@Cybernikus: Du musst keine Eulen nach Athen tragen. Einen umgelegten Grat wieder zurückbiegen ist natürlich kompletter Unsinn. Ein Grat der sich umlegen kann, sollte an einem geschärften Messer nicht vorhanden sein und gesetzt man könnte so einen Grat aufrichten, würde er sich sofort wieder umlegen oder er würde abbrechen (das ist schließlich gehärteter Stahl und kein Blumendraht oder Kupferdraht den man oft hin- und herbiegen kann und der genau dafür gemacht wird). Dass die Züge einen abrasiven Zweck haben, braucht du mir auch nicht zu erklären. Da braucht man einen Wetzstahl schließlich bloß anschauen, damit man das unmittelbar schon aus der Gestalt erkennen kann. Aber umgekehrt muss man doch die Altvorderen für sowas wie Zombies oder halb Schwachsinnige halten, wenn man glaubt, die hätten das nicht gewusst. Schließlich sieht man den Abtrag nicht nur auf einem weißen Keramikstab, sondern auch bei einem normalen Stahl mit Zügen, wenn man mit einem weißen Tuch den Stahl sauber wischt. Das sollen die Alten nicht bemerkt haben? Weil die ihre Stähle nie abgewischt haben? Und man muss sich selbst für sowas wie einen Messias halten, um ernsthaft zu glauben das sei eine neue Erkenntnis und man müsse Missionieren gehen, um den Leuten zu erklären, dass Züge eine abrasive Aufgabe haben.
Meine Güte - wie kann man das n i c h t bemerken, dass Züge die Aufgabe haben Material abzutragen. Mir missfällt der Schluss der aus der "Entdeckung" gezogen wird, dass ein Wetzstahl abträgt und dabei eine Mikrofase angeschliffen wird. "Na wenn Material abgetragen wird, dann ist das ungefähr dasselbe wie schleifen." Und dann kann man ja das vorgehen beim Schleifen auf den Wetzstahl übertragen. Nur so kommt man drauf, beim Wetzen einen Grat erzeugen zu wollen. Das ist die direkte Konsequenz dieser verkehrten Betrachtungsweise.
Der Unterschied ist: Beim Wetzen wird eine M i k r o fase hergestellt und keine komplette Schneidfase wie beim Schleifen auf dem Stein. Es ist eine unterschiedliche Zwecksetzung. Mikrofase herstellen beim Scharfhalten, Fase herstellen beim Schärfen. Diese eindeutige und scharfe Trennung verunklart man, wenn man eine Vorgehensweise, die höchstens zur Not (wenn man einen Wetzstahl zur Hand hat aber keinen Stein) praktiziert werden sollte, in den Rang einer üblichen Benutzung erhebt. Neulinge sollte man gar nicht auf diesen Pfad führen. Ich halte die Schneidbrettmethode und den Rat einen Grat anzuschleifen, schlicht für komplett falsch. Das ist Schärfen mit dem falschen Werkzeug und nicht Scharfhalten.
Die richtige Konsequenz aus Herumfuchtelei ist auch nicht das Legen des Stahls auf das Schneidbrett, sondern n i c h t herumfuchteln, sondern mit kontrollierten Bewegungen abwechselnd auf jeder Seite wetzen, so wie der Herr von Ambrosi Cutlery das vorführt.