Herder K5 - Verzogene Klingen?

Carl Hanger

Mitglied
Beiträge
222
Liebes Forum,
aus aktuellem Anlass eröffne ich hier ein kleines Pendant zu dem Faden über verzogene Japaner.
Ich habe vor kurzem ein K5 (rostfrei) erworben. Leider ist die Klinge verzogen. Wenn ich die rechte Flanke auf eine plane fläche lege steht die Spitze ca 3mm ab:

rechte Flanke aufliegend:


linke Flanke aufliegend:


Es ist ordentlich Spannung auf der Klinge, heißt um sie gerade (also kurzeitig gegen das Brett) zu drücken braucht es einen nicht unerheblichen Kraftaufwand. Beim Schneiden wird das nicht auffallen, ich bin mir aber sicher, dass es beim Schärfen zu Problemen führen wird. Deshalb wollte ich es umtaschen. Der Händler hat sich hilfsbereit gezeigt und für mich seinen Bestand durchgeschaut. Leider mit dem Ergebnis, dass alle seine K5s mit diesem Griff verzogen sein, und das eigentlich auch kein Problem sei. Daraufhin habe ich gesagt, dass ich das Messer zurückschicken werde. Dann habe ich einen anderen Händler angerufen, mit der bitte mir vorab schon ein gerades Modell auszusuchen um Retouren zu vermeiden, auch hier wurde mir gesagt, dass sie mir nicht garantieren können ein gerades K5 zu finden. Die Sache ist, ich habe selbst schon komplett unverzogene K5s gekauft und benutzt, das ist aber schon ein paar Jahre her.

Dieser Post ist keine Kritik an den Händlern, auch nicht wirklich an Herder, sondern eher die Frage was ihr noch akzeptieren würdet und wie sich eine in dieser Form verzogene Klinge tatsächlich in der Praxis auswirkt.

Viele Grüße
Carl
 
Zuletzt bearbeitet:
Mit Herder Messern habe ich eine kleine Odyssee hinter mir, bis ich ein sehr, sehr gutes 23 cm 1922 Kochmesser mit krummem Griff gefunden habe. Die Klinge war jedoch kerzengerade, außergewöhnlich dünn und gleichmäßig ballig geschliffen.

Mein K5 hatte ich zurückgegeben, da es auf einer Flanke fast flach geschliffen war. Ein Hechtsäbels, K6 und 1922er Tranchelard waren verzogen.

Bei Herder muss man fast immer irgendeinen Kompromiss eingehen. Bestell dir am besten von einem anderen Händler noch eins und vergleiche – lass dir Fotos schicken oder, noch besser: im Fachhandel anschauen und selbst auswählen.
 
Ich würde mit dem händler plauschen und dort eine lösung suchen. Sowas darf nicht sein, da wurde bei herder in der fertigung geschlafen. Kannst auch mit herder plauschen und deren meinung dazu erfragen.
 
sondern eher die Frage was ihr noch akzeptieren würdet ...

Zu dem Preis eines K5 ist es für mich nicht akzeptabel, auch halb so viel eher nicht.
Die verkaufen Luxus Messer, da darf man eine hohe Qualität erwarten. Sichtbarer Verzug ist weit entfernt von hoher Qualität, es ist Murks.
Für Murks bezahle ich keine 180€ oder mehr.

Wenn andere das tun ist das gut für Herder, kommt ja durchaus öfter vor das Firmen es schaffen eher Mythos zu verkaufen als Qualität.
 
Gingen alle wegen Verzug und/oder Schliff der Flanken zurück. Bei der Klinge würde ich keine Kompromisse machen. Sie sollte gerade und gleichmäßig ausgeschliffen sein - dünn und nagelgehend.
herder1.jpg


Dieses Kochmesser habe ich dann behalten, die Klinge ist kerzengerade und auf Fehrekampf Niveau, die Spitze fein wie beim Tranchelard, leider bildet der Erl/Griff keine gerade Linie mit der Klinge, war aber bei allen 23 cm Kochmessern so:
herder3.jpg
 
Zuletzt bearbeitet:
Moin

Das ist mir schon mit San Mai Stählen....und sogar SB1 passiert .
Ich hatte damals Jürgen Schanz gefragt und einen unserer Schmiede in der Firma .
Alle sagten das gleiche ....Wärmebehandlung nicht 100%...insberondere das Anlassen...
Bei mir kam es nach 6 Monaten im Gebrauch....Plop und richtig krumm

Das ist für mich allemal Garantie abgedeckt..

Warum Herder die Qualität einfach nicht begreifen will.....verstehe ich nicht

Gruss

Micha
 
Das Messer auf den Fotos oben ging zurück. Ich habe ein weiteres bei einem anderen Händler bestellt, diesmal mit der Bitte mir ein nicht verzogenes rauszusuchen. Das Resultat ist, ein K5, welches nicht so schön dünn ausgeschliffen ist wie das erste (nur mit höherem Druck nagelgängig), einen nicht so schön verarbeiteten Griff hat wie das erste (damit kann ich leben) uuuund: genau so verzogen ist wie das erste! Sogar in die gleiche Richtung.



Wenn es überall nach Scheiße riecht sollte man ja mal unter den eigenen Schuhen schauen. Deshalb Frage ich mich jetzt ob ich hier irgendetwas übersehe oder mein "Prüfverfahren" mangelhaft ist?
 
Kann ja verstehen dass es jemanden stört, aber wenn so viele Exemplare nicht ganz gerade sind, ist es eben eine Eigenart auf die man sich einstellen muss. Der Schneideigenschaft tut es ja wohl keinen Abruch ... also:

Take it or leave it!
 
Dein Prüfverfahren in allen Ehren, aber mal ein anderes: Siehst Du den Verzug, wenn Du auf und/oder längs (über den Griff) über den Messerrücken schaust? Wenn ja, dann kannst Du an den Augen der Händler zweifeln. Die werden sicher kein Prüfverfahren anwenden, sondern eben mit mehr oder weniger schnellem Blick über den Messerrücken schauen.
PS Es könnte ja sein, dass die von Dir verwendete Klemme das Ergebnis verfälscht.
 
Ich hab mir das Bild mal genauer angeschaut. Für mich schauts so aus als ist die Spitze durchaus zimelich mittig zum Rücken und die beiden Flanken sind nicht gleichmäßig geschliffen.
 
Dein Prüfverfahren in allen Ehren, aber mal ein anderes: Siehst Du den Verzug, wenn Du auf und/oder längs (über den Griff) über den Messerrücken schaust? Wenn ja, dann kannst Du an den Augen der Händler zweifeln. Die werden sicher kein Prüfverfahren anwenden, sondern eben mit mehr oder weniger schnellem Blick über den Messerrücken schauen.
PS Es könnte ja sein, dass die von Dir verwendete Klemme das Ergebnis verfälscht.
Beim Blick nur über den Messerücken ohne Referenz ist das "Problem" nicht erkennbar. Daher, wie gesagt, kein Vorwurf sondern immer noch die Frage inwiefern das überhaupt ein Problem ist. Da es bei beiden die ich jetzt gekauft habe so ähnlich ist könnte es tatsächlich auch einfach an der Geometrie liegen, die sich mich dann aber nichtz ganz erschließt. zudem verwirrt mich, dass es bei einem K5, das ich vor Jahren gekauft habe nicht so ist.
An der Klemme liegt es nicht, auch wenn ich das Messer ohne Druck aufs Brett lege sieht es so aus, die Klemme war eher fürs Foto
 
Ich kenne die Produktionsverfahren bei Herder nicht, hängengeblieben ist mir nur das (sehenswerte) Video über und mit Wilfried Fehrekampf. Sollten die K- und 1922 Messer immer noch handwerklich hergestellt werden, wären solche „Abweichungen“ zumindest erklärbar. Ob sie entschuldbar sind, ist eine andere Frage (die ich als Laie nicht beantworten kann). Ob Dein „Problem“ nur ein rein optisches ist oder auch praktisches beim Schneiden darstellt, könntest Du ja selber herausfinden: Du hast ja ein K5 ohne „Verzug“.
 
Ich habe ein ähnliches Problem bei einem chinesischen Kochmesser von Dick. Mit Hausmitteln lässt sich das nicht ausreichend genau klären. Da bleibt immer eine Unsicherheit. Beim Schärfen, und besonders beim Ausdünnen, zeigt sich eine nicht ausreichend gerade Schneide aber deutlich. Als Werkzeug reicht so ein Messer, aber schön ist das nicht.

Und was mit deinen K5 los ist kann ich nicht beurteilen. Aber wenn du schon fragst, wirst du damit vermutlich nicht glücklich werden.
 
Ich habe seit meinem letzten Post hier noch zwei weitere Walnuss-K5 bei verschiedenen Händlern bestellt. Beide hatten exakt die gleiche Krümmung wie die vorherigen zwei. Daraufhin habe ich mich an Herder gewendet, die haben mich gebeten ihnen das letzte Messer zur Betrachtung zu schicken. Das fiel mir ein bisschen schwer, weil dieses einen wunderschön gemaserten Griff hatte und über die gesamte Länge herrlich nagelgänig war, aber eben krumm. Herder haben mir dann bestätigt, dass das so nicht sein sollte und das Messer umgetauscht. Das neue ist jetzt endlich gerade! Meine Freude ist nur etwas getrübt weil jetzt der Griff sehr hell und langweilllig ist (sieht für mich fast schon nach Splintholz aus) und es nicht durchgehend nagelgängig ist (ausgerechnet in den ersten 4 cm hinter der Spitze nicht).

Dieses werde ich jetzt aber behalten, langsam komme ich mir selbst unangenehm pedantisch vor. Nach den ersten paar Zwiebeln ist diese, mittlerweile extrem verkopfte, Unzufriedenheit auch in Teilen verflogen. Es ist ein tolles Messer und ich mag den Hersteller nach- wie vor sehr, habe aber daraus gelernt nur noch Windmühlenmesser zu kaufen, die ich persönlich in der Hand hatte.
 
für mich zählte nur, obs beim schleifen dann stört. Mein Gott, das ist Handarbeit mit enger Kalkulation. Da wird sicher nicht stundenlang gerichtet und geprüft usw... Messerr, insbesondere die Herder sind Werkzeuge. Solange die gut schleif/schärfbar sind, würde mich nichts stören, was man mit blossem Auge kaum sieht.
 
Ich hab‘ das eben mal bei meinem K5 gecheckt. Dito.

Durch einfaches Auflegen auf das Schneidbrett an der selben Stelle, liegt die Spitze auf einer Seite an, die andere Seite hebt sich ca. 3mm.

Hat sich noch nie beim Schneiden oder Schärfen wahrnehmbar bemerkbar gemacht.

Yup. Ein Herder ist nicht billig - aber weit entfernt von hochpreisig und immerhin Manufakturmesser und kein China CNC.

Vermutlich muss man eine Weile im Thema Küchenmessern unterwegs sein, um alles etwas entspannter zu betrachten und zu einer praxisgerechten Gewichtung und Wertung zu gelangen.

Persönlich würde ich immer zuallererst darauf achten, dass ein K leicht nagelgängig ist. Man kann zwar günstig ausdünnen lassen, aber dafür ist ein Herder zum Start nicht gedacht und die Plisterung ist auch weg. Danach kommt bei mir die Optik vom Holz.

Leichter Verzug, unsaubere Niete, mäßiger Spalt im Griff bringen keine echte Funktionsstörungen, sind eher Ärgernisse optischer Natur. Ich bin ja nun wirklich dafür bekannt, stets sehr genau hinzusehen und auch kleinste Unsauberkeiten oder mäßige Lösungen zu erfassen.

Kochmesser sind für Normalos die echten Nutzmesser, die oft täglich über Jahre benutzt werden und nicht nur theoretisch, sondern ganz praktisch auch wirklich gut funktionieren müssen. Meine Ks machen genau dieses.

Meine beiden Z-Kramer, jedes für deutlich mehr als das Doppelte des K5, haben beide ebenso diesen minimalen Verzug und schlimmer noch, bekommen selbst bei Nichtbenutzung immer wieder Rostpickel.

Ohne eine gewisse Gelassenheit müsste ich da eigentlich Durchdrehen.

Nicht verrückt machen lassen.

grüsse, pebe
 
Ich habe hier zwei K5: Eines ist kerzengerade, das zweite hat einen guten mm Verzug gen rechts.
Das sehe ich nicht, das spüre ich nicht, das fûhle ich nicht – und dem Schnittgut ist es sowas von egal.
Die „Schiefe Krücke“ erfüllt dennoch ihren Zweck zu meiner vollsten Zufriedenheit und gleitet knacklos durch kalte Karotten. Juliennes sehen mit diesem K5 geschnitten auch nicht verunstaltet aus…
Wäre ich berufsmäßig notorischer Nörgler und Korinthenkaxxer, hätte ich sicherlich einen Angriffspunkt zum Loslästern…
 
Zurück