.JPG
    6.JPG
    50,8 KB · Aufrufe: 191
Zuletzt bearbeitet:
Zurück