Pimp my nonflickable Helios oder welchen Washer hätten's gern

erniebert

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Hallo,
verzeiht mir bitte mein Clickbait-Überschrift. Vielleicht hilft es ja ;)

Ich habe mein altes Böker Helios rausgesucht und wollte es bespielen. Was mich etwas irritert und mehr noch gestört hat, ist dass ich die Klinge nicht mit dem Daumen aufflicken kann, selbst wenn ich öle und die Achsschraube etwas zu lose einstelle. Vermutlich sind die verwendeten Beilagscheiben/Washer aus Kunststoff/Teflon der Grund dafür. Wenn ich die nun gegen Scheiben aus Bronze austausche, besteht dann eine reelle Chance mein heißgeliebtes Helios auch aufzuflicken? Oder wird es aufgrund des weichen "detend" eher nix werden? Am weichen detend werde ich nicht viel ändern können, die entsprechende Bohrung in der Klingenwurzel ist leider sehr deutlich angefast.

Der Vollständigkeit halber, die Kunststoffscheiben haben die Maße 15 x 5,3 x 0,5mm, die Bronzescheiben wären 14 x 6mm und nur 0,25mm stark. Ich würde also je 2 Scheiben pro Seite unterlegen.

Gruß erniebert
 

Yukon

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Ob nun zwei Washer pro Seite oder einer ist in der Regel kein Problem.

Falls die Washer in Richtung Schalen direkt auf Alu (also relativ rau) aufliegen, würde ich nur die Klingenseite der Washer Ölen. Ähnlich wie bei den meisten Chris Reeve Modellen, da dadurch die Washer auf den Schalen „greifen“ und wirklich nur die Klinge über die Washer gleitet, diese sich aber nicht mitbewegen.
Dafür muss aber die Seite der Washer, die auf der Klinge liegt, poliert sein, die Seiten zu den Schalen hin und die Kontaktflächen zwischen den zwei Washern aber eher rau belassen werden. Stichwort Micromesh, 8000er Körnung zum Bleistift.

Noch wichtiger als Polieren ist aber die Wahl des richtigen Öls, bzw dessen Viskosität. Konkretes Beispiel:
Ich hatte mein geliebtes Paramilitary 2 endlich mal zerlegt, da es minimales Klingenspiel hatte. Dieses lässt sich beim PM2 ja nur durch abschleifen des Bushings beheben, da durch selbiges der Abstand zwischen den Schalen festgelegt ist, egal wie fest die Achse angezogen wird. Das ist ja kein Thema bei dem Böker. Jedenfalls war das Klingenspiel nach viel Feinarbeit dann weg, aber das Messer flippte überhaupt nicht mehr. Zumindest nicht, bis ich von dem relativ zähen Victorinox Öl zu dem dünnflüssigeren Waffenöl der US-Armee(olivgrüne Plastikflasche, schwarzer Drehverschluss)gewechselt hatte. Auf einmal flog das Ding auf wie Schmitz‘ Katze. Seitdem probiere ich bei jedem Messer unterschiedliche Öle. Das Victorinox Öl, wenn es schön satt laufen soll, oder wenn Kugellager im Spiel sind, da es schön haftet. Das Chris Reeve Grease an meinen Reeve Modellen oder allgemein bei Messern, die nicht flippen müssen oder eben das Ami-Öl, da es dünnflüssiger ist und so manches Messer in eine Rakete verwandeln kann, auch bei billigen Teflon Washern.

Dann ist noch darauf zu achten, dass die Schalen wirklich parallel zueinander stehen. Das macht ebenso viel aus, wie der o. g. Rest. Sprich, dass alle Backspacer usw genauso dick sind, wie die Klinge plus ihre Washer.
Ich hatte mal ein Cold Steel 4Max, dessen Stop Pin dicker war, als die Klinge plus Washer. Bis mir das auffiel, dauerte es etwas, war nach Anpassung des Pins aber ein Unterschied wie Tag und Nacht.

Kurz und knapp, drei Punkte:
1. Washer Material und deren Oberfläche an den richtigen Stellen.
2. Welches Öl und WO dieses hin muss.
3. Allgemeine Präzision und parallele Fertigung/Passung des ganzen Messers.

Mit all diesen Punkten und Geduld solltest du eigentlich zum Ziel kommen.

Der schwache Detent ist nicht schlimm, da musst du einfach mit dem Daumen in einem anderen Winkel, meist gerade nach vorn, gegen den Daumenpin drücken. Dadurch kannst du mehr Druck aufbauen und einen „eigenen“ Detent kreieren. Das ist aber nur Übung.
 

erniebert

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Dann besteht also Hoffnung :)
Ich habe mein Glück bisher mit dem Böker Oil Pen versucht. Keine Ahnung, ob das Zeug dick- oder dünnflüssig ist, aber sonderlich geholfen hat es nicht. Auch nicht nachdem ich heute eine Stunde mit Polierpaste und Lederstück an der Klingenwurzel gerieben habe.
Für waffenöl us army habe ich BreakFree Waffenöl Synthetisches Break Free 4-CLP-16 gefunden, das trifft aber genausowenig deine Beschreibung wie das Retroöl aus dem Vietnamkrieg .
 

erniebert

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Zwischenstand 2:1

Am späten Sonntag hatte ich Bronze-Washer bei Stefan Steigerwald bestellt, heute klingelte der Paketbote :)
Der erste Versuch mit unbehandelten Bronzewashern ergab keinen Unterschied zu bisher.
Nach 5 min polieren der jeweiligen Scheibenseite (die an der Messerklinge liegt) und einem Tröpfchen Böker-Öl sah die Sache schon besser aus, ich konnte die Klinge auf rund 120° aufflicken.
Nach einigen weiteren Versuchen klappte es besser, von zwei Versuchen gelingt einer. Ich merke, wenn ich eine Zeit lang flicke, dann kann ich die Quote auf 2:1 bringen, mir ist es sogar gelungen fünfmal in Folge aufzuflicken. Aber jedesmal wenn ich das Messer beiseite lege, kurz was anderses mache und dann das Messer wieder in die Hand nehme, dann brauche ich ein bisschen Anlauf bis ich es wieder aufkriege. Das Helios flickt sich diffiziler wie jedes andere meiner Flickmesser. Positiv zu vermerken ist, dass man es auch noch immer gut herkömmlich aufschieben kann.

Technik:
Zum Flicken klemme ich den Messergriff mit den 3 kleinen Fingern gegen den Handballen. Der Daumen drückt in einem eher flachen Winkel gegen den Daumenpin. Beim Helios ist dieser Winkel eher etwas größer, damit man Druck aufbauen kann.
Beim kontinuierlichen Aufschieben drücken die kleinen Finger das Messer gegen die Fingerwurzeln (das Messer liegt mehr in den Fingern als in der Hand), der Daumen drückt in steileren Winkel auf den Pin und rotiert die Klinge auf.

Vielen Dank Yukon, dein Post hat mir sehr geholfen 👍

Ich beobachte wie sich das entwickelt. Wenn sich was Neues ergibt, dann lass ich es euch wissen.

Gruss erniebert