420 und 420HC - Eine Würdigung

herbert

MF Ehrenmitglied
Bei Schwertern (und auch Beilen, Äxten etc.) schlägt man eine dünne Geometrie mit hoher Geschwindigkeit auf härtere Gegenstände, entweder Baumstämme, oder, beim Schwert, auf die Klinge des Gegners. Dazu sollte der Stahl eine hohe dynamische Zähigkeit (Kerbschlagfestigkeit, Brucharbeits, etc.) aufweisen. Das tun typischerweise die höher legierten nicht. Jedenfalls nicht in dem Umfang, den man gewährleisten sollte. Hier sind die C-Stähle (nicht umsonst sind Beile aus C45(Güteklasse B) oder C60 (die bessere Güteklasse A)) klar vorteilhafter. Natürlich gibt es rostfreie Beile und auch Schwerter. Aber sie stellen nicht das Optimum dar. Und immer bedenken: hier zählt die Zähigkeit bei dynamischer Belastung.
an der Diplomarbeit wäre ich auch interessiert.
 

thomma

Mitglied
Vielen Dank für die Antwort, das klingt einleuchtend. Jetzt habe ich aber noch mehr Fragen :)
In den Bildern im ersten Beitrag hat der 420HC eine recht hohe Zähigkeit, auch höher als viele niedriglegierte Stähle, zumindest bei der angegebenen Härte. Der 80CrV2 wird z.B. häufig als Schwertstahl beworben, hat aber eine niedrigere Zähigkeit als 420HC (ist schwer zu vergleichen, da bei unterschiedlicher Härte gemessen). Fällt der dann auch in die Kategorie "kann man machen, ist aber nicht optimal", oder werden Schwerter sowieso nicht auf 60HRC gehärtet? Oder verstehe ich die Diagramme falsch und die "Toughness" ist gar nicht die Zähigkeit bei dynamischer Belastung?
 

herbert

MF Ehrenmitglied
der 80CrV2 hat in dem Bild eine höhere Härte. In dem oberen Bild ist für den 420 HC eine Härte oberhalb 57 HRC angegeben, und die offensichtlich gute WB von Buck im Hinblick auf kleine Karbidgehalte.
80 CrV2 ist gut und zäh, für Schwerter sollte man nicht an die obere Grenze der Härtbarkeit gehen.
Die erwähnte Toughness wird mit Schlagwerken bestimmt, ist also dynamisch.
Bei den Stählen kommt es immer darauf an, auf welches Niveau man die einstellt, und ob die Wärmebehandlung einigermassen im vorgesehenen Rahmen ist.
Für schlagende Werkzeuge wäre es für mich immer ein C-STahl (obwohl jemand hier aus dem Forum auch mal einen Standhauer aus 1.4034 gemacht hat). Die Geometrie der Klinge und deren Länge spielen auch eine Rolle.
Da kommen dann noch Biegemomente ins Spiel.
 

Hamurra-e

Mitglied
Das Tema Schwerter ist ein ganzes Buch und eine Bibliothek für sich, das was heutzutage immer vergessen wird ist, dass Moderner Stahl, bei aller Liebe, nicht mit den Original Materialien zu vergleichen ist...jaja ich weiß ... C Gehalt und so durchaus, aber das ist auch alles. Die wenigsten modernen Schwertfreaks (dazu gehöre ich auch) haben je ein Original Schwert in der Hand gehabt, geschweige denn damit Schnittübungen oder Kampf Training gemacht. Die Anforderungen die unsere lieben Vorfahren an ein gutes Schwert stellten sind uns ein Rätzel, zumindest in unseren Breitengraden. Klar soll es weder Biegen (was auch wieder modernes denken ist, weil je nach Klinge Aufbau und Materialwahl, die meisten historischen Exemplare sich verbiegen würden und so blieben, wenn man sie überbeanspruchen würde) oder Brechen (siehe den oft sehr komplizierten Klingen Aufbau), Schnitthaltigkeit scheint bei westlichen Schwertern eher zweitrangig zu sein.
Was nun Rostfrei als Schwertmaterial betrifft, nun es werden zig Macheten (von Condor z.B.) aus Rostafrei hergestellt und sie werden oft sehr hart hergenommen, ich weiß von jemand der hatte das Braveheart von, ich glaube Marto, als Schaukampfschwert benutz und das ist extreme Belastung, ohne das es zu großen schaden nahm...also hmmm so schlecht kanns nicht sein!