Was ist das typische deutsche Messer?

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Matthias

Mitglied
Das mag schon sein Thomas, damit kann man das typ. deutsche Messer vielleicht definieren. Die Griff-Form (meine Tastatur verweigert mir 3 "f")geht meines Wissens nach immer auf den stil. Reichsadler zurück.
Wenn dich das Thema interessiert, sei dir das Buch "Kampfmesser" von F.J. Stephens ISBN 3-87943-812-9 empfohlen. (Falls du es nicht schon hast.)

Trotzdem glaube ich nicht an "das typisch deutsche Messer".

Matthias.
 
T

Thomas Spohr

Gast
Hallo Matthias,

ich denke du hast meinen letzten Post mißverstanden. Ich wollte nicht behaupten, daß das Fahrtenmesser das typisch deutsche Messer ist, sondern lediglich nur anführen, daß das HJ-Messer auf älteren Messermodellen basiert, also seinen „unangenehmen Beigeschmack“ (meiner Ansicht nach) zu Unrecht hat. Die „Reichsadler-Griffe“ sind mir bekannt, trotzdem glaube ich, daß die spätere Stilisierung auf der Ähnlichkeit zu der Bajonette-Aufpflanzvorrichtung beruht.

Das „Kampfmesser“ Buch von Stephens besitze ich, sogar mit Widmung. :)

Thomas
 

Matthias

Mitglied
Hallo Thomas,

kann erst jetzt antworten, der Dienst rief!
Hab` das wohl wirklich bissel mißverstanden, freue mich aber über deine Reaktion. Dachte nur, daß Buch wäre vielleicht von Interesse.
Hätte mir aber denken können, daß es im Besitz ist.

Ja, der stilisierte Vogelkopf hat seine Urpsrünge schon früher. Geht aber immer mit der Aufpflanzvorrichtung einher, obwohl das vielleicht auch anders zu lösen gewesen wäre?

Oh, jetzt waren wir wohl ein wenig OT.

Beste Grüße aus Esslingen,
Matthias.
 

Tony

Mitglied
Hallo Leute,
die Frage nach dem typisch deutschen Messer läßt sich m.E. von "Draußen" leichter beantworten. Ein Cree-Schamane schnitt seinen Taback mit einem "Fahrtenmesser" der 50er/60er Jahre u. kommentierte stolz:" Solindschen!" Ein Trapper am Peace-River zerwirkt mit gleichem Gerät sein Wild, für alle anderen Arbeiten ist es ihm zu schade. Die Wertschätzung dieses Messertyps ist im Ausland sehr hoch u. sie werden in dieser Art nur selten aus anderen Ländern kommen als aus Germany bzw. "Solindschen". Grüsse aus Belgien
 

crashlander

Premium Mitglied
Hi Tony, willkommen im Forum und danke für den Tipp von "draußen". Ich denke auch, daß das klassische Fahrtenmesser sehr typisch ist. Typisch heisst ja nicht, daß etwas zweihundert Jahre alt sein muß. Nicker sind doch sehr süddeutsche Messer, das Jagdklappmesser mit Hirschhorngriff wäre noch ein Kandidat, aber es ist vermutlich eher speziell unter Jägern so bekannt.
Das Fahrtenmesser geht ja vielleicht auch auf die Pfadfinder und die Wandervogel-Bewegung der 20er zurück, somit gehört des zu den vielen Dingen, die von den Nazis halt auch verwendet und nicht erfunden wurden.
 
T

Thomas Spohr

Gast
Im folgenden vier Bilder zur Unterstützung meiner Annahme (das HJ-Fahrtenmesser ist den Grabenmesser des 1 WK entlehnt, diese wiederum basieren auf zu Grabenmesser umgebauten Bajonettes) bzgl. des Ursprungs des Fahrtenmessers:

HJ-Fahrtenmesser

FM3.gif


Grabenmesser, 1 WK, Privatwaffe

FM4.gif


zum Grabenmesser verkürztes Seitengewehr 98/05

FM2.gif


verschiedene Bajonettes (man beachte das „Griffdesign“)

FM1.gif


Thomas
 
Zuletzt bearbeitet:

Tony

Mitglied
Hallo Crashlander,
zunächst möchte ich mein Danke äußern für Deinen Willkommensgruß. Aber ob in USA, Kanada oder Südafrika überall findet man diese deutschen Nachkriegsfahrtenmesser in den Vitrinen der Händler, naja das White - Hunter manchmal auch, aber etwas abgeschlagen. Somit liegt doch der Verdacht nahe, daß zumindest die Welt da draußen die charakterisierung als typisch deutsches Messer längst vollzogen hat.
 

Piston

Mitglied
Da frage ich mich nur, wieviele Leute, die in einem Schützengraben ihr Leben riskiert haben, als letzte Instanz ein Messer mit der Aufschrift "Nahkämpfer" auf der Klinge geführt haben. Sowas kann ich mir eher am Koppel eines Etappenhengstes vorstellen. Ein Ding für Poser eben, keine schlichte Gebrauchswaffe.
Jedenfalls stellen sich meine Nackenhaare in Habacht-Stellung, wenn ich sowas sehe.
(Wahrscheinlich OT aber meine Meinung.)

Hingegen bin ich mit beim Ursprung des Vogelkopfgriffs gleicher Meinung wie TS. Außerdem verhindert diese Griffgestaltung auch sicher, das einem das Messer beim hacken aus der and rutscht und der Handschutz verhindert, das an mit der Hand in die Klinge rutscht. Von daher eine ausgereifte Form, und sowas wird ja gern kopiert.
 

Tony

Mitglied
Habe vor einigen Jahren eine Sammlung deutscher Grabendolche bewundern u. anfassen dürfen. Die Stücke waren alle aus Solinger- oder Rheinmetallproduktion, hatten meitens Holzgriffschalen mit grober, schräger Profilierung u. z,T. kompl. Holzgriffe, ein Bajonett-ähnliches, kurzes Parierstück u. waren dolchartig zugeschliffen u. nicht mit einer Klinge wie das spätere HJ-Messer versehen u. zwar ausnahmslos Alle u. es waren sicher 8 bis 10 Exemplare.
Grüße aus Belgien
 
T

Thomas Spohr

Gast
Hallo Tony,

aufgrund der Vielzahl verschiedenster im WK 1 verwendeter Grabenmesser (abgenommene u. nicht abgenommene Dienstwaffen, sowie, gerade zu Beginn des Krieges, unzähliger Eigenfertigungen), erachte ich das Heranziehen von nur 8 - 10 Modellen für wenig aussagefähig. Im Grabenkampf wurden Messer jeglicher Bauart verwendet. Für eine kompetentere Einsicht empfehle ich: „Deutsche Kampfmesser“ von Eugen von Halasz oder, wie bereits oben erwähnt, „Kampfmesser von F. J. Stephens.

Allein dieses HJ-Fahrtenmesser zeigt wie sehr man falsch liegen kann: ;)

FM5.gif


Thomas
 

Tony

Mitglied
Hi Thomas,
habe nie von diesen Werken gehört u. danke Dir für den Hinweis. Habe damals übrigens auch deutsche Grabendolche/messer mit (individuellen?) "Stiefelscheiden" gesehen.
Gruß aus Belgien
 

Piston

Mitglied
Diese typischen kleinen Grabendolche, die Tony meint sind kleine handliche Dinger von hohem Gebrauchswert. Die Produktion war jedoch geringer als der Bedarf. Und da jedes(!) Messer, das man in einer Kampfsituation bei sich trägt, zum Kampfmesser wird, gab es in der Tat eine große Vielzahl von Messern die Verwendung fanden. Jedes halbwegs stabile Fahrten- Jagd- oder auch Küchenmesser war geeignet.
Hinzu kommen die Paradestücke mit z.T. vernickelter Klinge und martialischer Beschriftung, bei denen der Gebrauchswert an zweiter Stelle steht.
 

Tony

Mitglied
Nochmal zum Thema "typisch deutsches Messer"

Da sind alljährlich viele tausend deutsche "Botschafter" unterwegs, nämlich Rucksacktouristen, natürlich u.A. mit Messer. Aber womit versucht der Brave verzweifelt in fernen Landen die viel zu harte Wurst zu zerlegen? Mit billigen Opinellen oder viel zu kurzen Schweizer Multi-Ärgernissen. Die unerfahrenen Betroffenen ärgern sich dann schwarz, sind aber alle von "Fachverkäufern" entsprechend irregeführt worden.
Wäre mal ein nennenswertes Thema diese Inkompetenz zu beleuchten.
Grüsse aus Belgien.
 

Granol

Mitglied
Typisch deutsches Messer

Für mich ist das typisch deutsche Messer ein Taschenmesser. Jeder kennt es, jeder hat es in der Tasche.:steirer:
 
D

Del Ray

Gast
]Und, sind wir eine representative Gruppe, auf dass man ein Resumee ziehen könnte? [/B][/QUOTE]

.... hoffentlich nicht, wenn ich das alles so lese!

Es ist doch unglaublich, was da so geschrieben wird, das HJ-Messer ist das typische Nazi-Messer, ob es das nun in anderer Form schon vorher gab oder nicht. Nach dem 2.Weltkrieg wussten bekannte Solinger Firmen, die sich auf Jahre in der Produktion dieses unbrauchbaren Messers eingerichtet hatten, nicht wohin mit dem Scheiss, und dann haben findige Nachkriegs-Überlebende aus der Solinger Klingendynastie das unsägliche Pfadfinder-Messer erfunden.
Ein Taschenmesser im Stil des Remington Boy Scout Messers wäre für unser Ansehen sicher empfehlenswerter gewesen.
Aber was soll's!

Ich befasse mich seit über 40 Jahren mit Messern, und frage mich, wie alt ihr alle seid. Ich habe fast schon alles gehabt, nur weniges behalten, und das einzige Blut-Und-Ehre-Messer
( verzeihung, natürlich Pfadfinder-Messer ), das ich mal hatte, habe ich an einen US-Sammler weitergegeben. Dort betrachtet man dieses unsägliche Modell wirklich als typisch deutsches Messer. Allerdings gehen von dort aus häufiger internationale Fehleinschätzungen aus.
Und erzählt mir jetzt nicht, ich würde herumpolitisieren, mein Vater war SS Soldat an der Ostfront (bis zu seinem Tode wurde er von Albträumen heimgesucht), ich weiss, wovon ich rede.
Nochmal, JETZT ist das typisch deutsche Messer NICHT der Blut-Und-Ehre-Dolch. Wirklich nicht.

Ein typisch deutsches Messer gibt es nicht. Bei den Nazis war es der HJ-Dolch, in den 50ern war es das Italienische Stiletto Push Button Springmesser, in den 60ern war es das White Hunter, in den 70ern gab es das typische Decaden-Messer nicht, in den 80ern war das typische Messer alles das, was es bei Herbertz und Böker gab, und seit drei Jahren ist das typisch deutsche Messer ein Microtech oder gar ein ach so praktisches Strider Knife. Und, meine Lieben, von Omas abgewichstem Küchen-Kartoffelschälmesser als typisch Deutsches Messer zu reden, verschlägt mir einfach die Sprache, da finde ich keine Worte mehr. How low can we go? Ich weiss auch nicht, ob das Tragen eines Jagdnickers unbedingt gesellschaftsfähig ist.

Seid nicht böse, aber bevor Ihr antwortet, lest bitte alle Beiträge noch einmal durch.
Dann lasst uns weiter lebhaft diskutieren.

Frohes Fest,

Uli
:confused:
 

braces

Mitglied
Original geschrieben von Del Ray
]
Es ist doch unglaublich, was da so geschrieben wird, das HJ-Messer ist das typische Nazi-Messer, ob es das nun in anderer Form schon vorher gab oder nicht.

Wenn du allem, was die Nazis sich zu eigen gemacht haben, aberkennen willst, es wäre typisch deutsch, dann beschneidest du die deutsche Kultur aber sehr radikal.
Die Nazis haben nunmal alles(!), was sie als deutsch identifizierten, für sich instrumentalisiert. Sich dieser Logik zu beugen räumt dem Nationalsozialismus einen größeren Platz in der deutschen Geschichte ein, als ihm gebührt. 12 Jahre können doch nicht die Kulturgeschichte einer Nation zerstören.

Ich glaube nicht, dass die Nazis sich ein in Deutschland ungewöhnliches Messer als Vorbild für das HJ-Messer genommen haben. Insofern sind Nennungen dieses Messers im Zusammenhang mit "typisch deutsch" unvermeidbar und sicher nicht falsch.
Ich meinte weiter oben auch eher den Typus Fahrtenmesser:
feststehend, sehr stabil, gerade droppoint-Klinge, ca. 12cm Klingenlänge, einseitig ausgeformter Handschutz, Metallknauf

Ob da eine Gravurplatte drauf ist, der Griff Bajonettförmig ausgeformt ist oder was weiß ich was... das ändert an diesem verbreiteten Gebrauchsmesser nur unwesentlich etwas.

stay rude
braces
 

seng1

Mitglied
Ich weiss nicht genau was das Fahrtenmessermodell mit den Alpträumen eines SS-Soldaten zu tun hat?? Das HJ-Messer war meines erachtens das typische Jugendmesser aber nicht das allgemein typische Nazimesser. Und da es dieses Messer in ähnlichen Formen schon vorher gab schließe ich mich braces an.
Ob es allerdings ein 100 prozentiges typisch deutsches Messer gibt weiss ich nicht, aber das Fahrtenmesser kommt doch nahe ran.
 
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