Der Kropf mit Bart! Pro und Contra!

güNef

Premium Mitglied
Servus,

weil es immer wieder zu lesen ist und auch Heute wieder diskutiert wurde, das ein Kropf mit Bart beim Schärfen stört und deshalb bei vielen als Ausschlusskriterium gesehen wird und deshalb ein Spitzenmesser wie ein Herder 1922 entweder nicht gekauft , oder mit Gewalt vom Bart befreit wird und so ein verstümmeltes Dasein als verkrüppeltes Messer führen muß. (Hat eigentlich jemand ein Herder 1922 mit abgenommenem Bart?)

Das sollte mal besprochen werden! ;)

Der Kropf mit Bart ist wohl ein europäisches Phänomen? Ich verwende die Fachbegriffe von Zwilling, (einmal kurz runtergescrollt) damit wir uns klar sind was mit welchem Wort bezeichnet wird!

Ich kenne ihn mit Bart nur an Deutschen und Französischen Klingen! Sollte jemand noch andere kennen, darf gerne ergänzt werden.

Der Kropf mit Bart und seine "Nachteile"die ich so nach und nach mal aufgeschnappt habe, lose aneinandergereiht und ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Er stört beim Schärfen.
Er macht das Messer schwerer als nötig.
Nach langjährigem Gebrauch und häufigem schärfen wandert die Schneide irgendwann hinter den Bart und liegt nicht mehr Plan am Brett auf. Die Folge: Der Bart muss ein wenig abgenommen werden!
Er stört beim Pinch-Grip
Er verdeckt die Sicht auf den Kehl, ein Rückschluss auf die Geometrie eines Messers mit Bart ist so nicht möglich.

Das sind für mich aber alles keine Gründe um deshalb kein Messer mit Bart zu kaufen.

Wie schaut das bei euch aus? Welche Vorteile hat ein Kropf mit Bart?

Meinungen! Ansichten!Statements!

Gruß, güNef
 

Karnstein

Mitglied
Ich denke die Argumente gegen den Kropf sind größenteils eine subjektive Geschichte... wobei ich mich aber klar bei der Fraktion einordne, die auf den Kropf mit Bart verzichtet...


Er stört beim Schärfen.
Nach langjährigem Gebrauch und häufigem schärfen wandert die Schneide irgendwann hinter den Bart und liegt nicht mehr Plan am Brett auf. Die Folge: Der Bart muss ein wenig abgenommen werden!

Sind für mich die zwei einzigen "objektiv-richtigen" Argumente gegen den Kropf. Wobei letzteres in vielen deutschen Privatküchen nicht viel Relevanz hat, da die Messer entweder gar nicht geschliffen werden (=man kauft irgendwann eben neue) oder zu nem Schleifer gegeben werden, dessen Schleifmachine sich vom Kropf mit Bart nicht wirklich beindrucken läßt. Beim Aufschleifen auf dem Wasserstand empfinde ich ihn aber wirklich als hinderlich, besonders in Kombination mit einem schleifunfreudigen Stahl. Die Erfahrung durfte ich selber machen, als ich den kompletten Satz 5-Star Messer (Rewe-Rabattaktion) meiner Eltern über den Kombistein gejagt habe.

Er stört beim Pinch-Grip

Geschmackssache... mich hat er bei den besagten Zwillingsmesser gestört (weswegen ich damals meistens mit dem Santoku gekocht habe), andere nicht... und viele Hobbyköche nutzen den "Kneif"-Griff gar nicht...

Er macht das Messer schwerer als nötig.

Auch hier scheiden sich wieder die Geister. Ich persönlich bevorzuge leichte Messer, deren Schwerpunkt entweder auf Höhe der Stelle liegt wo ich "kneife" oder knapp davor in Richtung Spitze. Wer den Schwerpunkt eher Richtung Griff bevorzugt und auch gerne ordentlich was in der Hand hat, der wird mit einem "Kropf mit Bart"-Messer wohl glücklich werden. Und das ist für mich in Hinblick auf das Herder eben das KO-Kriterium. Gäbe es von Herder ein 20-13cm Kochmesser ohne Bart und mit einem ähnlich guten Gewicht/Länge-Verhältnis wie beim Nakiri, ich hätte wahrscheinlich nie mit der Reise durch die japanischen Messerwelt begonnen. So einfach ist das...

Er verdeckt die Sicht auf den Kehl, ein Rückschluss auf die Geometrie eines Messers mit Bart ist so nicht möglich.

Stimmt, stelllt sich aber die Frage für wieviele Leute das relevant ist? Würde mal sagen für die große Masse eher nicht... und das wäre für mich beim Herder auch gar nicht das Problem (man weiß ja wie die schleifen)...
 

Geonohl

Mitglied
Die Vorteile, die mir gerade einfallen sind:

Schützt die Hand vor dem unangenehmen Kontakt mit der Kante der Klinge die ja ohne Bart nur so 1-3mm dick ist.
Besonders wen der Griff und die Hand schon irgendwie glitschig sind. Wenn man dann eine schiebende oder sogar stoßende Bewegung macht wirds unangenehm, vor allem wen die Haut schon aufgeweicht ist.

Es zeigt, dass an dem Messer wenigstens etwas geschmiedet wurde.

Mehr Gewicht in Richtung Griff aber vor dem Heft (das Gegenteil, eben von dem Gewicht als Nachteil. Das ist ja sehr Geschmackssache).

Macht die hintere Kante stabiler, es gibt ja Leute die benutzen diese Küchenmesser auch für das kleine Anzündholz. Da benutzt man ja eher den Teil direkt in Griffnähe.
 

Benuser

Mitglied
Nicht nur in Solingen und in Thiers. Hier zwei Sheffields aus bezw. 1948 und den 20er-Jahren

Es gehört einfach dazu. Ist nicht besonders praktisch, aber ich möchte das Aussehen nicht zuviel zu ändern.
 

gae-bulga

Mitglied
Ich möchte hier die Fraktion der Einsteiger noch etwas deutlicher vertreten, obwohl dies Geonohl bereits getan hat.
Dabei beziehe ich mich eher auf den Handschutz, welcher ja mit dem Bart einhergehen dürfte:

Gerade zu beginn, als ich bei Rewe meine Twin Pollux (oder ähnlich)-Messer erstanden hatte (meine ersten halbwegs scharfen Messer), habe ich mich unendlich über den fehlenden Bart bzw. Handschutz geärgert (aber auch vorher nicht darauf geachtet).
Mehr als einmal habe ich mir vom feinsten in den Zeigefinger geschnitten (natürlich nah am letzten Gelenk, damit es bei jeder Bewegung wieder aufreißt bzw. schmerzt).
Und selbst wenn ich mich nicht geschnitten habe, ist der Druckkontakt mit der schmalen Klinge (wenn man mal etwas mehr Gewalt benötigt) extrem unangenehm.

Es geht halt sehr schnell.
Man wäscht und putzt das Gemüse, portioniert alles schön, die Klinge und Hände sind nass, anschließend wird der Braten von Sehnen/ Knochen/ Knorpel befreit, es wird etwas mehr Druck ausgeübt und schwupps: Ein Pflaster weniger in der Packung.

Im Einsteigerbereich ist das Problem gleich dreifach vorhanden.
Denn nicht nur fehlt der Bart/ Handschutz, sondern die Griffschalen sind meist aus sehr pflegeleichtem, glattem (und damit sehr rutschigem) Kunststoff (oder Edelstahl - wer es mag).
Außerdem sind die Griffe häufig "ergonomisch" gestaltet, so dass der Griff in der Handmitte sehr bauchig ist und sich ausgerechnet zur blanken Klinge hin verjüngt.
Da wird die ungeübte Hand geradezu auf die Klinge gelenkt.

Gleichzeitig bringt es keinerlei Vorteile, da Einsteiger ihre Messer höchstens einmal mit dem Wetzstahl malträtieren.
Aus Schmerzen lernt man (und Frau), aber im Einsteigersegment halte ich es für absolut überflüssig.

Gerade für Einsteiger und Gelegenheitsköche würde ich grundsätzlich Messer mit Bart/ Handschutz empfehlen.
Wer mehr will, der sollte wohl besser ohne nehmen (sogar beim Wetzstahl nervt er dann, da man nicht die volle Klingenlänge wetzen kann), immerhin wird mit zunehmender Übung immer weniger Kraftaufwand nötig.


Liebe Grüße
Dennis
 

Kiam

Mitglied
Mein bequemstes, handschmeichelndes Messer?-Ein Burgvogel mit halben Kropf, ohne Bart allerdings.
Ich kann gut ohne, aber jedesmal wenn mein Finger sich gegen dieses kuschelige Stück Stahl schmiegt, wird mir klar:"Ohh, fühlt sich gut an!".
Stört nicht beim greifen und ist ein ganz klarer Kompfortgewinn!
Der halbe Kropf ist auch kein Problem beim schleifen. Der ganze allerdings... Ausschlusskriterium.
 

Gabriel

Premium Mitglied
Moin,

also meiner Meinung nach bringt ein Bart (am Messer :D) ebenfalls ausschließlich Nachteile. Vor allem der Aspekte, dass er beim Schärfen auf dem Stein "im Weg" ist und die Tatsache dass, der Schliff auf lange Zeit gesehen dadurch beeinflusst werden kann sind zwei doch deutliche Nachteile.

Vorteile? Eventuell hilft er bei der Balance des Messers, aber zu dem Preis höheren Gewichts...

Prinzipiell habe ich mir das 1922 ebenfalls nur "trotz" des Bartes gekauft, weil es ansonsten ein so exzellentes Messer zu einem guten Preis ist. Ansonsten wäre es nicht bei mir gelandet.

Also von mir ein klares Votum gegen den Bart ;)

Gruß, Gabriel
 

Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Moin,

der Roadhouse-Senf zum Bart schmeckt nach Gabriels: Cooles Messer, das 1922, trotz Bart gekauft :) ...

Greetz R'n'R
 

helderup

Mitglied
Was die Schleifbarkeit erhöhen kann ist ein 2- 5 mm tiefer Einschnitt zwischen "Klinge" und Bart.
Durch die mechanische Trennung schleift man den Bart nicht mehr mit.
 

Pierknüppel

Mitglied
@ helderup
das funktioniert wohl aber irgendwann kommst du mit dem hinteren Teil der Schneide nicht mehr aufs Brett .Ich also auch Contra Bart
 

güNef

Premium Mitglied
Servus,

Gabriel hat mich darauf gestossen, ich hätte da noch ein Argument für den Kropf mit Bart: Er schafft bei Messern mit empfindlichen Griffhölzer eine Barriere zwischen Griff und Schnittgut.

Als Beispiel: Herder 1922 Office versus K1, oder Herder Kochmesser 1922 versus Herder K5.

Hier ist der Griffanfang eine exponierte Stelle und hat mehr Kontakt zum Schnittgut und dessen Säften als ein Messer mit Kropf/Bart. Deto beim säubern!

Meinungen?

Gruß, güNef
 

_Centurio_

Mitglied
Servus,

kurz und schmerzlos. Der Bart bringt nur Nachteile in meinen Augen. Alleine aufgrund des erschwerten Nachschleifens (es bildet sich mit hundert prozentiger Sicherheit ein Recurve) ein absolutes K.O. Kriterium.

Alle Messer mit Bart die ich von Leuten zum Schleifen bekomme weisen einen Recurve auf, hier muss dann maschinell nachgearbeitet und der Teil des Bartes welcher die Schneide trifft entfernt werden.

lG Olli
 

Karnstein

Mitglied
Servus,

Gabriel hat mich darauf gestossen, ich hätte da noch ein Argument für den Kropf mit Bart: Er schafft bei Messern mit empfindlichen Griffhölzer eine Barriere zwischen Griff und Schnittgut.

Als Beispiel: Herder 1922 Office versus K1, oder Herder Kochmesser 1922 versus Herder K5.

Hier ist der Griffanfang eine exponierte Stelle und hat mehr Kontakt zum Schnittgut und dessen Säften als ein Messer mit Kropf/Bart. Deto beim säubern!

Meinungen?

Gruß, güNef

Naja, das erreichst du mit der Krone/partiellem Kropf, wie du man ihn bei Jo-Japanern und diversen "modernen" Europäern findet, ebenfalls. Ohne die von _Centurio_ erwähnten Recurve-Probleme... bzw. das mit dem Saft hast du ja zu nem gewissen Grad bei den Wa-Griffen ebenfalls. Oder allen Schanz-Küchenmessern mit Edelholzgriffschalen...hält uns "Messerverrückte" nicht davon ab, bei Herrn Schanz oder Herrn Watanabe ordentlich Geld auf den Tresen zu legen... :p
 

Rock'n'Roll

MF Ehrenmitglied
Hätte da noch ein Argument für den Kropf: Steht dem Herder 1922 Office echt gut. Liegt sehr bequem in der Hand das Messerchen beim Apfelschälen. Eines der wenigen scharfen Schätzchen, das mich trotz täglichem Einsatz seit Monaten noch nicht gebissen hat (war jetzt btw ja auch schon wieder ein kleines Plädoyer für das 1922 Office :D) ...

Gerne

R'n'R
 

Schwatvogel

Mitglied
Das wichtige Gegenargument ist schon genannt worden: Er stört beim Schleifen. Da kann man auch nicht wirklich drum herum reden; und ein Ricasso (die angesprochene Trennung zwischen Kropf und Klinge) sieht an einem Kochmesser wirklich ausnehmend deppert aus und käme zumindest für mich nicht in Frage.

Die anderen Argumente sehe ich weniger: Es gibt Messer, die leben von ihrer Leichtigkeit; bei allen anderen ist der Gewichtsunterschied zwischen einem Rundkropf und einem heruntergezogenen Kropf relativ vernachlässigbar. Die Notwendigkeit, alle Jubeljahre den Kropf mal ein Stück zurückzusetzen, finde ich als Gegenargument auch etwas albern. Ich habe das letztens wieder bei drei Messern gemacht und das hat zusammen fast zwanzig Sekunden gedauert... Beim Pinch-Grip stört ein Bart auch keinesfalls, eher im Gegenteil: Ein Messer mit einem heruntergezogenen Kropf fasst sich in meinen Augen sehr gut an, es lässt sich damit äußerst angenehm arbeiten, wenn alle Kanten ordentlich gebrochen sind.

Weiter schützt der Bart die ungeschickte (rutschige) Hand vor Verletzungen. Fraglos ein Vorteil ist auch, dass die Klinge durch einen heruntergezogenen Kropf an Stabilität gewinnt und, was noch gar nicht angeführt wurde, die Unterseite durchaus als Werkzeug dienen kann. Ich habe schon ab und an mal einen Koch mit dem Kropf einen Hühnerknochen o.Ä. zerschlagen sehen. Abschließend sicherlich ebenfalls ein Punkt: Ich finde Messer mit (Schmal)Kropf sehr schön. Sie gehören einfach zur klassischen Ästhetik europäischer Messer dazu.

Dass die angeschnittene Faser der Griffvorderkante vor dem Schnittgut geschützt wird, das kann auch ein heute fast zum Standard gehörender Rundkropf, das sehe ich nicht als exklusiven Vorteil.

Es bleibt stehen: Der heruntergezogene Kropf stört beim Schleifen. Ich komme aber mit diese etwas schwierigeren Schleifbedingungen klar, andere Leute können das sicherlich anders sehen. Man bekommt für diesen Nachteil aber auch Vorteile; nicht jeder wird explizit nach diesen Vorzügen in seinem Messer suchen, Vorteile sind und bleiben es aber trotzdem.
 
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