Härten von Korkenzieher aus 1.4034

Laketrout

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Hallo
ich bin aktuell an einem Folder dran für mich selber. Ein Korkenzieher gehört da einfach dazu.
Ich habe ihn aus 1.4034 geschmiedet.

Ich denke es ist nicht unbedingt hohe Härte erforderlich eher eine gewisse Zähigkeit. Rostträge soll er natürlich sein.
Wie würdet ihr ein solches Teil härten und anlassen ?

Bilder werden natürlich folgen.
Mit freundlichen Grüsse
Laketrout
 
hast Du schon mal gekugelt?
einfach 1.4034 eingeben und dann hast Du ruckzuck (Ungefähr 11.200 Ergebnisse in 0,17 Sekunden) z.B.:
http://www.doerrenberg.de/fileadmin/template/doerrenberg/stahl/DatenblaetterDeu/1.4034_de.pdf
oder die SuFu:
http://www.messerforum.net/showthread.php?t=65368&highlight=1.4034
oder
http://www.messerforum.net/showthread.php?t=26645
...
auf jeden Fall Tiefkühlen weil Restaustenit bei Korkenzieher schlecht ist ...
Viel Spaß beim Flaschenaufziehen -
und Bilder ZEIGEN!
Herzliche Grüße aus Stuttgart,
Jost
 
Warum soll Restaustenit schlecht sein bei einem Korkenzieher? Auf höchste Härtewerte kommt es nicht an und auf hohe Maßhaltigkeit auch nicht.
Deshalb halte ich Tiefkühlen hier für überflüssig. Den Korkenzieher würde ich härten bei 1000-1050°C und anlassen bei ca. 250 °C, das Maximum was der Backofen hergibt;)
Mit dieser Wärmebehandlung habe ich schon 1.4034 Flaschenöffner für Kronkorken gehärtet mit gutem Erfolg. Es gab weder Brüche noch hat sich was verbogen.
 
Mir ginge es nicht um Härte sondern um optimale Zähigkeit / Bruchfestigkeit und da macht sich der RA m E nicht besonders gut -
hast Du schon mal einen 15 Jahre alten Rijoja mit langem Korken oder einen richtig zugeknallten Prosecco aufgezogen? Die Belastung ist dabei sicher nicht mit einem Kronkorken zu vergleichen.
Ich würde bei einem Korkenzieher für ein möglichst feines, homogenes Gefüge sorgen - das ist dann, wenn richtig angelassen, deutlich haltbarer und zäher.
Kapselheber kannst Du aus Messing machen - manchen reicht dazu sogar eine fest aufgerollte Tageszeitung - Billigkorkenziehern habe ich bei festsitzenden harten Korken schon mehrfach den Hals abgedreht.
Wenn ich mir die Mühe mach einen zu schmieden, dann spar ich nicht an der WB - erst recht nicht, wenns ein Taschenmesser wird. Und wenns denn rostfrei sein soll: etwas Trockeneis und Spiritus ist ja nicht der Akt.
HT liegt so bei 1030°C, 10 - 15 Min. (Härtefolie!) Haltezeit.
Härtemedium Öl, 70°C
RA löst sich nicht bei Raumtemperatur also mache ich TK 15 Min.
Wenn Du ein Anlass-Diagramm betrachtest, siehst Du bei 450°C ein Sekundär-Härtemaximum - ich bilde mir ein, gelesen zu haben, der Stahl sei dann auch zäher ... müsste man nochmal recherchieren.
Bei manchen Stählen leidet dann allerdings die Rostbeständigkeit -
würde mich aber nicht stören. Und TK / Anlassen(1 h): 2 mal hält besser.
Herzliche Grüße,
Jost
 
hallo laketrout. ich würde den korkenzieher wie eine feder härten. habe schon des öfteren 1.4034 für slipi-federn genommen. das verspricht elastizität, - besser als zu hart und knack. also härten bei 1000-1050 grad in öl abschrecken. angelassen habe ich nach glühfarbe, der stahl muss im dunkeln leicht anfangen zu glühen ca. 450-480 grad. härte bei der prozedur ca. 45 hrc.

viele grüße uwe
 
Vielen Dank für Eure Hinweise.
hast Du schon mal gekugelt?
Wie 1.4034 für normale Klingen gehärtet wird habe ich schon nach geschaut. Die Frage war mehr dahin ausgerichtet ob bei einem Korkenzieher noch was anderst gemacht werden müsste (mehr zäh als unbedingt hart) ?


Also wenn ich Euch richtig verstanden habe währe folgendes vorgehen passend:
Härten 1000-1050 Grad (HT 10-15 Min)
Abschrecken in vorgewärmtem Oel
Tiefkühlen
Anlassen bei 450 Grad

Wird bei 450 Grad auch die übliche Stunde angelassen oder weniger ?
 
Nun die Wahl des Werkstoffes ist grundsätzlich nicht total falsch aber wie schon abgesprochen könnte man da was besseres benutzen z.B. 1.4021.

Vielleicht noch was zur Restaustenitumwandlung.
Diese Umwandlung kann durch verschiedene Behandlungen herbeigeführt werden.
1. Tiefkühlen dabei müssen mindestens -70°C erreicht werden um den Vorgang ausreichend in Gang zu setzen.
2. Erzeugen von Druckspannungen auf mechanischem Weg z.B. Umformen im Kaltzustand, Biegen, etc.
3. Anlassen über 200°C um den RA zu destabilisieren und umzuwandeln. Meist jedoch im Sekundärhärtemaximum, das je nach Werkstoff verschieden liegen kann, grob etwa 450-560°

Wenn man im SHM anlässt, und das sinnvoller Weise 3mal, dann ist es in der Regel nicht notwendig vorher ein Tiefkühlen zu machen, da der Restastenit im Normalfall hierbei vollständig umgewandelt wird.
Nachteil des Anlassen im SHM bei martensitischen Chromstählen wie 1.4034 ist allerdings die Chromverarmung die man produziert. Dies führt zu einer erheblichen Minderung der Korrosionsbeständigkeit.
Im Fall unseres Korkenziehers sehe ich aber keine Gefahr, da man ja den Korkenzieher nicht jahrelang im Wein badet, und bei normalem Umgang mit dem Werkzeug man kaum Gefahr läuft hier erhebliche Rostschäden zu erleiden.
 
Mal noch eine Frage, die eigentlich nicht direkt mit dem Härten zu tun hat: Wie formst Du eigentlich den Korkenzieher? Billige solche aus dem kaufhaus bestehen ja einfach aus einem aufgewickelten Draht, während die ganz teuren aus dem Vollen gefräst sind in einer Art Spitzgewinde mit sehr scharfen Kanten. Das ist für den Korken besser, aber in einem Taschenmesser wohl eher nicht erwünscht.
Hast du ein Bild?
 
Nun die Anlasszeit beim Anlassen im SHM beträgt bei Schnellstählen in der Regel 2h pro Gang. Sicherheitshalber würde ich das auch bei Chromstählen so machen auch wenn diese keine so großen Mengen an Sekundärkarbiden haben.

Natürlich gewinnt der Stahl dadurch makroskopische Zähigkeit, denn es handelt sich ja um angelassenen Martensit.
Meinen Messungen zu folge ist es aber so das sich die Schneidkantenstabilität feiner schneiden durch ein Anlassen im SHM bei solchen Chromstählen verringert bei gleichzeitigem starkem Verlust der Korrosionsbeständigkeit. Diese Beobachtung gilt allerdings nicht für die Schnellstähle. Hier ist das Problem so dass man durch Tiefkühlen alleine keine ausreichende Umwandlung von RA bekommt und damit der verbleibende Anteil RA die Schwächung des Werkstoffes durch das Anlassen im SHM scheinbar übertrumpft bzw. ergänzt.
 
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