Spitzerl vs. Flacherl

enrico

Mitglied
AW: Ein "sehr grosses" Big Chief von Andrew Jordan...

...ähhm: Die Kräfte auf einen Steckerl wirken ja nicht nur auf den Erl und den Übergang vom Ricasso zum Erl sondern - bei schlüssiger Verbindung mit dem Parierelement und dem Teil unmittelbar davor und dahinter (und davon gehe ich beim AJ aus) auch eben auf diese Bauteile. Bei einem Vergleich mit einer Flacherl-Konstruktion kann man mMn dieses den Erl umgebende Material, das den Erl ja gegen etwaige Kräfte in alle Richtungen abstützt, nich außer Acht lassen ....? :hmpf::confused:


Gruß, C.
 

pitter

Forumsbetreiber
Teammitglied
AW: Ein "sehr grosses" Big Chief von Andrew Jordan...

...ähhm: Die Kräfte auf einen Steckerl wirken ja nicht nur auf den Erl und den Übergang vom Ricasso zum Erl sondern - bei schlüssiger Verbindung mit dem Parierelement und dem Teil unmittelbar davor und dahinter (und davon gehe ich beim AJ aus) auch eben auf diese Bauteile. Bei einem Vergleich mit einer Flacherl-Konstruktion kann man mMn dieses den Erl umgebende Material, das den Erl ja gegen etwaige Kräfte in alle Richtungen abstützt, nich außer Acht lassen ....? :hmpf::confused:

Ja. Und dass der Erl über die Abschlusskappe vorgespannt ist, macht die Sachlage nicht einfacher ;) Ich sag ja, das muss mal grundsätzlich analysiert und durchgerechnet werden ;)

Pitter
 

Orestes

Mitglied
AW: Ein "sehr grosses" Big Chief von Andrew Jordan...

Ich sag ja, das muss mal grundsätzlich analysiert und durchgerechnet werden ;)

Pitter

UNBEDINGT :cool: Für gutes Geld, gibts gute Arbeit :D

Ich lasse mich mal zu ner ernstgemeinten Antwort hinreißen:
Eine Vermutung: Die metallenen Abschlüsse (guard und buttcap) sowie die Zwinge haben unter anderem die Funktion den Griffaufbau zu sichern und die anfallenden Kräfte im Erl sicher auf den Griff (Micarta, Birke was auch immer) zu übertragen bzw. umgekeht vom Griff auf den Erl, ohne dass das Griffmaterial in die Knie geht.

Inwieweit eine mittragende Wirkung des Griffes bei Biegung des Erls zum Ansatz gebracht werden kann, ist schwer zu beurteilen ohne groß angelegte FE-Untersuchungen und teure Versuche um die Rechnungen wiederrum zu verifizieren :steirer:

Ich denke das man bei einen ordentlich ausgeführten, herrlich steifen Erl diese mittragende Wirkung vernachlässigen kann und sollte. Warum? Der E-Modul des Griffmaterials liegt soweit unter dem des Stahls, das dort kaum was ankommt (bei nem gescheiten Erl wohlgemerkt). Und da hat man noch nicht über den (nachgiebigen) Schubverbund in der Klebefuge zwischen Erl und Griff gesprochen.....

Dass es hierüber noch keine Forschungsarbeiten, Dissertationen etc. gibt ist verwunderlich :irre:
 

luftauge

Mitglied
AW: Ein "sehr grosses" Big Chief von Andrew Jordan...

Bitte nicht!!!
Ich blicke hier garnicht mehr durch!
Warum nicht ? Um für sich selbst sowas vergleichen zu können, auch wenns für die Praxis erstmal keinen reellen Wert hat, ist das bestimmt interessant. Es gibt evtl. Anhaltspunkte für individuelle Verbesserungen, und sei es nur just for fun oder eben rein aus Interesse.

Das einzige, was mich an den vorgerechneten Beispielen etwas verwirrt, sind die Rechenbefehle mit den [ALT GR]-Zeichen. Ich will nicht behaupten, dass ich das auf Anhieb durchschaut habe, aber mit den ^ oder << anstatt eindeutigerer Zeichen komme ich nicht ganz klar...

2² oder 2³* hier oder da wäre sicher verständlicher, die Beispiele anhand der Berechnungen ansich sind sicher für jedermann nachvollziehbar. Wenn es da passende Formatierung/Schriftarten/Zeichensätze gibt, gern weiter damit. Solang sich das auf reine Querschnitte ohne materialspezifische Festigkeitswerte bezieht, kann man damit klarkommen.

* ³ = AltGr+Taste "3" , genau wie µ = AltGR+Taste "M"

Gruß Andreas
 

Orestes

Mitglied
AW: Ein "sehr grosses" Big Chief von Andrew Jordan...

Das einzige, was mich an den vorgerechneten Beispielen etwas verwirrt, sind die Rechenbefehle mit den [ALT GR]-Zeichen. Ich will nicht behaupten, dass ich das auf Anhieb durchschaut habe, aber mit den ^ oder << anstatt eindeutigerer Zeichen komme ich nicht ganz klar...

2² oder 2³* hier oder da wäre sicher verständlicher, die Beispiele anhand der Berechnungen ansich sind sicher für jedermann nachvollziehbar. Wenn es da passende Formatierung/Schriftarten/Zeichensätze gibt, gern weiter damit. Solang sich das auf reine Querschnitte ohne materialspezifische Festigkeitswerte bezieht, kann man damit klarkommen.

* ³ = AltGr+Taste "3" , genau wie µ = AltGR+Taste "M"

Gruß Andreas

Hier hätte es spätestens bei der Einheit für´s Trägheitsmoment Probleme gegeben. Zumindest hätte ich jetzt keine Idee die 4 hoch zu stellen. Zur Erklärung:
^ steht für hoch (hoch 2 wäre zum Bleistift Quadrat)
< kleiner als
<< sehr viel kleiner als (hebt den großen Unterschied hervor)
 

luftauge

Mitglied
AW: Ein "sehr grosses" Big Chief von Andrew Jordan...

Ja, da sind die Tastaturen wohl ausnahmsweise mal wirklich einheitlich :D
Wie gesagt, vllt. gibt es ja einen versteckten, speziellen Formatierungs- oder Zeichensatz für solche Fälle.
Ist das ^ der Tastaturbefehl für die 4. Potenz und funktioniert ?

Wäre ja auch nur für die von Interesse, die sowas mal rein informationsmäßig für sich ausarbeiten möchten ;)

Gruß Andreas
 

Orestes

Mitglied
AW: Ein "sehr grosses" Big Chief von Andrew Jordan...

Ist das ^ der Tastaturbefehl für die 4. Potenz und funktioniert ?

Wäre ja auch nur für die von Interesse, die sowas mal rein informationsmäßig für sich ausarbeiten möchten ;)

Gruß Andreas

Das ^ ist der Tastaturbefehl, um z.B. in Excel Potenzen zu berechnen. In manch anderer Software funktioniert der wieder nicht. Es gibt da eine sehr feine Mathematik-Software, die auf den Namen Mathcad hört. Wunderbar für eine Vielzahl typischer Ingenieuraufgaben (statische Nachweise etc.) zu handhaben. Mathcad braucht man mit ^ nicht kommen, dort funzt das alles wieder anders.

In Ansys (spezielle FE-Software, die in allen möglichen Branchen zum Einsatz kommt: Bau, Maschinen- und Fahrzeugtechnik, Luft- und Raumfahrt, ja sogar Medizintechnik; lässt sogar spezielle dynamische Berechnungen zu) verwendet man zur Berechnung von Potenzen jenes hier: **

Ansonsten habe ich auf die Schnelle das hier gegoogelt:
http://fab.fh-wuerzburg.de/studentisches/scripte/TRAGWERKSLEHRE.PDF

Kann man sich als Interessierter mal in die Geschichte mit der Biegung einlesen. Macht Spaß :D

Edit: Seite 007 geht´s los.
 
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sanjuro

Mitglied
Ein "sehr grosses" Big Chief von Andrew Jordan...

.......Übrigens gelten die dynamischen Randbedingungen der Einwirkung (Impuls beim Hauen, Hebeln um die schwache Achse ist ansonsten doch eher statisch) sowohl für den Flacherl als auch für den Steckerl. Man könnte auf die Idee kommen, diese auszuklammern, um sich auf statische Ersatzlasten zu beschränken..... Und wenn man denne noch annimmt, dass die Querschnitte aus identischem Stahl bestehen bei identischer Wärmebehandlung, so kann man auch hier vereinfachen. Hach, das ist ein Thema zum Festbeißen :irre:
Leider bin ich auch nicht firm in der Mathematik und kann in dem Konzert nicht mitgeigen. Aber bei allen Berechnungen fehlen mir die Griffmaterialien als Faktoren. Deren Festigkeiten sind fraglos geringer als die von Stahl, aber sie 'stützen' nach meinem Gefühl (also mit Vorbehalt) beim Steckerl deutlicher als beim Flacherl. Hinzu kommt, dass gute Steckerle durch ihre Verspannung - ob verschraubt oder vernietet - mit dem Griff einen Kraftschluss haben, der vermutlich die Werte nochmals nach oben verschiebt. Wenn die dann noch ordentlich verklebt sind - das Heißkleben war bereits in der Steinzeit ein probates Verfahren - braucht es schon Temperatur über 150°C oder titanische Kräfte, um sie zu trennen. Wenn wir dann schon am Rechnen sind, könnte man übrigens auch die Klebe-Kontaktfläche mit einbeziehen. Orestes macht das sicher gern....

Im Mittelalter hat man bei höher belasteten Messern und Haumessern den Erl häufig dünn ausgezogen und mit etwas Zugspannung am Griffende umgelegt. Diese Konstruktionen haben oft die Jahrhunderte überdauert, und das waren Werkzeuge für den Ernstfall, keine Waldspielzeuge für Männer, die werktags mit dem Krawattenknoten oder dem PC kämpfen.

Japanische Langwaffen funktionieren ebenso - nicht das Bambuspflöckchen (MEKUGI) nimmt die Kräfte auf, sondern der perfekte Kraftschluss zwischen Steckerl (fast mit den Dimensionen eines Flacherls!) und Griff.

Ansonsten glaube ich, dass der Vergleich pari ausgeht: die Khukri haben traditionell Steckerle, Macheten haben meist Flacherle - beide Systeme funktionieren. Ich habe mit Macheten schon Bäume bis 25cm Durchmesser gefällt, das geht sehr flott und ohne Griffschaden.

Gruß

sanjuro
 
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Trion

Mitglied
AW: Ein "sehr grosses" Big Chief von Andrew Jordan...

Ihr vergleicht hier Äpfel mit Birnen bzw. stellt Spitzerl gleich Spitzerl und Flacherl gleich Flacherl. Dabei ist das mechanische Verhalten (bei Belastung) komplett durchgehärteter Spitzenerls (z.B. der im Thread genannten ER Messern oder einfach allen anderen von der Stange), nicht mit dem Verhalten ungehärteter solchen(die jeder vernünftige Schmied herstellt... zuminderst Waffenschmiede machen es immer) zu vergleichen. Das war ein Thomas Mann Satz, aber hoffentlich verständlich.
Dasselbe gilt auch für Flacherls.

Ob das so zu verallgemeinern ist? Die ein oder andere langjährige Koriphäe in diesem Forum vertritt vehement die Meinung, gut gemachte Spitzerle seien grundsätzlich stabiler als Flacherle. Ich harre gespannt belastbaren Beweisen für die oder andere Theorie.
Ist auch meine Meinung.
Ich ziehe eine Griffkonstruktion mit einem ungehärteten Spitzerl einer solchen mit durchgehärtetem Full Tang vor. Und zwar in jeder Situation. Auch bei kleinen Messern, wo es nicht auf große Stabilität ankommt, sondern vielleicht nur um Schneidleistung:) .

Wir dürfen Physik nicht mit Geschmack oder subjektivem Empfinden verwechseln.
 
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chamenos

Super Moderator
AW: Ein "sehr grosses" Big Chief von Andrew Jordan...

.... bleibe weiterhin in dem Glauben, ein dickeres Stück Blech ist - bei sonst gleicher Bauweise, sonst kommt mir noch jemand mit Wabenmustern ;) - stabiler, als ein dünneres.


Welch weise Worte:D

Aber dein dickes Blech ist nur dann stabiler als ein Vierkantstab mit der gleichen Dicke, wenn du es exakt in der Höhe belastest.

Und mit exakt meine ich exakt.

Wenn du jetzt mit so einem Messer die berühmte Hackorgie anfängst, dann ist es sehr wahrscheinlich das keine 10% deiner Schläge exakt senkrecht auftreffen. Das bedeutet, dass sowohl die Klinge, als auch der Griff sehr wahrscheinlich "schräg" belastet werden. Bei einer sauberen Spitzerlkonstruktion mit ner Kopfplatte/Zwinge und einer Vernietung/Verschraubung am Ende gehen dann jede Menge Druckkräfte ins Griffmaterial.... und da das Griffmaterial quasie als Hülse ausgeformt ist, ist das dann eine konstante Belastung.... egal wie du hackst, hebelst oder wasauchimmer.

Bei dem Flacherl gehen jede Menge Druckkräfte (der Griff verformt sich ja) in die Klebung, die Nieten und was weiß ich nicht.
Da sind keine Konstanten.

Und wenn dich der Schwertvergleich nicht überzeugt...........nahezu alle landwirtschaftlichen Hauwerkzeuge haben einen Spitzerl....oder ne angeschmiedete Hülse
Ob das jetzt Gertel sind oder Reedmesser oder Schieferhämmer oder Kulturhauen ;)
Flacherl findest du da nur bei Geräten mit denen Geschnitten wird. Bei derben Rumgehaue immer Spitzerl.


@sanjuro
Meine Macheten haben fast alle (die Marindales mal ausgenommen) keinen echten Flacherl....sondern eher so einen 2/3 Flacherl. D.h. die Klinge wird in einen oben geschlitzten Griff eingesetzt oder ist in Kunststoff eingebettet.

Gruß
chamenos
 

keltoi

Mitglied
Wenn ich einen Griff mit Spitzerl, als gespanntes Element betrachte,wie z.B. eine Spannbetondecke oder eine Dehnschraube am Zylinderkopf.
Dann sind das 3 Konstruktionen, die extremste Belastungen aushalten!
Dagegen stehen, ein gelochter Blechstreifen, eine Betonplatte und eine 8.8 Schraube.
Dann entscheide ich mich lieber für den Spitzerl.:hmpf:
 

Orestes

Mitglied
Jepp, wenn ich daran denke, wie wir seinerzeit wie die Nassen Zapfenlöcher gestemmt haben. Da wirken schon derbste Kräfte auf der gezwungenen Steckerlverbindung. Und bei gut gemachten Eisen, geht nichts in die Brüche (ohne Werbung betreiben zu wollen, kommt mir hier die Zimmermannsbeitel Serie 1205 von Kirschem in den Sinn). Und sie sind i.d.R. nicht verschraubt oder venietet! Zumindest wäre mir das nicht bekannt. Aber die haben ne Zwinge.

Versuch einer Bestandsaufnahme:
Im Versagensfalle kommen mir zwei Szenarien in den Sinn:
1.: Der Erl bricht.
2.: Die Griffkonstruktion versagt.
(mögicherweise 3.: Irgend ne Mischung aus 1 und 2, je nach Steifigkeitsvehältnissen, Bauart etc....soll erst mal Wurscht sein)

Zu 1.:
Dem Versagen des Erls wollte ich mit den Trägheitsmomenten ansatzweise auf die Schliche kommen, um ein von den "Gefühlen" die man als Messernutzer so hat mal auf konkrete Mechanik sprechen zu kommen. Denn: Gefühle können täuschen :D Hier sagt uns die Maus, dass ein Steckerl keinesfalls weniger tragfähig sein muss als ein Flacherl. Nicht mehr und nicht weniger wollte ich damit rüber bringen. Das Trägheitsmoment ist ebenso wie das Widerstandmoment ein Querschnittswert, anhand dessen sich unter anderem Spannungen im Querschnitt ermitteln lassen. Dabei ist es diesen Querschnittswerten ziemlich egal, ob sie für nen gehärteten oder ungehärteten Erl gelten!

Nicht egal ist die Frage nach gehärtet/ungehärtet für die Ermittlung der Tragkraft oder meinetwegen des Tragmomentes. Ich habe kaum Ahnung von (Werkzeug)-Stählen und welche Streckgrenze diese in Abhängigkeit des Härtens erreichen können. Aber ich könnte mir vorstellen, dass die Streckgrenze durch das Härten angehoben wird. Die aufnehmbaren Traglasten würden damit anwachsen. Allerdings hat dies womöglich Auswirkung auf das Bruchverhalten. Ein gehärteter Erl neigt gegenüber einem ungehärteten vermutlich eher zum "Sprödbruch" ohne großartiger Vorankündigung durch größere Verformungen. Hier würde ich micht freuen, von den Erfahrungen eines Messermachsers kosten zu dürfen :D . Wie gesagt, habe ich keinen Plan von Messerstählen, mir begegnet sonst eher Betonstahl, Spannstahl und Baustahl.... Da schaue ich einfach in Tabellen und Zulassungen.

Noch kurz zur Vorspannung: Die ist durchaus nützlich für den Griffaubau, weil sie diesen komprimiert und zusammenhält. Aber zuviel der Vorspannung ist für den Erl an sich auch nicht sooo prickelnd. Warum? Sie erzeugten Zugspannungen superponieren sich mit den Biege-, Schub- und Torsionsspannungen. Wie oben erläutert kann ich nicht beurteilen, wie relevant diese Problematik wirklich ist.

Zu 2.:
Dies wurde ja schon von AchimW und Co. in dem verlinkten Thema beackert. Dessen Resümee ist bekannt.
Eine mittragende Wirkung des Griffes würde ich nicht mit ansetzen wollen. Einem Messer, bei dem ich hierauf hoffen müsste, würde ich als Steckerlfreund nicht vertrauen! Denn dann ist der Steckerl zu nachgiebig ausgeführt. Je steifer ein Erl ausgeführt ist, desto weniger verformt er sich, was zur Folge hat, dass er auch weniger Kräfte an den Griff weitergibt. Eine, naja, aussteifende bzw. versteifende Wirkung lässt sich bei enstprechenden Materialien (Horn, Knochen, Micarta) und absolutem Kraftschluss sicherlich erzeugen (wobei hier auch nur die Druckzone mitwirken dürfte, weil sich eine Zugzone möglicherweise wegen klaffender Fugen nicht einstellt). Das würde *ICH* aber lediglich als stille Reserve betrachten wollen. Und ein Messer mit Steckerl und nem Griff aus Lederscheiben muss auch so halten.

Wie gesagt, fände ich es klasse, wenn der ein oder andere Messermacher seinen Senf dazu abgeben würde.
 

Tukan

Mitglied
durchgerechnet werden

Ausgangslage: Outdoormesser 5mm Klingendicke, 25mm Klingenhöhe - beim ungeschickten Holzspalten steckt die Klinge stirnseitig im Holz fest, genauso unkluge, rabiate Befreiungsversuche durch senkrechtes Schlagen mit massivem Holzprügel auf das hintere Griffende belasten den Übergang vom Griff zur Klinge/die schwächste Stelle - angenommene Schlagkraft 20 kg am Griffende - eine vereinfachte Berechnung ohne ein Integral zu bemühen (als Standardmitglied, scheint es mir leider nicht möglich zu sein, eine erklärende Skizze als pdf anzuhängen? - daher sorry für die langatmige Darstellung in Worten) zeigt folgende Kräfte an den relevanten Stellen.

Steckerl: 20kg x 90mm = ?kg x 12,5mm ergibt an der relevanten Stelle 144 kg Druckkraft Holz auf Stahl.

Formschlüssige Verbindung aus Hartholz vorausgesetzt, Hohlräume um Erl vollständig mit Epoxidharz gefüllt (im Idealfall über Endschraube auf Zug gespannt) kein Verrutschen möglich - Zugkräfte werden im gegebenen Fall ausschließlich über den Erl aufgenommen - Zwinge sicher sinnvoll, um Aufspalten/Bersten des Holzes hintanzuhalten, ein Parierelement würde die auftretenden Kräfte durch Nachhintenverlagern des Kontaktpunkts verringern und die Druckkräfte auf das Holz besser verteilen. Jedenfalls wird ein Teil der Kontaktfläche zwischen Holz und Stahl auf Zug beansprucht und nimmt somit keine Kräfte auf - in jedem denkbaren Belastungsfall ist die Verbindung Griffholz zu Klinge nur auf Druck kraftschlüssig - die korrekte formschlüssige Verbindung würde besondere Anforderungen an Materialwahl und saubere technische Umsetzung stellen, ist aber leider nicht immer gegeben.

Flacherl: 20kg x 80mm = ?kg x 18mm ergibt an der relevanten Stelle 89 kg Druckkraft im Stahl.

In jedem Fall kraftschlüssige Verbindung auf Zug und Druck, mit einer deutlich größeren belastbaren Querschnittsfläche und günstigerer Aufnahme der Hebelkräfte bei vergleichbaren Messern gebaut aus Flachware - für die senkrechte Belastung würde sich sogar eine dünne Niete an der dünnsten Stelle im Griff nur bedingt negativ auswirken (bei einer seitlichen Belastung ist eine Bohrung/Niete an der schwächsten und gleichzeitig meistbelasteten Stelle im Gegensatz dazu immer schlecht für die Griffstabilität), Bohrungen im Flacherl zur Gewichtsverminderung sind ebenfalls kein Problem, solange ausreichend Querschnitt erhalten bleibt.

Fazit der Berechnung: Die auftretenden Kräfte sind beim Steckerl (egal, wie hoch man diesen baut) an den relevanten Stellen immer größer und ungünstiger verteilt als beim Flacherl und Druckkräfte treffen beim Steckerl in der Regel auf schwächeres Material als Stahl.

Die Berechnung einer seitlichen Belastung erübrigt sich von vornherein, da hier fast ausschließlich die Querschnittsfläche des Stahls im Griff entscheidend für den Widerstand gegen Biegen oder Brechen ist, und die ist einfach beim Flacherl immer größer.

Natürlich funtionieren Steckerl in Schwertern, Stechbeiteln, Stemmeisen, Praxen, Gerteln, Messern usw, weil in der Regel bei bestimmungsgemäßem Einsatz die Hand schwächer als der Erl ist - leicht nachvollziehbar, wenn man versucht, einen halbeingeschlagenen 210er Nagel mit der Hand zu verbiegen. Die Frage, ob Steckerl oder Flacherl wird erst relevant, wenn man die "maximale" Stabilität für ein Outdoormesser bei einer bestimmten Klingendicke erreichen möchte - was aber, wenn man aus ästhetischen oder gewichtsbedingten Gründen gerne auf geringe Klingendicken setzen möchte, immer eine unverzichtbare und routinemäßige Überlegung wert ist. Wenn die Optik und der Griffkomfort im Vordergrund stehen, bietet eine Steckerlkonstruktion mehr Gestaltungsmöglichkeiten.
 

Armin II

Mitglied
Und dennoch haben unsere Vorfahren über Jahrhunderte Schwerter und Säbel in Steckerlbauweise gebaut die anscheinend stabil genug waren seinem Gegenüber damit Arme, Beine oder den Kopf abzuhacken.
 

Tukan

Mitglied
Und dennoch haben unsere Vorfahren über Jahrhunderte Schwerter und Säbel in Steckerlbauweise gebaut die anscheinend stabil genug waren seinem Gegenüber damit Arme, Beine oder den Kopf abzuhacken.
Wie mein Beitrag zu abgehackten Armen, Beinen und Köpfen führt, ist mir auch bei gewissenhaftestem und wiederholten Lesen nicht nachvollziehbar - vielleicht liegt es bei manchen Themen einfach am intuitiven Zugang, der besonders bei diesem Thema in den verschiedenen zugeordneten Threads gegeben scheint. Ohne hier irgendjemand den Wunderglauben an Standard-Schwerter und -Säbel des einfachen Fußvolkes oder der einfachen Kavallerie absprechen zu wollen, Evaluierungen über die Haltbarkeit von Blankwaffen - die vermutlich in Militärarchiven schlummern - und sich insbesondere mit der Griffkonstruktion auseinandersetzen, wären hier sicherlich sehr erhellend. Um jemand anderes Schaden zuzufügen ist ja bald was geeignet, aber das wird hoffentlich hier nicht thematisiert werden müssen. Ein Auslegungsfall als Outdoormesser stellt eigentlich genug Härten für eine Dimensionierung/das Design bereit.

Ich denke trotzdem, dass ich den Steckerl auch für diesen Fall ausreichend gewürdigt und anerkannt habe - ansonst ist die Wahl der Bauart des Erls für nichtmilitärische Zwecke weniger eine Glaubensfrage als eine Frage der Auslegung für bestimmte Anwendungsfälle - ich habe dazu den zweiarmigen Winkelhebel, der zwischen Griff und Klinge entsteht, als geradlinig angenommen und die Lasten nicht auf Flächen, sondern auf Punkte wirken lassen - ja stimmt, da könnte man mir unzulässige Vereinfachungen anlasten. Die Vernachlässigung der Klingendicke ist zulässig, weil beide Messer gleich dick angenommen werden - es geht um vergleichbare Anwendungen. Aber bereits bei dieser einfachen Herangehensweise rein über die zweidimensional wirkenden Hebel sieht man, die erhöhte Fähigkeit des Flacherls Kräfte von der Klinge auf den Griff zu übertragen und umgekehrt - im angenommenen Fall ca. 162% des Steckerls.

Für meinen Selbstbau - und da ist natürlich jeder frei zu tun, wie es ihm beliebt - heißt das in Kenntnis dieser Tatsache - ein Gertel nach eigenem Design in 4 mm n540 und natürlich mit Flacherl, obwohl bekannt ist, dass z.B. Müller u.a. Praxen und Gertel in verschiedenen traditionellen, ländertypischen Designs mit dünnem vernietetem Steckerl anbietet, die offensichtlich funktionieren (wie oben ausgeführt, kommt die Hand in der Regel schneller an ihre Grenzen als der Steckerl) - oder ein Outdoor-Messer nach eigenem Entwurf in 5,5mm n690 selbstverständlich mit Flacherl, bei dem im Falle eines Festsitzens problemlos (aber nicht gedankenlos) auf den Griff geschlagen werden kann und da stören mich auch ein paar Dellen in den leicht wechselbaren Griffschalen nicht, obwohl z.B. ein Glock Feldmesser mit kurzem Steckerl in Kunststoffgriff weitverbreitet ist, bei dem jeweils der Besitzer selbst entscheiden soll, wie weit er die Belastung treibt und wie weit er glaubt, der Konstruktion vertrauen zu können.
Ein leichtes Messer für die Brotzeit ist gerne mit Steckerl, aber selbstverständlich mit Zwischenstück in Bronze und am Griffende auf Zug verschraubt, nicht weil es die bestimmungsgemäße Anwendung sonst nicht aushalten würde, sondern einfach als Qualitätsmerkmal und um Schwund im Holz ausgleichen zu können.