Was genau bedeutet "auf null schleifen"?

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Ich hab mal in grün die richtige richtige Tangente an den Schneidkantenradius angelegt
 
Wobei so ganz eindeutig ist das "auf Null" rein technisch-handwerklich auch nicht unbedingt. Bis "auf Null" kann man auch bedenkenlos als "gratfrei" annehmen.
Sieht man beim Schärfen zur Kontrolle keinen Lichtreflex mehr, ist die Schneide auch auf Null, egal ob mit oder ohne Sekundärfase ☝️ - aber das ist ein buchstäblicher Fall für Haarspalterei... :p:
Das mag korrekt sein, macht den Terminus aber beliebig und überflüssig. Jedes Messer, das korrekt eine definierte, entgratete Schneidkante hat, die die üblichen Schärfetests schafft, reflektiert kein mit bloßem Auge sichtbares Licht mehr, weil die Fläche zu klein ist. Völlig egal, ob die Schneidkante von der Primär-, Sekundär-, oder Sonstwas-är-Fase gebildet wird, und völlig egal, in welchem Winkel, konvex, konkav, komplex, konfus geschliffen wurde...

Es genügt ein ausreichend kleiner Schneidkantenradius.

Aber andererseits: Wenn hier das Ergebnis ist, dass "auf Null schleifen" schlecht definiert und eigentlich überflüssig ist, kann ich damit gut leben.
 
Der Vorteil einer ballig auf Null geschliffenen Klinge liegt in der Geometrie und dem Schneiderlebnis. Hat man einmal ein richtig dünnes, balliges Outdoormesser erlebt, will man nichts anders mehr.
Ich empfehle dazu mal die alten Beiträge von Rock'n'Roll (Suchfunktion) zu lesen.

Liebe Grüße,
Andrea
 
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Yup. Ballig auf Null war die Passion unseres Wahlportugiesen.

Allerdings, überwiegend ging es bei ihm um seine Klapper, wenngleich nicht nur.

Generell kann man jedoch sagen, dass beim Flachschliff auf „Null geschliffen“ nicht die angesetzte Schneid- und auch nicht die zusätzliche Microfase gemeint ist, sondern die ganze Flanke oder doch wenigstens ein größer Flankenabschnitt.

Besondere japanische Kochmesser mit Flachschliff werden zuweilen derart auf Null geschliffen gefertigt und dann bei Abholung der gewünschte Schleifwinkel und deren Finish gesetzt. Oder auch dieses gleich dem Kunden überlassen.

Bei ballig auf Null gibt‘s hingegen ausser der Körnung für‘s Finish wenig Spielraum.

Thomas Froberg hat seine Klingen flach runter auf 0,3mm geschliffen und dann einen balligen Abschluss gesetzt. Seiner Meinung nach die beste Lösung für eine leichtschneidende und dennoch stabile Klinge.

Meine Herder 1922 sind erkennbar ballig an den Flanken und werden in der Regel, aber nicht immer, systemisch geschliffen. Sowohl Wetzen als auch ballig Nachschärfen mif Schleifpaier auf dem Schleifbock mit Gummiunterlage funktionieren gut, zeigen aber, dass diese Lösungen deutlich unregelmäßiger sind. Ein Nachschärfen mit System ist dann spürbar aufwändiger als ein rein systemisch gepflegtes Messer.

Flach auf Null bringt im Gegensatz zu ballig auf Null nur bei ausgesuchten Anwendungen einen Vorteil.

grüsse, pebe
 
Das mag korrekt sein, macht den Terminus aber beliebig und überflüssig.
...
Aber andererseits: Wenn hier das Ergebnis ist, dass "auf Null schleifen" schlecht definiert und eigentlich überflüssig ist, kann ich damit gut leben.
Darum ist es auch nicht verkehrt, das "auf Null" in Anführungszeichen zu setzen, weil es praktisch nicht möglich ist. Und nicht für jedes Messer sinnvoll, es auszureizen.
Das verhindern die feinsten Karbide, die wird kaum jemand ernsthaft anspitzen zu können behaupten wollen.
Es ist eine fachspezifische Floskel, mehr nicht.
 
Carbide oder nicht: Die Untergrenze, die mit Schleifmitteln zu erreich ist, liegt halt in der Größenordnung von ~50 nm oder so. Wo es nötig ist, kann man noch weniger (einstelliger Nanometerbereich) mittels spezieller Ätztechniken erreichen (z. B. beim AFM), das hat dann aber nichts mehr mit Messern zu tun. Da sind wir aber immer noch um zwei Größenordnungen weg vom theoretischen Minimum von einem einzelnen Atom
 
Thomas Froberg hat seine Klingen flach runter auf 0,3mm geschliffen und dann einen balligen Abschluss gesetzt. Seiner Meinung nach die beste Lösung für eine leichtschneidende und dennoch stabile Klinge.
grüsse, pebe
Wenn händisch also nicht mit System geschliffen wird gibt es immer eine leicht ballige Fase. Wenn man mit System schleift kann man mit dem Lasergoniometer 2 Punkte auf der Gradskala sehen, bei händischem Schliff immer eine leichte Kurve durch den Winkel auf der Gradskala.
 
Dass man in der physikalischen Welt nicht auf mathematisch Null schleifen kann, ist klar. Aber das hat nichts mit Karbiden zu tun.
Sondern?
"Auf Null" ist nur eine Floskel, was ist daran missverständlich? Niemand kann "auf Null" schleifen, egal womit. Die Karbide selbst sind das letzte Hindernis - material- und anwendungstechnisch. Das hat Roman schon vor 20 Jahren erklärt, warum es nicht geht. Um nichts anderes geht es: es ist technisch in der Praxis nicht möglich, mathematisch vllt. nur annähernd.
 
Du meine Güte, was ein Aufriss!

Der Regelfall ist doch, dass eine Klinge auf eine Reststärke mit mehreren Zehntel mm runtergeschliffen und dann erst eine Fase angebracht wird.

Auf Null steht dann einfach dafür, dass die Flanken in einem Punkt zusammentreffen. Wie breit der Punkt ist, spielt doch gar keine Rolle.

Das Finanzamt glaubt zuweilen auch, man habe Einkommen, weil 1x im Jahr Euro 0,01 zu Testzwecken auf dem Konto eingehen.

grüsse, pebe
 
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