Ich habe in den letzten Monaten zwei günstige rein optische Lösungen gekauft und gerade mit meiner Fotolupe und meiner Kamera mit Makroobjektiv verglichen.
- Kamera als Digitalmikroskop zweckentfremdet:
- Olympus E-M1II
- EX-25 (Zwischenring 25mm)
- Olympus Zuiko Digital bla usw. 50/2 Makro
- Blende 1:4, Blendenvorschau (damit die Blende auch so weit schließt)
- Kamera einfach auf den Tisch gestellt und Objektiv mit Gegenstand unterstützt
- Kameradisplay zur Seite geschwenkt und etwas nach oben gedreht
- vergrößerter Bildausschnitt: LiveView mit Zoomrahmen (verschiebbarer Fokuspunkt) auf 14fach (bezogen aufs Gesamtbild am Kameradisplay)
- Messer mit der Hand vors Objektiv gehalten
- Adox Präzisionslupe 10× mit Beleuchtung, unteren Teil mit Millimeterskala abgeschraubt
- Carson Microbrite Plus (MM-300), transparentes Plastikteil abgeschraubt
- kleine, billige Lupe (~5€, sieht so aus: hier, ist jetzt dort ausverkauft) mit zwei LEDs direkt nebeneinander, angeblich 40fache Vergrößerung
Fazit:
Die Kamera als Digitalmikroskop zweckentfremdet funktioniert eigentlich gut, es fehlen nur eine Führung für die Klinge (das ist sonst zu wackelig) und ein positionierbares Auflicht (z.B. LED-Licht mit Schwanenhals für den Blitzschuh). Die Bildqualität ist vermutlich besser als bei den meisten günstigen bis mittelteuren Digitalmikroskopen. Man muß halt erst die Kamera, den Zwischenring und das Objektiv holen und zusammenstecken. Dafür muß man danach nicht ständig eine Lupe in die Hand nehmen und direkt ans Auge halten (Lupen gehören ganz ans Auge ran).
Die Adox-Lupe hat ein größeres Sichtfeld als der 14fach-Ausschnitt an der Kamera (die reale Vergrößerung mit der Kamera ist viel höher als 14×). Dafür ist 10× vielleicht eine etwas zu geringe Vergrößerung. Die Beleuchtung aus mehreren rundherum angeordneten LEDs ist für den Zweck (einfach gesagt: Kratzer in glänzendem Metall erkennen) weniger geeignet als Licht, das nur aus einer Richtung kommt.
Das Carson-Mikroskop hat ein wirklich winziges Sichtfeld. Nicht nur wegen der hohen Vergrößerung, das Bild an sich ist sehr klein, außerdem nicht seitenrichtig. Das Gerät ist außerdem sehr umständlich zu positionieren. Durch die 60–120fache Vergrößerung sieht man sehr viele Details. Mehr weiter unten.
Die billige Taschenlupe ist mein Favorit. Die Vergrößerung reicht für eine Inspektion der Schneide. Das Bild ist immer noch viel größer als beim Carson, und im Bereich der Bildmitte sind mir keine Farbsäume u.ä. aufgefallen. Im Randbereich wird das Bild gruselig, aber da schaut man nicht hin, das nutzt man nur zur Orientierung, was sehr hilfreich ist und dem Carson eben fehlt. Das Licht ist deutlich wärmer als das von der Adox und dem Carson. Man kann außerdem das Gelenk dazu nutzen, die Richtung, aus der das Licht kommt, zu verändern. Sehr praktisch und sehr handlich und sehr günstig. Nur eben nicht freihändig nutzbar. Ein Digitalmikroskop oder eine Alternativlösung mit Kamera und Makro aufzubauen lohnt sich für mich erst, wenn ich freihändiges Arbeiten brauche, also wenn ich ständig mit dem Messer zwischen Schleifstein und Mikroskop wechseln will. Ich habe die Lupe aus Neugier mit Pflanzenleuchten mitgekauft, nur fürs Messerschleifen, für mich ein Volltreffer. Man erkennt damit natürlich nicht so viele Details wie auf Torstens
Makrofotos (s.a.
hier), aber fürs Schleifen reicht es mir (bis jetzt zumindest). Wenn ich mal doch mehr Details sehen will, nehme ich das Carson. Nochmal kaufen würde ich das aber eher nicht.
Die Taschenlupe setzt man so nah ans Auge wie möglich, das heißt, sie berührt das Gesicht. Dadurch wackelt sie nicht. Beim Carson geht das nicht, da muß man mit dem Auge etwas weiter weg, weil das Okular eben so konstruiert ist. Dadurch wackelt man. Das Auge in der korrekten Position zum Okular zu halten und gleichzeitig mit dem Carson an der Schneide entlang zu wandern ist einfach umständlich, weil das Bild sehr klein ist, und seitenverkehrt, und die Schärfentiefe sehr gering, sodaß man den Abstand zur Schneide sehr genau halten muß. Die hohe Vergrößerung spielt dabei natürlich auch eine Rolle. Eine kleine Bewegung der Hand erzeugt eine große Bewegung im Bild.