Nächste Offenbarung: TFG Rückruf Verdacht falscher Stahl

Also wenn die zugesicherten Produkteigenschaften nicht stimmen ist der Händler schon verpflichtet zu wandeln, entweder Reparatur oder Tausch oder wenn nicht möglich Geld zurück, ggf. Abzug von Nutzung. Ich glaube, dass ist den Händlern jetzt auch klar geworden und damit werden sie zukünftig auch genauer hinschauen. Insofern hat der BRKT Etikettenschwindel auch ein gutes.
Der Händler ist zu gar nichts verpflichtet, da es keinen offiziellen Rückruf vom Hersteller in China gibt. Der beharrt ja darauf das es M390 ist.
Das ist eine reine Kulanz Rücknahme von TfG für das Queen Anne's Revenge.
 
Der Händler ist zu gar nichts verpflichtet, da es keinen offiziellen Rückruf vom Hersteller in China gibt. Der beharrt ja darauf das es M390 ist.
Das ist eine reine Kulanz Rücknahme von TfG für das Queen Anne's Revenge.
Einfach mal lesen:
„Also wenn die zugesicherten Produkteigenschaften nicht stimmen….“
Das muss erfüllt sein und TfG behauptet das ja selbst nach wie vor!
„Tools for Gents ruft 100 Messer wegen gefälschten Stählen von TuyaKnife
zurück“
 
Zuletzt bearbeitet:
Einfach mal lesen:
„Also wenn die zugesicherten Produkteigenschaften nicht stimmen….“
Das muss erfüllt sein und TfG behauptet das ja selbst nach wie vor!
„Tools for Gents ruft 100 Messer wegen gefälschten Stählen von TuyaKnife
zurück“
...und Tuya Knife belegt als Hersteller das Gegenteil! Also macht TfG den Rückruf freiwillig.
 
Mal ehrlich, will ich mich als Käufer in meinem HOBBY mit Stahlspezifikationen oder Prozessen der Qualitätssicherung beschäftigen? NEIN!
Bisher spielten evtl. Gefallen, Preis- Leistung und ein bisserl Vertrauen in die Aussagen die wesentliche Rolle beim Kauf, jetzt wird vorübergehend Vertrauen mehr in den Focus besonders bei Handelsprodukten kommen.

Egal ob freiwillig oder auf Grund besserer, uns nicht bekannter Erkenntnisse seitens TFG, sie machen mit dem Rückruf einen klugen Schritt für ihr Gesamtbusiness: Problem erkannt - gehandelt - neues Vertrauen schaffen!

Abu
 
Da muss ich dir aus meiner Perspektive a bisserl widersprechen mein lieber @Abu.

will ich mich als Käufer in meinem HOBBY mit Stahlspezifikationen oder Prozessen der Qualitätssicherung beschäftigen?
Ja, grundsätzlich sowieso und insbesondere wenn es notwendig wird, um belastbare Vorwürfe von Marketingstrategien zu unterscheiden. 😉

neues Vertrauen schaffen!
Vertrauen schafft man aus meiner Sicht mit transparentem Vorgehen.
Der Prüfbericht von Böhler ist mit 19.08.2025 datiert.
Bei mir persönlich schafft diese Maßnahme solange kein Vertrauen wie ich nicht vollumfänglich einordnen kann wieso, weshalb, warum.

Und nicht nur nebenbei geht es hier um den Leumund eines Herstellers.

Aber es ist wie mit allen Dingen. Muss jeda selba wissen. 😋
 
Zuletzt bearbeitet:
Mal ehrlich, will ich mich als Käufer in meinem HOBBY mit Stahlspezifikationen oder Prozessen der Qualitätssicherung beschäftigen? NEIN!

Ich würde es so sagen,

wenn ich ein klassisches Solinger Taschenmesser oder ein einfaches Laguiole hole, erwarte ich einen rostfreien Stahl, der um 58 HRc gehärtet ist. Der Stahl als solches ist mir hier einigermaßen egal, hauptsache er wurde ordentlich verarbeitet. Vertrauensfrage bezüglich der Quelle.

Alle Anwendungen, die ich mit solchen Messern veranstalte, verlangen nicht nach mehr „Qualität“.

Suche ich ein Kochmesser mit 14er Sandvik, zuverlässig auf 60/61 HRc gehärtet, will ich genau das haben, weil ich es für meine Anwendung genau so will, aus Erfahrung auch brauche und diese Klassifizierung im Vergleich auch einzuordnen weiß.

Desgleichen, wenn ich einen S90V oder einen REX 45 Stahl hole.

Wenn ich bewußt einen höheren Preispunkt in Kauf nehme, möchte und muss ich sicher, dass ich genau das bekomme, was ich bezahle. Zu dem Schluss, dass die Stähle innerhalb einer Klasse weitgehend vergleichbar sein können - auch bei Derivaten - zu diesem Ergbniss will ich, wenn schon, dann selbst kommen und nicht durch Betrug.

grüsse, pebe
 
Zuletzt bearbeitet:
…dass ich genau das bekomme, was ich bezahle.

Alles richtig, sehe ich auch so. Besonders nach einem Kauf, wie der Wissensbedarf aktuell zeigt.
Aber: Wenn MEINE Zweifel gewichtiger sind als mein Vertrauen, dann kaufe ich erst gar nicht! Der Hersteller hat sich zu qualifizieren, nicht ich dem nachzuspüren. Ist mir die Zeit zu wertvoll. Wie gesagt, ganz persönliche Bewertung.

Abu
 
Aber: Wenn MEINE Zweifel gewichtiger sind als mein Vertrauen, dann kaufe ich erst gar nicht!

Das sehe ich ganz genau so.

Und darum sind generell viele Marken oberhalb der Kaffeekasse von vornherein schon raus. 😋

Auch wenn es manchmal, aber vermutlich doch selten, dort auch nicht reicht.

grüsse, pebe
 
Zuletzt bearbeitet:
Eine einfache Google Recherche hilft auch weiter - das bekommst Du hin..
Besten Dank für den hilfreichen Beitrag.
Böhler hat wohl nur das eine Werk zur Herstellung von PM-Stahl in Kapfenberg. Das fertigt PM-Stahl in einem Verfahren der "dritten Generation" und die Stähle tragen alle die Bezeichnung "microclean" . Was sollen denn die anderen beiden Generationen von M390 sein? Es gibt andere Versionen von Latrobe und Carpenter, die sind aber kein M390, da Böhler diese Legierung patentiert hat.
 
Das fertigt PM-Stahl in einem Verfahren der "dritten Generation" und die Stähle tragen alle die Bezeichnung "microclean" . Was sollen denn die anderen beiden Generationen von M390 sein?
Bei den drei Generationen geht es grundsätzlich um den Prozess der pulvermetallurgischen Stahlherstellung. Das ist erst mal nicht spezifisch Böhler oder M390. Man hat die Verfahren über die Jahre immer weiter entwickelt und verbessert. Indem man zum Beispiel elektrische Heizung und magnetisches Rühren in der Schmelze eingeführt hat. Auch beim heiß-isostischen-Pressen (HIP) gab es eine Evolution. Dadurch hat sich zwar die chemische Zusammensetzung der Stähle nicht geändert, aber die Homogenität und die Größe/Verteilung der Karbide (--> Gefüge).
Im Grunde ist es ähnlich wie bei den konventionell erschmolzenen Stählen. Der Stahl alleine, bzw seine chemische Zusammensetzung sagt nur etwas über das mögliche Potential aus. Wieviel davon realisiert ist, steckt im Gefüge. Das stellt sich konventionell durch Umformung und Wärmebehandlung ein.
Bei den hochlegierten PM-Stählen bekommt man die Karbide durch Wärmebehandlung nicht mehr in Lösung. Da bestimmt dann schon die Herstellung des Pulvers wie fein es wird.

Gruß, Andreas
 
Bei den drei Generationen geht es grundsätzlich um den Prozess der pulvermetallurgischen Stahlherstellung.

Danke, habe es auf die Schnelle nicht mehr gefunden, hatte aber noch im Hinterkopf, dass es nicht die chemische Zusammensetzung, sondern eben das verfeinerte technische Verfahren ist, das den Unterschied macht und in der Analyse feststellbar wird.

Darüber, ob die Bezeichnung dritte Generation für drei Version M390 steht, bin ich mir jetzt allerdings nicht mehr sicher - darüber, dass es unterschiedliche Entwicklungen gibt, schon.

grüsse, pebe
 
Besten Dank für den hilfreichen Beitrag.
Böhler hat wohl nur das eine Werk zur Herstellung von PM-Stahl in Kapfenberg. Das fertigt PM-Stahl in einem Verfahren der "dritten Generation" und die Stähle tragen alle die Bezeichnung "microclean" . Was sollen denn die anderen beiden Generationen von M390 sein? Es gibt andere Versionen von Latrobe und Carpenter, die sind aber kein M390, da Böhler diese Legierung patentiert hat.
Das Patent für M390 ist wohl 1992 erteilt worden und 20 Jahre nach der Anmeldung in 1989 ausgelaufen (für welche Länder Böhler Patentschutz angemeldet hatte, weiß ich nicht), d.h. seit 2009 besteht kein Patentschutz mehr. Einen Schutz der Wortmarke M390 hat Böhler nicht angemeldet. Wobei es recht schwierig ist eine genaue Rezeptur zu patentieren durch geringfügige Änderung der Zusammensetzung kann man Patente auch aushebeln.
 
Zuletzt bearbeitet:
Danke, habe es auf die Schnelle nicht mehr gefunden, hatte aber noch im Hinterkopf, dass es nicht die chemische Zusammensetzung, sondern eben das verfeinerte technische Verfahren ist, das den Unterschied macht und in der Analyse feststellbar wird.

Darüber, ob die Bezeichnung dritte Generation für drei Version M390 steht, bin ich mir jetzt allerdings nicht mehr sicher - darüber, dass es unterschiedliche Entwicklungen gibt, schon.

grüsse, pebe
Böhler M390 für die Anwendung „Messer“ ab den 2000er Jahren wurde von Anfang an nach dem Microclean Prozeß aka 3. Generation produziert. Es kann sein, dass die Rezeptur über die vielen Jahre minimal verändert wurde aber dies ist zumindest öffentlich nicht dokumentiert.
 
Zuletzt bearbeitet:
Im Zusammenhang mit dem vorliegenden Sachverhalt irritieren mich zwei Dinge:

1. In der Stellungnahme von Tuya Knife Europe vom 30.03.2026 ist zwar von "gröberer Carbidstruktur" die Rede, dies geht allerdings aus den Anhängen nicht hervor. Insbesondere vom Prüfbericht von Böhler ist nur die Seite 3 von 3 angehängt. Was ist dahingehend im Rahmen der Testungen also konkret festgestellt worden?

2. Wenn bereits im letzten Jahr (Prüfbericht Böhler vom 19.08.2025) Zweifel am verbauten Klingenstahl bestanden haben, die scheinbar bis heute nicht ausgeräumt werden konnten, wieso gingen die Messer dann trotzdem in den Verkauf. Oder anders: Welche neuen Erkenntnisse gab es zwischenzeitlich, die offenbar zum Rückruf führten.
 
Zuletzt bearbeitet:
Eine gröbere Karbid-Struktur wäre definitiv ein Hinweis, dass der Stahl nicht von Böhler stammt, nach mehr als 25 Jahren werden die den Prozeß wohl im Griff haben. Die Zusammensetzung des Stahls an sich ist einfacher zu kopieren.
 
Insbesondere vom Prüfbericht von Böhler ist nur die Seite 3 von 3 angehängt. Was ist dahingehend im Rahmen der Testungen also konkret festgestellt worden?
Vermutlich gar nichts.

Denn Seite 1/3 ist nur das Anschreiben, Seite 2/3 überblättert der gute Ricci einfach (dürfte die Testbeschreibung u. dgl. enthalten) und Seite 3/3 liefert dann das Testergebnis.

Gefügeaufnahmen scheinen im Rahmen des Gutachtens demnach keine gemacht worden zu sein.

Wie TFG dieses mit dem Betrugsvorwurf in Einklang bringt, ist mir im Moment absolut schleierhaft.



Die ganze Geschichte weckt Erinnerungen an folgenden "großen Skandal": Was ist los mit dem Messermarkt???

Unterschied ist halt, dass es diesmal ziemlich böse enden könnte für TFG...

Grüße
Jürgen
 
Nur kurz der Vollständigkeit halber:

Das Patent für M390 war laut European Patent Office vom 14.06.1989 bis 14.06.2009 in Kraft.

20 Jahre sind dafür offenbar auch der übliche Zeitraum, der mit dem Tag der Antragstellung beginnt: Wie lange bleibt ein erteiltes europäisches Patent in Kraft? | epo.org (https://www.epo.org/de/service-support/faq/anmeldung-eines-patents/das-verfahren/wie-lange-bleibt-ein-erteiltes).

Gegolten hat es, soweit ich recht sehe, für die "benannten Vertragsstaaten" (aufgelistet in der Patentschrift):
AT, BE, CH, DE, ES, FR, GB, IT, LI, LU, NL, SE sowie JP, AU, ZA (diese Ländercodes finden sich, unter dem Link zum EPO,
auf der Seite rechts oben im Kästchen).




M390 wurde zudem definitiv auch schon vor 2000 im Messerbereich eingesetzt.

Larrins Artikel (M390 Steel - History and Properties (and 20CV and 204P) - Knife Steel Nerds (https://knifesteelnerds.com/2020/06/01/m390-steel-history-and-properties-and-20cv-and-204p/)) zeigt als Beleg z. B. das Bild eines Kressler-Messers von 1999.

Etwa zu der Zeit habe ich D. Kressler selber über den Stahl sprechen gehört (muss Mitte der 90er gewesen sein), und sofern mir mein Gedächtnis keinen Streich spielt, hatte er da auch schon Messer daraus auf dem Tisch.

Richtig los ging es mit dem M390 in der Messerszene allerdings in der Tat erst wesentlich später.


Grüße
Jürgen
 
Zuletzt bearbeitet:
Zurück