Außergewöhnliche Materialien / gewöhnliche Stoffe

Julcaesar

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Möchte das hier nicht als Nörgelei verstanden wissen: Aber mir fällt auf, dass die hier gezeigten handgemachten Messer der Messermacher häufig mit den ausgefallensten Materialien ausgestattet werden. Als Beispiel wären da nur diverse Knochenarten bis hin zum fossilen Mammut erwähnt, aber auch neumodische Beschläge mit grünen Leiterplatten kann man hier bewundern.

Meine Frage an die Messermacher - nur rein interessehalber:
Steht die Kundschaft auf solche Exoten oder ist das hauptsächlich aus eigener kreativer Schaffenskraft dann das Ultimo - wenn man denkt, dass man ja schließlich schon alles mal gemacht hat, dann könnte es auch mal ein Horn einer Antilope sein ;-)

Bitte nicht falsch verstehen - aber ich finde halt, dass viele Messer besser aussehen würden, wenn sie mit etwas weniger Schnickschnack aufwarten würden.

Bin gespannt auf Eure Antworten und auf eine anregende Diskussion, die vielleicht auch Richtung: Messer als Gebrauchsgegenstand / Messer als Schmuckstück (aber dann wozu? Als Statussymbol?) gehen könnte.

Um mit meiner Meinung nicht hinter dem Berg zu halten:
Ich finde weniger ist meist mehr. Klassische Gestaltungen sind so zeitlos, dass man sich auch noch nach Jahren daran erfeuen kann: Siehe z.B. traditionelle jap. Kochmesser von schlichter Eleganz. Da läuft es mir einfach bei manchen Messern mit unnötigen Klingen- und Griffdurchbrüchen (was nicht sehr praktikabel ist, wenn man es mit Essen zu tun hat) und div. Klingenformen, ganz zu schweigen von den unzähligen (vielleicht ist das ja als Verzierung gemeint?) Verschraubungen der Griffschalen, kalt den Rücken runter.
Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. In diesem Sinne!

Caesar
 
Aber mir fällt auf, dass die hier gezeigten handgemachten Messer der Messermacher häufig mit den ausgefallensten Materialien ausgestattet werden. Als Beispiel wären da nur diverse Knochenarten bis hin zum fossilen Mammut erwähnt, aber auch neumodische Beschläge mit grünen Leiterplatten kann man hier bewundern.

Mit was sollen Messer denn sonst beschalt sein??

Mach doch mal ein paar Vorschläge.
 
Gegen heimische Hölzer ist nichts einzuwenden, wobei man bei Akazienmaser schon wieder hinterfragen muss wie heimisch diese Holz ist.

Allerdings stimme ich dir zu dass weniger oft mehr ist. Einige halten es doch mit dem Motto "Viel hilft viel" und schiessen dabei übers Ziel hinaus.
 
Na Cäsar, da der getretene Hund bellt, melde ich mich hier auch mal zu Wort. Erstmal möchte ich mich keineswegs als Messermacher feiern lassen, auch wenn ich schon ein paar erfolgreiche Basteleien hinter mir habe.

Und ich HABE bereits einige Arbeiten abgeliefert, wo ich mich sehr wohl mit traditionellen Griffmaterialien wie Buche, Mooreiche, Wacholder, Birke, und anderen Hölzern auseinandergesetzt habe. Aber ich habe andererseits auch andere Materialien wie G10, verschiedene Micartas, und eben neuerdings Platinenmaterial verwendet. Ich habe da keinerlei Präferenz, sondern mache halt, was mir grad in den Sinn kommt. Und beim DDR-Speicher-Platinenmaterial, was "grad so rumlag", kam mir halt die Kombination mit einem genauso "grad rumliegenden" Messerbausatz namens "DDR3" als völlig natürlich in den Sinn.

Und das Ergebnis gibt mir Recht.

Edit: Ich mach das übrigens einfach nur aus Spass an der Freud', für mich und nicht Andere, habe also keine Kundschaft, die ich berücksichtigen müsste - ich bin mein eigener Kunde. Und eine schlichte Eleganz haben einige Leute, die das DDR-Messer bisher befingert haben, wohl auch entdeckt; ich hab bisher jedenfalls keine negativen Kommentare zur Materialwahl gehört (eher das Gegenteil), obwohl ich diejenigen explizit auch danach gefragt habe.

-ZiLi-
 
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Ich bin beileibe kein Messermacher, aber zum Hobbybastler reichts ;-)

Mein letztes aufgearbeitetes Messer habe ich mit 30-50 000 Jahre altem Kauriholz aus Neuseeland beschalt. (http://www.ancientkauri.co.nz/index.php/extract_raw_logs)
Alleine das anpassen war ein Gedicht- so altes Holz, trotzdem wunderbar zu bearbeiten, Harzgeruch nach all der Zeit, tiefbraune Färbung nach dem Firnistränken... ich könnte stundenlang schwärmen.

Oder das alte Apfelholz von dem Baum, auf dem ich als Kind oft gehockt bin. Hatte noch mein Uropa gepflanzt. Auch was ganz spezielles- wenn diesmal auch "nur" auf persönlicher Ebene.

Ein altes Stück Holz (Knochen, Horn...) kann ich stundenlang in der Hand herumdrehen, oft liegt sowas bei mir auf dem Nachtkästchen.
G10 übt keine solche Faszination auf mich aus...

Mit besonderem Material zu arbeiten ist was besonderes ;-)

mfg
Tct
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich kann mich da Tomcat II anschließen. Wenn ich Mamutknochen oder Urpferdknochen, oder was vom Höhlenbär verarbeite, und mir vorstelle, das dieses Tier vor was weis ich wie vielen Jahren noch herumgelaufen ist, dann übt das auf mich schon eine enorme Faszination aus.:hehe:

Auch das mit dem Apfelbaum kann ich genau so bestätigen. Wir hatten einen riesigen Birnenbaum, an dem mein inzwischen verstorbener Großvater jedes Jahr einen Starennistkasten anbrachte.
Vor 3 Jahren hat ein Sturm den Baum umgerissen, jetzt hab ich haufenweise tolles, einheimisches Holz, mit einzigartigem Charakter -für mich eben.
Es kommt ganz auf die Sichtweise an.:ahaa:

Ich baue, bis auf ganz wenige Ausnahmen alle Messer nur nach meinen Vorlieben so, wie ich denke, das ein Messer auszusehen hat.
Wenn´s dann jemandem gefällt, geb ich auch das eine oder andere weg.

Mich beeinflusst also kein Kunde.

Stell Dir mal vor, hier im Forum werden nur noch Messer in traditioneller japanischer oder nordischer Form (die ich persönlich bevorzuge) mit ausschließlich "normalen" Materialien, vorgestellt.

Ich denke, das wäre sehr schnell, sehr langweilig.


Antilopenhorn wird übrigens gar nicht so selten verarbeitet.
 
An Zili: Ich will hier niemanden auf den Schlips treten.
Das DDR Thema finde ich ganz nett - es ist dann eher ein Gesamtkonzept - vielleicht sogar Kunst? - Ich kann das noch nachvollziehen.

Aber wie kommt man denn auf den Rippenknochen einer Seekuh?

Wenn man solche Stücke vor der Haustür finden würde, würden sie meine Zustimung finden. Aber manches klingt einfach sehr exotisch - und das, obwohl bestimmt mit gewöhnlicheren Materialien eine ähnliche Gestaltung möglich wäre.

Nein, nicht falsch verstehen: Ihr könnt ja alles machen. Mich würde nur die Intention dahinter interessieren. Vielleicht ist es ja gerade die Exotik oder die Seltenheit. Wird das Messer dann eher ein Schmuckstück/Sammelobjekt? Ich meine, was ist der Sinn eines Messers, wenn es hinter Glas liegt?

Vielleicht ist es ja auch die Trophäe? Da die Abnehmer von diesen Schmuckstücken ja auch manchmal dem Hobby der Jagd nachgehen: Sind es vielleicht Hörner und Knochen der Erlegten? Das wäre ja zumindest wieder eine sinnvolle Verwendung im Sinne der Eskimos, die ja einfach alles eines Tieres verwendet haben. So stellt sich doch die Frage, ob es nicht möglich wäre, das abgetrennte Raucherbein des Opas noch am Gürtel zu tragen. Vielleicht zur Abschreckung - oder nur, damit man sich mit dem "Bein der Familie" ein Stück Wurst abschneiden kann ... ;-)
Das letztere ist natürlich nur als Witz gemeint!
 
Auf den "eigenen" Knochen kam ich nur deshalb, da ich den Gallenstein eines Freundes bewundern durfte (1 cm Durchmesser), den er sich hat entfernen lassen. Ein nicht uninteressantes Objekt! Rötlich, grünlich, rund - vielleicht auch etwas zu exotisch - aber er wirkt doch faszinierend. Sowas hat nicht jeder. (und mancher ist froh drum ...)
 
Als Vertreter der Seekuhverarbeitenden Handwerksbetriebe in Deutschland muss ich mich jetzt auch melden.
Seekuhrippenknochen der Stellerschen Seekuh ( guckst Du Wikipedia) ist ein unglaublich massiver, fester und stabiler Knochen, der in den fantastischsten Farben gefunden wird. Er ist verwitterungs-, schlag-und schrumpfemfindlich. Er lässt sich feinst polieren, und bleibt dennoch griffig.

Was soll man denn sonst draus machen, wenn nicht Messergriffe? :confused:
Wer schon ein paar Stücke Seekuh-, Walkiefer- oder Walrosspenisknochen in der Hand hatte, wird sicherlich der Faszination dieses Materials erliegen. Und eine gewisse " Mystik" dieser Materialien vermeine zumindest ich zu verspüren.
Ich finde dieses Material einfach GEIL ( excuse my french). Und es ist schön zu verarbeiten.

Im Anhang noch Bilder eines Knochens den ich von der SICAC mitgebracht habe. Seit ich ihn hier habe, schaue ich ihn mir dauernd an und stelle mir die wildesten Klinge dran ( drin) vor. Das kann ungeheuer inspirieren. Schlagunempfindlicher Marmor, meine Güte.... Davon träumt die Industrie nur!

M7*M
 

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Julcaesar schrieb:
... Ich will hier niemanden auf den Schlips treten.
Das DDR Thema finde ich ganz nett - es ist dann eher ein Gesamtkonzept - vielleicht sogar Kunst? - Ich kann das noch nachvollziehen.

Aber wie kommt man denn auf den Rippenknochen einer Seekuh? ...

Was das DDR angeht - nein, da gabs kein Konzept oder so, sondern schlicht eine Idee. Mein Anteil an der Sache war dann nur noch die möglichst perfekte Umsetzung.

Was ganz allgemein ungewöhnliche Materialien angeht: Messermacher, welche kommerziell agieren (müssen), folgen halt den Wünschen der Klientel nach Neuem, was zwangsläufig zu Experimenten mit Materialien führt. Und irgendwann schaut man sich eben weltweit um, was es so alles gibt. Und wenn einer Lust verspürt, mal stabilisierte Braunkohle auszuprobieren, oder versteinerte Dinokacke, warum nicht? Und gerade die Verwendung seltener oder auch teurer Materialien (Edelsteine und -metalle) mag zwar nicht von jedem als sinnvoll akzeptiert werden, aber wems gefällt, der soll sich doch daran erfreuen dürfen. Schliesslich wird von unserer Umwelt auch oft nicht verstanden, dass wir Messergeeks überhaupt sowas anachronistisch-PC-nichtentsprechendes wie Messer mit uns führen.

-ZiLi-
 
Ja klar, wir machen in Zukunft alle nur noch einfache Messer, alle in der gleichen Form, aus dem gleichen Stahl mit der gleichen Wärmebehandlung. Alle bekommen Griffe aus Buchenholz mit zwei Messingnieten und was Leinöl drauf. Glücklicherweise können wir dann auch dieses schwachsinnige Forum hier abschaffen, denn zu diskutieren gibt es nix mehr. Die freiwerdende Zeit nutzen wir dazu, uns herzlichst zu langweilen. Besser wird das dann dadurch, dass wir alle blaue Einheits-Baumwollanzüge tragen, nur weißes Standardgeschirr benutzen, alle Wohnungen mit Billy-Regalen ausstatten und uns ausschließlich von Rübensuppe ernähren.

Wer denkt sich denn so eine Frage aus? :glgl:

Achim
 
Die von mir aufgezählten Materialien, Mammutknochen, Urpferd, Bär sind stabilisiert nicht nur für die Vitrine, die sind Alltagstauglich.

Seekuh auch ohne stabilisieren, wie oben schon erwähnt wurde. Das Zeug wird irgendwo ausgegraben oder landet im Netz irgendwelcher Fischer aus der Nordsee. Was soll man damit machen, irgendwann ist das Museum voll und für den Kompost ist´s doch zu schade.

Diese Tiere sind vor Jahrhunderten oder sogar Jahrtausenden auf natürlche Weise gestorben, ich finde da nichts übles dran. Sieht doch gut aus.
Wem´s nicht gefällt, soll halt nicht hinschauen.

Es gibt Leute, die stehen total auf Hirschgeweih, keiner stößt sich dran, weil´s seit Jahrhunderten Tradition ist. Die Dinger hatte auch mal ein Tier am Kopf.

Der Vergleich mit dem Raucherbein hinkt aber sehr, auch wenn´s nur als Scherz gemeint war.

Im Übrigen steh ich nicht auf Rübensuppe, also jedem das seine.
 
Aber wie kommt man denn auf den Rippenknochen einer Seekuh?

Wenn man solche Stücke vor der Haustür finden würde, würden sie meine Zustimung finden..........

!

Diese findet man im Braunkohle Tagebergbau bei Leipzig (fossil), in der Kölner Bucht (fossil), im Mainzer Becken (fossil, und subfossil), In Bayern rund um das Chiemgau, also alles eine Frage des Wohnortes, ob man es vor der Haustüre findet.
Ähnliches gilt für z.B. eiszeitliche Pferdeknochen, und vieles andere.

Mammutelfenbein wurde in D und A auch schon gefunden (wo müßte ich raussuchen).

Akazie kommt übrigens in der Regel vom Afrikanischen Kontinent. Wenn Du die Scheinakazie meinst, sei Dir gesagt, daß das Robinien sind.

Aber mal eine Frage, warum schreibst Du überhaupt so etwas, wenn Du noch nichts über das Thema weißt?
 
Julcaesar, kaufst Du nur Deutsche Autos / Wäsche / Möbel etc? Weil die leigen meist auch nicht vor der Haustür.

M7*M
 
Also ich versteh die Diskussion nicht:D, soll doch jeder machen wie er will!
Was ich so alles auf dem Flohmarkt finde, direkt vor meiner Haustür...........:D:D
Krokohandtaschen, Schildpad , Elfenbein, Edelhölzer, Feilen , Geweihe, Halbedelsteine, ... die Liste ist endlos wenn man die Augen offen hat.
Also verwende ich eigentlich alles was regional so auftreibbar ist:D:D:D

Tschau Torsten der die Diskussion irgendwie lächerlich findet, da jeder seinen eigenen Geschmack hat.
 
Ich denke, dass Julcaesar damit nicht sagen wollte, dass es falsch ist exotisches Material zu verwenden, sondern ihn hat einfach der individuelle Beweggrund dahinter interessiert.

Ich persönlich verbinde mit exotischen Materialien generell ein "exklusives" Gefühl, da es halt nicht einfach die Buche ist, die hier überall rumsteht.
Ich habe selbst noch nicht viele exotische Materialien verbaut... aber wenn ich mir Seekuhrippe, Giraffenknochen, Mammutelfenbein, usw. angucke, dann finde ich das Material einfach optisch besonders interessant!

Wenn ich an ein Gebrauchsmesser denke, dann sollte es danach aussehen... wenn ich aber an ein Kunstwerk denke, wo ein Messermacher all sein Herzblut mir eingearbeitet hat, dann soll es halt auch so aussehen :super:

Und wie hier schon geschrieben wurde... wenn ein "alter Hase" sein 1000stes Messer macht, dann hat er schon fast alles verarbeitet... und 1000 mal alles gleich zu machen hat keinen Reiz finde ich ;) (mit alter Hase meine ich übrigens nicht mich)

Liebe Grüße

Xzenon
 
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