Mein erstes Messer

_Andrea_

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Liebe Forumsfreunde,

ich habe mir vorgenommen 2026 endlich einmal selbst ein Messer zu bauen. Mit dem Gedanken spiele ich schon einige Zeit, aber dazu durchringen konnte ich mich lange nicht. Aller Anfang ist bekanntlich schwer...
Jetzt wäre meine Frage an die erfahrenen Messermacher:

"Welchen Stahl würdet ihr mir für den Anfang empfehlen?"

Er sollte...
  • ... einfach zu schleifen und finischen sein, trotzdem als Messer was taugen.
  • ... als Flachmaterial in vernünftigen Abmessungen verfügbar sein.
  • ... bereits im Ausgangszustand ein gutes Gefüge haben, weil ich selbst keine WB durchführen kann.
Vielen lieben Dank schon mal für Eure Unterstützung :)
Andrea
 
Ich würde dir einen einfachen, niedrig legierten Kohlenstoffstahl wie 1.2003, 1.2510, 1.2842 oder Ähnliches empfehlen. Diese sind weit verbreitet, gut zu bearbeiten und ergeben gute Messer. Von guten Lieferanten/Herstellern haben diese auch ab Werk als Flachmaterial ein ordentliches Gefüge, da gewalzt. Da du nicht Schmieden möchtest und damit durch schlechtes Schmieden das Gefüge nicht verhunzen kannst ist das so okay. Gute Lieferanten sind z.B Nordisches Handwerk, Jürgen Schanz, Xerxes und viele Andere. Auch Lieferanten von Normalien für den Maschinenbau bieten häufig eine gute Auswahl an Standard-Werkzeugstählen in kleinen Abmessungen. Wenn du dort Material in der Qualität „Präziflach“ ((Präzisionsflachschliff) kaufst hast du normalerweise sehr gute Ausgangsqualität.

Ganz ohne Wärmebehandlung geht es aber nicht. Das Messer muss mindestens gehärtet werden. Das kann man bei diesen Stählen theoretisch mit einfachen Mitteln selbst machen. Wenn man da aber noch ganz ahnungslos ist, kann man das Messer nach dem Grobschliff in eine Härterei geben. Eine Tipp ist hier, dies über den Messermacher Jürgen Schanz zu tun. Dessen Härterei härtet regelmäßig Messer und weiß, was sie tut. Als Flachmaterial ist der Stahl immer ungehärtet und das muss auch so sein, da die komplette Bearbeitung aus dem harten Material sehr aufwändig und mühsam wäre und viel Schleifband verbrauchen würde.
 
Hallo Andrea,
prima Idee, selbst ein Messer zu bauen. Bevor ich dir Hinweise zur Stahlauswahl gebe, wäre es interessant zu wissen, was für ein Messer und für welchen Verwendungszweck Du das Messer bauen möchtest. Auch ob Du eher eine Präferenz für rostträge Stähle oder Kohlenstoffstähle hast.

Wie @Cybernikus geschrieben hat, kommst Du um eine Wärmebehandlung nicht herum, egal um welchen Stahl es sich handelt. Die Ausnahme wäre, wenn Du schon gehärteten Stahl zum Messerbau verwendest. Allerdings ist dann der Aufwand für die Herstellung sehr hoch. Feilen geht dann nicht mehr, man müsste unter Kühlung mit einem Bandschlefer arbeiten.

Wenn Du möchtest, könnte ich die Wärmebehandlung gegen Portoübernahme für dich durchführen.

Gruß
Matthias
 
Ich habe mit C60 angefangen. Und auch daraus kann man gute Messer bauen. Gehe aber mit der Empfehlung von @Cybernikus voll mit. Für das allererste Messer, dann aber doch eher der 1.2003. Der minimale Anteil an Chrom wirkt sich übrigens weder bezüglich Korrisonsbeständigkeit noch Verschleißfestigkeit positiv gegenüber einem C75s aus. Bei dem Chromanteil bilden sich noch keine Karbide. Das Chrom führt aber zu einer besseren Durchhärtbarkeit.
Der 1.2842 ist gelegentlich nicht ganz weich geglüht. Das kann dann unangenehm sein...

Ansonsten bin ich bei Matthias ( @Taperedtang ). Schreibe doch erst mal welches Messer Du machen willst. Dann kann man in die ein oder andere Richtung empfehlen.

Wenn Du möchtest, könnte ich die Wärmebehandlung gegen Portoübernahme für dich durchführen.
Das ist mal ein Angebot. Ich würde zuschlagen!

Gruß, Andreas
 
Wenn Du möchtest, könnte ich die Wärmebehandlung gegen Portoübernahme für dich durchführen.
Wow, was für ein Angebot! Das nehme ich gerne an :D
Ich beobachte deine Arbeiten schon lange und finde sie super! Um so mehr freut es mich, dass du auf meine Anfrage antwortest :)

Am meisten wüde mich ein Petty für die Küche reizen. Ich weiß aber, dass bei einem solchen Messer die Geometrie entscheidend ist. Dünn auszuschleifen traue ich mir noch nicht zu...
Deshlab wird es eher auf ein ein robustes Outdoormesser rauslaufen. Irgendwas zwischen einem Jagdmesser und einem Bushcraft...

Liebe Grüße,
Andrea
 
Zuletzt bearbeitet:
Alles klar, kein Problem, mache ich gerne! Deine Entscheidung, als erstes Messer ein robustes Outdoormesser zu bauen, halte ich für eine sehr gute Idee. Nach meiner Erfahrung reicht eine Klingenstärke von 3 mm - 4 mm für so ein Messer vollkommen aus. Es wurden ja schon einige Kohlenstoffstähle genannt, ich möchte noch den 1.2235 und den 1.2604 ergänzen. Die ich gut geeignet für ein Outdoormesser halte. Wenn Du ein rostträges Messer bauen möchtest ist der 14C28N eine gute Wahl, der auch bei der Bearbeitung keine Probleme macht aber es gibt natürlich noch jede Menge andere Stähle die in Frage kommen. Wie möchtest Du die Klinge bearbeiten, mit der Feile oder hast Du einen Bandschleifer?
 
An einer Fertigklinge einen Griff anzukleben hat nur wenig mit Messermachen zu tun ... die meiste Arbeit steckt doch in der selbstgemachten Klinge, die Arbeit mit dem Stahl. Von daher würde mich das nur sehr wenig befriedigen und man kann dann auch nicht sagen, dass man das Messer selbst gemacht hätte. Ist dann eher so, als wenn man Alufelgen an seinen Wagen geschraubt hat. dann hat man auch kein Auto gebaut ...

Gute Stähle wurden schon empfohlen, als Tip noch: Nicht zu dick wählen, ist dann für den Anfang mehr mühsame Arbeit und schneidet nachher auch nicht so gut. Würde mir mit 3 mm Dicke etwas aussuchen. Beim Nordischen Handwerk hast Du eine gute Auswahl ... Nicht rostfreien Messerstahl in Top Qualität kaufen (https://www.nordisches-handwerk.de/stahl/stahl-nicht-rostfrei/)
 
Wie möchtest Du die Klinge bearbeiten, mit der Feile oder hast Du einen Bandschleifer?
Aktuell habe ich eine kleine Werkbank mit Schraubstock, eine große und eine kleine Bügelsäge, und Feilen in verschiedenen Größen und Formen.
Ach ja und eine Bohrmaschine ist natürlich auch vorhanden. In das ein oder andere Werkzeug werde ich wohl noch investieren. Aber ein Bandschleifer wird das Budget erst mal sprengen.

Eine Fertigklinge mit einem Griff zu versehen wäre für den Anfang natürlich auch noch eine Möglichkeit die schnell zum Erfolg führt.
Die Überlegung hatte ich auch angestellt. Aber das ist dann doch was ganz anderes. Was ich mir eher vorstellen könnte, wäre ein Serienmesser zu kaufen und umzubauen. Z.B. An ein Culilux einen schönen Griff machen. Oder ein Böker Cottage ballig ausdünnen und das Griffholz tauschen. Das würde mein Selbstbauprojekt aber nicht ersetzten sonder nur um ein paar Monate nach hinten schieben.

Das Messer muss mindestens gehärtet werden. Das kann man bei diesen Stählen theoretisch mit einfachen Mitteln selbst machen.
Nur aus Neugierde? Wie würdest Du das machen? Das Messer in Holzkohleglut legen und dann in Einem Eimer Wasser abschrecken?

Welcher Der genannten Stähle wäre denn am einfachsten zu bearbeiten? Oder ist der UInterschied nicht so groß?
Ich hatte bisher an etwas niedriglegiertes gedacht. Rostfrei wäre natürlich nett, aber soweit ich das verstanden habe auch schwerer zu bearbeiten.

Was denkt ihr über einen vorgewalzen 3-Lagenstahl? Gibt es zum Beispiel bei Schanz. Der natürlich deutlich teurer, wäre aber zu 2 Drittel auch nach dem Härten noch weich und vermutlich leicht zu bearbeiten.
 
Hallo zusammen,
also meine Tipps bezüglich Werkzeug, man kann so ein einfachen Hand-Bandschleifer ganz gut in einen Schraubstock einspannen, funktioniert für den Anschliff, wenn Freihändig gemacht, ganz gut. Ich würde noch einen Winkelschleifer mit Trenn- und Fächerscheiben empfehlen, die grobe Form aussägen per Hand ist echt mühsam…
Wärmebehandlung kann man notfalls beispielsweise in einer Feuerschale mit Grillkohle machen, dass Feuer dann schön mit einem Handelsüblichen Föhn anheizen bis der Stahl entsprechend glüht und dann im Wasser oder besser Öl abschrecken. Anschließend im Herd anlassen. Natürlich weit entfernt von optimal aber funktioniert.
so habe ich das jedenfalls bisher gemacht.

Gruß Schattenklinge
P.S.: Einfach ausprobieren, nicht zu viel drüber nachdenken 😉
 
Wärmebehandlung kann man notfalls beispielsweise in einer Feuerschale mit Grillkohle machen, dass Feuer dann schön mit einem Handelsüblichen Föhn anheizen bis der Stahl entsprechend glüht und dann im Wasser oder besser Öl abschrecken. Anschließend im Herd anlassen. Natürlich weit entfernt von optimal aber funktioniert.
Mit welchem Stahl hast Du das gemacht?
 
Nur aus Neugierde? Wie würdest Du das machen? Das Messer in Holzkohleglut legen und dann in Einem Eimer Wasser abschrecken?
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Aus ein paar Schamottziegeln auf einer feuerfesten Unterlage eine kleine Behelfsesse bauen. Diese Esse mit einem Gasbrenner gut vorwärmen. Daneben einen hitzebeständigen Kanister mit ein paar Litern Rapsöl. Beim Erhitzen der Esse ein Stück Schrott mit Erhitzen und damit das Öl vorwärmen, denn warmes Öl kühlt besser. Dann die Klinge mit der Schneide nach oben in die Esse stellen und erhitzen, bis sie gleichmäßig hellkirschrot glüht. Man kann das mit einem Magneten testen. Etwas unter der richtigen Temperatur verliert der Stahl seine ferromagnetischen Eigenschaften. Es hilft, in der Dämmerung oder bei bedecktem Himmel zu härten, da man dann die Glühfarbe besser beurteilen kann. Dann die Klinge aus der Esse nehmen und ins Öl stecken, dabei langsam bewegen. Klinge abkühlen lassen. Feilprobe machen: eine Feile muss über den Stahl rutschen ohne zu greifen. Dann gemäß Datenblatt den Stahl im Backofen anlassen (z.B. zwei mal 1 h bei 200 Grad). Freuen, wenn alles geklappt hat.

Übrigens: Man kann die Schneide vor dem Härten nicht ganz auf Endmass schleifen, da sich zu dünne Querschnitte beim Härten verziehen oder reißen können. Der Schliff im harten Zustand ist ohne Bandschleifer aber echt nicht ohne, das erfordert sehr viel Geduld und Frustrationstoleranz.
 
Mit welchem Stahl hast Du das gemacht?
Momentan hab ich 80CrV2 der macht sich ganz gut. Für den Anfang sind Kohlenstoffstähle eigentlich ganz gut, besonders wenn man selbst Härten will, da die Rostträgen oft deutlich höhere Temperaturen brauchen. Aber bei den Stählen hab ich noch nicht viel anderes ausprobiert, hab damals ein bisschen viel 80CrV2 gekauft…
 
Mit deinem bis jetzt vorhandenem Werkzeug kannst Du auf jeden Fall ein Messer bauen, Andreas. Ich habe, als ich mit dem Messermachen anfing, alle Klingen nur gefeilt und mit Schleifleinen und Schleifpapier gefinisht. Das ist zwar anstrengend und kostet Zeit aber man freut sich um so mehr, wenn man am Ende das fertige Messer in Händen hält.

Bei der Bearbeitung von weichgeglühten Stählen mit der Feile gibt es keine Probleme, sofern das Weichglühen korrekt durchgeführt wurde. Welcher Stahl betrachtet wird spielt fast keine Rolle. Selbst ein K390 lässt sich weichgeglüht gut feilen. Ein einfacher Kohlenstoffstahl lässt sich zwar ein bisschen leichter feilen als ein D2 aber Probleme gibt es eigentlich bei keinem Stahl.

Von einer Wärmebehandlung in der Feuerschale rate ich ab! Sicherlich ist sie möglich und manchmal wird man auch gute Ergebnisse erzielen können, aber mMn ist das nur eine Notlösung, wenn ich keine andere Möglichkeit habe. In einem Härteofen habe ich einigermaßen kontrollierte Temperaturen und ich komme zu wiederholbaren guten Ergebnissen. Es ist auch sehr ärgerlich, wenn man viele Stunden in die Bearbeitung der Klinge investiert hat und eine unzureichende Wärmebehandlung die Klinge minderwertig oder gar unbrauchbar macht. Für das Abschätzen der Temperatur anhand der Glühfarbe braucht man viel Erfahrung und je nach vorherrschenden Lichtverhältnissen, kann man sich da ziemlich täuschen.

Vom Abschrecken in Wasser rate ich bei den meisten Stählen ab, selbst einfache Kohlenstoffstähle lassen sich mit einem schnellen Härteöl sehr gut abschrecken. Bei einem Versuch mit C60 Stahl habe ich festgestellt, dass die Zähigkeit des Stahls beim Abschrecken in Wasser deutlich schlechter war als beim Abschrecken in einem schnellen Härteöl.

Bitte nicht falsch verstehen, sicherlich kann man alles ausprobieren und mit einfachsten Mitteln, wenn man Glück hat, ordentliche Ergebnisse erzielen aber wirklich gute Ergebnisse erzielt man meistens nur mit einer professionellen Wärmebehandlung.
 
Aus ein paar Schamottziegeln auf einer feuerfesten Unterlage eine kleine Behelfsesse bauen. Diese Esse mit einem Gasbrenner gut vorwärmen. Daneben einen hitzebeständigen Kanister mit ein paar Litern Rapsöl. Beim Erhitzen der Esse ein Stück Schrott mit Erhitzen und damit das Öl vorwärmen, denn warmes Öl kühlt besser. Dann die Klinge mit der Schneide nach oben in die Esse stellen und erhitzen, bis sie gleichmäßig hellkirschrot glüht. Man kann das mit einem Magneten testen. Etwas unter der richtigen Temperatur verliert der Stahl seine ferromagnetischen Eigenschaften. Es hilft, in der Dämmerung oder bei bedecktem Himmel zu härten, da man dann die Glühfarbe besser beurteilen kann. Dann die Klinge aus der Esse nehmen und ins Öl stecken, dabei langsam bewegen. Klinge abkühlen lassen. Feilprobe machen: eine Feile muss über den Stahl rutschen ohne zu greifen. Dann gemäß Datenblatt den Stahl im Backofen anlassen (z.B. zwei mal 1 h bei 200 Grad). Freuen, wenn alles geklappt hat.
Ja, das geht.
Ich hatte mir aus Schamottsteinen, Edelstahlrohren und einem alten auf Blasen gestellten Staubsauger eine Holzkohleesse gebaut. Damit homogene Temperaturen zu erreich bedarf aber schon etwas Übung. Dämmerung oder bedeckter Himmel kann man aber meiner Erfahrung nach vergessen. Es muss wirklich dunkel sein. Dann kann man die kirschroten 800°C aber auf +-10 Grad sehen.

Das Ergebnis ist ok, aber das Maximum wir man so nicht herausholen.

Beim ersten Versuch geht es garantiert schief :glgl:


Was denkt ihr über einen vorgewalzen 3-Lagenstahl?
Für ein Küchenmesser gut. Für ein Outdoormesser taugt das nicht. Die Klinge verbiegt sich viel zu leicht.
 
Bitte nicht falsch verstehen, sicherlich kann man alles ausprobieren und mit einfachsten Mitteln, wenn man Glück hat, ordentliche Ergebnisse erzielen aber wirklich gute Ergebnisse erzielt man meistens nur mit einer professionellen Wärmebehandlung.
Unterschreibe ich zu 100%.
Lohnt sich überhaupt nur, wenn man Schmieden will.
 
Das Ergebnis ist ok, aber das Maximum wir man so nicht herausholen.
Ähmm ok... Und was sieht man da?

Übrigens: Man kann die Schneide vor dem Härten nicht ganz auf Endmass schleifen, da sich zu dünne Querschnitte beim Härten verziehen oder reißen können. Der Schliff im harten Zustand ist ohne Bandschleifer aber echt nicht ohne, das erfordert sehr viel Geduld und Frustrationstoleranz.
Wie dünn darf es vor dem Härten werden?

Im Moment tendiere ich zu dem 1.2604. Laut Beschreibung bei Xerxes sehr gut für den Outdoor-Bereich geeignet.
Den 1.2510 kann ich nicht einschätzen. Wird man das halbe Prozent Wolfram schon merken?
Was haltet ihr von dem 1.2419? Ist das schon too much?
 
Kommt mir alles etwas seltsam vor, wie ein theoretischer Ansatz à la Kochbuch: „Wie mache ich ein Messer?“
Vielleicht solltest Du mal ein Praktikum bei einem erfahrenen Schmied machen oder einen Kurs bei einem Messerschmied oder Messermacher.
Um wirklich von A-Z ein Messer zu machen, braucht man vor allem praktische Erfahrung. Nicht ohne Grund braucht man eine mehrjährige Ausbildung zum Metallbauer/Schmied.
 
Wie wäre es mit einem Buch? Stefan Steigerwald hat gute Sachen geschrieben, so mit Schritt für Schritt, welches Werkzeug man braucht etc. ...
 
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