Ich hab´ein Wostenholm!

fshamburg

Premium Mitglied
Hallo
Vor einigen Tagen entdeckte ich auf einem Flohmarkt in der Lüneburger Heide ein paar Rasiermesser. Auf einem las ich "Wostenholm":). Als Bowie-Fan sofortige Pulsbeschleunigung :glgl: und Sofortkauf für 15€ :super:. Ich meinte nun das ganz große Schnäppchen aus Sheffield gemacht zu haben. Ein Blick in den Recktenwald (Bowie Messer) ergab: Das nicht zugehörige Schächtelchen ist wahrscheinlich mehr wert als das Messer:irre:. Unter dem Namen Wostenholm und dem legendären I*XL wurden wohl bis 1983 Messer produziert. Zumal mein Exemplar simple schwarze Schalen mit Kunststoffanmutung trägt. Die Firma A.J. Jordan hingegen existierte nur von ca. 1886 - 1929:lach:.
So war ich also für ein paar Stunden Besitzer eines seltenen, einmaligen, westernmäßig authentischen Messers zum Superschnäppchenpreis mit Garantie zur Wertsteigerung... bis ich eines Besseren belehrt wurde:(. Einen Riesenspaß hat´s trotzdem gemacht:steirer:.
Wenn Ihr Infos habt: Raus damit!
Gruß Frank
 

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ingelred

Mitglied
Hallo,

die Tatsache, dass die Griffschalen aus Kunststoff sind, muss nicht unbedingt heißen, dass das Messer neu ist. Schließlich wurde Zelluloid schon 1856 erfunden. Zudem sind Kunststoffgriffschalen bei Rasiermessern von Vorteil, da sie im Gegensatz zu Naturmaterialien bei Kontakt mit Wasser nicht aufquellen. Auch über den Zustand kann man nur schwer auf das Alter schließen. Was aber für eine neuere Fertigung des Rasiermessers spricht, ist der Klingenschliff. Einen Übergang zur eigentlichen Klinge, wie er auf Bild 2 zu sehen ist, kenne ich nur von neueren, industriell hergestellten Rasiermessern.

Gruß, Helge
 

Bushman

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Hallo Frank,

ein schönes Teil u. für 15 € auf jeden Fall ein Schnäppchen, ich hätte es auch gekauft. Falls die Klinge rostfrei ist, kann das Messer nicht uralt sein.
Auf jeden Fall ein guter Kauf.

Grüße,
Bushman
 

Sven

Mitglied
15€ sind ein guter Preis. Die Klinge scheint mir noch in einem guten Zustand zu sein und ist durch die geringe Breite eine gute Anfängerklinge.
Falls du den Bakelit-Griff nicht magst dann mach dir halt einen Neuen :)
Gute Rasiermesser MUSS man einfach mitnehmen und ihnen ein ordentliches zuhause geben:D

Ciao Sven
 

fshamburg

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Wow! Original? Replika? Baujahr? Wo gekauft? Materialien? Laß uns nicht hungern.
Gratulation zu dem Sahnestück.
Gruß Frank
 

Gerd Sch.

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Danke!
Ich glaube schon das es ein Originalstück ist, Ich habe es mit einer amerikanischen Pulverflasche vor ca. 30 Jahren erworben. Der Griff ist mit Hornplatten versehen. Gesamtlänge ca. 40 cm. Ich habe noch ein Bowie das noch größer ist, dieses finde ich allerdings von der Form gelungener. Ich stelle das andere mal nachher rein.
 
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Gerd Sch.

Mitglied
So, das ist das andere Bowie von W&S Butcher. Länge gesamt: 44 cm!! Griff auch mit Hornplatten, wie das von Wostenholm. Parierschutz zur Klinge mit Lederscheibe, der Griff ist wohl Neusilber. Dieses ist auch in dem Buch "American Knives" von Harold L. Peterson auf Seite 42 abgebildet.
Das andere ist ein Arkansas Toothpick mit Beingriff und Eisen-Abschluss und -Parierschutz. Länge 32 cm.
Die Pulverflasche, (wen es interresiert) ist auch aus geformten Hornplatten, der Rest aus Messing.
Wie gesagt alles mal vor ca. 30 Jahren erworben (eine Rolling Block war auch noch dabei)
Gerd
 

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Gerd Sch.

Mitglied
Da ich eventuell eines der beiden Originalen Bowies verkaufen möchte, hat jemand eine Idee, was sowas Wert ist?
Gerd
 

ingelred

Mitglied
Da ich eventuell eines der beiden Originalen Bowies verkaufen möchte, hat jemand eine Idee, was sowas Wert ist?
Gerd

Hallo,

ich spiele nur ungern den Spielverderber, aber ich würde sagen wenig. Ich bezweifele, dass es sich bei den Bowies um Originale handelt. Dafür muss ich weiter ausholen. In Sheffield wurden im 19. Jh. Messer hergestellt, die sich in ihrer Qualität mit heutigen Customs durchaus messen lassen können bzw. diese z.T. sogar übertreffen. Insbesondere
Wostenholm war für die hohe Qualität seiner Messer bekannt. George Wostenholm war bei seinen Arbeitern für seine Pingeligkeit bekannt und gefürchtet (vgl. Geoffrey Tweedale: "The Sheffield Knife Book - A History and Collector's Guide"). Wenn ich mir nun das "Wostenholm-Bowie" anschaue, dann graust es mir bei den Bildern. Insbeondere der Firmenstempel ist von schlechter Qualtät. Die Buchstaben sind nicht ausgerichtet, nicht gleichmäßig in der Tiefe und die Kanten nicht gleichmäßig. Weiterhin fehlt die berühmte Marke I XL, die von vielen Firmen nachgemacht wurde. Bilder von Messern mit originaler Wostenholm-Stempelung findet man viele bei Norm Flaydermann: "The Bowie Knife" (S. 17, S. 363, S. 365), Geoffrey Tweedale: "The Sheffield Knife Book - A History and Collector's Guide" (S. 302 f), Bernard Levine: "Levine's Guide to Knives and their Values" - vierte Ausgabe (s. 326) oder "Sheffield Exhibition Knives" editiert vonBill Adams (S. 105 - 169). Zum einen sind alle abgebildeten Messer außer mit George Wostenholm irgendwo auch mit I XL gemarkt, zum anderen sind die abgebildeten Messer qualitativ offensichtlich sehr hochwertig und weit von dem hier diskutierten Messer entfernt. Dito für das "Butcher-Bowie", auch hier ist die Stempelung qualitativ minderwertig und nicht auf Sheffield-Niveau. Auch scheint die Qualtiät des Messers nicht allzu hoch zu sein, jedenfalls weit unter der Verarbeitung, für die Sheffield im 19. Jh. bekannt war. Weiterhin stört mich, dass beide Messer offensichtlich gleiche Kontruktionsmerkmale (Stempelung, Verarbeitung z.B. von den Parierelementen, diese ist im übrigen auch bei beiden eher minderwertig, Schliff, ebenfalls eher minderwertig) aufweisen, sowie vom Zustand her nicht stimmig sind. Die Klingen scheinen bei beiden Korrosionsspuren aufzuweisen, die Griffe sind aber vergleichsweise gut erhalten. Das passt nicht. Ich könnte noch weitere Dinge aufzählen, die mich stören, aber das genannte reicht fürs erste.

Sollte ich hier jemanden enttäuscht haben, tut es mir Leid, trotzdem beste Grüße, Helge
 

Gerd Sch.

Mitglied
Hallo Helge!
Ich bin weit enfernt enttäuscht zu sein. Das Griffmaterial ist auch nicht in optimalem Zustand, eher das Gegenteil. Da ich beide Bowies zu unterschiedlichen Zeiten und in unterschiedlichen Geschäften erworben habe, glaube ich kaum das man beide über einen Kamm scheren kann. Wenn ich überlege wie alt die Dinger sind, und mit Sicherheit schon mal nachgearbeitet wurden, kann ich Deine Kritik nicht ganz verstehen. Zumal man auf den Fotos nicht so viel erkennen kann. Eine Replika oder ein nie benutztes Messer aus der Zeit sehen bestimmt anders aus. Hast Du schon mal ein Messer oder eine Feuerwaffe aus dieser Zeit in der Hand gehabt? Wohlgemerkt meine ich einen benutzten Gegenstand, kein Vitrinenstück.

Marcus, Danke für den Tip!

Gerd
 
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ingelred

Mitglied
Hast Du schon mal ein Messer oder eine Feuerwaffe aus dieser Zeit in der Hand gehabt? Wohlgemerkt meine ich einen benutzten Gegenstand, kein Vitrinenstück.

Marcus, Danke für den Tip!

Gerd

Hallo Gerd,

viele Messer, aus vielen Ländern, viele davon auch in (z.T.) stark benutztem Zunstand.
Von Schusswaffen habe ich keine Ahnung.

Gruß, Helge
 

Wolfgang Dell

Mitglied
Hallo,

ich spiele nur ungern den Spielverderber, aber ich würde sagen wenig. Ich bezweifele, dass es sich bei den Bowies um Originale handelt. Dafür muss ich weiter ausholen. In Sheffield wurden im 19. Jh. Messer hergestellt, die sich in ihrer Qualität mit heutigen Customs durchaus messen lassen können bzw. diese z.T. sogar übertreffen. Insbesondere
Wostenholm war für die hohe Qualität seiner Messer bekannt. George Wostenholm war bei seinen Arbeitern für seine Pingeligkeit bekannt und gefürchtet (vgl. Geoffrey Tweedale: "The Sheffield Knife Book - A History and Collector's Guide"). Wenn ich mir nun das "Wostenholm-Bowie" anschaue, dann graust es mir bei den Bildern. Insbeondere der Firmenstempel ist von schlechter Qualtät. Die Buchstaben sind nicht ausgerichtet, nicht gleichmäßig in der Tiefe und die Kanten nicht gleichmäßig. Weiterhin fehlt die berühmte Marke I XL, die von vielen Firmen nachgemacht wurde. Bilder von Messern mit originaler Wostenholm-Stempelung findet man viele bei Norm Flaydermann: "The Bowie Knife" (S. 17, S. 363, S. 365), Geoffrey Tweedale: "The Sheffield Knife Book - A History and Collector's Guide" (S. 302 f), Bernard Levine: "Levine's Guide to Knives and their Values" - vierte Ausgabe (s. 326) oder "Sheffield Exhibition Knives" editiert vonBill Adams (S. 105 - 169). Zum einen sind alle abgebildeten Messer außer mit George Wostenholm irgendwo auch mit I XL gemarkt, zum anderen sind die abgebildeten Messer qualitativ offensichtlich sehr hochwertig und weit von dem hier diskutierten Messer entfernt. Dito für das "Butcher-Bowie", auch hier ist die Stempelung qualitativ minderwertig und nicht auf Sheffield-Niveau. Auch scheint die Qualtiät des Messers nicht allzu hoch zu sein, jedenfalls weit unter der Verarbeitung, für die Sheffield im 19. Jh. bekannt war. Weiterhin stört mich, dass beide Messer offensichtlich gleiche Kontruktionsmerkmale (Stempelung, Verarbeitung z.B. von den Parierelementen, diese ist im übrigen auch bei beiden eher minderwertig, Schliff, ebenfalls eher minderwertig) aufweisen, sowie vom Zustand her nicht stimmig sind. Die Klingen scheinen bei beiden Korrosionsspuren aufzuweisen, die Griffe sind aber vergleichsweise gut erhalten. Das passt nicht. Ich könnte noch weitere Dinge aufzählen, die mich stören, aber das genannte reicht fürs erste.

Sollte ich hier jemanden enttäuscht haben, tut es mir Leid, trotzdem beste Grüße, Helge



Hallo Helge, deinem Beitrag ist eigentlich nichts hinzuzufügen! Absolut korrekt und spitze recherchiert! Bravo!!
Ich kann dir nur zustimmen.
Einer der besten Bowiekenner ist und bleibt Norman Flayderman, er hat vermutlich (hatte) die größte Sammlung der Welt. Ich baue derzeit zwei Bowies aus seiner Sammlung nach, habe von ihm die Maße erhalten. Keine Fälschungen, sondern Nachbauten. Levine ist sicher auch ein guter Tipp.
Und ganz nebenbei, ich besitze originale alte "Feurwaffen" (Legalwaffenbesitzer natürlich!) die sehen aus wie neu und nicht so abgenudelt und verschliffen wie die beiden gezeigten Bowies, die alt sein können, aber sicher keine originalen Teile sind. Und jene alten originalen Bowies die ich schon in den Händen hatte waren um Klassen besser obwohl auch stark gebraucht. Wobei sich mit Sicherheit nur sagen lässt ob oriignal oder nachgemaccht, wenn man diese in Augenschein nehmen kann. Im übrigen liegen die Bowies, die originalen, teilweise bei bis zu US $ 100.000,- und darüber...........

Auf jeden Fall sind die Formen der beiden Messer sehr interessant und durchaus üblich für die damalige Zeit. Für einen Liebhaber des alten Westens sicher eine Bereicherung seiner Sammlung vorausgesetzt er hat nicht zu viel dafür auf den Tisch legen müssen.
Es grüßt euch alle
Wolfgang
 

fshamburg

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Es fehlten noch die Bilder vom Jordan-Schächtelchen.
Gruß Frank
 

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gast

Gast
Verschoben: Ich hab´ein Wostenholm!

Hi,

ich habe den Thread mal nach Vintage Knives verschoben - mit einem Galerie-Thema hat es ja wohl nix mehr zu tun, oder?

Schon erstaunlich, wie man von einem Rasiermesser zu einer angeregten Unterhaltung über alte Bowie-Knives kommen kann... ;)


Gruß
pevau57