schneidengrat

RoM

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hallo alle zusammen

ich habe ein problem mit meinen schneiden und weiß nicht warum.
zur erklärung:
habe vor kurzem 3 küchenmesser geschmiedet (dank an alle von denen ich so wertvolle tipps bekam!), material ist 1.2842 (böhler k720 steht auf dem rohmaterial).
nach dem schmieden und weichglühen weiterbearbeitet am bandschleifer, immer wieder gekühlt um ja keine überhitzung des materials zu bekommen. dann in der glut von meinem kachelofen mehrmals normalisiert und anschließend gehärtet - temperaturkontrolle mittels magneten,. in angewärmtem speiseöl abgeschreckt und im backofen 2x angelassen.
das erste messer auf 120 ° c - sollten also so 63 rockwell geworden sein, die beiden anderen auf knapp über 200°c müssten also so um die 61 hrc sein. von meinem feilensortiment hat jedenfalls keine mehr gegriffen.
Nach dem härten musste ich am bandschleifer nochmals nachschleifen, wiederum mit eiswasser gekühlt.
Dann gings an den schneidenschliff. Habe die schneiden mit banksteinen – 300, 1000, 6000 er und abzug mittels leder und cromoxyd aufgebaut.
Beim grobschliff fing ich mit ca. 22-24 grad an und dürfte mit dem 6000er stein in etwa 26 – 28 ° geschliffen haben. Beim polieren mit cromoxyd hab ich dann wieder einen etwas flacheren winkel genommen, da das leder ja etwas nachgibt und somit die schneide abrunden würde.

so weit so gut (hoff ich zumindest), die messer werden scharf, allerdings kann ich machen was ich will – jedes mal entsteht beim abziehen mit dem leder ein mit freiem auge gut sichtbarer grat, der sich beim schneiden natürlich umlegt und eine (recht gute aber unerwünschte) säge bildet. Auf den 1.2842 bin ich durch die forensuche (gut zu bearbeiten, feine schneide, so ein scharfes teil . . . .) gekommen und jetzt natürlich enttäuscht / frustriert das ich`s nicht besser hin bekomme.
Bin seit tagen am hirnen, wo hab ich einen fehler gemacht, was ist schiefgegangen?
Was meint ihr dazu, hab ich falsch gehärtet oder mach ich fehler beim schleifen oder was????????

rom
 
entweder versuchen den grat abzupolieren, oder durch ein stueck hirnholz schneiden. auf das der grat abgeht. mit der methode entferne ihc zumindest immer den schleifgrat.
 
Hallo Rom,

ich kann nicht ganz nachvollziehen was sich da bei dir abspielt, aber wenn du mit einem 6000er Stein aufgehört hast sollte sich der Grat eher als eine Art "Stahlhaar" darstellen, ist also ganz fein. Wenn du dann 2-3 mal über das Leder gehst sollte dieses "Haar" abfallen und nicht mehr vorhanden sein. Wenn sich da bei dir irgendwas umlegt ist wohl irgendwo was schiefgelaufen.

Ich mache meine Neuanschliffe immer mit niedriger Drehzahl und nem 240er Band, dann gehts auf die 1000er Seite des jap.Kombisteins, abziehen und fertig. Das ist ne gute Gebrauchsschärfe und wenn man den Dreh noch nicht raus hat sollte man die 6000er Seite lieber weglassen, da man sonst das Messer eher abstumpft.
Und Gebrauchsschärfe heißt nicht, dass das Messer nicht richtig scharf ist, wie ich vorgestern leidvoll feststellen musste :rolleyes:.

Eine 6000er Schneide lohnt sich meistens nur für Sushi-Messer und Konsorten, also für die ganz feinen Schneidaufgaben.

Du könntest probieren die Schneide mit Edding anzumalen und dann zu kontrollieren ob du mit dem 1000er Stein auch richtig aufliegst, nicht das du beim Abziehen noch den 300er Grat durch die Gegend schiebst.

Gruß Marcus
 
dem grat kannst du auch zu leibe rücken, wenn du die letzten striche auf dem 6000er mit einem steileren winkel ausführst. dadurch wird der winkel im vordersten bereich ein stückchen größer, aber das ist mit 2-3 durchgängen auf dem leder wieder gegessen.
 
Hi Rom,

Du sagst, dass keine deiner Feilen mehr greift - von daher sollte die Härte schon ok sein.
Da du die Messer selber gehärtet hast, kann es sein, dass die alleräußerste Schicht der Schneide entkohlt ist. Die ist nun realtiv weich und bildet den Grad. Das sollte sich bei weiterm Schleifen von selbst erledigen, wenn du in den nicht entkohlten Bereich der Schneide kommst.
Zu dem Thema "Schneide beim Härten entkohlt" gab es schon mal hier einen Thread, das Thema kommt aber noch in ein paar anderen vor

Gruß Tobi
 
Einfach mal die Schneide ein wenig weiter zurücksetzen und testen wie es dann aussieht.
 
jaaa, habt tausend dank für eure schnellen antworten!

Soviel ich bis jetzt verstanden hab, is es eurer meinung kein härteproblem – mir fällt ein stein vom herzen das es „nur“ ein schleifproblem ist.
@ teachdair: der grat entsteht ja erst beim polieren, beim schleifen mit den banksteinen war er nur mit fingernagelprobe fühlbar. Trotzdem – nachdem ich deinen beitrag gelesen hab – sofort in den keller und ein stück eichenholz geholt und über die stirnfläche gezogen – geht ja, nur is die schneide auch ziemlich futsch.
@bullet 101:werds mal mit edding probieren danke für den tipp; kann mir aber nicht vorstellen das ich den groben grat rumschieb da ich jedes Mal auf einer seite so lang schleif bis der grat auf der anderen seite fühlbar ist.
@kababear:wenn ich dich richtig verstanden hab, so habe ich das bereits gemacht, wie gesagt: der grat ensteht scheinbar erst beim abziehen mit dem leder
@moppekopp:dank für deinen thread, war sehr informativ; allerdings glaub ich nicht das mir die schneide entkohlt ist – das material war recht schnell auf härtetemperatur (rein subjektiv gesehn, hab ja keine vergleichswerte) / zum einen, und zweítens hab ich inzwischen die schneide dreimal nachgeschliffen (letztens bis 1 uhr nachts), müsste die entkohlte zone also schon weg sein.
@hankEr:mit zurücksetzen meinst du da einfach mehr material abtragen? bewegt sich das dann im zehntelbereich oder muß mehr weg?

mache am wochenende einen trip zu meinem bruder – der hat einen tormek, werd es mal mit der versuchen und ansonsten - üben üben üben.
dank euch nochmals
RoM
ps: auch wenn es sonst nicht meine art ist, lobhudeleien zu betreiben - aber das forum ist einfach sowas von toll! find ich echt super.
 
RoM schrieb:
Soviel ich bis jetzt verstanden hab, is es eurer meinung kein härteproblem – mir fällt ein stein vom herzen das es „nur“ ein schleifproblem ist.
(....)
mache am wochenende einen trip zu meinem bruder – der hat einen tormek, werd es mal mit der versuchen und ansonsten - üben üben üben.
dank euch nochmals
RoM
Was mir aufgefallen ist, dass du das Weichglühen vor dem Normalisieren gemacht hast. Dann hab ich auch noch nie gesehen, dass jemand mit der Anlasstemperatur so weit runtergegangen ist wie du bei 120°C mit der einen Klinge. Theoretisch für mich als Laien nicht falsch, weils ja in den Anlasstemp./Härte Diagrammen auch vorkommt, nur halt ungewöhnlich.
Leider kann ich den Grat überhaupt nicht in die Welt der Schneiden einordnen. Ich würde ja sagen, du hast beim schleifen alles beachtet und bei der Wärmebehandlung suchen aber sicher bin ich mir nicht, weil scharf werden deine Messer doch, oder? Bei 6000 Schliff etwa gute Unterarmrasierschärfe? Und dann erst das Problem nach dem polieren?
 
Zuletzt bearbeitet:
RoM schrieb:
Soviel ich bis jetzt verstanden hab, is es eurer meinung kein härteproblem – mir fällt ein stein vom herzen das es „nur“ ein schleifproblem ist.
Na ich denke schon, daß es ein Problem der Wärmebehandlung bzw. Verarbeitung ist. Wenn Du Glück hast beschränkt sich Problem aber auf die Umgebung Schneide.
allerdings glaub ich nicht das mir die schneide entkohlt ist [...] hab ich inzwischen die schneide dreimal nachgeschliffen (letztens bis 1 uhr nachts), müsste die entkohlte zone also schon weg sein.
@hankEr:mit zurücksetzen meinst du da einfach mehr material abtragen? bewegt sich das dann im zehntelbereich oder muß mehr weg?
Ja das meinte ich, aber wenn Du schreibst, daß Du sowieso schon recht viel (nach der letzten maschinellen Bearbeitung) weggeschliffen hast ...
 
Restaustenit?

Es könnte sein, dass Du noch Restaustenit hast. Deine niedrige Anlasstemperatur macht mir etwas Sorgen, und die vielfache Wärmebehandlung.
Also eine Entkohlung könnte passiert sein, dazu müßte man aber die Temperaturen und die entsprechenden Haltezeiten kennen,
und wenn Du in der Glut Deines Ofens erhitzt hast, könnte sogar C eindiffundiert sein, und dann hast Du eine Aufkohlung und mit Sicherheit in der Schneide dann jede Menge Restaustenit.
Probier nochmal, die Klingen bei 180°C mehrfach anzulassen, also zweimal mit Luftabkühlung. Dass die Schneide weggeht beim Abziehen in Hartholz führt mich zu der Annahme.
 
Grundlegend gibt es hierzu 2 Fehlerquellen die ich kenne:

Wärmebehandlung nicht OK
> Restaustenit größer 3% z.B. überhitzt oder überzeitet
> Überkohlung Restaustenit
> Stahl nicht Härtbar
> Entkohlung Gefüge nicht Härtbar


Schärfvorgang nicht OK
> Scheide ungekühlt geschliffen und erweicht



Da gilts nachzuschauen

Roman
 
muss mich schnell noch vor dem wochenende melden:
@lastersepp
weichglühen musste ich, da ich nach dem schmieden zu schnell abgekühlt habe, stahl war nicht feilbar. Zu den 120° c: wollte einfach schauen wie so einen harte klinge ist.
@herbert
dann meinst du also das der restaustenit für den grat verantwortlich ist?
Die wärmebehandlung ist eigentlich so bei harvard bergland beschrieben bin mir allerdings nicht sicher ob ich die temperaturen immer richtig erwischt habe. im forum wird die haltezeit beim härten allerdings mit bis zu 10 minuten beschrieben, die hab ich sicher nicht erreicht. Deshalb und weil der stahl ja hart wurde kann ich mir eine entkohlung eigentlich nicht vorstellen. Der ofen war schon gut heiß und das holz nur mehr am glühen, die untere ofentüre hatte ich nur kurz zu. ich dachte das eine aufkohlung einige stunden benötigt und zudem eher unter luftabschluß passiert.
Eine frage hab ich noch: Wenn ich das messer im backofen mit umluft für 2 stunden erhitze, den ofen geschlossen abkühlen lasse und am nächsten tag wiederhole wird der restaustenit dann abgebaut oder muß ich deiner meinung nach die ganze wärmebehandlung von vorne starten?
@roman
weiß leider nicht was du mit „überzeitet“ meinst?
Zum schärfen: habe z.teil mit eiswasser und z. teil mit kaltem leitungswasser gekühlt, zudem dachte ich das der stahl zumindest anlassfarben zeigen muß damit eine gefügeveränderung passiert, bzw. wenn es im mikroskopischen bereich veränderungen gibt so würden diese doch beim nächsten schleifen abgetragen.
Bin übers wochenende bei meinem bruder und versuch mit einer tormek eine schneide zu schleifen. Wenn’s geht wars vielleicht doch nur meine schleiftechnik (der mensch hofft, solage er lebt ;)
grüße rom
 
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