Meteorit Schmieden

ruggero

Mitglied
Hallo zusammen,
ich habe mir einen 1.8Kg Campo del Cielo gekauft. Hat jemand Erfahrung im Schmieden von Meteoriten :confused: Die Idee ist, eine Messerklinge mit einer 1095
( oder ähnlich ) Schneidleiste, laminiert mit Meteorit. Ich möchte die Strukturen des Campo möglichst wenig verändern.
Rohling zu einem Quader Schmieden, der etwa die halbe Länge der Klinge hat, 2 Scheiben abschneiden und dann mit dem 1095ger verschweissen.

Habe im Net schon viele verschiedene Berichte gelesen die sich zum Teil wiederspechen:irre:

Schöne Weihnachten

Ruggero
 
Zuletzt bearbeitet:

U. Gerfin

MF Ehrenmitglied
Achim und Jean haben natürlich recht.

Zur Erklärung, warum das so ist, muß man sich die Entstehungsbedingungen des Widmannstättischen Gefüges anschauen.
Es ist ein Gefüge, das bei äußerst langsamem Erstarren entsteht.
Durch das Erstarren in Zeiträumen von vielen tausend bis millionen Jahren können sich die Erstarrungsdendriten so grob ausbilden, daß man sie makroskopisch sehen kann.
Legierungsmäßig ist "Sternenstahl" entgegen anderslautenden Berichten in Abenteuerfilmen und Scheinbildungsprogrammen nichts besonderes. Es ist ziemlich reines Eisen mit etwas Nickel.

Beim Erwärmen auf Schweißtemperatur, abschließendem Abkühlen und beim vielfachen Verformen mit dem Hammer bleibt von einer dendritischen Erstarrungsstruktur kaum etwas (besser: nichts) übrig.

Man kann diese Struktur allerdings wieder zurückholen, indem man die Vorgänge im All möglichst realistisch nachvollzieht.
Als erster Schritt wären völlige Austenitisierung (hohe Temperatur) und lange Haltezeit erforderlich. Wirksamer wäre natürlich noch ein teilweises Aufschmelzen. Ganz korrekt wäre ein völliges Schmelzem.
Danach müßte so langsam abgekühlt werden, daß die Erstarrungsdendriten wieder in grober Form entstehen.
1 Grad pro Jahr wäre sicher ausreichend.

Das Ergebnis wäre dann eine Struktur, deren schlechte mechanische Eigenschaften von sauberem Eisen nicht zu unterbieten wären.

Die gedachte Stahleinlage, die ja einen niedrigeren Schmelzpunkt als Eisen hat, wäre bei dieser Behandlung verschwunden.

Wenn man mit Gewalt ein "Sternenmesser" machen will, könnte man aus dem Meteoriten passende Stücke ausflexen und den gewünschten Stahl dazwischen löten. Bei ganz dünnfließendem Weichlot könte man sogar den gehärteten Stahl einlöten.
Warum man so etwas machen sollte ??????- Allenfalls als Kuriosität.

Freundliche Grüße

U. Gerfin
 
Zuletzt bearbeitet:

U. Gerfin

MF Ehrenmitglied
Das kann man natürlich mit deutlichem Qualitätsgewinn machen- was aber wird aus dem Muster ?.

Freundliche Grüße

U. Gerfin
 

Xerxes

Mitglied
Hi,

ich hab mal ein kleines Stück Campo del Cielo verschmiedet. Meines Wissens haben Stücke dieses Meteoriten eh kein Widmannstättisches Gefüge. Bei meinem konnte man jedenfalls nichts davon sehen.

Aufgrund des hohen Phosphorgehaltes und des sehr schlechten Gefüges, zerfällt das Eisen beim Schmieden einfach. Auch mit allen Tricks ist es mir nicht gelungen, das Stück zu schmieden.

Schneid doch einfach mal ein Stück ab und probier es. Vielleicht verhält sich dein Stück anders als meins...

Gruß Jannis
 

D.Kraft

MF Ehrenmitglied
Legierungsmäßig ist "Sternenstahl" entgegen anderslautenden Berichten in Abenteuerfilmen und Scheinbildungsprogrammen nichts besonderes. Es ist ziemlich reines Eisen mit etwas Nickel.
Das möchte ich jetzt mal nicht einfach so stehen lassen
Hier nur mal ein Beispiel ........

http://articles.adsabs.harvard.edu//full/1986LPI....17..795S/0000796.000.html

Man findet da schon noch andere Elemente drin.
Zusammensetzung: 92,6 % Eisen, 6,68 % Nickel, 0,43 % Cobalt, 0,25 % Phosphor, 87 ppm Gallium, 407 ppm Germanium und 3,6 ppm Iridium.
Das sind die gefundenen Legierungselemente im Campo del Cielo.......das nur mal so nebenbei.

Das solches Material zerfallen kann wenn man das spontan versucht zu verschmieden liegt aber in erster Linei an dem vorliegenden Gefüge welches gerade beim Campo del cielo gefunden wird. Grobe Oktaedrite sind schon ziemliche Knaller welche sich bei einem Verformungsversuch zerbröseln dürften.

Mit etwas suchen im Netz findet man auch noch andere Elementaranalysen von Eisenmeteoriten. In wieweit diese anderen Legierungselemente dann aber auch einen Einfluß auf die Eigenschaften eines Stahles haben ist ein anderes Thema.



Ansonnsten ist es aber schon ein etwas sinnfreies Unternehmen das Zeug in einem Messer verarbeiten zu wollen. Die Trümmerstücke von Eisenmeteoriten welche sich in meinem Besitz befinden sind als Dekoobjekt in meiner Wohnung recht gut aufgehoben und da werden diese auch bleiben.
 
Zuletzt bearbeitet:

sanjuro

Mitglied
Meteorit schmieden

Das möchte ich jetzt mal nicht einfach so stehen lassen........
Man findet da schon noch andere Elemente drin. Zusammensetzung: 92,6 % Eisen, 6,68 % Nickel, 0,43 % Cobalt, 0,25 % Phosphor, 87 ppm Gallium, 407 ppm Germanium und 3,6 ppm Iridium.......
Es ging ja bei Ulrichs Aussage gerade darum, ob die Kleinmengen weiterer Elemente einen Einfluss auf die Qualität des Stahls haben können. Nach der obigen Analyse scheint mir das unwahrscheinlich, zumal wenn man die Abwesenheit von C ins Kalkül zieht.

Gruß

sanjuro
 

arno

Mitglied
Also ich finde die Idee Meteoriteneisen für eine Damastklinge zu verwenden sehr reizvoll. Dass die extraterristische Struktur verschwindet ist allerdings klar. Ich würde das Material in relativ dünne Scheiben schneiden und versuchen zu raffinieren. Als Schweißpulver würde ich die Umhüllung Basischer Elektroden versuchen da diese Schwefel und Phosphor bindet. Das habe ich allerdings noch nie versucht, könnte aber bei sehr hoher Temperatur möglich sein. Falls das nicht funktioniert würde ich bereits beim Raffinieren Rennneisen als Kombination verwenden. Ansonsten würde ich nach dem Raffinieren mit Renneisen kombinieren. So könnte man falls das funktioniert einen Historischen Damast aus den ältesten bekannten verwendeten Eisen schaffen. Als Schneidleiste würde ich wiederum aufgekohltes Renneisen verwenden. Falls du in deinem Meteroiten Widmanstättensche Strukturen findest würde ich ein solches Stück als Griffabschluss verwenden. Falls du diese Struktur nicht findest könnten Neumannsche Linien enthalten sein. Die sind nicht so deutlich, aber doch charakteristisch für Meteoriten. Hochleistungklingen sollte man nicht erwarten, es bleibt aber doch etwas ganz besonderes. Lass dich nicht entmutigen, bleib dran und berichte. Achim W. hat glaube ich schon größere Mengen Meteroiten verarbeitet, vielleicht kann er dir ein paar Tips geben. Halte mich bitte auf dem Laufenden.

Gruß Arno
 
@Ruggero,

verschiedenste Eisenmeteorite wurden von uns verschmiedet.
Für eigene Messerserien(Böhlke-Balbach) vor bestimmt schon 17 Jahren, 2004/2005 für die Firma Böker und Ihrem Jubiläumsmesser für 500 Klingen Flachmaterial und kiloweise Rundmaterial für unsere Ringfertigungen usw..
Ca. 30kg reine Eisenmeteoritenmasse steht mir noch zur Verfügung.
Bilder wurden von einem Meteoritendamastreif im Muster Frauenhaar hier im Forum vor Jahren auch mal veröffentlicht, ansonsten googeln unter z.B. "Meteoriten Damast", dann findet man sicherlich Fotos von Messern aus unserem Material.
Bei allen Arbeiten wurden die Eisenmeteorite zu Damaststahl verarbeitet.

Was passiert, wenn man Meteoritenmaterial direkt verschmieden möchte, wurde ja bereits richtig beschrieben.

Ich kann mich noch gut an meinen ersten Eisenmeteoriten erinnern, kartoffelgroß und sehr teuer, den ich damals im Erstversuch zu einem flachen Stück umschmieden wollte. Im Feuer schon ist er zerbröselt.
Mach diesen Fehler also nicht.

Sollen die "Widmannstättischen Figuren" tatsächlich erhalten bleiben, so funktioniert wohl nur der Lösungsvorschlag von U.Gerfin mit dem Löten.

MfG
Markus Balbach
 

ruggero

Mitglied
Hallo zusammen,
danke für die vielen Tips und Anregungen. Trotzdem gebe ich mich noch nicht zufrieden.
Ich habe in YouTube gesehen, das es möglich ist, faustgrosse Campo-Stücke zu einem Quader zu schmieden.
Ich habe ebenfalls mit einem amerikaner diskutiert, der selber laminierte Klingen aus Campo macht.

http://imageshack.us/photo/my-images/507/haslingercampodelcielof.jpg/]

Er schneidet 2 Scheiben vom Campo ab, die er zuerst mit viel Flussmittel durch schmieden komprimiert. Danach verschmiedet er 2 Lagen Campo mit einer Lage O1. Die Struktur bleibt sichtbar !
Wenn man einen ganzen Klumpen schmieden will, ist es scheinbar sehr hilfreich, einige Schweissnähte um das Stück zu ziehen.

Gruss

Ruggero
 
Ruggero,

das typische Lamellensystem aus sich überkreuzenden Streifen oder ein Streifensystem ist auf der gezeigten Klinge nicht zu sehen.
Die widmannstättenschen Figuren sind demnach weg.
Die sichbaren, naja sagen wir mal "Risse" oder Abgrenzungen, sind etwas anderes.

MfG
Markus Balbach
 

arno

Mitglied
@ Markus

Wie verhindert man denn dann das Zerbröseln? Reicht es den Meteoriten in Scheiben zu schneiden und wie bei normalen Damast zwischen Werkzeugstahl zu legen? Oder sollte man im Behälter schweißen? Wärmebehandeln?
 

JostS

Mitglied
Hallo Ruggero
Der Folder, der als erstes zu sehen ist hat eine Klinge, die bei mir im Schrottkübel landen würde ...
Danach kommen dann Bilder, die aussehen, als würde jemand einen Meteoriten in Form sägen und dabei eine Messerklinge nachempfinden - WB? Schneide? Und das Bowie sieht aus wie eine billige Montage. Auf solche Bilder würde ich nichts geben.
Ich würde mich an den Rat von den Fachleuten hier halten.
Oder Du machst einfach deine eigenen Versuche und berichtest vielleicht darüber.
Herzliche Grüße aus Stuttgart,
Jost
 

ruggero

Mitglied
Hallo Walter,
ich habe natürlich mit Thomas Haslinger gesprochen bevor ich geschrieben habe wie er diesen Folder gemacht hat.

Hallo Markus,
der Campo del Cielo hat keine Widmannstättschen Linien !

Hallo Jost,
sehr intressanter Komentar und sehr hilfreich.

Gruss

Ruggero
 

ruggero

Mitglied
übrigens Jost,
die Klinge die aussieht als wäre sie in Form gesägt, ist in Form gesägt.
Ein Ausstellungsstück !
Das Bowie ebenfalls. Ich sprach nur vom Folder.

Ruggero
 

D.Kraft

MF Ehrenmitglied
Hallo Markus,
der Campo del Cielo hat keine Widmannstättschen Linien !

Der Campo del Cielo gehört zur Gruppe der Meteoriten dessen Reste als Kennzeichen grobe Oktaedriten der Gruppe IA zeigen sollten , wenn man diese anpoliert und anätzt.
Erklärung: grobe Oktaedriten sind eben diese Widmanstättischen Struckturen. Diese können aber auch in Variationen vorkommen.

Das kann man auch mühelos im Netz nachlesen. Einfach mal Campo del Cielo in Google eingeben .

Warum jetzt Eisenmeteorite da sind welche keine Widmanstättischen Struckturen haben aber trotzdem angeblich vom Campo del Cielo stammen.............leider gibt es wie bei fast allen Sachen mit denen man Geld verdienen kann immer wieder schwarze Schafe welche eben die Gutgläubigkeit der Käufer ausnutzen.

Anders formuliert : Es sind auf dem Meteoritensektor auch jede Menge Fälschungen unterwegs. Mit ein Grund warum es einige Händler gibt welche nur Stücke anbieten welche auch eine anpolierte Stelle haben auf der man dann als "Echtheitzertifikat" eben diese Widmanstättischen Strukturen zeigen sollten. Das ganze dann aber naturlich auch nur bei Eisenmeteroiten.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator: