Zwei Stähle aus Sheffield (UK), Wolfram Special und SF100

Taperedtang

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Hallo,

derzeit bietet das „Nordische Handwerk“ zwei Stähle aus Sheffield (UK) an. Es handelt sich um den sogenannten „Wolfram Special“, einen rostenden wolframlegierten Stahl und den „SF100“, einen rostträgen Stahl.
Der Wolfram Spezial ähnelt dem 1.2442 und beim SF100 sind Ähnlichkeiten zum AEB-L und 14C28N festzustellen.

Kennt jemand diese Stähle bereits bzw. hat schon Messer aus ihnen gebaut? Einschätzungen zu den Stählen und Erfahrungen würden mich sehr interessieren.


Gruß
Matthias
 
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Servus Matthias,

Schon diverse Erfahrungen sammeln können zwecks dem Wolfram Special?
Habe mir diesen auch letztens bestellt, doch jedoch auch keine Anhaltspunkte herausfinden können in Sachen Verhalten beim Härten, Bearbeiten etc...
Werde mich diesem Stahl erst Mitte Dezember widmen können. Bis dahin versuche ich noch ein paar Tipps oder Infos zu sammeln.

Ansonsten werde ich berichten(y)

Gruß Jürgen

 
Hallo Jürgen,

bei mir "ruht" der Wolfram Special auch noch. Allerdings habe ich schon einen Klingenrohling aus dem SF100 vorbereitet. Dieser Stahl soll ja dem AEB-L sehr ähnlich sein. Das Bearbeiten war nicht schwer, tatsächlich vergleichbar mit AEB-L bzw. 14C28N.

Der Wolfram Special wird bzgl. der Bearbeitung dem 1.2442 sehr ähneln, zumindest ist die Legierung fast identisch. Angaben zur Wärmebehandlung findet man für beide Stähle bei den Angeboten vom "Nordischen Handwerk".

Wie schon geschrieben, werde ich auch berichten. Ob das dieses Jahr noch klappt, kann ich allerdings noch nicht sagen.

Ein Bild vom SF100 Rohling

IMG_20230929_094422006.jpg


Gruß
Matthias
 
Schicke Grifform!

Dann bin ich mal gespannt wie es wird mit dem "Special"

Da die Materialstärke des Stahles nur 2mm beträgt, werde ich mal versuchen, nach dem Härten die Klinge zu bearbeiten. Jedoch sprechen die 64 HRC ein wenig dagegen ...
Vorsichtshalber bereite ich lieber noch 2 Klingen mit 0,4 mm Reststärke vor.

Wird sich herausstellen

Vielen Dank für deine Infos!
Gruß Jürgen
 
Ja, der Griff liegt super in der Hand! In der hinteren Ausbuchtung kommt bei meiner Handgröße genau der kleine Finger zu liegen. Das fühlt sich sehr stimmig an.

Deine Idee, die Klinge bis auf eine Schneidenstärke von 0,4 mm zu schleifen, ist gut! Sollte die Klinge sehr breit sein, kannst Du auch 1 mm stehen lassen, um sicherzustellen, dass sich die Klinge beim Härten nicht verzieht.

Die Klinge erst nach dem Härten zu bearbeiten, ist bei einer Stärke von 2 mm Quälerei. Ich rate davon ab, da Du auch permanent kühlen musst, um sicherzustellen, dass die Klinge nicht überhitzt und ihre Härte verliert. Die Klinge ab und zu ins Wasser zu halten, reicht hierbei nicht aus.

Gruß
Matthias
 
Plan war ne Minimalschmierung mit anzuschmeißen... Aber auf die Sauerei habe ich keine Lust mehr ....

Da mach ich es lieber wie du's mir vorschlägst (y)

Ich werde berichten, aber erst Ende des Jahres.

Danke dir nochmals.

Grüße
Jürgen
 
Hallo liebe Messerfreunde,

Leider habe ich es nicht früher geschafft, über den Wolfram Special Stahl zu berichten.

Aber endlich bin ich wieder auf der eigenen Couch und kann den ganzen Arbeits-, Weihnachts-, Neujahrs- und Urlaubsstress bissal hinter mir lassen...

Zum Special:

Verwendet wurde die 2mm Version.

Vorab war er im gelieferten Zustand gut zu bearbeiten, jedoch fühlt er sich recht "hart und spröde" am Bandschleifer an.
Trotzdem keinerlei Ausbrüche oder andere Schwierigkeiten.

Ausgangshärte habe ich nicht gemessen, aaaaber:

Da ich über diesen Stahl nicht viel Erfahrungsberichte oder ähnliches herausgefunden habe, war ich in Sachen Angaben der Wärmebehandlung seitens Nordischem Handwerk ein wenig skeptisch.

Demnach drei kleine Streifen herunter geschnitten und ohne zusätzliche Mittel (Härtefolie, Kohlegranulat oder andere Hilfsmittel) in einem elektrisch programmierbaren Härteofen erhitzt und in Öl abgeschreckt.


Erster Streifen bei angegebenen
810°C und 5min Haltezeit
->43 HRC (natürlich den Zunder abgeschliffen)
Mies....

Da das Ergebnis nicht ansatzweise in Richtung hart ging, bin ich gleichmal ein gutes Stück rauf mit allem gegangen

Zweiter Streifen
860°C und 15 min Haltezeit
-> 52 HRC

Naja...

Dritter Streifen
900°C und 15 min Haltezeit

67,5 HRC !!

Anschließend bei angegebenen 2x 200 °C angelassen und gewünschte und angegebenen 64 HRC erreicht!

Habe ich anschließend bei allen Kochmessern angewendet und ebenfalls überall bei 64 HRC gelandet.

Jedoch ist das Metall weiterhin sehr hart nach dem anlassen, was mich ein Kochmesser gekostet hat,...
Demnach den Übergang von Griff zum Rücken ein wenig mit dem Lötbrenner bearbeitet...
Desweiteren hatte ich bei keinem der Messer einen Härteverzug, obwohl ich diese auf 0,4mm ausgeschliffen hatte...

Soviel zu meiner Erfahrung mit dem Stahl.

Bin gespannt wie es bei euch so lief mit dem Special

Aber Resultat war ein Kochmesser, welches man ohne Probleme auf einen Gesamtwinkel von 34 Grad schleifen konnte.
Dieser Winkel war zwar nicht Notwendig, aber ich wollte einfach wissen...

Bin gespannt auf die Erfahrungs- und Langzeitberichte von meinen Freunden und Familie, wie sich der Stahl so in der Küche macht!

Beste Grüße und ein gesundes Neues
Jürgen

Vergessen schöne Bilder zu machen..

 
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Hallo Jürgen,

vielen Dank, für die Informationen zur Wärmebehandlung des Wolfram Spezial. Du hast einigen Aufwand betrieben, um geeignete Daten für die Wärmebehandlung des Wolfram Spezial zu erhalten. Die 810° C die durch das "Nordische Handwerk" zur Austenitisierung empfohlen werden erscheinen, aufgrund der Legierung des Stahls, auf den ersten Blick plausibel. Der 1.2442 der sehr ähnlich zusammengesetzt ist, soll mit 800° C bis 830° C gehärtet werden. Deine Testergebnisse haben mich überrascht.

Leider bin ich noch immer nicht dazu gekommen den Wolfram Spezial zu bearbeiten. Aber ich werde es wie Du halten und erst einmal Tests durchführen. Ich bin schon jetzt gespannt, ob ich mit meinem Ofen ähnliche Ergbnisse erzielen werde wie Du.

Viele Grüße und auch für dich ein gesundes neues Jahr

Matthias
 
Kurzes Update zum SF100. Ich habe meinen Klingenrohling wie folgt wärmebeandelt: Härtetemperatur 1080° C (in Härtefolie verpackt), Ofenzeit 13,5 min, Abschrecken in ca. 60°C erwärmtem Durixol 25, 1 h tiefkühlen mit Trockeneis, 2 x 2 h anlassen bei 200°C.

Das von Herbert gemessene Ergebnis der Härteprüfung: 62,3° HRc. Mit diesem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Jetzt muss sich nur noch zeigen, wie sich die Klinge in der Praxis schlägt. Sobald das Messer fertig ist werde ich weiter berichten.

Aufgrund der von @Stumpen089 festgestellten, stark abweichenden Ergebnisse zur vom "Nordischen Handwerk" vorgeschlagenen Wärmebehandlung des Wolfram Special, habe ich auch einige Tests durchgeführt. Die Proben sind auf dem Weg zu Herbert zur Härteprüfung. Sobald die Ergebnisse hierzu vorliegen, werde ich auch berichten.

Gruß
Matthias
 
Ich bin sehr gespannt auf Deine Tests und die Ergebnisse Matthias.
Wie Du schon geschrieben hast, sollte die Wärmebehandlung eigentlich auf Grund der sehr ähnlichen Zusammensetzung wie beim 1.2442 nicht so dramatisch abweichen, wie Du es, Jürgen, festgestellt hat.
900° mit 15min Haltezeit ist schon ne Ansage - da kommt man ja schon langsam in den Bereich der hoch legierten Stähle ;)

Nicht falsch verstehen, ich bezweifele nicht Deine Ergebnisse Jürgen, ich kann sie mir nur nicht erklären.

Den Stahl finde ich grundsätzlich sehr interessant, vor allem da die Verfügbarkeit von 1.2442 langsam zur Neige geht (ich habe zum Glück noch einiges davon auf Lager, aber auch das wird ja nicht mehr :) )

VG
Olaf
 
Ehrlich gesagt, hats mich auch gewundert...
Aber wie schon erwähnt, freue ich mich auf eure Erfahrungen und Tests!
Klar, es ist nie ausgeschlossen, dass mir ein Fehler unterlaufen ist, da ich dieses "Hobby" erst vor kurzem für mich entdeckt habe.
Bislang kam nur gutes Feedback meiner Kochmesser zurück, jedoch sind meine Probanden eher Leien, welche bei dem Wort "scharf" an eine Geschmacksrichtung und nicht wie wir, an ein Messer denken, welches Raum und Zeit teilen kann😄

Ich bin jetzt seit etwas über einem Jahr ein stiller Mitleser gewesen, da ich nicht ansatzweise die Ahnung besitze wie manch Koryphäe in diesem Forum und mit meinem Halbwissen lieber lerne als zu Lehren.
Trotzdem wollte ich meine kleine Erfahrung im Bereich des Specials euch nicht vorenthalten.

Ich selber habe nur ein kleines "Allzweck"küchenmesser aus dem Wolfram Special und muss sagen, es macht Spaß!
Schärfe bleibt lange erhalten, und abziehen auf nem Stahl/ oder Leder bringt wieder Rasur schärfe.
Keine Ausbrüche oder andere Ärgernisse.
Jedoch würde ich beim nächsten einen Schneidenwinkel von 20Grad verwenden, da 17 ein wenig zu fein für ein "Allzwecker" ist...

Beste Grüße
Jürgen
 
So, die Wolfram Spezial Proben sind von der Härteprüfung zurück. Was soll ich sagen, ich bin ratlos! Die Ergebnisse sind ähnlich seltsam, wie die von Jürgen. Ich habe auch drei Streifen wärmebehandelt.

1. Streifen: Austenitisierungstemperatur 820° C, 8 min. Ofenzeit, abschrecken in auf ca. 60° erwärmtem Durixol 25, 2 h im Gefrierschrank bei -28° C, 2 x2 h anlassen bei 175° C. Durchschnittswert von drei Messungen: 55,7° HRc.

2. Streifen: Austenitisierungstemperatur 850° C, 8 min. Ofenzeit, abschrecken in auf ca. 60° erwärmtem Durixol 25, 2 h im Gefrierschrank bei -28° C, 2 x2 h anlassen bei 175° C. Durchschnittswert von drei Messungen: 50,8° HRc.

3. Streifen: Austenitisierungstemperatur 880° C, 8 min. Ofenzeit, abschrecken in auf ca. 60° erwärmtem Durixol 25, 2 h im Gefrierschrank bei -28° C, 2 x2 h anlassen bei 175° C. Durchschnittswert von drei Messungen: 49° HRc.

Besonders seltsam ist die fallende Härte bei steigender Austenitisierungstemperatur. Ich habe zwischenzeitlich schon viele, sehr unterschiedliche Stähle wärmebehandelt. Bei Anwendung der vorgeschlagenen Daten zu Wärmebehandlung habe ich bis jetzt immer brauchbare, gute oder sogar sehr gute Ergebnisse erzielt. Ich habe den Wolfram Spezial beim "Nordischen Handwerk" gekauft und habe dort die Anfrage gestellt, ob dort ein offizielles Datenblatt des Stahls vorliegt und darum gebeten, falls das der Fall ist, mir dieses zur Verfügung zu stellen.

Jürgens Versuch mit einer Austenitisierungstemperatur von 900° C, bei einer Haltezeit von 15 min., war bei ihm ja bzgl. der erreichten Härte erfolgreich. Ich bin gespannt, was es für eine Rückmeldung bzgl. Schnitthaltigkeit und Schneidkantenstabilität gibt.

Gruß
Matthias
 
Ich kenne die Vorgeschichte des Stahls nicht, aber das liest sich so, als ob sich bei der Verarbeitung viel Wolframkarbid WC gebildet hat. Das reduziert die Menge an Kohlenstoff, welche für die Martensitbildung zur Verfügung steht. Um das WC zu lösen (wenn überhaupt) braucht es deutlich höhere Temperaturen. Aus dem Grund sollte man Wolframstähle nicht ewig lange glühen.

Gruß
Klaus
 
Vielen Dank für Deinen Test @Taperedtang !
Die Ergebnisse sind erstaunlich und zumindest für mein metallurgisches Wissen unerklärlich.

Die These von Dir @klausdm finde ich interessant, aber erklärt nicht die fallende Härte bei steigenden Temperaturen.
Angenommen es wäre bei der Herstellung viel primär WC gebildet worden, dann würde der wenig verbliebene C für die Martensitbildung die verhältnismäßig geringe Härte erklären.
Trotzdem müsste sich mit steigender Temperatur eine höhere Härte ergeben, da mehr C in Lösung geht.
Weiteres WC wird sich bei der Temp und Haltedauer nicht bilden können.

Bin gespannt wie es weiter geht!

VG Olaf
 
Mittlerweile haben xtorsten, Taperedtang, Moridin und ich einige Versuche zu dem merkwürdigen Verhalten des Stahls Wolfram Special durchgeführt.
Ich hänge unseren in gemeinsamer Diskussion entstandenen Aufsatz mal unten als pdf an, denn wenn versuche, das Original (word-Datei) zu kopieren und hier einzufügen, werden die Bilder nicht dargestellt.
Also, Anhang lesen, und dann diskutieren wir weiter.
Besten Gruß
Herbert
 

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  • bericht untersuchungen wolfram speciala.pdf
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Nach "Owl Knife"🙂 wäre interessant zu wissen, wo die Kurve von Härteeinnahme runter geht und kurz bevor auf dem ansteigendem Ast die optimale Härte liegen würde.
 
@Dimm Ja, das wäre auch interessant, eine ganze Versuchsreihe wäre das. Vorhandenen und reparierten Werkstoff bei Temperaturen oberhalb von 880 Grad (Versuchsreihe von Matthias) zu härten bis 1050 Grad. Ist aber viel Arbeit.
 
@Dimm Ja, das wäre auch interessant, eine ganze Versuchsreihe wäre das. Vorhandenen und reparierten Werkstoff bei Temperaturen oberhalb von 880 Grad (Versuchsreihe von Matthias) zu härten bis 1050 Grad. Ist aber viel Arbeit.

Ja, lieber weniger arbeiten🙄🙂 (es war nur Spaß)
 
Aber interessant ist es trotzdem. So könnte man testen, ob man und bei welcher Temperatur man mit einem Härtevorgang einen verglühten Stahl gut härten kann, und auch, ab wo man mit Erweichung durch Restaustenit rechnen muss.
Ich fürchte fast, dass man schon bei 880 Grad damit rechnen muss, so würde sich auch der von Taperedtang gefundene Verlauf erklären.
 
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