Gibt es auch ein "differentielles Anlassen"?

haasi

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Hallo zusammen!

Vielleicht hört sich die Frage komisch an, aber bei der Diskussion im Nachbarunterforum um den Sinn von Härten und Anlassen und hobbys Ausführungen stellte sich mir folgende Frage:

Ist differentielles Härten eigentlich der richtige Weg, wenn man aus einer Monostahlklinge das Optimale rausholen möchte? Denn eigentlich wird ja genau das gemacht, was Blade verwunderte: Der Rücken wird weniger schnell abgeschreckt und so bleibt so weicher und damit zäher als die Schneide.
Aber eigentlich wird doch in der ganzen Klinge eine möglichst feinkörnige Struktur gewünscht, oder? Wäre es dann nicht sinnvoller, die komplette Klinge durchzuhärten und dann den Teil, der zäher werden soll, einfach höher anzulassen!?

Stellt sich nur noch die Frage, wie man ein Temperaturprofil auf die Klinge aufbringen kann...


Ist der Gedanke prinzipiell richtig und wenn ja, wie könnte man das am ehesten bewerkstelligen?

Gruß,

Daniel
 
kurzfassung: mit ner lötlampe

lange fassung: du nimmst einfach eine lötlampe und lässt die bereiche der klinge, die du nicht so hart haben willst selektiv höher an. :)
 
Hallo Daniel

Dieser naheliegende Gedanke ist nicht neu. Vor allem Ulrich Gerfin propagiert gerne das "differentielle Anlassen" aus den besagten Gründen.

In der Praxis lässt sich das relativ gut mit der Lötlampe oder einem erwärmten Stück Stahl machen, worauf das Messer mit dem Rücken voran gelegt wird. Leider ist es letztlich nicht ganz so einfach, das sauber hinzubekommen. Aber sonst wäre es ja auch langweilig :p
 
Ed Fowler beschreibt in "Knive Talk", wie er mit Schweißbrenner oder Lötlampe die Klinge erwärmt. Er stellt sie dabei mit der Schneide in eine Wasserschale und der herausscheuende Klingen-Rücken wird angelassen. Das geht aber weniger bei einem Lufthärter.

Für einfache Kohlenstoffstähle scheint es aber prima zu klappen.

Gruß

Gerhard
 
So mach ich fast alle meine Klingen, aber eine so schöne Härtelinie wie beim Selektivenhärten gibt es nicht.
Ich gehe so vor:
Zuerst wird die ganze Klinge min.2mal gehärtet meist 3mal, dann nehme ich einen Holzklotz, in den ich mit der Flex (ja ich weiß, ist Barbarisch) eine Vertiefung einschneide. In länge und Form der Messerschneide, der Erl steht frei, dann mach ich die Hugh spezial Wärmeleitpasstenmischung, dazu nehme ich alten Maisgries misch ihn 1 zu 1 mit Salz, gib Wasser dazu bis es eine Passte ergibt die nicht zu flüssig sein darf und schmiere sie in den Holzschlitz.
Dann kommt die Klinge hinein und ich gehe mit dem Schweißbrenner solange über den Rücken und Erl bis ich die gewünschte Graufarbe ereiche. Die Wärmeleitpasste wird an der Klinge selber schwarz und verkohlt, aber das macht nichts, den die schneide nimmt nichtmal eine leichte anlauffarbe an.
Das heißt also das die Schneide nochmal extra angelassen werden muß , und dass mach ich dann min. 3 mal im Backofen bei ca 150-200 C, dazwischen immer wieder rausnehmen und abschrecken.
Danach hab ich einen Federharten Rücken und eine Schön harte schneide. Genaue werte kann ich nicht nenen, da keinen Rockwelltester zur Verfühgung.
Das resultat ist eine Messer das ich mit der Spitze vorann auf den Betonboden fallen lassen kann ohne das etwas abbricht, ich hau die schneide in St37 ohne ausbruch und im Schraubstock läst es sich nur mit äußerster gewalt in einem dreipunkte ausrichter begradigen, wenns mal verzogen ist.
Einziges problem an dem ich noch Arbeite ist die Stärke des Erls den mach ich manchmal zu klein.
 
also ich habe vor längerer Zeit mal einen Beitrag eingestellt,
der ein Anlassverfahren darstellt das einem "diff. Anlassen "nahe kommt.
Dieses Verfahren ist schon Jahrhunderte alt und wird noch heute von den Schmieden im Norden angewand.

Gugst Du HIER

Gruß
 
Differentielles Anlassen

haasi schrieb:
....Wäre es dann nicht sinnvoller, die komplette Klinge durchzuhärten und dann den Teil, der zäher werden soll, einfach höher anzulassen!?
Stellt sich nur noch die Frage, wie man ein Temperaturprofil auf die Klinge aufbringen kann...

Daniel,

dafür gibt es ein einfaches und etwas archaisches Verfahren: Du nimmst eine Steckrübe (auch Oldenburger Ananas genannt), schneidest sie der Länge nach in der Mitte durch und steckst Deine gehärtete Klinge soweit hinein, dass der herausstehende Teil im Feuer angelassen werden kann. Der in der Rübe steckende Teil wird ausreichend gekühlt und gleichzeitig gut festgehalten.

Die Schneide ins Wasser zu halten und den Rücken mit dem Brenner zu bearbeiten ist wohl handwerklich schwieriger.

Gruß

sanjuro

P.S. Bei kleineren Klingen mag das Verfahren auch mit anderen Feldfrüchten funktionieren.....
 
Ich habe mir gerade ähnliche Gedanken gemacht.
Reicht es denn bei einer Messerklinge oder einer noch längeren, den stahl nur auf anlassfarbe zu bringen... ich hab eine 80 cm Klinge aus ner Autofeder gezogen... die passt in keinen Ofen
 
Zu Beitrag 9

Wo soll das Problem sein ?.
Wenn Du richtig gehärtet hast, kannst Du natürlich nach Farbe anlassen. Das geht auch Stück für Stück, also 10 cm anlassen, die nächsten 10 cm anlassen und so weiter.
Muß ich eigens betonen, daß das beim Härten nicht geht ?.

Freundliche Grüße

U. Gerfin
 
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