Schaerfkunst
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Grüße
,
nach einigen Jahren als Leser des Forums, dachte ich, ich bringe hier meine Erfahrung in das Forum mit ein. Auch wenn es hier schon wunderbare Threads zum Messerschärfen gibt, mehr Informationen sind grundsätzlich nicht schlecht und irgendwo muss ich ja mein Hobby ausleben.
Eins schonmal vorweg, das wird ein vermutlich recht langer Beitrag, ich versuche meine Entwicklung zu schildern und insbesondere Anfängern vor dem ein oder anderen Fehler zu bewahren.
Wie bin ich dazu gekommen?
Eines Tages waren mein Vater und ich etwas im Wald unterwegs, größtenteils Spazieren, Kirrungen kontrollieren usw., wir hatten aber schon bevor wir los sind den Plan eine Flöte zu schnitzen. Ich also mein Messer eingepackt und los ging es, zu dem Zeitpunkt war ich etwa 9 Jahre alt. Als es dann an das Schnitzen ging, klagte mein Vater über das komplett stumpfe Messer und dass das so nicht funktioniert. Wir also wieder nach Hause und in unsere Werkstatt, mein Vater hat ein Stück Sandpapier, vielleicht eine 320er Körnung, auf die Werkbank gelegt, etwas befeuchtet und das Messer in gleichmäßigen Zügen geschärft. Es hat keine 5 Minuten gedauert, da war er auch schon fertig und ich war absolut fasziniert, so ein scharfes Messer hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nie in der Hand. Ich wollte das auch unbedingt lernen, also gab mir mein Vater einen Spachtel, welchen ich dann solange schleifen sollte, bis er scharf ist (so habe ich nicht an einem guten Messer geübt -> kein Risiko), mein Vater hat mir dabei immer über die Schulter geschaut. Das ganze hat bestimmt 1 Stunde gedauert, aber so habe ich unter Anleitung die grundlegenden Dinge des Messerschärfens gelernt, z.B. was der Grat ist (auch wenn wir es damals nicht so genannt haben), wie man den Winkel hält, wann man fertig ist, usw.
Das Feuer wurde damit entzündet und alle meine derzeitigen Messer sollten schön scharf werden, vorher begab ich mich aber auf YT um mir Tutorials auf Deutsch und Englisch über das Messerschärfen anzusehen. Ja, ich habe als 9 jähriger englische Messerschleifvideos angeschaut und davon nicht wenige.
Ich hatte mir daraufhin ein Stück Sandpapier genommen und auf die Rückseite Leder geklebt, dieses diente mir als Auflagefläche und Abziehriemen. Ich habe also vorne auf einem 320er Sandpapier mit Wasser geschärft und den Abrieb / die Schleifpartikel auf dem Leder verteilt um mir so etwas wie eine Polierpaste zu machen. Logischerweise ist aufgrund des Leders die Schneide immer ballig geworden, was ich damals nicht wusste. Rasiert hat es noch nicht, aber ein Blatt Papier war kein Problem.
Schätzungsweise ein halbes Jahr später hatte ich mir Gedanken über ein richtiges Schärfsystem gemacht und stand vor der Wahl ob Freihand oder mit festen Winkeln. Ich habe mich aktiv gegen ein System mit festen Winkeln entschieden, da ich weiter freihändig schärfen wollte und so das handwerkliche Geschick weiter ausbauen konnte. Es wurde ein Lansky Tri-Stone, welcher anscheinend sehr unbekannt ist (kaum Reviews, Tests, usw...) . Es ist ein drehbares Schärfsystem, bei dem 3 verschiedene Körnungen zur Verfügung stehen. Eine grobe Diamantplatte, ein mittlerer Keramikstein und ein sehr feiner Keramikstein. Die Steine funktionieren gut, sollten aber mit Öl, Seifenwasser, Scheibenreiniger, Desinfektionsmittel,...genutzt werden, da sie sich sonst enorm schnell zusetzen (bei dem sehr feinen nicht so dramatisch, bei dem mittleren leidet die Schleifgeschwindigkeit doch sehr). Mir hat schon von Anfang an der Formfaktor nicht gefallen, einfach zu klobig, jedoch wollte ich die Steine beim entfernen nicht zerstören.
Mit dem Lansky System habe ich zum ersten mal eine rasierende Schneide hinbekommen und der weiße Keramikstein hat eine sehr schöne polierende Wirkung, welche optisch sehr ansehnlich ist.
Wieder einige Jahre später hatte ich Lust mein Schärfwerkzeug zu erweitern. Die Lansky Steine sind enorm hart und verschleißen quasi garnicht. Der braune minimal (0,5mm in 9 Jahren) und der Weiße garnicht.
Durch Leos-Messerschärfseite (Youtube messer-machen, kennen wohl die meisten hier) bin ich auf Taidea Steine gekommen. Als gut und günstig beschrieben. Ich hatte mir also den 240/800 Kombistein zusammen mit dem 5000er und einem King Nagura gekauft. Ums kurz zu machen, ja die Steine sind günstig, jedoch auch recht weich und rückblickend nicht besonders gut. Der 240/800er verschleißt sehr schnell (schlämmt auch recht stark) hinterlässt aber ein recht sauberes Schliffbild. Weil er so enorm weich ist hat er sich schnell hohl geschliffen, womit ich erstmal etwas überfordert war, weil meine Lansky Steine das nicht gemacht haben. Nachdem ich den Stein abgerichtet habe kam er in den Schrank und wurde durch einen wesentlich härteren Zische 220/400 Fepa (entspricht einer JIS Norm von etwa 360/1000) ersetzt. Zische Steine sind allgemein recht empfehlenswert, günstig, recht schnell und hart.
Der 5000er Taidea ist wesentlich härter als der gröbere Taidea. Immernoch nicht wirklich hart, aber ich hatte in 6 jahren Nutzung "nur" etwa 6mm des 15mm Steins verbraucht. Er hinterlässt eine matte, leicht zerkratzte Fläche. Die Kombination Zische 360/1000 und Taidea 5000 wurde dann sehr lange genutzt, mit ihr konnte ich gleichbleibend scharfe Ergebnisse erzielen, Armhaare rasieren war mittlerweile auch absolut kein Problem mehr. Bei der Bestellung von Scherenkauf war auch ein Zische Silifix 120 dabei, ein Siliziumkarbid Schruppstein. Wurde nur für Ausbrüche und heftige Beschädigungen genutzt, den Stein würde ich heute nichtmehr unbedingt empfehlen, sehr hart gebunden, meiner Meinung nach fast schon zu hart, weil er viel Druck benötigt, dass frische Schleifpartikel freigesetzt werden und er sonst "stumpf" wird.
Zwischendurch hatte ich einen 3000/8000 Kombistein von Taidea, welcher absoluter Müll war. Es soll ja Leute geben, die sehr weiche Steine bevorzugen, aber der Stein musste während des Schärfens abgerichtet werden und man konnte ganz locker in den Stein schneiden. Nicht mein Fall, verkauft. Aus Frust wurde der 8000er Taidea bestellt, welcher wieder ganz anders ist. Sehr hart (einschneiden in den Stein nicht möglich), schlämmt nahezu nicht, hinterlässt ein feines Kratzerbild, jedoch ohne Spiegelpolitur.
Es kamen in der Zeit auch ein paar Spielereien zu mir, wie ein Thüringer Schiefer, ein gelber belgischer Brocken aus 2014 (sehr klein, tut aber seinen Dienst) und mein kleines Heiligtum, ein gelber belgischer Brocken, welcher sicherlich einiges über 200 Jahre alt ist, dieser ist schon seit Ewigkeiten in der Familie und wird von mir nur enorm selten genutzt.
Nicht viel später kamen dann auch wieder auf Leos Empfehlung ein Zische Missarka Ultra rot F1000 dazu. Brutal harter, vermutlich gesinterter Stein. Schlämmt nicht, soll angeblich um die 3000er JIS Körnung haben, was meiner Meinung nach nicht hinkommt, ich würde das Schliffbild eher wenn überhaupt zu JIS 2000 zuordnen. Habe ihn aber damals sehr gern genutzt.
Wenn es etwas mehr sein darf und für Touch-Ups wenn die Schneide minimal an Schärfe verloren hat nutze ich den weißen Keramik von Lansky. Ich konnte/kann ohne Abziehriemen, direkt vom Stein weg Haare spalten, auch wenn es im Prinzip nur Spielerei ist, es war schon beeinduckend, wie stark sich meine Technik über die Jahre verbessert hatte.
Hier erstmal paar Bilder von damals:

Von oben links ein Unbekannter Ölstein, daneben der Zische Silifix 120, Zische 220/400, Zische F1000, die Taideas, 2 Steine vom Lansky Set (hab den Steinhalter zerlegt)
Unten ein Thüringer Schiefer, GBB klein, GBB groß
Abziehleder habe ich auch diverses getestet und gebaut.
Wie oben bereits erwähnt bestand mein erster Abziehriemen aus einem Stück Leder, was ich immerwieder mit dem Abrieb des Sandpapiers bestrichen habe.

Genau dieses Stück Leder sieht man ganz links. Das zweite ist ein Stück Ledergürtel mit Scherenkauf Siliziumkarbidpolierpaste, rechts daneben wieder Lederstreifen mit selbiger Polierpaste. Ganz rechts ein Stück Pappe bestrichen mit blauer Bosch Metallpolitur in Wachsform.

Die nächsten gebauten Abziehriemen waren dann schon wesentlich attraktiver, die beiden linken beladen mit Chromoxid in Pulverform, der rechte wieder mit der grauen Polierpaste von Scherenkauf. (die großen haben eine Lederfläche von 7x24cm).

Hier meine "Neusten", welche ich Seit gut 7-8 Jahren verwende. Links Silverline Grün, rechts die beiden Silverline weiß.
Ich denke über die Lederriemen an sich brauche ich nicht viel zu schreiben, man nehme Leder und klebe es auf eine harte Unterlage (habe Holz und Plexiglas verwendet). (sauberes Leder vorrausgesetzt)
Kleiner Tipp zum Leder: Mit hartem Leder habe ich bessere Erfahrungen gemacht, scheint so, als ob sich weiches Leder um die Schneidkante legt und sie leicht verrrundet/ abstumpft. Hautseite für flüssige Polierpasten, Fleischsseite für Pasten in Wachsform.
Ich habe auch einiges an Zeit damit verbracht, verschiedene Polierpasten zu testen. Angefangen von einfacher Pappe mit getrockneter Zahnpasta drauf (funktioniert nicht), über diverse Metallpolituren von Sonax, Autosol, Bosch, Elsterglanz,...(Autosol funktioniert recht gut, den Rest sehe ich als benutzbar aber weit entfernt von gut) bis hin zu wirklich spezifisch für Messer gemachte Polierpasten und Diamantpasten.
Zuerst die graue Siliziumkarbidpaste von Scherenkauf. Sie ist sehr aggressiv, poliert enorm gut, hält enorm lange ist aber doch relativ "grob". Wenn man zu lange abzieht wird die Schneidfase sichtbar konvex und ab einem bestimmten Punkt wieder stumpfer, das ist auch der Grund warum ich Schleifsteine als Touch-Up nutze und keine Abziehriemen mehr.
Die beiden für mich besten Polierpasten kommen von der Firma Silverline in 500g Blöcken. Ich nutze sie auf Rauhleder (Fleischseite) und sie machen einen fantastischen Job. Die weiße ist minimal gröber als die grüne. Ich denke die weiße ist mit der recht bekannten Bark River White Compound vergleichbar, somit liegt sie bei einer Körnung von um die 12,000 (entspricht glaube 1 Mikron). Die Grüne nutzt Chromoxid als Schleifmedium, welches nur 0,5 Mirkon groß ist. Preis-Leistung und generell die Performance ist sehr gut. Ich habe auch schon mit Chromoxid in Pulverform gearbeitet, das ist aber eine riesige Sauerei und gibt auch keine besseren Ergebnisse, als die grüne von Silverline. Funktioniert top, ist aber aufwändig.
Ich habe hier im Forum auch mitbekommen, dass Abziehriemen eher unbeliebt sind, zumindest bei Küchenmessern. Kann ich zum Teil verstehen, kommt aber auf die Nutzung an. Ich nutze Sie ausschließlich mit sehr leichtem Druck nach dem Schärfen auf dem Stein um so jegliche Restgrate zu entfernen. Braucht man das? Vermutlich nicht, wenn man den Grat auf dem Stein sauber entfernt bekommt, jedoch haben sich 5 bis max. 10 Züge pro Seite auf dem Leder bewährt und so kann ich sicher sein, dass keinerlei Grat übrig bleibt.
Schwieriger sehe ich die Nutzung einer groben Paste (z.B. die SIC von Scherenkauf) als Ersatz eines feineren Schleifsteins. Hier geht es schon sehr schnell, dass die Schneide ihren Biss verliert und schnell konvex wird, was beim nächsten Schärfen lästig ist.
Irgendwann bin ich mal auf Kleinanzeigen über ein Set bestehend aus einem alten Corum Ölstein, 2 Translucent Arkansas und einem Naniwa Combination Stone gestolpert und fande die Arkansas ganz interessant.

Zum Combination Stone komme ich weiter unten nochmal. Die Arkansas, nunja, ich komme mit denen garnicht zurecht. Vielleicht weiß ich nur nicht wie ich die nutzen muss, aber ich bekomm damit nichts brauchbares hin. Ich hab die mit allerlei Körnungen geläppt, loses Sic, Diamantplatte, mit anderen Steinen aneinander gerieben, mit Slurry, ohne.....ich empfinde Sie als äußerst langsam, ohne Feedback (wie auf einer Glasplatte) und das Finish ist zerkratzt und nicht so scharf, wie ich das erwarten würde. Ich hab einen verkauft und den Anderen nur aus Nostalgiegründen noch da.
Einige Jahre, hunderte Youtubevideos und Forenbeiträge später habe ich mich dann dazu entschieden die Naniwa Chosera (mittlerweile Naniwa Professional) zu kaufen. 800er und 3000er Körnung, die wahrscheinlich meist empfohlenen Steine. Dazu einen Shapton Glass 320.

Ich bin garkein Fan, mir gefällt das Schärfgefühl auf den Naniwas garnicht. Ich habe oft gelesen, dass die Naniwas Haarrisse bekommen , wenn man diese wässert, also habe ich die als Splash&Go verwendet. Bei meinen Exemplaren ist das Wasser aber eingezogen und hat nach kurzer Zeit einen dicken Schleifschlamm hinterlassen. Das hat mich so sehr gestört, dass ich den Stein alle paar Minuten abspülen musste. Das Finish vom 3000er hat mir auch nicht gefallen, soweit ich das noch in Erinnerung habe, war das eher zerkratzt ohne Politur. Keine Ahnung ob ich da Montagsmodelle bekommen hatte, habe diese dann aber bei Knives and Tools gegen ein Set Shapton Pro umgetauscht mit denen ich nach wie vor sehr zufrieden bin.
Da ich sehr gute Erfahrungen mit dem Lansky Keramik gemacht habe, hatt ich mir auch den Spyderco 306UF und 302UF gekauft. Körnung soll laut Spyderco wohl um die 4000 liegen, das kommt nichtmal annähernd hin. Von der Politur und der Schärfe her würde ich den Stein wesentlich feiner einordnen (6000-8000). Mir gefallen die sehr gut, enorm hart somit auch für Mikrofasen und Touchups super geeignet, keine Flüssigkeit nötig, gut zu reinigen (Scheuermilch), sehr direktes akustisches Feedback kann und Haarspaltschärfe direkt vom Stein möglich. Nur leider sind die mittlerweile sehr teuer geworden, ich mag die Teile dennoch sehr gern.
Mein allererster Stein war ja ein Lansky Tri-Hone, welchen ich mir aus Nostalgiegründen nochmal neu gekauft habe.

Witzigerweise wurden mir 3 von diesen Steinen zugeschickt, obwohl ich nur einen bezahlt hatte.
Habe also 2 davon auseinander genommen (die Steine runter) und etwas experimentiert. Dabei habe ich herausgefunden, dass man den Lansky Keramik so bearbeiten kann, dass er die Eigenschaften von einem Spyderco Ultrafein bekommt.
Einfach mit einer Diamantplatte (habe einfach die vom Lanskyset genommen, da ich diese sowieso entsorgt hätte) den Stein planen und danach mit der Keramikseite von einem Fällkniven DC4 die Oberfläche polieren bis die gesamte Oberfläche leicht spiegelt. So bekommt man einen enorm feinen Stein, der dem Spyderco, bis auf die Größe, in nichts nach steht und haarspaltende Schneiden direkt nach dem Stein kein großes Problem sind. Man bekommt das Lansky Steinset teilweise günstiger, als einen einzelnen Spyderco Stein, weswegen das eine ziemlich gute Alternative ist. Ich habe mir z.B. ein Outdoorset zusammengestellt mit einer DMT XC (extra grob), DMT F (fein) und dem ganz feinen, bearbeiteten Lanyks Keramik, so kann ich immer und überall Messer von extrem stumpf bis Haarspaltschärfe bekommen und das Ganze auch noch ohne Flüssigkeit. Auch wenn ich Diamantsteine nicht für den Hausgebrauch leiden kann, so sind sie für unterwegs fast alternativlos.
nach einigen Jahren als Leser des Forums, dachte ich, ich bringe hier meine Erfahrung in das Forum mit ein. Auch wenn es hier schon wunderbare Threads zum Messerschärfen gibt, mehr Informationen sind grundsätzlich nicht schlecht und irgendwo muss ich ja mein Hobby ausleben.

Eins schonmal vorweg, das wird ein vermutlich recht langer Beitrag, ich versuche meine Entwicklung zu schildern und insbesondere Anfängern vor dem ein oder anderen Fehler zu bewahren.
Wie bin ich dazu gekommen?
Eines Tages waren mein Vater und ich etwas im Wald unterwegs, größtenteils Spazieren, Kirrungen kontrollieren usw., wir hatten aber schon bevor wir los sind den Plan eine Flöte zu schnitzen. Ich also mein Messer eingepackt und los ging es, zu dem Zeitpunkt war ich etwa 9 Jahre alt. Als es dann an das Schnitzen ging, klagte mein Vater über das komplett stumpfe Messer und dass das so nicht funktioniert. Wir also wieder nach Hause und in unsere Werkstatt, mein Vater hat ein Stück Sandpapier, vielleicht eine 320er Körnung, auf die Werkbank gelegt, etwas befeuchtet und das Messer in gleichmäßigen Zügen geschärft. Es hat keine 5 Minuten gedauert, da war er auch schon fertig und ich war absolut fasziniert, so ein scharfes Messer hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nie in der Hand. Ich wollte das auch unbedingt lernen, also gab mir mein Vater einen Spachtel, welchen ich dann solange schleifen sollte, bis er scharf ist (so habe ich nicht an einem guten Messer geübt -> kein Risiko), mein Vater hat mir dabei immer über die Schulter geschaut. Das ganze hat bestimmt 1 Stunde gedauert, aber so habe ich unter Anleitung die grundlegenden Dinge des Messerschärfens gelernt, z.B. was der Grat ist (auch wenn wir es damals nicht so genannt haben), wie man den Winkel hält, wann man fertig ist, usw.
Das Feuer wurde damit entzündet und alle meine derzeitigen Messer sollten schön scharf werden, vorher begab ich mich aber auf YT um mir Tutorials auf Deutsch und Englisch über das Messerschärfen anzusehen. Ja, ich habe als 9 jähriger englische Messerschleifvideos angeschaut und davon nicht wenige.
Ich hatte mir daraufhin ein Stück Sandpapier genommen und auf die Rückseite Leder geklebt, dieses diente mir als Auflagefläche und Abziehriemen. Ich habe also vorne auf einem 320er Sandpapier mit Wasser geschärft und den Abrieb / die Schleifpartikel auf dem Leder verteilt um mir so etwas wie eine Polierpaste zu machen. Logischerweise ist aufgrund des Leders die Schneide immer ballig geworden, was ich damals nicht wusste. Rasiert hat es noch nicht, aber ein Blatt Papier war kein Problem.
Schätzungsweise ein halbes Jahr später hatte ich mir Gedanken über ein richtiges Schärfsystem gemacht und stand vor der Wahl ob Freihand oder mit festen Winkeln. Ich habe mich aktiv gegen ein System mit festen Winkeln entschieden, da ich weiter freihändig schärfen wollte und so das handwerkliche Geschick weiter ausbauen konnte. Es wurde ein Lansky Tri-Stone, welcher anscheinend sehr unbekannt ist (kaum Reviews, Tests, usw...) . Es ist ein drehbares Schärfsystem, bei dem 3 verschiedene Körnungen zur Verfügung stehen. Eine grobe Diamantplatte, ein mittlerer Keramikstein und ein sehr feiner Keramikstein. Die Steine funktionieren gut, sollten aber mit Öl, Seifenwasser, Scheibenreiniger, Desinfektionsmittel,...genutzt werden, da sie sich sonst enorm schnell zusetzen (bei dem sehr feinen nicht so dramatisch, bei dem mittleren leidet die Schleifgeschwindigkeit doch sehr). Mir hat schon von Anfang an der Formfaktor nicht gefallen, einfach zu klobig, jedoch wollte ich die Steine beim entfernen nicht zerstören.
Mit dem Lansky System habe ich zum ersten mal eine rasierende Schneide hinbekommen und der weiße Keramikstein hat eine sehr schöne polierende Wirkung, welche optisch sehr ansehnlich ist.
Wieder einige Jahre später hatte ich Lust mein Schärfwerkzeug zu erweitern. Die Lansky Steine sind enorm hart und verschleißen quasi garnicht. Der braune minimal (0,5mm in 9 Jahren) und der Weiße garnicht.
Durch Leos-Messerschärfseite (Youtube messer-machen, kennen wohl die meisten hier) bin ich auf Taidea Steine gekommen. Als gut und günstig beschrieben. Ich hatte mir also den 240/800 Kombistein zusammen mit dem 5000er und einem King Nagura gekauft. Ums kurz zu machen, ja die Steine sind günstig, jedoch auch recht weich und rückblickend nicht besonders gut. Der 240/800er verschleißt sehr schnell (schlämmt auch recht stark) hinterlässt aber ein recht sauberes Schliffbild. Weil er so enorm weich ist hat er sich schnell hohl geschliffen, womit ich erstmal etwas überfordert war, weil meine Lansky Steine das nicht gemacht haben. Nachdem ich den Stein abgerichtet habe kam er in den Schrank und wurde durch einen wesentlich härteren Zische 220/400 Fepa (entspricht einer JIS Norm von etwa 360/1000) ersetzt. Zische Steine sind allgemein recht empfehlenswert, günstig, recht schnell und hart.
Der 5000er Taidea ist wesentlich härter als der gröbere Taidea. Immernoch nicht wirklich hart, aber ich hatte in 6 jahren Nutzung "nur" etwa 6mm des 15mm Steins verbraucht. Er hinterlässt eine matte, leicht zerkratzte Fläche. Die Kombination Zische 360/1000 und Taidea 5000 wurde dann sehr lange genutzt, mit ihr konnte ich gleichbleibend scharfe Ergebnisse erzielen, Armhaare rasieren war mittlerweile auch absolut kein Problem mehr. Bei der Bestellung von Scherenkauf war auch ein Zische Silifix 120 dabei, ein Siliziumkarbid Schruppstein. Wurde nur für Ausbrüche und heftige Beschädigungen genutzt, den Stein würde ich heute nichtmehr unbedingt empfehlen, sehr hart gebunden, meiner Meinung nach fast schon zu hart, weil er viel Druck benötigt, dass frische Schleifpartikel freigesetzt werden und er sonst "stumpf" wird.
Zwischendurch hatte ich einen 3000/8000 Kombistein von Taidea, welcher absoluter Müll war. Es soll ja Leute geben, die sehr weiche Steine bevorzugen, aber der Stein musste während des Schärfens abgerichtet werden und man konnte ganz locker in den Stein schneiden. Nicht mein Fall, verkauft. Aus Frust wurde der 8000er Taidea bestellt, welcher wieder ganz anders ist. Sehr hart (einschneiden in den Stein nicht möglich), schlämmt nahezu nicht, hinterlässt ein feines Kratzerbild, jedoch ohne Spiegelpolitur.
Es kamen in der Zeit auch ein paar Spielereien zu mir, wie ein Thüringer Schiefer, ein gelber belgischer Brocken aus 2014 (sehr klein, tut aber seinen Dienst) und mein kleines Heiligtum, ein gelber belgischer Brocken, welcher sicherlich einiges über 200 Jahre alt ist, dieser ist schon seit Ewigkeiten in der Familie und wird von mir nur enorm selten genutzt.
Nicht viel später kamen dann auch wieder auf Leos Empfehlung ein Zische Missarka Ultra rot F1000 dazu. Brutal harter, vermutlich gesinterter Stein. Schlämmt nicht, soll angeblich um die 3000er JIS Körnung haben, was meiner Meinung nach nicht hinkommt, ich würde das Schliffbild eher wenn überhaupt zu JIS 2000 zuordnen. Habe ihn aber damals sehr gern genutzt.
Wenn es etwas mehr sein darf und für Touch-Ups wenn die Schneide minimal an Schärfe verloren hat nutze ich den weißen Keramik von Lansky. Ich konnte/kann ohne Abziehriemen, direkt vom Stein weg Haare spalten, auch wenn es im Prinzip nur Spielerei ist, es war schon beeinduckend, wie stark sich meine Technik über die Jahre verbessert hatte.
Hier erstmal paar Bilder von damals:

Von oben links ein Unbekannter Ölstein, daneben der Zische Silifix 120, Zische 220/400, Zische F1000, die Taideas, 2 Steine vom Lansky Set (hab den Steinhalter zerlegt)
Unten ein Thüringer Schiefer, GBB klein, GBB groß
Abziehleder habe ich auch diverses getestet und gebaut.
Wie oben bereits erwähnt bestand mein erster Abziehriemen aus einem Stück Leder, was ich immerwieder mit dem Abrieb des Sandpapiers bestrichen habe.

Genau dieses Stück Leder sieht man ganz links. Das zweite ist ein Stück Ledergürtel mit Scherenkauf Siliziumkarbidpolierpaste, rechts daneben wieder Lederstreifen mit selbiger Polierpaste. Ganz rechts ein Stück Pappe bestrichen mit blauer Bosch Metallpolitur in Wachsform.

Die nächsten gebauten Abziehriemen waren dann schon wesentlich attraktiver, die beiden linken beladen mit Chromoxid in Pulverform, der rechte wieder mit der grauen Polierpaste von Scherenkauf. (die großen haben eine Lederfläche von 7x24cm).

Hier meine "Neusten", welche ich Seit gut 7-8 Jahren verwende. Links Silverline Grün, rechts die beiden Silverline weiß.
Ich denke über die Lederriemen an sich brauche ich nicht viel zu schreiben, man nehme Leder und klebe es auf eine harte Unterlage (habe Holz und Plexiglas verwendet). (sauberes Leder vorrausgesetzt)
Kleiner Tipp zum Leder: Mit hartem Leder habe ich bessere Erfahrungen gemacht, scheint so, als ob sich weiches Leder um die Schneidkante legt und sie leicht verrrundet/ abstumpft. Hautseite für flüssige Polierpasten, Fleischsseite für Pasten in Wachsform.
Ich habe auch einiges an Zeit damit verbracht, verschiedene Polierpasten zu testen. Angefangen von einfacher Pappe mit getrockneter Zahnpasta drauf (funktioniert nicht), über diverse Metallpolituren von Sonax, Autosol, Bosch, Elsterglanz,...(Autosol funktioniert recht gut, den Rest sehe ich als benutzbar aber weit entfernt von gut) bis hin zu wirklich spezifisch für Messer gemachte Polierpasten und Diamantpasten.
Zuerst die graue Siliziumkarbidpaste von Scherenkauf. Sie ist sehr aggressiv, poliert enorm gut, hält enorm lange ist aber doch relativ "grob". Wenn man zu lange abzieht wird die Schneidfase sichtbar konvex und ab einem bestimmten Punkt wieder stumpfer, das ist auch der Grund warum ich Schleifsteine als Touch-Up nutze und keine Abziehriemen mehr.
Die beiden für mich besten Polierpasten kommen von der Firma Silverline in 500g Blöcken. Ich nutze sie auf Rauhleder (Fleischseite) und sie machen einen fantastischen Job. Die weiße ist minimal gröber als die grüne. Ich denke die weiße ist mit der recht bekannten Bark River White Compound vergleichbar, somit liegt sie bei einer Körnung von um die 12,000 (entspricht glaube 1 Mikron). Die Grüne nutzt Chromoxid als Schleifmedium, welches nur 0,5 Mirkon groß ist. Preis-Leistung und generell die Performance ist sehr gut. Ich habe auch schon mit Chromoxid in Pulverform gearbeitet, das ist aber eine riesige Sauerei und gibt auch keine besseren Ergebnisse, als die grüne von Silverline. Funktioniert top, ist aber aufwändig.
Ich habe hier im Forum auch mitbekommen, dass Abziehriemen eher unbeliebt sind, zumindest bei Küchenmessern. Kann ich zum Teil verstehen, kommt aber auf die Nutzung an. Ich nutze Sie ausschließlich mit sehr leichtem Druck nach dem Schärfen auf dem Stein um so jegliche Restgrate zu entfernen. Braucht man das? Vermutlich nicht, wenn man den Grat auf dem Stein sauber entfernt bekommt, jedoch haben sich 5 bis max. 10 Züge pro Seite auf dem Leder bewährt und so kann ich sicher sein, dass keinerlei Grat übrig bleibt.
Schwieriger sehe ich die Nutzung einer groben Paste (z.B. die SIC von Scherenkauf) als Ersatz eines feineren Schleifsteins. Hier geht es schon sehr schnell, dass die Schneide ihren Biss verliert und schnell konvex wird, was beim nächsten Schärfen lästig ist.
Irgendwann bin ich mal auf Kleinanzeigen über ein Set bestehend aus einem alten Corum Ölstein, 2 Translucent Arkansas und einem Naniwa Combination Stone gestolpert und fande die Arkansas ganz interessant.

Zum Combination Stone komme ich weiter unten nochmal. Die Arkansas, nunja, ich komme mit denen garnicht zurecht. Vielleicht weiß ich nur nicht wie ich die nutzen muss, aber ich bekomm damit nichts brauchbares hin. Ich hab die mit allerlei Körnungen geläppt, loses Sic, Diamantplatte, mit anderen Steinen aneinander gerieben, mit Slurry, ohne.....ich empfinde Sie als äußerst langsam, ohne Feedback (wie auf einer Glasplatte) und das Finish ist zerkratzt und nicht so scharf, wie ich das erwarten würde. Ich hab einen verkauft und den Anderen nur aus Nostalgiegründen noch da.
Einige Jahre, hunderte Youtubevideos und Forenbeiträge später habe ich mich dann dazu entschieden die Naniwa Chosera (mittlerweile Naniwa Professional) zu kaufen. 800er und 3000er Körnung, die wahrscheinlich meist empfohlenen Steine. Dazu einen Shapton Glass 320.

Ich bin garkein Fan, mir gefällt das Schärfgefühl auf den Naniwas garnicht. Ich habe oft gelesen, dass die Naniwas Haarrisse bekommen , wenn man diese wässert, also habe ich die als Splash&Go verwendet. Bei meinen Exemplaren ist das Wasser aber eingezogen und hat nach kurzer Zeit einen dicken Schleifschlamm hinterlassen. Das hat mich so sehr gestört, dass ich den Stein alle paar Minuten abspülen musste. Das Finish vom 3000er hat mir auch nicht gefallen, soweit ich das noch in Erinnerung habe, war das eher zerkratzt ohne Politur. Keine Ahnung ob ich da Montagsmodelle bekommen hatte, habe diese dann aber bei Knives and Tools gegen ein Set Shapton Pro umgetauscht mit denen ich nach wie vor sehr zufrieden bin.
Da ich sehr gute Erfahrungen mit dem Lansky Keramik gemacht habe, hatt ich mir auch den Spyderco 306UF und 302UF gekauft. Körnung soll laut Spyderco wohl um die 4000 liegen, das kommt nichtmal annähernd hin. Von der Politur und der Schärfe her würde ich den Stein wesentlich feiner einordnen (6000-8000). Mir gefallen die sehr gut, enorm hart somit auch für Mikrofasen und Touchups super geeignet, keine Flüssigkeit nötig, gut zu reinigen (Scheuermilch), sehr direktes akustisches Feedback kann und Haarspaltschärfe direkt vom Stein möglich. Nur leider sind die mittlerweile sehr teuer geworden, ich mag die Teile dennoch sehr gern.
Mein allererster Stein war ja ein Lansky Tri-Hone, welchen ich mir aus Nostalgiegründen nochmal neu gekauft habe.

Witzigerweise wurden mir 3 von diesen Steinen zugeschickt, obwohl ich nur einen bezahlt hatte.
Habe also 2 davon auseinander genommen (die Steine runter) und etwas experimentiert. Dabei habe ich herausgefunden, dass man den Lansky Keramik so bearbeiten kann, dass er die Eigenschaften von einem Spyderco Ultrafein bekommt.
Einfach mit einer Diamantplatte (habe einfach die vom Lanskyset genommen, da ich diese sowieso entsorgt hätte) den Stein planen und danach mit der Keramikseite von einem Fällkniven DC4 die Oberfläche polieren bis die gesamte Oberfläche leicht spiegelt. So bekommt man einen enorm feinen Stein, der dem Spyderco, bis auf die Größe, in nichts nach steht und haarspaltende Schneiden direkt nach dem Stein kein großes Problem sind. Man bekommt das Lansky Steinset teilweise günstiger, als einen einzelnen Spyderco Stein, weswegen das eine ziemlich gute Alternative ist. Ich habe mir z.B. ein Outdoorset zusammengestellt mit einer DMT XC (extra grob), DMT F (fein) und dem ganz feinen, bearbeiteten Lanyks Keramik, so kann ich immer und überall Messer von extrem stumpf bis Haarspaltschärfe bekommen und das Ganze auch noch ohne Flüssigkeit. Auch wenn ich Diamantsteine nicht für den Hausgebrauch leiden kann, so sind sie für unterwegs fast alternativlos.




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