Klinge richten

Verzug entsteht durch Spannungen, die wiederum durch thermische oder mechanische Belastung entstehen.
Daneben gibt es die unvermeidlichen Umwandlungsspannungen beim Härten selbst.

Die Vorstellung, daß keine thermischen Spannungen entstehen, weil der Klingenkorpus nicht über handwarm geworden ist, ist trügerisch. Mit dem Fräser wird zerspant, d.h. mit hohem Kraftaufwand Material abgeschält.
Das bringt an der Oberfläche, von der Material abgetragen wird, eine nicht unbedeutende Wärme ein, die nicht fühlbar wird, da sie in die tieferen Schichten abfließt.
Das führt zwingend zu Spannungen im Material. Bei völlig gleichmäßigem Abtrag auf beiden Seiten werden die sich aber gegenseitig weitgehend aufheben.
Wenn nach dem Fräsen alles schön gerade war, sollten keine einseitig wirkenden Spannungen in schädlicher Größe vorhanden sein.

Ich würde deshalb auch beim nicht individuell gesteuerten Härten in der Härterei nicht mit starkem Verzug rechnen.

Meine Bedenken in Bezug auf die zu hohe Härte bei vollständiger Härtung und gegen das Richten im fertig angelassenen Zustand bleiben.

Freundliche Grüße

U. Gerfin
 
U. Gerfin,

erst einmal danke für die schnelle Antwort. Also nach dem Fräsen ist die Klinge Pfeilgerade. Welche Härte wäre denn geeignet ohne den Stahl völlig auszureizen? 56 HRC?

Gruss Bjo
 
Sinnvolle Härte 55 SI 7

Hallo an alle,

ich baue mir gerade mein erstes Katana. Es soll voll einsatzfähig sein, und technisch gut gefertigt. Die partielle Härtung der Klinge habe ich erst einmal ausgeschlossen.
Ich habe einen 55 SI 7 verwendet und möchte die Klinge jetzt gerne professionell durchhärten.
Welche Härte kann man bei diesem Stahl anstreben. Hatte an 60 HRC gedacht, bekam dann aber einige Bedenken das die Klinge zu spröde wird.

Gruss Bjo
 
AW: Sinnvolle Härte 55 SI 7

Da du noch nicht geschrieben hast für welchen Einsatz du es verwenden willst,wird das auch nicht so einfach.
Wenn du es wie ich annehme scharf schleifst und nicht Stahl auf Stahl prügeln willst,kannst du es ja im Maximum härten lassen oder haben die gesagt wenn du es mit 60 HRC haben willst machen wir das ? und wenn 57 dann eben das ?.
Du wolltest ja eine Kostengünstige Sache,dann mache doch wenn dieses mit 60 gelingt ein Neues und dann hast du einen Vergleich von dem du uns berichten kannst.

PS.das mit dem hinterher den Rücken extra Anlassen hatte ich noch vergessen.
 
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AW: Sinnvolle Härte 55 SI 7

Hallo,

schau dir mal das Datenblatt an, z.B. bei saarstahl.de Werkstoffnummer 1.5026. Da steht was von Abschreckhärte mind. 55 HRC (also noch nicht Angelassen) und als Vergütete Härte wird 38,5-50,5 HRC genannt (ok, damit ist Federhärte gemeint und nicht für Klingen).

Würde allgemein bei Federstahl nicht über 55 HRC gehen, vor allem wenn du schreibst "voll einsatzfähig" eher noch einen Hauch darunter. So ein abgebrochenes und scharf ausgeschliffenes umherfliegendes Klingenstück kann böse ausgehen.

Grüße Werner

PS: warum willst die Klinge nicht partiell härten? Bei weicherem Rücken kannst noch paar Grad Härte an der Schneide zugeben.

EDIT: ups, das war doch eben noch ein komlett anderer und frischer Beitrag?
 
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Hi Hjalmar,
klingt so, als ob du damit einige Erfahrung hast. Erklär doch mal wie genau du dabei vorgehst. Welche Stähle, welche Anlasstemperatur usw. Interessiert mich wirklich...

Hmm, ich hab bei meinen Klingen die Erfahrung gemacht, dass ich nach der vollständigen Martensitbildung kaum noch durch Biegen richten kann. Ich arbeite aber auch meist mit übereutektoiden Stählen und bei relativ niedrigen Anlasstemperaturen.

Gruß Jannis

Ich verwende bis jetzt 56Si7 (neue Erfahrung werde ich jetzt mit 75CR1 machen). Erwärmt wird die Klinge im Holzkohlelangfeuer, abgeschreckt in Öl und anschliessen über der Glut wieder angelassen, ist jetzt schwer zu sagen welche Anlasstemperatur... aber halt schön langsam bis die Klinge komplett goldbraun ist (Dabei richten falls erforderlich). Danach halt wieder abkühlen und entspannen lassen. Hat sich bis jetzt sehr gut bewährt. Alle Klingen halten z.B. im Freikampf ordentlich, werden aber vor der Endmontage nochmal sorgsam geprüft ;)
 
An Urgestein,

Hallo ersteinmal.
Also die Klinge habe ich auf Isthärte 58,5 HRC härten lassen.
Die komplette Klinge ist Pfeilgerade geblieben und hat nur, wie beabsichtigt, in der Krümmung 7 mm eingebüßt. Aber das war so geplant.

Danke für die Information das Du nicht mit einem größeren Verzug rechnen würdest. Hattest recht. Ich hätte sonst Klimmzüge für das Richten unternommen.
 
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