Richtig kleben

mikromeister

Mitglied
Ein Tipp zum genauen Mischen der Kleberkomponenten:

Erste Wahl ist natürlich eine genaue Waage, die hat aber nicht jeder.

Zweite Wahl ist das Abmessen mit Spritzen. Gerade die 1ml Insulinspritzen sind sehr genau für kleine Mengen. Leider funktioniert das nur bei halbwegs dünnflüssigen Klebern.

Für 1:1 Kleinmengen von z.B. UHU Plus gehe ich so vor.
Ich drücke beide Kleberkomponenten gleichzeitig direkt nebeneinander in die Mischwanne. Die beiden Kleckse verlaufen etwas und bilden zusammen ein Oval mit sichtbarer gerader Trennlinie in der Mitte. Beide Teile laufen sehr schön gleich hoch aus und man kann per Augenmaß erstaunlich gut erkennen ob die Trennlinie genau in der Mitte ist.
Gegebenenfalls kann man jetzt noch eine Komponente nachdosieren bis alles exakt stimmt.
Da die Kontaktfläche der Komponenten sehr klein ist hat man auch keine Probleme mit der Aushärtung bevor man mit dem Verrühren begonnen hat.
Warum ich weiss dass das Verfahren genau ist?
Erstens gehen die Tuben am Ende bei mir immer praktisch perfekt 1:1 auf.
Zweitens ist die Korrekturmenge einer Komponente immer sehr klein und doch sieht man einen Unterschied an der Trennlinie.
 
Ich habe zum Thema "Richtig kleben" eine Frage. Gibt es bei vollflächiger Verklebung von Hornschalen (Hirsch) auf Vulkanfiber mit UHU Endfest 300 etwas zu beachten? Meine Sorge ist, dass trotz aufrauhen und oberflächiger Entfettung die Klebefläche mit der Zeit den Geist aufgibt. Horn enthällt nach meinem Wissen fettende Substanzen.

Gruß Wolfram
 

moose

Mitglied
schliese mich an: kleben von horn, knochen, holz alles mehr oder weniger fetthaltig, wie vorbereiten.
geht natronlauge? wird im holzbogenbau genommen um fettige hölzer wie osage zu entfetten für sehnenbelag. oder reicht ata? käme mir sehr entgegen, die azetonpanscherei stört mich schon lang.
moose
 

Carnivor

Mitglied
Bei meinem nächsten Projekt möchte ich auch mal versuchen, die Griffschalen zu verkleben. Dazu habe ich folgende Frage:

Wenn eine Griffschale auf die Klinge geklebt werden soll, nutzt ihr die komplette Fläche zum Kleben, oder wird zum Beispiel nur der Rand bestrichen?

Wenn ich zum Beispiel ein Foto auf Papier klebe, bestreiche ich ja nicht das komplette Bild (Klebestift mal außen vor gelassen), sondern nur den Rand und zum Beispiel eine "Schlangenlinie" in der Mitte.

Wird beim Messergriff die komplette Fläche zum Beispiel mit einer Art Spachtel mit Kleber bestrichen, sollte ja die Klebung theoretisch besser halten...
 

xxa

Mitglied
@Carnivor!

Wird beim Messergriff die komplette Fläche zum Beispiel mit einer Art Spachtel mit Kleber bestrichen, sollte ja die Klebung theoretisch besser halten...
Schon mal an eine feine Zahnspachtel gedacht?
Hält nicht nur theoretisch sondern auch praktisch besser :haemisch:

Grüße aus A von

xxa/Franz
 

luftauge

Mitglied
Ein Foto möchte man ggf. irgendwann entfernen, ohne das Album zu beschädigen, aber ein Messergriff soll etwas länger halten :D
Die Luft unter/innerhalb der Verklebung ist nicht zu unterschätzen, die sollte möglichst nicht vorhanden sein.
edit:
|
V
Die Luft innerhalb/unter der Verklebung kann sich ausdehnen, Feuchtigkeit darin kann wirksam werden, und ggf. kann der Griff irgendwann anfangen, zu knacken oder knirschen, wenn sich da irdendwelche Arbeit im Griffmaterial etwickeln sollte - war oben etwas sparsam beschrieben...
Ein Bild im Album soll ja auch die Bewegung des Papiers mitmachen, wenn man umblättert, beim Messergriff wäre das wohl eher ein KO-Kriterium... :glgl:

Gruß Andreas
 
Zuletzt bearbeitet:

Carnivor

Mitglied
Ich habe noch zwei Frage zur Auswahl des richtigen Klebers:

Was ich hier im Forum so gelesen habe, verwenden die meisten Epoxidharz. Was spricht gegen ganz normalen Cyanacrylat-Sekundenkleber? Erzielt man hiermit nicht die notwendige Festigkeit?

Es gibt ja Kleber die flüssig, und welche, die gelig sind (bei Epoxidharz auch?). Mit den flüssigen läßt sich einfacher die komplette Fläche bestreichen, gelige Kleber tropfen nicht. Was verwendet ihr?
 

SimonSambuca

Mitglied
Hi,

also mit einem Sekundenkleber zu arbeiten dürfte recht stressig werden... da beppt dir wahrscheinlich die Spachtel beim Auftragen schon an :irre:

Man könnte sagen der "Standart" Kleber hier im Forum ist der "Uhu Endfest 300". Der ist einer der Besten und man bekommt ihn fast Überall. Auch die Verarbeitungs- und Trocknungszeit liegt in einem sehr vielseitig einsetzbaren Bereich.

Genau hier liegt auch meist der größte Unterschied bei den Harzen und Härter. Da gibt es zähere und sehr schnell ziehende (Minuten) und sehr flüssige die aber auch sehr lange brauchen bis sie belastet werden dürfen (Tagen). Die Konsistenz ist aber auch eine Frage der aktuellen Temperatur, je wärmer um so flüssiger. Ich weiß aber nicht ob es ein richtig geliges gibt?

Aber auch dran denken, es gibt Kleber die gutmütig bei der Mischung sind und es gibt welche die man ultra genau Mischen muss.

Also ich persönlich würde beim Verkleben von Griffen keinen schnell ziehenden Kleber empfehlen, wenn da mal die Zeit knapp wird hat man schnell viel versaut.

Wie gesagt, ich würde dir den Endfest mal ans Herz legen.

Gruß

Simon
 

Flaming-Moe

Mitglied
Mit dem 5 Minuten-Epoxy von R&G hatte ich mal nach dem Anrühren in einem Filmbehälter ein lustiges Erlebnis. Stand so ne Minute rum, wurde dann sehr schnell sehr heiß und schlagartig hart.
Da ist der 2-K-Kleber mit längerer Topfzeit doch einiges gutmütiger.
 

Eukalypt

Mitglied
Ein paar eindrücke zu Epoxydharzen/-klebern.

Ich arbeite jetzt seit mehreren Jahren mit dem L-Harz mit L-Härter Epoxydharzsystem von R&G, welches sich sehr gut bewährt hat. Es ist ein 24 Stunden Epoxydharz welches durch zugabe von Tixotrofiermittel oder Baumwollflocken in der Konsistenz eingestellt werden kann. Das hat vor allem bei Griffschalen Vorteile weil das Harz nicht davon läuft. Zudem kann es mit Epoxydfarbpasten oder Pigmenten eingefäbt werden. Der Große vorteil gegenüber den üblichen 5Min. Harzen ist die recht lange Verabeitungszeit von ca. 40 Min, und die wesentlich höhere endfestigkeit bei guter Schlagzähigkeit, auch solte die Polierfähigkeit nicht unterschätzt werden. Bei 5 Min. Epoxyd hatte ich immer das Problem das es auspoliert und matt erschien, das L-Epoxydharz lässt sich wesentlich besser polieren.

Derzeit teste ich gerade den Epoxydharzkleber E von R&G, er ist wesentlich Schlagzäher und beim Mischen muss weniger auf die Sosierung geachtet werden, da das Mischverhältniss einen gewissen bereich, welcher die Endfestigkeit bestimmt steuert. Genaue erfahrungen hierzu muss ich noch sammeln und werde sie hier später miteinbringen.


Schöne Grüße, David
 

alexonline

Mitglied
Als Unternehmen beschäftigen wir uns fast ausschließlich mit dem Thema Klebetechnik. Da ist es sehr interessant wie professioniel hier mit dieser Technologie umgegangen wird. Mancher Industriebetrieb hat nicht dieses Fachwissen. Einige Punkte würde ich gerne noch ergänzen bzw. komentieren.

Das eine Oberfläche im optimalen Fall perfekt vorbereitet, d.h. angeschliffen und gereinigt sein sollte ist absolut korrekt. Allerdings werden heute bereits hochsensible Verklebungen im Automobilbau auf öligen Oberflächen vorgenommen. Allerdings werden hier Klebstoffe verwendet, die das Öl komensieren können. Aber oftmals läßt sich eine so aufwendige Vorbereitung nicht in der Produktion umsetzen. Im Flugzeugbau findet in aller Regel übrigens eine perfekte Vorbereitung mit Ätzen, Reinigen und Primern statt.

Die Frage ist, wie hoch sind die Kräfte die hier wirksam werden. Bei der vollflächigen Verklebung eines Griffes mit einer Klinge ist die Fläche so groß und die zu erwartende Kraft so klein, dass eine normale Vorbereitung absolut ausreicht. Ich habe bei der Firma UHU live den Versuch gesehen, wie ein VW Bus an einer solch großen Verklebung (endfest 300) in die Luft gehoben wurde.

Wir empfehlen zur letzten Reinigung vor der Verklebung übrigens eine Mischung aus Isopropanolalkohol und Wasser. Wie die Werte aus den Versuchsreihen korrekt gezeigt haben, bleiben bei normalen Verdünnungen immer Rückstände übrig. Eine Reinigung auch nach dem Schleifen sollte aber stattfinden. Ich würde mich nicht auf das Abblasen verlassen. Haushaltsreiniger sind wegen der eventuell enthaltenen Filmbildnern übrigens ebenfalls ungeeignet.

Sekundenkleber ist für den Bereich Messerbau aus meiner Sicht absolut ungeeignet. Er ist nach dem Aushärten extrem spröde und reagiert sehr empfindlich auf Feuchtigkeit.

Das allseits beliebte Produkt UHU endfest 300 ist perfekt geeignet. Ich würde darauf verzichten einen Klebstoff zusätzlich zu füllen. Die Eigenschaften können sich komplett verändern. Dann lieber einen anderen Klebstoff wählen. Gefüllt sind übrigens die meisten modernen Produkte. Je schneller ein Klebstoff um so schlechter ist die zu erwartende Endklebkraft.

Um die Anwendung der 2K Produkte zu vereinfachen wurde ein sogenanntes Doppelkammersysteme kreiert. Hier wird der Klebstoff in einer Mischdüse homogen und unter Luftabschluß gemischt. Die Dosierung wird so ungemein erleichtert. Zu finden auf den Industrieseiten der Firma UHU. Ich hoffe ich konnte die noch etwas zu dem Thema beitragen.

Viele Grüße

Alexander
 

saachi

Mitglied
Hallo,
der R&G Kleber E hat wirklich beindruckende Festigkeitwerte.
Allerdings sind die Aushärtzeiten bzw. Temperaturen zu beachten (Aushärtzeit 24 Tage bei Raumtemperatur oder eine 2-stufige Wärmebehandlung).
Aber wenn man alles richtig macht hält der Kleber bombig!
 

klick63

Mitglied
nur so am rande: ein guter uhrmacher hat vielleicht das optimale zeug zum entfetten...
es ist eine art knetgummi und heist rodico
eigentlich benutzt man es zum entfernen von fingerabdrücken und fett- und ölresten auf uhrwerken und zifferblättern.
ich hab ganz gute erfahrungen damit gemacht, weil es sowohl staub als auch ölige rückstände aufnimmt. dabei kann man es super in alle unebenheiten und bohrungen quetschen und sogar gewinde von schrauben reineigen (loctide oder screwesafe etc.)
das letzte messer, bei dem ich damit gearbeitet habe, war ein böker brend mit titanbacken. ich fand das teil zu flexibel und der liner stand mal gut mal schlecht. also hab ich die g10 schalen mit dem linern verklebt (waren vorhen nur an einer stelle angenietet) und siehe da alles bombenfest. :teuflisch
 

saachi

Mitglied
Ich habe jetzt mal testweise Aceton, Feuerzeugbenzin und Universalverdünner auf einem sauberen Spiegel getropft und verdunsten lassen.
Es waren nach dem Verdunsten immer Rückstände auf auf der Spiegeloberfläche zu finden.
 

mikromeister

Mitglied
Als Unternehmen beschäftigen wir uns fast ausschließlich mit dem Thema Klebetechnik. Da ist es sehr interessant wie professioniel hier mit dieser Technologie umgegangen wird. Mancher Industriebetrieb hat nicht dieses Fachwissen.
Danke für die Blumen, aber verwunderlich ist das nicht unbedingt.
Immerhin ist das Messermachen nicht gerade ein Hobby der "bildungsfernen Schichten" um dieses Unwort der pc mit einem Augenzwinkern zu benutzen.
Hier sind ein Haufen Ingenieure, Naturwissenschaftler und erfahrene Praktiker unterwegs, wie sie sich eben so mancher Industriebetrieb nicht leistet.
Da kommt mit der Zeit schon eine schöne Anzahl an Weisheiten zusammen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Nach allem, was hier Sinnvolles zum richtigen Kleben geschrieben wurde, wäre doch zur Metallvorbereitung Sandstrahlen und Entfetten mit Isopropanol der optimale Weg? Oder schadet Sandstrahlen der gehärteten Klinge?

noch eine Anmerkung zum immer wieder aufkommenden Sekundenkleber:
Nach meiner Erfahrung ist das Einzige, was Sekundenkleber wirklich gut klebt, Fingerkuppen und Augenlieder!!! (letzteres habe ich noch nicht selbst probiert) Alles, aber auch alles andere geht früher oder später, meist früher, wieder auseinander...

oder wie seht ihr das?

PP