Herder K1M oder K2, oder ...

Brnrth

Mitglied
Moin Leute,

es ist erneut soweit, ich brauche eure Hilfe. Ich drehe gerade wieder ein bisschen durch im "Messerwahn". Da ich mit meinem Böker so zufrieden bin, gab es direkt im Neujahr den Dick Superfeinzug. Da der aber nicht nur ein Messer wetzen soll - dafür ist er ja viel zu Schade - muss Nachschub her. Ich lasse den Fragenkatalog mal weg, da es nur um die genau Auswahl zwischen 3 Messern geht.

Welche sind es?
Herder K1M, Walnussholz, rostfrei, 9cm Klinge
Herder K2, Walnussholz, rostfrei, 11cm Klinge
Herder K3, Walnussholz, rostfrei, 13cm Klinge
(Herder Petty - in Klammern, da der Griff Walnussholz seien muss)

Anwendungsbereich / Aufgabengebiet: Obst & Gemüse
Wenn es dann am Abend doch mal nur Aglio Olio wird oder nur ein Apfel für den Kleinen geschnitten wird, will ich nicht immer zu dem großen Kochmesser greifen müssen. Explizit geht es also um:
- Apfel, Birne, Banane, Orange
- Zwiebel, Knoblauch, Basilikum, Tomate, Pilze, Paprika, Strunk vom Brokkoli, Brokkoli-Röschen abtrennen

So, und nun zum Thema Beratung:
Mein eigentlicher Plan war es, mir das K1M und das K3 zu holen. Das K1M dann für sowas wie den Apfel oder die Birne. Hier kann man auch gut mal das Messer umgedreht - mit der Klinge zu sich zeigend - halten und die Apfelstücke halbieren. Gleiches bei der Banane. Diese könnte man dann auch mit leichtem Druck durch die Klinge drücken und das Stück fällt direkt in die Schale vom Lüdden. Spar ich mir also die Zeit, um das Brett sauber zu machen. Das K3 hätte dann alle Gemüsearbeiten abgedeckt. Ich muss dazu sagen, ich arbeite i.d.R. lieber mit etwas "höheren" Klingen, als mit den Flachen wie beim K1M. Das wäre dann einfach zum "in der Hand schnibbeln" gedacht.

Dann kam mir der Gedanke, dass das Herder Petty eigentlich die perfekte Lösung für wäre, die beide Aufgabengebiete kombiniert und dazu einfach noch mal 1/3 des Preises der anderen beiden Messer kosten würde. Obacht, jetzt kommts. Das bekomme ich aber einfach nicht übers Herz - die Zwänge sagen nein. Der Griff passt einfach nicht zu dem vom Böker Core. Es muss also schon ein dunkler Holzgriff sein, der wenigstens Ähnlichkeit mit dem Wallnussholz des Bökers hat. Also hier meine Frage: gibt es irgendwo die Herder Pettys mit sehr dunklem Griff :D?

Im nächsten Schritt habe ich mir dann das K2 angeguckt und gedacht, dass das eigentlich auch ein guter Kompromiss wäre um beide Aufgabenbereiche gut abzudecken. Hier ist aber wieder eure Expertise gefragt. Hat jemand von euch das K2 rumliegen und könnte mir sagen, ob ich damit meinen Apfel entspannt - wie oben beschrieben, schneiden kann?

Meine Schneidtechnik:
In der Regel habe ich immer im Wiegeschnitt gearbeitet. Seit dem Böker komme ich damit irgendwie nicht mehr klar. Der Daumen ist jetzt immer auf der Klinge und die restlichen Finger liegen am "Bauch" des Griffes. Hiermit habe ich deutlich mehr Kontrolle und arbeite mit einem schiebenden Schnitt, diagonal von oben nach unten und vom Körper weg. Um das mal auf die "kleineren Messer" zu übertragen habe ich die alten Müllmesser aus der letzten Schublade ausgegraben. Sobald die neuen da sind, kommt der ganze alte Müll weg. Aber für den Test hat es ausgereicht. Hier könnt ihr sie sehen.

Das linke Messer: Klinge ca. 11cm lang und 2cm hoch
Hier greife ich noch mal anders. Daumen an der Seite des Griffes, Zeigefinger auf dem Klingenrücken und die anderen 3 Finger wieder am Bauch des Messergriffes. Schneiden tue ich hier durch "hackende" Bewegung. Der Arm wird gar nicht bewegt, nur das Handgelenk. Sprich, ich zeihe den Handrücken hoch in Richtung Unterarm. Wenn ich dieses Messer wie weiter oben beschrieben halte, knallt immer mein Mittelfingergelenk auf die Arbeitsplatte, was echt unangenehm auf Dauer ist.

Das rechte Messer: Klinge ca. 13cm lang und 2,8cm hoch
Das Messer kann ich wieder wie das Böker greifen, ohne dass mein Mittelfingergelenk auf die Arbeitsplatte knallt. Ebenso kann ich es mit dem Zeigefinger auf dem Klingenrücken führen. Von den Maßen her, eigentlich der bessere Allrounder und kommt dem Herder Petty auch sehr nahe.

Einfach das K3 nehmen und bei Bedarf das K1M dazu holen? Direkt nur für das K2 entscheiden? Vielleicht das Petty und den Holzgriff beizen (wenn das geht)? Und falls die Entscheidung gefallen ist, wo am besten bestellen? Beim Messerkontor sind die K2's und K3's wie beschrieben ausverkauft. Gibt es noch einen anderen Shop, den ihr empfehlen könnt? Mir geht es hier eigentlich explizit um die Vorauswahl, um dem Thema Serienstreuung entgegen zu wirken.

Viel Text, für eine "kleine Entscheidung". Über sämtliche Ratschläge bin ich dankbar :)

Beste Grüße aus dem regnerischen Hamburg,
Brian
 
Zuletzt bearbeitet:

Seemann

Mitglied
Hallo Brian,
Ich besitze sowohl K1M, K2 und K3 in Edelstahl. Und ich esse seit 2017 jeden Tag mindestens einen Apfel. K3 ist wegen der breiten Klinge am schlechtesten zum Apfelschneiden geeignet, da bei meiner Schneidetechnik die breite Klinge beim Entfernen des Kerngehäuses stört. K1M ist mir beim Durchschneiden des Apfels zu "fitzelig". Jetzt rate mal welches Messer meine Äpfel achtelt und entkernt?
Ein schönes Wochenende von Ex-Hamburger (aber Ex- nur wohnortmäßig, nicht etwa im Herzen) zu Hamburger aus dem Kreis Segeberg. ;)
 

Besserbissen

Premium Mitglied
A doctor a day keeps the apple away...

Das K1M ist das einzige aus der Auswahl, mit dem man das Schnittgut in der Hand bearbeitet. K2, K3 und Petty sind zum Schneiden auf dem Brett.
Zur Not funktioniert das K1M auch mal beim Bretteinsatz (Zeigefinger auf dem Klingenrücken).

VG Torsten
 

Brnrth

Mitglied
Danke für die vielen Antworten.

Ich merke schon, der Sparfuchs in mir wird nachgeben müssen. Es werden wohl eher zwei werden.

Hat jemand Erfahrung mit dem Shop Messer mit Tradition? Kann ich dort um Vorab-Bilder bitten? Wird allgemein auf ein gut verarbeitetes Messer geachtet?

Habe keine Lust auf ein Montagsmodell. Bei unserer Lieblings-Videoplattform gibt es unter anderem Videos, in denen das K2 zum Beispiel richtig alt aus sieht gegen ein Fiskars.
 

knifeaddict

Premium Mitglied
@Brnrth Ich hab da bisher nur kleine Schnibbelmesser und ein K5 mit POM bestellt , die waren alle einwandfrei.
Ich würde da einfach mal anrufen / Mail schreiben...und sagen das du schon schlechte Erfahrung gemacht hast...und auf der sicheren Seite sein möchtest...
und 3x bitte...dann denke ich sollte das klappen
 
Der shop Messer mit Tradition ist sehr freundlich und fix im Liefern. Ein gespräch am Telefon sollte weitere informationen bringen. Ich würde da wieder bestellen. Manche Messer von Windmühle haben sie exklusiv.
 

waterstone

Mitglied
Hi Brian,
habe lange Zeit nur mein K-Solitär K2 benutzt und war Fan von diesem Messer. Der "Messerwahn" hat mir dann ein K3 beschert. Hätte ich vielleicht nicht tun sollen, da ich nun meine K-Liebe teilen muss. Raten kann ich Dir kaum, weil es einfach zwei unterschiedliche Messer sind, obwohl nur eine 1,5 cm Klingenlänge Differenz sie unterscheidet.
Das K2 liegt mir einen Ticken besser in der Hand beim Schneiden (wahrscheinlich durch die breitere und kürzere Klinge). Es ersetzt aber niemals ein K1M. Insofern muss Du den Sparfuchs tatsächlich irgendwie zur Seite drängen.
 

Bukowski

Premium Mitglied
@Brnrth hast du bei K2 und K3 auch den Umfang des Griffs bedacht? Die Griffe sind recht zierlich. Wenn du den Griff mit deinen Fingern umschließen willst, wäre ein größerer Griff m.E. ergonomisch sinnvoller. Bspw. der des K4. Das Messer wäre aufgrund der Klingenhöhe auch meine Empfehlung, wenn du mit einem kurzen Messer ernsthaft uneingeschränkt auf dem Brett arbeiten willst.

Ohne Brettkontakt, also frei in der Hand, macht von den genannten nur das K1 bzw. K1M Sinn, wie @Besserbissen sagt. Messer mit schmaler Klinge und wenig Versatz zwischen Griff und Schneide sind hier am besten zu kontrollieren.
 
Zuletzt bearbeitet:

Brnrth

Mitglied
Oh man, ja die Griffgröße habe ich hier natürlich nicht bedacht. Ich denke, ich werde dem Shop eine nette Mail schreiben und mir ein paar Variationen zum Probieren bestellen. Anders wird es nicht gehen.

Schade, dass es für diese guten Stücke keine Ladengeschäfte vor Ort gibt. Das würde einiges erleichtern :D
 

tiffel

Mitglied
Im nächsten Schritt habe ich mir dann das K2 angeguckt und gedacht, dass das eigentlich auch ein guter Kompromiss wäre um beide Aufgabenbereiche gut abzudecken. Hier ist aber wieder eure Expertise gefragt. Hat jemand von euch das K2 rumliegen und könnte mir sagen, ob ich damit meinen Apfel entspannt - wie oben beschrieben, schneiden kann?
Weder mit dem Herder Petty noch mit dem K2 kann man aus der Hand arbeiten. Beide gehören aufs Brett. Zum rausscheiden des Kernhauses eines Apfels braucht man eine schmale Spitze. Das geht mit dem Vogelschnabel K0, dem Mittelspitz K1M, oder dem K1. Daraus folgt: Zum aus der Hand arbeiten z.B. das Mittelspitz. Für das Brett K2 oder K3. Beide macht keinen Sinn, weil zu ähnlich.
 
Zuletzt bearbeitet:

Brnrth

Mitglied
Das ging ja wieder fix hier heute. Mein Bauchgefühl sagt nein zum K4. Ich komme mit den stark bauchigen Klingen einfach nicht mehr zurecht. Durch die „Bissigkeit“ des Bökers habe ich gemerkt, wie schlecht und instabil ich im wiegendem Schnitt arbeite. Ich drücke es mal laienhaft aus: Die feine Spitze hat sich beim Wiegeschnitt leicht ins Brett gebissen. Dadurch habe ich sofort gemerkt, dass ich das Messer nicht gerade halte. Durch das schiefe Halten biege ich die Schneide dann weg.

Mit der anderen Schnitttechnik bin ich perfekt gerade und habe einfach mehr Kontrolle. Von der Geometrie, bzw. der Form der Klinge, spricht mir die vom K2 am meisten zu. Ich werde aber mal vergleichen. Um K1/K1M komme ich aber nicht drum herum :D
 

Bukowski

Premium Mitglied
Auf dem Brett finde ich das K2 komfortabler als das K3, weil die Klinge etwas höher und der Griff mehr nach oben geneigt ist, sodass ich mit meiner Schnitttechnik das Brett knapp nicht berühre (mir ist allerdings wie gesagt der Griff zu zierlich). Dass der Bauch beim K4 für deine Schnitttechnik störend sein könnte, kann ich nachvollziehen.

Aber wie du siehst, wird testen am sinnvollsten sein, um für deine individuelle Schnitttechnik das geeignetste Messer zu finden.

Neuer Vorschlag: Herder K5. Geeignet für Schubschnitt auf dem Brett und anständig dimensionierter Griff 😝
Aber das ist wahrscheinlich von der Klingenlänge wieder zu nah am Böker – allerdings eben grade kein Wiegeschnittmesser.
 
Zuletzt bearbeitet:

Brnrth

Mitglied
Aber das ist wahrscheinlich von der Klingenlänge wieder zu nah am Böker.. allerdings eben grade kein Wiegeschnittmesser.
Das trifft es sehr genau. Mit dem Böker bin ich sehr zufrieden. Die bauchige Spitze fürs Feine wie Zwiebeln einschneiden und den geraden Teil der Klinge fürs würfeln. Das klappt so ziemlich mit allem Gemüse, das wir verarbeiten, sehr gut.

Der Wahn wird aber eher schlimmer. Würde es das Herder Nakiri irgendwo in rostfrei geben, wäre das auch schon bestellt :D

Edit: das gibt es nur als Carbonstahl Variante, kann das sein?
 
Zuletzt bearbeitet:

waterstone

Mitglied
Von der Geometrie, bzw. der Form der Klinge, spricht mir die vom K2 am meisten zu. Ich werde aber mal vergleichen. Um K1/K1M komme ich aber nicht drum herum :D
Bin ganz der Meinung von @Bukowski., das K2 fühlt und führt sich etwas komfortabler. Und auch das kann ich unterschreiben: Man muss nicht K2 und K3 sein Eigen nennen. Ähnlich finde ich sie zwar nicht, aber dann eben doch in der gleichen Klasse "spielend".

Du scheinst ja ebenfalls zum K2 zu tendieren. Also alles prima!
 

Brnrth

Mitglied
Ja, ich habe meinen Betrag gerade noch mal editiert. In meinem Kopf habe ich nach einer rostfreien Variante geguckt. Die scheint es aber nicht zu geben - sorry.

Hat aber mit K2 oder K3 gar nichts mehr zu tun :)
Ich weiß, es wäre auch eher eine Spielerei on top und dann kein entweder oder :D. Die anderen sind für mich „notwendig“ als Küchenhelfer. Das Nakiri spricht mich nur aufgrund der Form an.
 
Das herder Nakiri ist nach meinem wissensstand exklusiv bei Messer mit tradition zu bekommen, nur in Carbonstahl. Für zuhause zum Spielen in der Küche sehr fein, Heines möchte ich nicht mehr hergeben. Ein Musakatkürbis hat den kontakt nur in würfeln überlebt. War lange nicht zu bekommen, das Nakiri.
Das K5 gibt es auch mit POM griff in rostfrei.
Die anderen Messer mit japanischer fprm wären z.B. ein Herder Santoku oder ein Lignum 3, dieses ist aber außerhalb Deines Etats. Wobei, wenn der Messervirus einmal zuschlägt, könnte das schlium werden. Es gibt kaum ein gegenmittel außer noch mehr Messer.
 

Brnrth

Mitglied
In erster Linie wird es jetzt erst mal ein K1 oder K1M + K2 oder K3. Ich habe dem Shop eine Mail geschrieben. Mal gucken, wann ich eine Rückmeldung bekomme.

Das Nakiri wäre dann - denke ich - der nächste Schritt und eine „Spielerei“. Du drückst es mit dem Satz sehr treffend aus :D

Es gibt kaum ein gegenmittel außer noch mehr Messer.

Nehmen Lebensmittel wie die Zwiebel durch den Carbonstahl wirklich einen metallischen Geschmack an? Und verfärben diese sich auch? Man liest das ja immer wieder. Falls ja, ist das durch Ausbilden der Patina dann behoben?