Fettkötter Wundertüte mit einem böhmischen Frenzel darin

Abu

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Als Kinder haben wir Wundertüten geliebt: Chance - Risiko, Überraschung zum vertretbaren Preis. So empfand ich es auch bei einem Angebot namens „Fettkötter“-Messer.

Eigentlich hatte ich keinen richtigen Bock drauf. „Fundzustand“: Den Bildern nach verlottert, gammelig, rostig, abgebrochene Federklinge - evtl. noch verdeckte Mängel?

Andererseits sprachen Argumente für das Messer: Hahnenkopfbacken, gute Hirschhornschalen und… - der Name Fettkötter Osnabrück! 1856 gegründet, ehemals Waffen- und Jagdgeschäft, groß genug, dass er einst Messer mit eigenem Namen aus der böhmischen Manufaktur von Franz Frenzel anbot. Ich besaß bereits eines.

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No risk no fun. Das Messer kam für billig Geld zu mir. Und der „Tüte“ entsprang ein „Wunder“, viel besser als bebildert! Blick aufs Rikasso, Fragmente vom Frenzel-Anker sofort sichtbar.

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Flugrost, viel Patina, die Klingenschächte, normalerweise Sammelplatz für Dreck und Schmodder, fast blitzblank. Eingesprüht mit Ballistol, wirken lassen, eine Stunde mit Micromesh aufgearbeitet. Ein beglückendes Gefühl, das Schmuddelkind wieder zum Glanz zu verhelfen.

Einzig das Federmesser brauchte Idee und Zuwendung.
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Die scharfen Kanten der Bruchstelle entgratet, die Klinge a la Rasolino / Razor nutzbar geformt. So bleibt der Nagelhau zum sicheren Öffnen weitgehend erhalten.

Fertig, hier ist es:

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Griff 12 cm, Gesamt mit Hauptklinge 21,3 cm, Gewicht 212 gr., Alter geschätzt bis 1930er Jahre, hochwertig verarbeitet, Neusilberbacken, innenliegende Platinen mit Münzrand.

Aber: WAS ist es?
Jagdmesser ohne typisch jagdliche Attribute?
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Dafür Dosenöffner und sehr große Schere von 9 cm!!! Teile, die ich im Frenzelkatalog an Armee- und sog. Kutschermessern finde. Für mich ein Multifunktionsmesser für den Herrn auf Tour und Expedition?

Abu
 
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