Meine persönliche Erfahrung mit Herder ...

Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Ich habe genau vier Messerchen von Herder - ein 1922er Kochmesser (2014 knivesandtools), ein 1922er Office (2014 Scharferladen Messer Rödter), ein altes Kneipchen (Mitte der 90er irgendwo) und ein asbach-uraltes Hamburger Brotmesser um 1900 (2015 aus einer Geschäftsauflösung). Alle ohne Handverlesung blind gekauft. Und kann ihnen allesamt aus meiner Sicht nichts Schlechtes nachsagen.

So sehen sie heute aus. Das Office ist mit Abstand mein meistgebrauchtes Küchenmesser überhaupt und hat auch das Kneipchen auf einen Schubladenplatz verbannt.

01 DSC00218.jpg


02 DSC00222.jpg


03 DSC00221.jpg


04 DSC00224.jpg


05 DSC00226.jpg


06 DSC00241.jpg


07 DSC00239.jpg


08 DSC00237.jpg


09 DSC00236.jpg



Hier noch ein paar Bilder aus 2014 und 2015:

10 DSC05069 b.jpg


11 DSC08497 b-2.jpg


12 ND6_6468-3.jpg


13 Kneipchen.jpg


R’n‘R
 
Für täglichen gebrauch sehen die messer gut aus.
Darf man fragen, was das für ein messer ist, welches auf einem bild wie eine art "hackbeil" mit hellem holzgrif? und rötlicher zwinge ist? Die bezeichnung hackbeil wird vermutlich falsch sein.
 

Taperedtang

Premium Mitglied
Du bist perfekt ausgestattet! Mit diesen Küchen-/Kochmessern können alle anfallenden Aufgaben in der Küche erledigt werden. Deine Auswahl hat Klasse! :super:

Das Pflaumenholz vom 1922er sieht super aus!

Gruß
Matthias
 

Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Hallo Bo,

da haben wir den gleichen Geschmack. Ich liebe kleine Messer und mit den beiden könnte ich im Prinzip alles bewerkstelligen, was ich in meiner Kombüse noch so zu- oder anrichte.

Das große Konosuke HD 2 Gyuto habe ich mittlerweile wieder verkauft an jemanden, der brennendes Interesse hatte. Das Petty gleich mit dazu. Beides grandiose Laser - aber brauche ich nicht wirklich.

R'n'R
 

rq69

Mitglied
Stimme hier völlig zu. Bis auf das Brotmesser besitze ich auch die drei Herder ( ebenfalls blind gekauft) und bin wirklich sehr zufrieden mit Handhabung beim schneiden und schärfen. Das officemesser ist super, aber bei mir hätte das kleine Kneippchen gereicht ( besitze noch ein Schanz Office — da sehr ich für miich überhaupt keinen Mehrwert drin, ärgere mich eher über mich selbst, so viel Geld dafür ausgeben zu haben. Ich habe es eigentlich schon gemerkt als ich es in die Hand genommen habe, das es nicht zu mir passt. Allerdings mag es meine Frau sehr gerne).
falls ich mir noch mal ein langes dünnes Messer zu legen möcht, wäre ein 1922 Tranchelard me8ne erste Wahl.
Ich habe noch ein Herder K5 und K2. Die sind auch nicht schlecht und etwas günstiger als die 1922 Serie.
 
Zuletzt bearbeitet:

pebe

Premium Mitglied
Gut, die Frage des Brauchens ist ja eigentlich längst abschließend geklärt.

Mehr als 3 Messergrößen in Küche oder Hosensack sind bereits Sammlung. ;)

Der allgemein formulierte Frust bei Herder ist, dass spätestens die 1922er Serie als die letzten Solinger Helden angesehen werden und hiermit durchaus ein, wie ich finde, berechtigter Anspruch an die Fertigungsqualität verbunden ist. Wir sprechen ja nicht von einem willentlich used oder ranzigem Look, sondern von nachlässigem Fit & Finish. Und wir sprechen hier auch nicht von einem besonders komplizierten Messeraufbau im Gegensatz zu vernieteten Mehrklingenklappern, die aus Solingen kommend, auch regelmäßig für Unmut sorgen.

Die beworbene Tradition und Ursprünglichkeit bezieht sich ganz sicher nicht auf eine rustikale Fertigungsqualität, auch wenn sich der eine oder andere nicht daran stört. Und ich persönliche nehme da auch nicht vergleichbar schlechte Hersteller als Maßstab, sondern würde mir wünschen, dass Herder hier den Masstab setzt. Das auch völlig unabhängig davon, dass der verlangte Preis, dies auch eigentlich ermöglichen sollte.

Es ist also mehr der Frust, dass die Ikone der blaugepliessterten Klingen etwas arg schlampig daher kommt. Und ja. Bei gekrönten Häuptern schaut man dann auch etwas genauer hin.

Meine Meinung.

grüsse, pebe
 
Zuletzt bearbeitet:

güNef

Premium Mitglied
Servus,

Es ist also mehr der Frust, dass die gekrönte Ikone der blaugepliessterten Klingen zuweilen etwas arg schlampig daher kommt.

würde ich so unterschreiben.

Mein erstes Herder, abgesehen von Kneipchen und Kleinzeugmessern, war ein 1922er mit 23er oder 21er Klinge von K&T um sagenhafte 109,- Euro mit Pflaumenholzgriff. Der Preis war super, deshalb auch nicht viel Gejammer. Der Griff war an allen Kanten gekittet und die Klinge nicht wirklich nagelgängig. Ich habe zu dieser Zeit endlos Lobeshymnen über diese Messer gehört, der "deutsche" Laser soll das sein, buckelt wie verrückt, schneidet besser als Japaner ohne dessen Divenhaftigkeit. Gut, es gibt sie, die nagelgängigen, großen Herder die super schneiden, Jahre später hatte ich bei einem Forentreffen Gelegenheit das zu prüfen, gibt es also, keine Frage. Vielleicht hatte ich auch einfach nur Pech, oder eine zweit Wahl erwischt. Das nächste Herder war ein Office Nussbaum, handverlesen von Claudia ( Messerkontor ) und das war ein Kracher. Kittfreier Griff und ein Hauch von Klinge. Vorne dort wo die Schiebelehre gerade noch greift, hat das 0,08mm gemessen. Ein Wate mit 8 1/100el. Das war eine Ansage. Unglaublich feine Klinge, jahrelang nur gewetzt, ein wirklich tolles Office. Dann wieder ein Rückschlag. Ein K5 gekauft, toller Griff, aber ein superleichter Schnitt, wie von einem Ashi oder Yusuke gewohnt, hat sich nicht eingestellt.

Dann sind noch viele gekommen und gegangen, darunter PA-Messer, Leihgaben, ein Grandmoulin das ich wieder verkauft habe, weil die Schneide sich umgelegt hat, ein Nakiri, das wieder superdünn war, richtig gebuckelt hat, mit einem leichten Spalt, aber da waren schon keine mehr zu kriegen und das war das Beste von den paar Stücken, die ich aussuchen konnte. Da waren auch ganz üble Griffe dabei, völlig blass und knochentrocken, viele Spalten usw.

Dann wurde mir ein großer K-Chef unter die Nase gehalten, voll nagelgängige Klinge, schöner Griff, spaltenlos und tolle Maserung. Na was soll man nach solchen Erfahrungen anderes sagen, als Licht und Schatten, alles dabei. Bitte selber eines aussuchen, einfach bestellen kann in die Hose gehen.

Dann der Preis 109,- für ein großes, im Gesenk geschmiedetes 1922er damals und heute kostet ein gestanzter K-Chef 250,- Euro. Immer Lieferengpässe, vielleicht künstliche Verknappung, weil es nicht vorstellbar ist, dass niemand lernen kann oder will, wie man das dünnschleift. Das ist keine Raketenwissenschaft.

So bleibt ein lachendes und ein weinendes Auge. Ein Herder habe ich noch, einen Tranchlard, gebraucht gekauft um einen Fünfziger von Claudias Mann, ziemlich dick an der Wate, hat keinen Druck nachgegeben, aber gut, ist ein Fleischmesser. Ich hab's dann von Meister Mattern optimieren lassen, jetzt ist es so wie ich mir ein Herder aus der Schachtel wünschen würde: Ein Slicer, buckelt, nicht zu empfindlich und leichte plastische Verformung geht noch mit wetzen weg.

Das ist meine Meinung zum ewigen Herderthema. ;)

Gruß, güNef
 

Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Moin pebe,

darf ich fragen, was genau Du an den von mir gezeigten 1922ern als arg schlampig bezeichnest, welche Herder Du selbst zur Hand hast und wen Du mit „Wir“ meinst?

R’n‘R
 

BastlWastl

Mitglied
Ein K-Chef kostet 250 Flocken darüber wird sich aufgeregt... ? Aber für ein auf gleichem weg entstandenes Messer eines Einzeltäters wird dann mal ganz einfach so fast das dreifache hingelegt, mit dem Benefit das es keine Spalten hat ... Da lebe ich lieber mit nem Spalt und nem fairen Preis ;) .

Grüße Wastl.
 

Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Na was soll man nach solchen Erfahrungen anderes sagen, als Licht und Schatten, alles dabei. Bitte selber eines aussuchen, einfach bestellen kann in die Hose gehen.

So bleibt ein lachendes und ein weinendes Auge.

Das ist nach meinem Dafürhalten ja eine akzeptable Sicht der Dinge und gilt nach meiner Erfahrung nicht nur für Herder und auch nicht nur für Solinger allgemein. Handverlesen ist im Zweifel immer besser und auf die Nase fallen kann man bei jedem Hersteller - btw auch bei Customs - wie ich aus langjähriger eigener Erfahrung nur zu gut weiß. Wer nicht im Ladengeschäft persönlich vorsprechen kann oder keinen Händler seines Vertrauens hat, der hat ja beim Online-Kauf 14 Tage lang Gelegenheit, das Messer bei Nichtgefallen zurückzuschicken.

Ich halte es für unangemessen, Herder in ein besonders schlechtes Licht zu rücken und zitiere dazu hier noch einmal die beiden Statements aus diesem thread:

Bei einem Herder ist fast alles Lotterie, wenn nicht handverlesen oder vom Onlinehändler des Vertrauens.

Was die Qualität von Böker betrifft, wäre ich da frei von Angst. Genauso bei Güde. Die liefern traumhaft versäuberte Griffe mit Doppelkropf ohne einem Krümel Kitt.

Was ja in beiden Fällen nicht generell zutrifft …

R’n‘R
 

pebe

Premium Mitglied
Servus R‘n‘R,

ich weiss ja, worauf Du raus willst.

Ich kenne die Thematik von meinen Kai Shun, die man getrost als bashing Opfer beschreiben kann, obwohl diese ein paar handfeste Vorteile habe, die andere gerne hätten. Z.B. grandiose Fertigungsqualität und Verfügbarkeit in Menge und Vorort.

Ich bemängle nicht eine möglicherweise fehlende Nagelgängigheit, dass sehe ich wie bei Bark River. Das ist Handarbeit und dann mal mehr oder weniger das gewünschte Ergebnis. Das ist soweit aus meiner Sicht in Ordung, solange richtige Ausreisser die Ausnahme sind. Hier ist meine Toleranzschwelle sicherlich höher als bei GüNef.

Die Herder Griffe sind nach Kauf zu häufig thematisiert, um als grundlos bemängelt zu gelten. Und da wird‘s vermutlich auch kaum einen Händler geben, der bestätigt, dass das aus der Luft gegriffen ist. Mein lokaler Messerhändler in 3. Generation hatte jedenfalls bei dünner Auswahl auch noch nichts passendes zum mitnehmen da und war bei Herder auch nicht dazu zu bewegen, sich zu engagieren.

Messermacher, die nur an einem guten Tag auch mal was richtig gut hinbekommen, gibt‘s zur Genüge. Serienhersteller, die ihre Produktion im Griff haben übrigens auch.

Herder nicht als Unikum sonder als Ikone, schön wär‘s gewesen.

grüsse, pebe
 
Zuletzt bearbeitet:

güNef

Premium Mitglied
Servus,

Ein K-Chef kostet 250 Flocken darüber wird sich aufgeregt... ?

wo liest du Aufregung? Jeder kann es dir gleich tun und locker 250,- abdrücken und den Preis dabei fair finden und vielleicht gibt's noch einen Spalt dazu. ;) Wobei der Begriff fair nicht passt. Fair bedeutet den Regeln des Zusammenlebens entsprechend, sich anständig und gerecht gegenüber anderen Verhalten.

Meinst du die 250,- für das Gebotene sind angemessen? Ob es anständig ist, 250,- für den K-Chef zu verlangen? Da kann man geteilter Meinung sein. Ob ein Preis anständig ist, da kann man generell geteilter Meinung sein.

Welcher "Einzeltäter" ist da gemeint, dessen vergleichsweise einzige Leistung es sein soll, einen spaltfreien Griff an eine vergleichbare Klinge zu pappen und 750,- dafür zu kassieren?

Gruß, güNef
 

Bukowski

Mitglied
Ich versuche mal meine Erfahrungen - insbesondere im Hinblick auf den vielzitierten "Dünnschliff" sowie die Griffpassungen - möglichst wertfrei wiederzugeben...

Mein erstes Herder über 15€ war ein Standard Santoku. Ich weiß nicht mehr ob es nagelgängig war, ich habe es auch nicht ausgemessen, es schnitt aufjedenfall leichter als meine damaligen Referenzen Tojiro DP 3 Lagen HQ Santoku und Kagayaki Carbonext 21cm Gyuto. Der Griff war von der bekannt rustikalen Machart der Standardserie, mit sichtbaren Spalten am Übergang vom Griffstück zum Erl. Das Messer hat um die 50€ gekostet und war nicht handverlesen.

Mein erstes höherpreisiges Herder war dann das 1922 in 23cm ebenfalls von K&T bestellt für knappe 170€. Der Griff war für meine Bedürfnisse relativ sauber verarbeitet und im tolerablen Bereich, jedoch sichtbar gekittet. Es trat allerdings immer wieder nicht ausgehärtetes Holzkit aus den Fugen aus, weswegen ich das Messer zur Überarbeitung an Herder verschickt habe. Die Überarbeitung hat um die 10 Wochen gedauert. Danach trat das Problem nicht mehr auf. So habe ich es dann auch behalten. Das Messer war im Auslieferungszustand mit etwas Druck nagelgängig und hatte ~0,2mm über der Fase.

Danach kamen noch ein paar Messer aus der K-Serie dazu, das K1M und das K5 rostfrei mit POM-Griff sowie das K2 und das KChef rostend mit Pflaumenholzgriff. Die Messer sind alle handverlesen (von Claudia Rudi oder von mir selbst) mit Augenmerk auf eine möglichst dünne Geometrie, buckeln auch alle ohne großen Druck und haben über der Fase eine Klingenstärke von unter 0,2mm. Interessant ist, dass die Pflaumenholzgriffschalen spaltfrei sitzen, während die POM-Griffschalen in der Kehlshot-Ansicht gegen das Licht gehalten auf einer Seite einen kleinen Spalt zum Erl haben.
 
Zuletzt bearbeitet:

pebe

Premium Mitglied
Ich halte es für unangemessen, Herder in ein besonders schlechtes Licht zu rücken und zitiere dazu hier noch einmal die beiden Statements aus diesem thread:
R’n‘R

Doch, Herder als Company steht in einem ganz schlechtem Licht dar.

Mich interessieren nur die 1922er mit Nussholz. Und die hätte ich gerne in gut gemacht.

Würde ich gerne, wie bei allen anderen großen Solinger möglich, vorort machen. Zur Not, wenn auch ungern, per Versand und Umtausch.
Weder das eine noch das andere ist möglich. Und das hat ausschliesslich mit der Firma Herder zu tun, die nicht als Zweimannbetrieb in einer japanischen Garage haust.

grüsse, pebe
 
Zuletzt bearbeitet:

güNef

Premium Mitglied
Servus,

;)Was ja in beiden Fällen nicht generell zutrifft …

Meinst du, die Erfahrungen mit Spalten und Kitt sind übertrieben oder gar inszeniert? Ich hab sicher noch ein paar Bilder irgendwo, von zumindest drei Messer die ich hatte, wo alle Griffe aus meiner Sicht zumindest Anlass zu Kritik geben.

Jede Beurteilung hier, hinter der man stehen kann, beruht auf Erfahrung und ist nicht generell zutreffend, wie auch. Du fragst hier nach persönlicher Erfahrung, ich erzähle meine persönliche Erfahrung und meine daraus gebildete Meinung. Andere sehen das naturgemäß anders, weil andere Erfahrung und deshalb andere Meinung zu dem Thema. Bei Doppelkropf-Güde Griffen habe ich bis heute, ich meine es waren Fünf, nur kittfreie und schön versäuberte Griffe gesehen. Fünf lassen keinen Schluss auf alle zu, das ist klar. Herder hatte ich solche und solche, wobei aus meiner Erfahrung, die guten Griffe seltener waren, als die weniger guten und leider nicht umgekehrt. Das wäre mir auch lieber gewesen, eben weil Herder der einzige ist, der sich an dünne Klingen wagt und Schneidkultur hoch hält und alle anderen auf Nummer sicher gehen. Warum aber eine dünne Klinge, die gut schneidet sich nicht mit einem konstant qualitativ gut versäuberten Griff verbinden lässt, mag mir nicht einleuchten. Zumindest bei den teuren Messern. Wenn ein Nakiri das super schneidet um 50,- einen Spalt hat, dann weist man darauf hin, ansonsten bleiben aber die Füße still. Bei 250,- sehe ich das deutlich differenzierter, weil ich ja andere Serienmesser mit ordentlichen Griffen um 100,- weniger schon in der Hand hatte und warum geht's da und dort nicht?

Natürlich kann mir das völlig wurscht sein und ich ein Herder immer als Maß der deutschen Kochmesser hernehmen, was ja auch stimmt, wenn man ein schönes Messer erwischt und genau jetzt beginnts wieder von vorne. ;)

Ich denke, zu Herder habe ich genug abgesondert, ich ziehe mich dann mal zurück. ;)


Gruß, güNef