Welchen Schrott wofür?

Silizium als Legierungselement wird eingesetzt, weil es die Elastizitätsgrenze nach oben verschiebt. Zusammen mit Mangan ist es das Legierungselement für billige Federn.
Mit den Silikateinschlüssen in alten Stählen, die als "natürliches Schweißmittel" dienen, hat es die chemische Herkunft gemeinsam, die Auswirkungen sind aber exakt umgekehrt, soweit es die Feuerschweißung betrifft.
Hier wirkt Silizium schon in den üblichen, relativ geringen Legierungsanteilen unangenehm erschwerend.
In höheren Anteilen wird es nur in Ausnahmefällen zulegiert, da es die Graphitbildung begünstigt. Der Kohlenstoffgehalt kann dann nicht mehr zur Härtung via Martensitbildung genutzt werden, sondern liegt als Graphit- einer der Modifikationen des Kohlenstoffs- quasi als Fremdkörper im Stahl vor. Das begünstigt vorzeitigen Bruch. Wegen der dunklen Bruchflächen spricht man dann von Schwarzbruch.

Der ideale Siliziumanteil im Stahl zum Feuerschweißen wäre also null.

Man kann natürlich auch ohne Borax schweißen. Feiner Sand bewährt sich als Glasur, die die Oxydbildung verhindern kann. Alte Schmiede schwören auf das Rezept "Sand druff" und sind der felsenfesten Überzeugung, daß nur die Sandschweißung eigentlich kunstgerecht sei.

So geht es auch und insbesondere bei gut zu schweißenden Materialien- etwa relativ c-armen Stählen, die viel Hitze vertragen, ist dagegen auch nichts einzuwenden.
Geht man zu schwieriger zu schweißenden Kombinationen über, so hilft ein gutes Flußmittel oder die völlige Vermeidung der Oxidation durch Sauerstoffabschluß.

Damit ist auch die Frage nach dem Erfordernis des Blankmachens im Kern schon beantwortet.
Verzunderte Flächen verbinden sich nicht- wie sollten sie auch, da die Moleküle, die sich ineinander verzahnen sollen, durch eine Schicht getrennt sind.
Vermeidet man jede Verzunderung-etwa-wie angedeutet durch völligen Luftabschluß- so schweißen metallisch blanke Schichten in idealer Weise.
Verzunderte allerdings könnten das nicht.

Bei Materialien mit "Naturflußmittel" -Puddelstahl, auch Rennfeuerstähle- brauchen vor dem Verschweißen nicht blank geschliffen werden. Das Flußmittel wäscht die Oxide mit weg.

Ähnlich ist es bei der Verwendung geeigneter Flußmittel. Diese verhindern nicht nur die Oxidation, sondern können Oxyde auflösen.
Wie erfolgreich sie dabei sind, hängt auch von der Hartnäckigkeit der Oxyde ab.
Ein Beispiel: Ich erhielt ein Stück eines Lagerrings von den Abmessungen 30 mal 600 mm in Dicke und Breite.
So große Stücke werden zur besseren Durchhärtung aus chromreicherem Material hergestellt. Ich war mir also schon bewußt, daß das Schweißen nicht ganz unproblematisch sein werde. Ein passendes Stück wurde herausgeschnitten und mit einem Stück Feile verschweißt. Das ging problemloser als ich dachte, ebenso die nächsten Faltungen. Nach der 4.-5. Faltung aber stellte ich fest, daß die Sache nicht mehr so ganz von selbst lief.
Was war geschehen ?.
-Die Erklärung ist an sich ganz einfach: Bei der ersten Schweißung handelte es sich noch um ursprünglich blankes und durch die kurze Erhitzung und den Schutz des Flußmittels kaum verzundertes = oxidiertes- Material. Bei den späteren Faltungen kamen dann aber Flächen zusammen, die reichlich Gelegenheit hatten, Oxyde zu bilden, mit denen das Flußmittel nicht mehr fertig wurde.
Hier war es also nötig- und ausreichend- vor dem Falten die Oberflächen zu überschleifen.

Soweit die Theorie, die ohne Praxis zu nichts führt.
Deshalb: Ran an das Feuer und den Amboß.

Freundliche Grüße

U. Gerfin
 
Silizium ist also weiterhin das bekannte Legierungselement und hinderlich beim Schweißen. Leider habe ich den Zusammenhang nicht selbst aufgeklärt, am 1. April hätte sich das Thema entwickeln können.

An Ihren Beiträgen begeistert mich immer wieder die einfache Umsetzbarkeit. Vielen Dank Herr Gerfin.

Gruß, Holger
 
Hallo,

Mich interessiert schon lange aus was für einem Material Kolbenstangen von Stoßdämpfer bestehen?
Vielen Dank, für hilfreiche Antworten!

Gruß


ANDRE
 
........Mich interessiert schon lange, aus welchem Material Kolbenstangen von Stoßdämpfern bestehen.......
Der direkte Weg zu Informationen ist meist der zu den Herstellern (BILSTEIN, BOGE usw.).
Ein anderer ist die Funkenprobe, die zumindest einen groben Anhalt liefert.

Bei der Einordnung solltest Du berücksichtigen, dass der Stahl der Kolbenstangen nicht sehr bei der Funktion belastet wird und daher von der Legierung (z.B. 42CrMo4) nichts wirklich Besonderes ist, wohl aber die Oberfläche, die mit einer fetten Schicht Chrom gegen Verschleiß geschützt wird. Diese Schicht muss man vor dem Verschmieden entfernen.

Man kann aus diesem Stahl ohne weiteres einfache Messerklingen machen, aber mit dem geringen C-Gehalt sind keine Wunderwerte hinsichtlich Härte zu erwarten. Besser als Baustahl ist er aber allemal.

Gruß

sanjuro
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo.
Ich bekam gerade den Tipp das dies der richtige Thread wäre, um auf weiteren Metallschrott aufmerksam zu machen.

Ich habe gerade, erstmals Bilder von alten Ochsenhufeisen gesehen und sofort dachte ich hier an die Könner die daraus ein "Hackebeilchen" machen würden.
So ein Messer etwa wie evtl eine Kräuterwiege.
Die Dinger sehen fast nierenförmig aus mit einem stielförmigen Ausläufer.
Und scheinen recht platt im Gegensatz zu Pferdehufeisen.

Bisher wußte ich gar nicht das Ochsen auch Hufeisen getragen haben.Sicher waren es Gespannochsen die Lasten zu ziehen hatten.

Oder müßte man es beim schmieden eher mehrmals falten um daraus etwas ganz anderes neues schaffen zu können ?

Ich fände zumindest die Idee was man daraus machen könnte ganz interessant, falls das Metall sich dazu eignet.


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Mich interessiert schon lange aus was für einem Material Kolbenstangen von Stoßdämpfer bestehen?
Vielen Dank, für hilfreiche Antworten!

Ich habe einmal nachgeguckt, C45 z.B. bei den gelben (Einrohr-)


Grüße Willy



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Ich heiße Willy. Ich bin Axtoholiker, ich bin seit 10 Minuten trocken.
 
Welche Moleküle sollen das denn sein? Metallmoleküle oder was?

Sind das Moleküle mit "Zähnen" die sich gegenseitig beißen? Das müßen dann aber kleine Zähnchen sein.

Wo kann man das nachlesen, bei "Verhoeven, Rappartz, Landes oder wo?

Für die Antworten im Voraus besten Dank.

kmf

Nachlesen kann man das, wie schon Sanjuro sagt, in jedem Basis-Chemiebuch. Die Grundbausteine jeder Materie sind Atome. Schließen sich mehrere Atome eines oder mehrerer Elemente zu stabilen Verbindungen zusammen, so nennt man den kleinsten Baustein einer solchen Verbindung "Molekül". In Stahl gibt es davon, je nach Zusammensetzung der Legierung, eine ganze Reihe Verschiedener.

Zähne haben die übrigens nicht. Beißen tun sie auch nicht. Aber wenn es Dich interessiert, wie sie zusammenkommen und -halten, dann lese doch mal was über kovalente Bindung. Wenn ich mich Recht erinnere, war das so im 8. Schuljahr, als wir das gelernt haben.

Ach ja, gerne geschehen. Noch Fragen?
 
nein in Metallen spricht man nicht von Molekülen. Das steht auch in keinem Chemiebuch. Moleküle sind dadurch definiert, dass sie durch kovalente Bindung zusammengehalten werden und dass die darin enthaltenen Atome immer eine identische Struktur und Anzahl haben. Selbst bei kovalent aufgebauten Carbiden wie z.B. SiC und B4C s. hier spricht man nicht von Molekülen. So ist ein Molekül immer die kleinste identifizierbare Einheit eines Reinstoffes. Das gibt's bei Metallen nicht, da kann man nur eine Verhältnissformel aufstellen.

Gruß

MythBuster
 
Zuletzt bearbeitet:
Wenn's um reine Metalle geht - die wir ja als Messermacher niemals benutzen - dann empfehle ich die Literatur zur metallischen Bindung. Auch interessant und ebenso harmlos, denn auch da beisst nix. :D

Wollte ich kovalente Bindungen im Damast unterbringen, müsste ich mich anstrengen, aber machbar wäre das wahrscheinlich. Es gibt einige Verbindungen von Metallen, die auch kovalente Bindungen aufweisen. Eine davon ist z.B. Mn2O7. Und da man ja im klassischen Damast Stähle mit reichlich Mangan als dunkle Komponente verwendet, käme es auf einen Versuch an.
 
Ich bin bei http://weldit.de/hochlegiert.html über dieses Bildchen einer Deichsel gestolpert. Die Firma beschäftigt sich mit Reparaturschweißungen, in dem Zusammenhang eine Deichsel zu zeigen, finde ich mutig. Da das Bild in der Kategorie 'Elektroden für hochlegierte Werstoffe' zu finden ist, müsste der Stahl brauchbar sein. Anhängerkupplungen zeigen beim Flexen viele Funken. Aus welchen Stählen werden Deichseln, Zugstangen und Anhängerkupplungen gefertigt?

Gruß Holger
 
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