Abu
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Bis zu 18 Funktionen beschreibt eine alte Werbung, und es war ein Spaß, uns mit Blick in die damalige Zeit die Teile Anwendungen zu ergründen.
Schere (1) ist klar, Lineal und Zentimetermaß (2+3) offensichtlich, rotierend-gezahntes Kopierrädchen (4) kennen Frauen aus der Handarbeit, bei der Knopflochschere (5) mit der Stellschraube für die Schnitttiefe braucht es dann schon mehr Expertise.
Auch an den Mann ist gedacht: Glasschneider und -brecher (6+7), Rohr- eher Röhrchenzange (8), Drahtschneider (9), Zigarrenschneider (10). Dass man mit jeder Schere auch Zigarrenkisten öffnen kann (11) , wird in der Werbung erwähnt, aber: per Hammerfläche (12) am Scherenauge lässt sie sich auch wieder schließen.
„Behufs eines Nagels am Holm“ (in Patentamtsprache) lässt sich die Schere teilen und gibt eine Messerklinge (13) mit Schraubendreher (14) an der Spitze frei. Das Loch an der Scherenspitze soll der Patronenzieher (15) sein, ich nehme an für Stiftfeuerpatronen. Die Rundung dient als Tintenradierer (16), sinnvoll für buchhalterische „Radierungen“.
Unisex ist die Nagelfeile (17) an der Scherenflanke ausgelegt. Der Knüller zweifellos das Stereoscop (18), darauf wäre man nie gekommen.
Allgemein fällt die sehr gendergerechte Verteilung der Funktionen auf. Wobei man sicher über den Sinn von Patronenzieher in Kombi mit Knopflochschere diskutieren könnte.
Es sei mir gestattet, dass ich im Zusammenhang mit der Schere meine eigene Wortschöpfung „Messer als Kulturfolger“ nutze, da die Merkmale auch hier über mehr als ein Jahrhundert gegeben sind. Die „Kulturfolge“ hätte diesem Instrument heute ganz das Ende gebracht. Der Werbehinweis beim Stereoscop auf „Ansicht fr. Damenb…“ lässt auf männliche Zielgruppe schließen und würde heute einen Shitstorm auf die Manufaktur F. W. Klever jun. Solingen niedergehen lassen. 1896 war das mit DRGM 61060 schützenswert, wenig später folgten Patente GB 189912106 und US 667.914, aus dem diese Zeichnung ist.
Für mich ist dieses nur 11,5 cm kleine Teil mit dem hübschen Etui ein besonderes Belegexemplar alter Solinger Schneidwaren!
Abu