Test eines Universalmessers von Taperedtang

agentdan

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Hallo zusammen,
ich hatte die letzten Wochen die Möglichkeit eins der Universalmesser von Matthias aka Taperedtang zu testen.
An meinen Erfahrungen möchte ich euch mit diesem kleinen Testbericht teilhaben lassen.

Es handelt sich um dieses Messer, welches Matthias mir spontan zu Testzwecken überlassen hat.

Universalmesser 1.2604 und weinrotes Jute Micarta (https://messerforum.net/threads/universalmesser-1-2604-und-weinrotes-jute-micarta.145730/)

Das Messer kam mit einer netten Botschaft in einer sehr gut gemachten Lederscheide bei mir an, die für Linkshänder ausgelegt ist.
Scheide1.jpg Scheide2.jpg U1.jpg U2.jpg U3.jpg Universalmesser.jpg

Der erste Eindruck war sehr gut. Das Messer ist eine echte Schönheit und besonders die Griffschalen aus dem weinroten Micarta gefallen mir sehr gut. Die Verarbeitung ist makellos und das Messer liegt, in allen denkbaren Griffpositionen, hervorragend in der Hand. Ich kann keinerlei Hotspots oder sonstige störende Faktoren feststellen. Das Material ist zwar ziemlich glatt gefinished, aber durch die Formgebung hatte ich immer einen guten Grip und nie den Eindruck ein Lanyard zu brauchen um das Messer zu sichern. Dieser Eindruck sollte sich auch später im Gebrauch bestätigen. Bevor ich das Messer im Alltag benutzt habe, dachte ich, dass der Griff etwas kürzer sein könnte. Als ich jedoch im Zugschnitt gearbeitet habe, stellte ich fest, dass sich meine Hand auch in der Revershaltung perfekt in die Griffform schmiegt und die kleine Nase am Griffabschluss nicht in den Handballen drückt. In dieser Haltung war also der "Extrazentimeter" von Vorteil. Es ist eben ein "Universalmesser".
Der Stahl war mir neu, aber ich habe mal gehört, dass es "ein besserer 80CrV2" ist, bin aber kein Stahlguru und lasse es mal dabei bewenden. Matthias wusste schon, was er da auswählt und wie er es verarbeitet. Das hat sich auch im Gebrauch bestätigt.

Die Schafsfußklinge mit leichtem Bauch, bzw. Schwung zur Spitze hin finde ich gefällig und diese Klingenform passt gut zu meinen Bedürfnissen im Alltag. Das Messer kommt mit moderaten 3,1mm Klingenstärke und sehr fein ausgeschliffen daher. (Alle technischen Daten findet ihr in dem Link zu der Vorstellung des Messers)
Ich nutze meine Messer überwiegend für Lebensmittel und habe selten wirklich harte Aufgaben damit zu bewältigen, deshalb kommt mir das sehr entgegen. Fürs Grobe habe ich ja auch entsprechende Ausweichmöglichkeiten.
H1.jpg H2.jpg H3.jpg H4.jpg H5.jpg
 
Jetzt geht es aber an die Arbeit für das Universalmesser:

Wie bei der Geometrie zu erwarten, ist das Messer ein echter Schneidteufel. Beim Verarbeiten von Lebensmitteln hatte ich viel Freude.
Was mir besonders aufgefallen ist, dass man mit dem Messer aufgrund der Klingenform hervorragend Brote schmieren kann.


Apfel.jpg Frühstück.jpg Huhn1.jpg Huhn2.jpg Käse1.jpg Lauch.jpg Pizza.jpg Quark1.jpg Quark2.jpg Quark3.jpg Salami1.jpg Tomate1.jpg

Für ein Universalmesser stehen natürlich auch andere Aufgaben an. Ich habe also ordentlich Pappe gesammelt und mit dem Messer in handliche Stücke geschnitten. Das war kein Problem für den Schneidteufel, auch wenn da einige widerspenstige Kartonagen aus dem Industriebereich dabei waren. Auf den Flanken sind ein paar Microkratzer geblieben, aber viel Narb-viel Ehr.
Pappe1.jpg Pappe2.jpg Revers3.jpg Revers1.jpg Revers2.jpg
Einen frischen, fingerdicken Stock hat das Messer ohne zu murren in einem Schnitt bewältigt. Natürlich war das anschließende Schnitzen an dem frischen Stöckchen keine Herausforderung, aber das Messer hat einmal mehr bewiesen, dass es feine Schnitte wunderbar beherrscht.

Abschnitt.jpg Grünschnitt1.jpg Feinarbeit.jpg

Jetzt musste aber noch eine echte Herausforderung her. Beim Stöbern hab ich ein altes Stück Holz gefunden, das noch von meinem Großvater ist und mindestens 30 Jahre im Keller lag. Knüppelhart und f....trocken. Das Schnitzen war schweißtreibend aber für das Messer kein Problem. Hier hat sich dann die bereits erwähnte, gute Griffgestaltung ausgezahlt und ich hatte ein gutes Griffgefühl auch bei längeren druckvollen Arbeiten.
Schnitzen1.jpg Schnitzen2.jpg Schnitzen3.jpg Schnitzen4.jpg

Fazit:
Das Universalmesser ist ein echter Allrounder und macht seinem Namen alle Ehre. Bei ausreichend Stabilitätsreserven ist es sehr schneidfreudig. Einzig auf die Schleifkerbe könnte ich gut verzichten. Gerade beim Schnitzen in hartem Holz und dem Pappeschneiden bin ich das ein- oder andere mal daran hängen geblieben. Ich habe nach den Wochen des täglichen Gebrauchs kaum Schärfeverlust festgestellt. Habe mich gezwungen das Messer nicht zwischendurch abzuziehen. Eigentlich hab ich immer etwas "Schiss" so harte Stähle nicht mehr mit meinen bescheidenen Fähigkeiten scharf zu bekommen, bzw. zu halten. Es war allerdings hier kein Problem. Einige Züge auf dem Sinterrubinstab und danach etwas auf dem Leder und es war wieder alles perfekt. Ich bin froh, dass Matthias mir die Möglichkeit gegeben hat das Messer im Anschluss an meine Tests zu übernehmen. Danke an dieser Stelle!
Für den EDC Gebrauch wird es noch eine Kydex bekommen, weil ich Fixed im Alltag eher in der (Magazin-)Tasche der Hose, als am Gürtel trage.
1.jpg 2.jpg


Prost und nochmal ein Dankeschön an Matthias!

Bier.jpg
 
Last edited:
Hi @agentdan ,
da ich selbst begeisterter Nutzer eines der Messer von Matthias bin, habe ich den ersten (?) Teil deines Berichtes natürlich sehr interessiert gelesen. Ich vermute, da kommt noch die Anwendung, oder? Zumindest wurde dein 2. Post abgebrochen. Bis dann…..

Abu
 
Ja, Abu. Da kam noch etwas. Hatte Probleme mit dem Bilder einfügen und bin auf Nummer sicher gegangen...
 
Last edited:
@agentdan

Vielen Dank, für deinen aufwändigen Testbericht! Er ist nicht nur gut geschrieben, sondern deckt auch einen großen Testbereich für ein „Universalmesser“ ab. Ich bin immer froh, wenn ich ein Feedback zu meinen Messern bekomme. Das hilft mir, meine Messer weiter zu verbessern.

Das Thema Schleifkerbe wird sehr unterschiedlich betrachtet, manche sehen darin ein Hilfsmittel, um den Klingenschliff sauber durchzuführen ohne das Ricasso zu verkratzen. Andere stört es, da ein verhaken der Klinge möglich ist (insbesondere dann, wenn die Schleifkerbe stark ausgeprägt ist). Grundsätzlich mag ich Schleifkerben, allerdings sollten sie beim Schneiden nicht stören. Ich habe auch schon im Rahmen einer Testmesserreihe (verschiedene Wärmebehandlungen bei 1.2235 Stahl) Universalmesser ohne Schleifkerbe gebaut, das hatte auch seinen Reiz. Vielleicht werde ich bei einem nächsten Universalmesser eine flachere Schleifkerbe anbringen, um ein Verhaken mit dem Schnittgut zu verhindern.

Hier Universalmesser ohne Schleifkerbe:

IMG_20221203_094903862_HDR.jpg
IMG_20221021_123655557_HDR.jpg


Gruß
Matthias
 
Vielen Dank @Taperedtang

Es stimmt. Am Thema Schleifkerbe scheiden sich die Geister. Das ist glaube ich wie bei Lakritz, Marzipan und Konsorten. :)

Die beiden gezeigten "Universalmesser" ohne SK gefallen mir auch ausgesprochen gut. Der rundere Griffabschluss an diesen beiden Messern würde auch erlauben, bei runtergezoomter Gesamtgröße (Richtung EDC etwa 15-18cm Gesamtlänge), den Komfort in der Hand bei allen Griffpositionen beizubehalten.
 
@agentdan
Vielen Dank für die Komplettierung des Testberichtes. Toll! Macht Spaß beim Lesen, wie auch dir beim Testen selbst. Und du hast eine gute Bandbreite getroffen, universal wie es der Anspruch war. Das Messer ist klasse - so wie meines! 👍💪🥹

Abu
 
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