Analyse 1.2519 Härteversuch.

Schmiedeglut

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Ich habe beim letzten Härten 6 klinge gehärtet. Volles Programm wie schon tausenfach hier beschrieben...

Normalisieren
Scharf normalisieren
spannungsarm glühen in der ausglimmenden Esse (Eingepackt in Härtefolie)
Härten im Stahlrohr in der Gasesse bei 800-810 Grad (nachgemessen)
Abschrecken in heissem Öl
Angelassen bei 200 grad

Die Klingen waren aus
1x 1.2842 (geschmiedet)
2x Feile (geschmiedet)
3x 1.2519 (Stockremoval)


Die Klingen aus 1.2842 und Feile sind klasse geworden. Die eine von den 3 Klingen aus dem 1.2519 ist auch ganz gut geworden.

Die 3 Klingen aus dem 1.2519 sind nur 1,5mm dick. Die gut gewordene ist ein kleines Schälmesser und die anderen 2 sind ca. 15cm Klingenlänge.

Komisch ist... die 2 anderen konnten kein Glas ritzen und auch nach dem anschleifen mit Schliffwinkel 25 Grad werden sie zwar bissig und "rasieren", aber nicht so leicht wie es sein sollte! Dann habe ich damit etwas getrockneten UhuEndfest300 vom Plastikspachtel runtergekrazt und die schneide hat sich in kleinen "Scharten" umgelegt (keine Ausbrüche) Es war ei ein Grat der sich nach dem Schleifen aufstellt.... andere meiner messer aus z.B. 1.2842 haben die Belastung problemlos weggesteckt!
Die Klingen sind auch beim Flextest nach ca. 20 grad Biegung wieder in Ausgangsstellung zurückgefedert ohne Verzug!

Womit kann das zusammenhängen ? was hab ich falsch gemacht, obwohl ich nichts anders gemacht habe als bei den anderen ???

Gerade 1.2519 sollte doch ein super Stahl sein.... und die WB ist doch eigentlich fehlerfrei !?!?!

Ist es vielleicht Entkohlung ??? Wenn ja, woran kann cih das erkennen ?
Ich bin jetzt irgendwie verunsichert, da ich eigentlich gerade von dem 1.2519 sehr viel erwartet hatte....

Über jede Idee bin ich dankbar!

Gruß

Nandger
 
Hört sich für mich sehr nach Entkohlung an, besonders bei der geringen Stärke.

Die ganze Prozedur, die Du beschrieben hast, kannst Du Dir sparen, wenn Du Stockremoval arbeitest.
Da kommt das Material schon in perfektem Zustand.

Die Glühbehandlungen machen nur Sinn, wenn Du das Material zu hoch erhitzt und zu wenig umgeformt hast.

Wenn Du das weg lässt, werden die nächsten Klingen sicher hart werden.

Du hast in Deiner Liste angegeben, das Du Spannungsarm geglüht hast. Das war (vermutlich) weichglühen. Das nur der Vollständigkeit wegen, wenn da Anfänger mitlesen, die sind schnell verwirrt.;)
 
Danke für Deine ermutigende Antwort!!! Hab nämlich noch einiges an 1.2519 rumliegen....:super:

Ich muss dazusagen, dass ich das erste mal per Stockremoval gearbeitet habe und sonst nur schmiede :hmpf:

Ich habe also aus dem Flachmaterial rausgeflext und dadurch viel Hitze gehabt .. anschließend Bandschleifer....
Da dachte ich halt, dass das Gefüge gerade an den Flexstellen schon gelitten haben könnte... und normalisieren hat ja noch nie geschadet :D
Anscheinend war das falsch.... :lechz:

Wie schnell entkohlt denn Stahl??? Kann das durch je 3x Normalisieren / Scharf normalisieren schon passieren ? In der Härtefolie dürfte ja eigentlich nichts passieren...


Du sagst: "besonders bei der geringen Stärke"
Entkohlt 1,5mm Material schneller als 4mm ??? Oder meinst Du , dass es bei dem 1,5mm einfach weniger C hat was aus dem "inneren" nachrücken kann ??


Soll ich nächstes mal nur das Normalisieren weglassen oder alles?

Ich würde jetzt so vorgehen:
--> Material ist weichgeglüht!
1. Ausflexen
2. Bandschleifer
3. Spannungsarmglühen (wg. Verzug --> gerade bei 1,5mm wichtig?)
4. Härten
5. Anlassen

Wäre das so richtig ?

Liebe Grüße

Xzenon
 
Hallo Xzenon,
4 mm Klingen entkohlen genau so schnell wie 1,5 mm Klingen.
Nur hast Du bei 1,5 mm kaum noch Spielraum die Entkohlung wegzuschleifen.
Ich weiß nicht, wie dicht die Härteschutzfolie den Sauerstoff wirklich vom Stahl fernhält. Sahen die Klingen nach dem Normalisisieren noch blank aus oder waren sie verzundert?

Die Entkohlungstiefe ist zum einen abhängig von der Zeit und zum anderen von der Temperatur.

Ich bin gerade an einer Untersuchung zur Entkohlungstiefe vom 1.2842.
Was ich jetzt schon sagen kann ist, dass die Entkohlung mit steigender Temperatur einer e-Funktion folgt. Der Einfluss der Zeit folgt eher einer logarithmischen Funktion.
D.h. höhere Temperaturen wirken sich viel stärker aus als längere Zeiten. Um Dir mal vorab einen Wert zu nennen: Bei 800°C und einer Stunde Haltezeit hat man eine Entkohlungstiefe von 0,27mm.(In einem Elekrtoofen mit offener Atmosphäre ohne irgendeinen Schutz)

Ich werden bei Gelegenheit einmal meine Ergebisse hier ins Forum einstellen.

Gruß Klaus
 
Hallo Messerfreund,
tippe auch wie die anderen auf Entkohlung, schätze das ist beim Glühen passiert, geht sehr schnell beim normalisieren.
Weichglühen und spannungsarmglühen sind verschiedene Medaillen .
Weichglühen dient zum einformen des perlit, möglichst globular und macht es damit weich und bearbeitbar.
Spannungsarm gühen - max. 650!C - nimmt nur die Bearbeitungsspannungen weg.
Tip zum glühen, Messer vorher fest in Zeitungspapier wickeln, ruhig 4-5 Lagen , dann Folie drum , feströdeln , Öffnung auf den Bauch legen im Ofen, nur weich glühen , Temp. ist niedriger und völlig ausreichend ,
normalisieren macht man nur wenn man zu hoch in der Temp. war um das grobe Gefüge zu,,normalisieren,,
Sonst hast du recht ist ein Superstahl der 110WCrV5, klappt eigentlich immer
Gruss fritz
 
Danke für die Antworten! Ich habe heute morgen mal mit einem ck75 Messer von mir die Klinge des entkohlten 1.2519er eingehackt! Man hat richtig gemerkt dass ca. 1mm tief der ck75 problemlos eingedrungen ist und dann einfach auf eine "harte Schicht" gestossen ist und nicht weiter kam!

Also bin ich jetzt sehr sicher dass es Entkohlung ist! Ich werde die Klingen nacher mal kurz über den Bandschleifer ziehen und die Schneide abtragen und dann neu schärfen. So sehe ich dann ja, ob sie dann wirklich besser hart ist ...

Liebe Grüße

Xzenon
 
Nochmal eine Frage zum 1.2519 :confused:

Habe seit meinen anfänglichen Startschwierigkeiten mehrere Klingen gehärtet.
Alle werden richtig schön scharf und brechen auch nicht mehr aus. Also theoretisch ist alles paletti!

Eine Sache wundert mich allerdings noch immer:
Der 1.2519 will immernoch ums verrecken nicht ordentlich Glas ritzen! Weder vor, noch nach dem Anlassen!
Entkohlung kann 100% ausgeschlossen werden.
Andere Messer aus Feile, 1.2842, ck75, 1.3505 und selbst der ck45 ritzen leichtgängig mindestens vor dem Anlassen in die Glasflache! Nur der 1.2519 will irgendwie nicht!

Kann mir bitte jemand mit einer genauen Anleitung für die Wärmebehandlung speziell für den 1.2519 aushelfen ? Irgendwo muss doch der Fehler im Detail stecken... nur ich seh anscheinend den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr :(
In Günthers "Zusammenfassung der WB" steht der 1.2519 nicht mit drin und auch die SuFu bringt mir auch keine Lösungshilfe ....
Ich habe auch schon per E-Mail einige Tips von Profis erfragt und ausporbiert.. bisher kein Erfolg!

Ich habe härtetemperaturen zwischen 790-850 Grad ausgetestet... kein Glasritzen... ich habe das Öl unterschiedlich Temperiert (20-80 Grad)... kein Glasritzen.... eine Klinge habe ich auch schon zerbrochen ... klinge ist bis 30Grad problemlos zurückgefedert ohne Verzug... ab 80Grad ist sie dann gebrochen... Gefüge sieht gleichmässig und feinkörnig aus... Bruchstelle ist nicht ganz gerade, sondern eher schräg und "verschachtelt" abgebrochen... also alles paletti!

Die Zeit von der Esse zum Öl beträgt ca. 5sec. .... könnte es daran liegen ? Geht ja wohl kaum schneller.... aber das ist das einzige was mir noch einfällt!

Langsam fange ich an zu denken "ach sche*** doch auf den Glasritztest (Die Messer werden ja trotzdem richtig gut)" aber dann kommt der Dickkopf in mir durch der sagt "ich werd mich doch nicht von nem Stück Stahl demütigen lassen" :steirer:

Ich hoffe Ihr versteht meine Misere und könnt mir vielleicht helfen! :super:

Liebe Grüße

Xzenon
 
Zuletzt bearbeitet:
Was hast Du nur immer mit dem Glas ritzen?
So hohe Härten sind doch garnicht nötig. Was hast Du davon wenn Dein Stahl hart genug ist um Glas zu ritzen? Viel wichtiger ist doch, daß der Kompromis zwischen Härte und Elastizität auf den optimalen Punkt gebracht wird. Entspann Dich mal. Du schreibst doch selbst, daß die Schneiden ausbrechen, wenn auch immer weniger. Fällt Dir dabei nichts auf?
 
Hi Andy, wie gehts Odie ? :D

Ich glaube ich habe mich missverständlich ausgedrückt!
Die Schneiden brechen eigentlich nie aus bei den messern aus anderen Stählen und auch bei dem 1.2519 sind sie nur ausgebrochen, nachdem ich bei dem ersten Messer (siehe erstes Posting des Themas) mit der auf 20grad geschliffenen Schneide versucht habe den getrockneten Uhu Endfest300 von der Klinge zu hebeln :D Aber der Härteversuch war sowiso fürn A**** ;) (Mein Messer aus 1.2842 hat den UhuEndfest ohne beschädigung runtergeholt:super:)

Ich bin auch kein HRC-Süchtiger, aber bei dem 1.2519 sollte es sich doch eigentlich kaum vermeiden lassen, dass ich bei halbwegs guter WB vor dem Anlassen auf +64HRC komme!!! Ich meine ja nur, dass es mich wundert, dass das selbst die messer aus ck45 schaffen und der 1.2519 nicht... da ist läuft doch was schief !?!?!?! :confused:
Wir reden hier ja von der Anfangshärte nach dem Abschrecken und VOR dem Anlassen!

Liebe Grüße

Xzenon
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich bin auch kein HRC-Süchtiger, aber bei dem 1.2519 sollte es sich doch eigentlich kaum vermeiden lassen, dass ich bei halbwegs guter WB vor dem Anlassen auf +64HRC komme!!! Ich meine ja nur, dass es mich wundert, dass das selbst die messer aus ck45 schaffen und der 1.2519 nicht... da ist läuft doch was schief !?!?!?! :confused:
Wir reden hier ja von der Anfangshärte nach dem Abschrecken und VOR dem Anlassen!

Hallo Xzenonbenz,

hier ein Link zum Anlassschaubild für den 1.2519

Ansprunghärte 64 HRC. Wenn Du auf 250° anläßt bleiben immer noch 60 HRC

Gruß Klaus
 
Zuletzt bearbeitet:
Bin über den Thread gestolpert. Das ganze ist ja jetzt bereits 5 Jahre her.
Konntest du das Problem lösen, lag es damals an den Haltezeiten und zuwenig freiem Kohlenstoff durch die Karbide?

Grüße,
Eisenbrenner
 
Servus,

ich vermute, dass die Wärmebehandlung in Ordnung war und der "Fehler" wo anders liegt. Bei so dünnem Material ist es schwierig, eine Kante zu finden, die stabil aber spitz genug ist, um Glas zu ritzen. So kann ich z.B. bei meinen dünnen Kochmesserklingen aus 1.2510 auch kein Glas ritzen, da die Schneide schon recht filigran ist. Auch am Rücken ist es nicht möglich, da ich diesen vor dem Härten verrunde. Zusätzlich gehe ich an der Schneide noch mit Schleifpapier drüber, um Risse durch Schleifkerben zu vermeiden.

Mach ich mir jedoch ein Werkzeug aus dem selben Material, 5mm stark, so kann ich an den Kanten (90°) ohne Probleme Glas ritzen.

Ich hab erst diese Woche von einer Klinge die Härte messen lassen, die auch kein Glas ritzen Wollte. Nach dem Anlassen bei ca. 200° noch 61 hrc. Werte laut Datenblatt vom Hersteller 62+-1hrc. Also alles im grünen Bereich.



Gruß Christian
 
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