was sind vertretbare lieferzeiten???????

Ich kaufe nur Messer die fertig sind und somit sofort lieferbar sind.
In 10 Jahren gab es da erst 2 Ausnahmen.
Jeder Jeck ist anders.
 
Ja Lieferzeiten!!:rolleyes: Einige im Forum werden wohl mitbekommen haben, daß ich in Wartezeiten von Messern doch eher ungeduldig bin.
Naja aber bei mir liegt die Höchstgrenze bei 3 Monaten. Was darübergeht ist unnötige Quälerei:p
 
Die Frage ist wirklich interessant und da hier von einigen Vorrednern bzw. Vorschreibern bereits ein wichtiger Punkt in diesem Zusammenhang genannt wurde, möchte ich Euch meine Aktuellen Erfahrungen damit schildern.Bei dem bereits genannten wichtigen Punkt geht es um die Einhaltung von Zusagen und um Glaubwürdigkeit. Nicht so sehr um die Lieferzeit als solches.

Zum einen gehört auch dieser Teil zu einer kaufmännischen Absprache und ist m.E, genauso ein Bestandteil des Auftrages, wie die Materialen, das Design und der Preis. Zum zweiten geht es auch um Vertrauen, nämlich ob ein Geschäftspartner seriös ist oder eher unzuverlässig.

Ich habe dazu ebenfalls "sehr nette Dinge" mit einem bekannten Messermacher erlebt, bei dem ich ein Messer in Auftrag geben wollte. Es sollte mein "erstes handgemachtes Messer" werden. Eine Entscheidung, die sicher viele von Euch getroffen haben nachdem sie ein paar Jahre factory knives gesammelt haben und entsprechend bedeutend ist dieser Schritt für einen selbst.

Für mich war das Ganze auch wirklich etwas Besonderes, denn ich wollte kein Messer "vom Tisch" kaufen, sondern es sollte das Produkt meiner eigenen Ideen in Zusammenwirkung mit den Erfahrungen und Ideen eines Messermachers werden. So hatte ich mir das ganze zumindest vorgestellt.

Also Homepages von Messermachern geschmökert und die letzten Messeeindrücke sortiert. Ich hatte mich dann für einen der bekannten Namen aus der Gilde entschieden und die ersten Kontakte liefen auch sehr nett ab.

Nachdem 6 Monate !! mit Vorgesprächen über das Messer, Preis und andere Details vergangen waren und es nun endlich an die Auftragserteilung ging ließ sich irgendwie kein persönlicher Termin bei dem Messermacher finden. Ich kann sicher sagen, daß ich sehr flexibel war und es für mich zu so einem Erstgeschäft dazugehört, sich persönlich kennenzulernen, alle Details des Messers abschließend gemeinsam festzulegen und den Auftrag per Handschlag zu besiegeln (ich weiß, Romantiker ....). Nachdem also insgesamt fast 8 Monate !! ins Land gegangen waren hieß es,

"mir ist gerade schlagartig klar geworden, daß ich noch gar nicht genug Messer für Lugano fertig habe. Ich kann daher bis nächsten Sommer keine Aufträge mehr annehmen."

Damit hatte ich dann über ein halbes Jahr in den Sand gesetzt. Begonnen hatte ich mit den Gesprächen im letzten März ......

Nun (heute !) ist mein Messer endlich fertig. Natürlich hat es ein anderer Messermacher gemacht, denn der Erste hatte es ganz offensichtlich nicht mehr nötig. Aber auch hier habe habe ich dann etliche Verzögerungen erlebt, die weniger mit dem Messermacher sondern mit der Gravurmeisterin zu tun hatten.

Originalzitat: "einigen meiner Stammkunden fiel plötzlich ein, daß sie noch keine gravierten Messer für Solingen haben. Ich mußte Ihr Messer etwas nach hinten schieben .."

So wurde aus dem ursprünglich vereinbarten Liefertermin Ende März/max. Anfang April (Auftragserteilung war Oktober letzten Jahres, also bereits eine recht großzügige Lieferzeit,)schließlich Anfang Juli, denn morgen bekomme ich mein Messer.

Die Erlebnisse mit dem ersten Messermacher und mit der Gravurmeisterin mögen nicht representativ sein. Aber sie lassen gewisse Rückschlüsse auf eine sehr kleine und übersichtliche Branche zu, die sich zuweilen mehr mit sich selbst beschäftigt als mit ihren Kunden (von denen sie ja angeblich lebt ..).

Ich kann für mich ganz sachlich festhalten, daß kaufmännische Kenntnisse, Kundenorientierung und Kommunikationsvermögen in dieser Szene noch unterentwickelt sind. Man betrachtet den Kunden nicht als das, was er in so gut wie allen übrigen Branchen darstellt, sondern fast als eine Art Bittsteller dem man gnädigst ein Messer verkauft. Dies wurde mir auch im letzten Dezember in Reisskirchen bestätigt, wo ich am Stand eines anderen Messermachers sinngemäß folgende Aussage hören konnte: "Bei mir gibt es keine vereinbarte Lieferzeit. Ich entscheide wann ich in der Stimmung bin am Messer zu arbeiten und wann es fertig ist. Wenn es dem Kunden nicht passt kann er gern woanders hingehen."

Man muß sich wohl eingestehen, daß es - von Ausnahmen abgesehen und zu denen gehört sicher auch Jürgen, wie ich so höre - um eine Art "Amateurszene" handelt, an die man andere Maßstäbe anlegen muß. Vielleicht macht das ja für Einige den Charme aus. Mich persönlich stört mangelnde Professionalität im Umgang mit Kunden sehr und ich empfinde es als ziemlichen Luxus, sich so etwas in der heutigen Zeit noch zu leisten.

Ein Wort noch zur DMG: Vielleicht wäre dies auch ein Punkt, den man dort messen, bewerten und für den man einen Qualitätsstandard für die Mitglieder definieren sollte. Wenn man ein Qualitätssiegel aufstellen und vielleicht sogar vermarkten möchte, gehört m.E. nicht nur die Fertigkeit im Umgang mit Feile und Bandschleifer in den Katalog der Kriterien.

Ob ich noch einmal ein Messer in Auftrag geben würde ? Ich weiß es nicht. Vielleicht doch besser "vom Tisch" kaufen ?

Viele Grüße,
 
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