Wärmebehandlung 1.2419.05 mit Überraschung

Taperedtang

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Hallo,

heute habe ich eine Jagdmesserklinge aus 1.2419.05 wärmebehandelt. Zu den Daten der Wärmebehandlung:

Gehärtet bei 820° C, Haltezeit: 6 min, Abgeschreckt in auf 60° C vorgewärmtem Durixol 25, Angelassen: 2 x 1 h bei 180° C.

Klingt aus meiner Sicht alles ganz normal. Nach dem Abschrecken war die gesamte Klinge mit einem gleichmäßigen Punktemuster überzogen. Dieses Muster ist relativ abriebfest, lässt sich aber wieder abschleifen. Davor hatte ich schon einmal eine 1.2419.05 Universalmesserklinge auf die gleiche Weise wärmebehandelt. Auch diese Klinge hatte das Punktemuster. Herbert (@herbert) hat eine Härteprüfung durchgeführt. Der durchschnittliche Härtewert von drei Messungen lag bei 64,3 ° HRc, also absolut im grünen Bereich. Wir haben dann überlegt wie dieses Muster entstehen konnte. Haben aber keine schlüssige Lösung gefunden.

Hat jemand von den Härte-Profis eine Idee, was die Ursache für dieses Muster ist?

Da es mir ganz gut gefällt und ich die Klinge schon sehr dünn ausgeschliffen habe (+/- 0,3 mm), lasse ich die Klinge vielleicht so und schärfe nur noch. Hier noch einige Bilder.

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Hier erkennt man wie dünn die Klinge ausgeschliffen ist.

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Glücklicherweise gab es auch keinen Verzug.

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Und hier sieht man, dass Wärmebehandlung nicht nur gepunktet, sondern auch bunt sein kann. (Cronidur 30 Klinge im SHM angelassen ca. 60° HRc)

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Gruß
Matthias
 
Wie sieht die Klinge denn aus, wenn sie nochmals geschliffen ist? Sind die jetzt dunkelnen Punkte dann erhaben, also härter oder weicher als der umliegende Stahl?
 
Das Schleifen macht zwar etwas Mühe, danach ist die Klinge aber glatt, was ist der Hintergrund deiner Frage?
 
Sieht ja interessant aus :)
Den Stahl habe ich auch schon ein paarmal gehärtet, so ein Muster hatte ich bisher noch nicht.
Hier im Forum sind solche und ähnliche Muster schon besprochen worden, in dem Beispiel lag es wohl an Pflanzenöl als Abschreckmedium, das hilft Dir also leider nicht weiter...
Wie bewarst Du Dein Härteöl auf? Kann da Wasser o.Ä. reingekommen sein? Hast Du beim Abschrecken eine signifikante Blässchenbildung gesehen?

Gruss
Alex
 
Ich hab sowas schon mal mit einem 2442 gehabt, bei mir wars zwar nicht so fleckig, aber es waren eindeutig härtere Stellen im Stahl, die sich beim Finish zeigten ...
 
Hallo Alex,
das Härteöl befindet sich in einem Edelstahlbehälter, in dem ich auch die Klingen abschrecke. Nach Benutzung kommt ein Deckel drauf, der allerdings nicht dicht abschließt. Trotzdem denke ich nicht, dass da Wasser reinkommt (steht in der Garage). Bis auf die existierende Luftfeuchtigkeit gibt es dort kein Wasser. Eine signifikante Blässchenbildzng konnte ich beim Abschrecken nicht erkennen.

@tomcat
Kennst Du die Ursache des Entstehens der härteren Stellen?

Gruß
Matthias
 
Vllt kann dir Jannis/Xerxes-knives eine Antwort geben. Und diese interessiert mich auch.
 
Ich habe Jannis angeschrieben, vielleicht hören wir ja noch von ihm. Mich würde es schon interessieren was da passiert ist. Solange das nur eine optische Sache ist, spielt es keine große Rolle. Sollte es aber negative Auswirkungen auf das Gefüge haben, wäre das nicht so schön. Eine Entkohlung hat aber bei einer Härte von 64° HRc eher nicht stattgefunden.
 
Das ist oberflächlich und sehr fein verteilt, warum sollte das eine Auswirkung auf das Gefüge haben? So ein gleichmäßig feines "Randschicht-Pitting" nach dem Härten hat man selten, deutet eher auf eine ordentliche Abstimmung aller kontrollierbaren Handgriffe und Nebenfaktoren, wie z.B. Haltezeit, Öltemperatur, Bewegung im Abschreckbad hin. Richige Dampfblasenbildung mit großflächiger Anhaftung/verzögerter Ablösung war das jedenfalls nicht. Wie tief sind die pittings? Normal sollten die nach etwa 0,10-0,20mm Schleifen nicht mehr zu sehen sein, auch in der darunter liegenden Schicht nicht.
 
Hi,

leider kann ich dazu auch nichts sagen. Ich selber hatte einen solchen Effekt noch nie, weder beim 1.2419.05 noch bei einem anderen Stahl. Allerdings schrecke ich die meisten mittellegierten Stähle entweder in AAA-DA oder Durixol V35 ab und verwende häufig auch Zunderschutzlack.

Ich gehe aber davon aus, dass es sich nur um einen oberflächlichen Effekt und keine Gefügeveränderung handelt. Die WB bietet jedenfalls keinen Grund zur Beunruhigung.

Wenn man es genau wissen will, könnte man die Klinge fein schleifen und in einer sanften Säure ätzen. Wenn es sich um eine Gefügeveränderung handeln würde, müsste man diese "Fleckigkeit" auch irgendwie im im Ätzbild wiederfinden.

Viele Grüße, Jannis
 
@luftauge
Vielen Dank, für deine Einschätzung. Wie Du es vermutet hast, habe ich die Wärmebehandlung sehr sorgfältig durchgeführt. Nach 0,1 mm schleifen ist nichts mehr zu sehen, das beruhigt mich jetzt. Ich denke, das passt schon so.

@Xerxes
Vielen Dank, für den Hinweis zum Ätzen, Jannis. Das ist sehr hilfreich.

Viele Grüße
Matthias
 
Mir war das entfallen, da ich mich schon länger nicht mehr damit befasse:
Es könnte durchaus sein, dass die pittings von beim Abschrecken herausgelösten, bzw. nicht eingebundenen Karbiden sein können. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, wird es kein Problem darstellen, da es eben nur oberflächlich ist. Wenn man die Abläufe beim Abschrecken, bzw. beim Austenitisieren und Martensitumwandlung "vor Augen" hat, d.h. die Umwandlung des Gefüges mit Schrumpfung und Wachstum des Martensits bedenkt, kann diese Bild der pittings absout plausibel sein. Nicht ohne Grund, d.h. auch mit Blick auf solche buchstäblichen Randerscheinungen wird in gewerblicher Verarbeitung von Werkzeugstahl ein Härteaufmaß einkalkuliert.
Vllt. erwärmst du beider nächsten Rutsche das Öl auf 80°C oder noch etwas höher und vergleichst die Oberflächen danach. Ggf. sieht es dann noch feiner oder gleichmäßiger aus oder das Pitting bleibt sogar ganz aus.
 
Bei der schon angesprochenen Universalmesserklinge aus 1.2419.05, bei der dieses Phänomen des Punktemusters auch schon auftrat, wurden drei Messungen an unterschiedlichen Stellen durchgeführt. Die Härtewerte waren 63° HRc, 65° HRc und 65° HRc. Der Durchschnittswert beträgt somit 64,3 ° HRc. Auch wenn es einen "Ausreißer" mit 63° HRc gab, liegen +/- 2° HRc aus meiner Sicht noch im Normbereich.
 
Hi, ich bin zu faul. Soweit ich mich erinnere wenn beim Härten Härtemaximum (Kurve) überschritten wid kommt zu Ungleichmässigkeiten der Gefüge und erhöhter Sprödigkeit.

Wie hoch dann Härteabweichungen sein dürfen erinnere ich mich nicht, kann auch vom Messgerät und Vorbereitung der Probe abhängig sein. 3 Messungen sind auch etwas wenig.

So oder so kannst Du:
Probe auf plastische Verformung vor Bruch (ohne besonders fein die Schneide zu finishen) und

Testen, ob Pitting kommt.

Wenn irgendwas davon nicht ok ist, kannst Du die Klinge wegwerfen.
 
Last edited:
Ich denke, dass eine Härte zwischen 63° und 65° HRc für den 1.2419.05 kein Problem sein sollte. Ob die Schneide spröde ist, werde ich testen.
 
Wo bist Du denn auf der Härtekurve gelandet? Auf der Spitze, vorher, nachher? Nah zu Spitze, weit?
Auf die Härte kann man kommen, wenn Du vor der Spitze oder auch danach landest, nur sind das aber voll unterschiedliche Klingen.

Wie weit die Härtewerte abweichen dürfen erinnere ich mich jetzt nicht.
 
Lohmann gibt 790-820° an. Härte nach dem Anlassen 61-63HRC. Da sollten 65HRC bei niedrigen Querschnitten möglich sein. Das wäre die obere Härtetemperatur.

Kann man von der Oberfläche Rückschlüsse auf den Härtevorgang ziehen? Und was bedeutet es wenn die Härtewerte zu weit auseiander liegen?
 
Kann man von der Oberfläche Rückschlüsse auf den Härtevorgang ziehen? Und was bedeutet es wenn die Härtewerte zu weit auseiander liegen?

Bei Erhöhung der Härtetemperatur geht die Härte nach oben, erreicht Spitze und dann geht nach unten.

Wenn die Härtewerte zu weit auseinander liegen bedeutet das nix gutes (Du landest also auf runtergehendem Ast der Kurve).

Wenn Du dabei nicht zu weit von der Spitze landest, dann kann die Härte doch sehr hoch bleiben (mit weit abweichenden Härtewerten dazwischen).
 
Ich habe mich nun doch entschlossen die Klinge weiter zubearbeiten. Nachdem ich die Klinge von Hand bis Korn 600 überschliffen habe, werde ich nun am Bandschleifer mit Wasserkühlung die Klinge noch etwas dünner schleifen, um eine mögliche Defektschicht zu entfernen. Dann werde ich die Klinge schärfen und testen. Ist die Klinge gut, baue ich ein Messer daraus. Falls nicht, fliegt sie in die Tonne. :)

Die Klinge, fertig für den Bandschleifer.

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