Was genau bedeutet "auf null schleifen"?

Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Ja, schon. Aber meistens, bes. bei Flach- und Hohlschliff gibt es i.d.R. eine separate Schneidfase, die dann auf Null geht. Beim Skandi- oder auch bei balligem Schliff kann der Grundschliff direkt auf Null gebracht werden, weil genug Material für die Stabilität bleibt.
Gemeint ist mit "auf null" also eher, dass der Grundschliff schon auf null geht, ohne Fase.
 
Wir verwenden ja im MF den Begriff Grundschliff im Sinne als schärfenden Vorgang an der Fase. Unabhängig davon, ob dieser an einem primären oder sekundären Schliff angebracht wird.

Etwas genauer ist dann Primärschliff in einem Winkel geschliffen.

Also vom Rücken in einem Winkel runter bis zur Fase, bei ballig im Bogen und bei manchen, wie Scandi, nach dem flachen Abschnitt.

grüsse, pebe
 
Ist das dann wirklich der Zustand mit dem man schneidet? Oder legt man nachdem man auf Null geschliffen hat immer noch eine Mikrofase an?
Den Primärschliff komplett auf Null stelle ich mir sehr empfindlich vor.
 
Ist das dann wirklich der Zustand mit dem man schneidet? Oder legt man nachdem man auf Null geschliffen hat immer noch eine Mikrofase an?
Den Primärschliff komplett auf Null stelle ich mir sehr empfindlich vor.
Das sehr empfindliche ist abhängig vom Material, also welcher Stahl für ein Messer verwendet wurde. Manche stähle kann man sehr Dünn Schleifen und sie sind dann stabiel, andere vertragen das nicht und die Fasen zeigen rasch Microausbrüche.
 
Realistisch gesehen sind „ballig auf 0“, „Schnitzbeil V auf 0“ und „Skandi auf 0“ eher eine Fantasie.
Normale und qualitativ hochwertige Werkzeuge sind häufig freihändig ausgeschliffen, wobei nicht nur die Flanken, sondern auch die Schneide selbst bereits ziemlich ungenau sind.
Eine V-Schneide lässt sich mit mehr Kontrolle herstellen, wodurch die Schliffqualität steigt.
Häufig um bis zur Schneidenspitze überall sauber zu gelangen, muss sehr viel Stahl abgetragen werden – und zwar bei allen oben genannten Varianten.
Dennoch können auch grob gefertigte Werkzeuge gut funktionieren.
Wenn es um eine Axt geht, ist das Gewicht des Werkzeugs entscheidend.
Bei einem Hackmesser ist vor allem die Schlaggeschwindigkeit von Bedeutung.
Und mit allen Werkzeugen muss man umgehen können.

Ps: "auf null schleifen" ist meistens unrealistisch und nicht sinnvoll.
 
Es macht natürlich einen Unterschied, ob wir über ein stark nagelgängiges Kochmesser oder ein Outdoormesser/Klappmesser mit 1mm Stärke einen Millimeter oberhalb der Fase, sprechen.

Bei letzteren liegt der Schwerpunkt mehr auf Stabilität und dem anderen Schneidverhalten.

Ich schneide ja viel und regelmäßig Karton - überwiegend mit hochfesten Spyderco Klingen oberhalb 0,4mm hinter der Fase.

Yup. Es ist müheseliger die professionell ballig auf Null umgeschliffenen Klingen mit Leder/Micromesh scharf zu halten, als systemisch nachzuschärfen, aber das Ergebnis bleibt letztlich in einem Rahmen, der praktisch betrachtet, keinen merklichen Unterschied zeigt.

Auch Flachschliffe sind ab Werk nicht perfekt gleichmäßig. Weder an Flanken noch an der Fase.

Fakt ist, ich schneide Karton lieber mit ballig, wenn es keine echt leicht schneidende Klinge ist und diese wiederum ist an doppelten Karton überfordert.

grüsse, pebe
 
Nein.

Aber es ist praktisch gesehen unmöglich, ohne CNC einen wirklich gleichmäßigen convexen Verlauf hinzubekommen, sodaß dieses Vorhaben für einen präzisen Schnitt mit Kochmessern meistens keinen Sinn ergibt.

Stabile Klappmesser und Outdoorfixed von Rockstead hingegen haben einen solchen hochpräzisen Schliff.

grüsse, pebe
 
Zuletzt bearbeitet:
Du kannst selbstverständlich auch flach statt ballig/konvex auf Null schleifen.

Letztlich bedeutet das ja nur, dass der Primärschliff / die Primärfase gleichzeitig die Schneidkante bildet. Für die allermeisten Anwendungen ist die Schneidkante dann aber viel zu instabil aufgrund des kleinen Schleifwinkels
Abhilfe schafft dann eine Mikrofase in größerem Winkel.

Ballig auf Null funktioniert halt, weil der reale Winkel an der Schneidkante dann größer ist.
 
Diese beiden Aussagen sind bedeutungsgleich. Größere Schneidfasenwinkel sind stabiler, gerade weil mehr Material über der Schneide bleibt
 
Ballig auf Null funktioniert halt, weil der reale Winkel an der Schneidkante dann größer ist.

Oder weil bei gleichem Winkel mehr Material oberhalb der Fase bleibt..

Die erste Aussage ist richtig. Die zweite muss genau anders rum formuliert sein. Bei gleichem Schneidenwinkel, hat der ballige Schliff weniger Material hinter der Schneide, oder anders gesagt ist dünner. Und genau da liegt der Vorteil der balligen Schneide. Man wählt sie, wenn man einen robusten Schneidenwinkel braucht, die Klinge aber trotzdem leicht in das Schnittgut eindringen soll. Z.B. bei einem Beil.
 
...
Also vom Rücken in einem Winkel runter bis zur Fase, bei ballig im Bogen und bei manchen, wie Scandi, nach dem flachen Abschnitt.
Vermutlich wird es allgemein verständlicher, wenn man ein Rasiermesser als Extrembeispiel zum Vergleich ansieht oder im Hinterkopf behält.
Sehr dünner Klingenkörper, Hohlschliff, keine Sekundärfase, elastische "nagelnde" Schneidkante.

Wobei so ganz eindeutig ist das "auf Null" rein technisch-handwerklich auch nicht unbedingt. Bis "auf Null" kann man auch bedenkenlos als "gratfrei" annehmen.
Sieht man beim Schärfen zur Kontrolle keinen Lichtreflex mehr, ist die Schneide auch auf Null, egal ob mit oder ohne Sekundärfase ☝️ - aber das ist ein buchstäblicher Fall für Haarspalterei... :p:
 
Die erste Aussage ist richtig. Die zweite muss genau anders rum formuliert sein. Bei gleichem Schneidenwinkel, hat der ballige Schliff weniger Material hinter der Schneide, oder anders gesagt ist dünner. Und genau da liegt der Vorteil der balligen Schneide. Man wählt sie, wenn man einen robusten Schneidenwinkel braucht, die Klinge aber trotzdem leicht in das Schnittgut eindringen soll. Z.B. bei einem Beil.

Edit.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich habe das mal auf die Schnelle versucht zu skizzieren:



Natürlich ist der Winkel etwas übertrieben groß gewählt. Aber ich denke es wird klar, dass der Tangentenwinkel im balligen Fall immer flacher wird je weiter man von der Schneidkante weggeht.
Die Schneide ist also im Vergleich zum geometrischen V dünner, bzw hat weniger Material hinter der Schneide.
 
Alles eine Frage der Betrachtung. Hier des „richtigen“ Tangentialwinkels.

Praktisch gesehen gibt es einen breiten Konsens, dass ballig bei gleichem, besser „vergleichbaren“ Winkel, im Vergleich mehr Material stehen hat..

grüsse, pebe

1769347552987.jpeg
 
Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Zurück