One Knife, one LoveđŸ«¶đŸ»

Ganz am Rande: In Österreich wurde ich mal von einem Förster bzgl. dieses Puma Outdoor angesprochen: "Wissens eh, des dös meldepflĂŒchtig is?" Wusste ich nicht, glaub ich auch nicht...
 
Mir ist heute so sentimental, seufz.
Nach meiner Erzieherausbildung war meine erste Festanstellung, 1984, eine Stelle in einem Hort in Berlin-Wilmersdorf. Die Kinder von 6-12J. kamen nach oder vor der Schule in unsere Einrichtung. Die Jungs bemerkten schnell, dass ich tĂ€glich ein Messer dabei hatte. Neugierig wie sie waren, wollten sie tĂ€glich sehen welches Messer ( damals war meine Sammlung noch seeehr ĂŒberschaubar) ich dabei habe- als sie mein Sortiment genauer kannten, wĂŒnschten sie sich bestimmte Messer fĂŒr den nĂ€chsten Tag.
Oft gewĂŒnscht war dieser weiße Buck 110 Abklatsch von Magnum.
Von den Jungs kam ĂŒbrigens auch der Spruch, der hier öfters aufploppt-
Ich wurde eines Tages gefragt, welches Messer ich dabei hÀtte. Mit Schrecken stellte ich fest, dass ich in der Eile des Morgens vergessen hatte ein Messer einzustecken.
Danach hallte der Ruf „Reini ist heute nackend“ durchs HausđŸ€Ł
Es war eine schöne Zeit mit den frechen Berliner GörenđŸ„°
IMG_4487.jpeg
IMG_4488.jpeg
 
Erstmal ein Dankeschön an Excalibur fĂŒr den Anstoß zu diesen gefĂŒhlvollen Messergeschichten voller Erinnerungen! Mein „One-Knife-One-Love-Messer“ ist relativ jung, sowohl im Vergleich zu mir als auch im Vergleich mit vielen zuvor in diesem Thread gezeigten „Never-Give-Aways“. Egal, es hat Geschichte zu erzĂ€hlen und es wird in Ehren gehalten, weil es meine Begeisterung fĂŒr die Messerwelt ausgelöst hat.

Wir waren 2019 zu einem Besuch in Sallanches, dort gab es damals (vielleicht immer noch) die Armurerie Gex Dumez, ein Jagd- und WaffengeschĂ€ft. Als wir es zufĂ€llig entdeckten und reingingen war der EigentĂŒmer schon am RĂ€umen, um seine Mittagspause zu machen. Jedenfalls kamen wir ins GesprĂ€ch, seine Mittagspause wurde verschoben und wir gingen spĂ€ter mit einem gekauften Filzhut sowie einem Messer und viel Hintergrundwissen dazu aus dem Laden. Hier ein Foto dieses „One-Knife-One-Love-Messers“.

DSC06585.JPG


Es ist ein Couteaus Des Alpes (L’Alpin). Diese Variante des klassischen französischen Regionalmessers wurde entworfen und entwickelt von Robert Beillonnet (Meilleurs Ouvrier de France in 1997 und 2000) in Zusammenarbeit mit Gilles Steinberg und Yann Delarboulas (Fontenille Pataud) sowie Bernard Piekolek (Le Couteau Savoyard). Im Jahr 2011 wurde es zum besten französischen Messer gewĂ€hlt.

DSC06587.JPG


Die Klinge hat eine LĂ€nge von 90 mm und besteht aus Sandvik 12C27. Sie ist – in diesem Fall - mit einem kleinen Schornsteinfeger, dem Wahrzeichen der Savoyen, verziert. Der Griff besteht aus Ebenholz. Die eleganten Feilarbeiten am RĂŒcken der Feder sind Handarbeit. Die Entriegelung erfolgt durch Druck auf das hinten ĂŒberstehende Ende der Feder.

Genau dieses Alpin gibt es ungewöhnlicherweise mit zwei Klingenstempeln. Neben „meiner“ Variante mit der KlingenprĂ€gung "Le Couteaux Des Alpes" und einem kleinem Schornsteinfeger (dem Wahrzeichen der Savoyen), gibt auch eine Version mit "Le Saint Bernard" und dem Fass, die Virgil4 hier gezeigt hat.

Jedenfalls hat mich dieser Besuch und dieses Messer so begeistert, dass ich mich inzwischen als messersĂŒchtig bezeichnen könnte. Besondere Freude macht mir dabei das Eintauchen in die HintergrĂŒnde zum jeweiligen Messer. Manche dieser Entdeckungs-Messergeschichten haben einen Platz hier im Forum gefunden. Das Alpin war der Anfang.
 
Schöne Geschichte, RFBđŸ„°
Ich schrub ja eingangs, es geht vor allem um „the story behind“.
Eigentlich erzÀhlt jedes Messer irgendeine Geschichte, man muss sie nur wachen Auges sehen und niederschreiben.
Ich bin messertechnisch auch recht frankophil aufgestellt, in der FĂŒlle der verschiedenen regionalen Messer ist das Modell Alpin tatsĂ€chlich mein Lieblingsmodell.

Merci fĂŒr die schöne Geschichte, die dann auch noch - zum GlĂŒck- die InitialzĂŒndung fĂŒr Deine Messerleidenschaft wurde.
Ohne diese Infektion hÀtten wir hier im Forum einiges verpasst.
 
Zuletzt bearbeitet:
Besondere Freude macht mir dabei das Eintauchen in die HintergrĂŒnde zum jeweiligen Messer.
Genau so ergeht es mir auch. Ich liebe die Geschichte hinter dem Messer. Ohne diese Geschichten wÀren Messer bloss Werkzeuge. Sobald jedoch Geschichten und Erlebnisse mit einem Messer untrennbar miteinander verbunden sind, werden diese Messer zu einem Teil von einem selbst. Weggeben unmöglich, wie sollte man sich sonst an die gemeinsame Zeit und an all die Abendteuer erinnern können.
Vielen Dank fĂŒr deine Geschichte.

Gruss Ulli
 
ZurĂŒck