Einstieg in hochwertige Klappmesser

Wipeout267

Mitglied
Hi,
bisher war ich hier nur im Kochmesserbereich hier im Forum aktiv, aber ich würde jetzt gern auch in hochwertige Klappmesser einsteigen. Auch wenn das sicher keine gute Idee für meinen Geldbeutel ist, noch meine Frau viel Verständnis haben dürfte. ;)

Ich habe hier jetzt schon viel gestöbert und gelesen, Bilder geschaut und Händlerseiten durchgescrollt und ein paar gute Ideen gefunden, würde mich aber trotzdem über eure "Beratung/Entscheidungshilfe" freuen.

Zuerst einmal, für was ich das Messer haben möchte:
Zuverlässiger Begleiter für Outdooraktivitäten und beim Sport, also für alle möglichen Schneidarbeiten beim Wandern, Skitouren, Klettern, oder einem Overnighter beim Bikepacking, beim Lagerfeuer mit der Familie und Kumpels, etc... Schneidarbeiten gehen daher von Durchtrennen von Reepschnüren, Anspitzen von Stöcken, zur Brotzeit, bis hin zur Essenszubereitung (beim Camping zum Beispiel), also Obst, Gemüse, Wurst, Käse, Fleisch, ...

Nachdem ich mir ein paar Messer von Böker, Benchmade, Spyderco angeschaut habe, bin ich bei Spyderco hängen geblieben und mir recht sicher, dass es ein Klapper mit dem charakteristischen "Spydiehole" werden soll. Zuerst bin ich da über das Tenacious gestolpert, und war schon versucht es zu bestellen, dann das Endura 4 gesehen, Paramilitary 2 und zuletzt hier die tollen Bilder von @pebe zum Manix, irgendwo wurde noch das Smock empfohlen, dass ich auch sexy finde.

Fakt ist , ich habe bis auf Victorinox, Opinel, und Multitools ala Leatherman wenig Erfahrung mit Taschenmessern und wenig Ahnung auf was es ankommt.
Was ich weiß: ich würde gerne gleich etwas Hochwertiges kaufen. Wichtig wäre mir:
- eine robuste Klinge, harter Klingenstahl der hohe Schärfe ermöglicht bei hoher Schnitthaltigkeit.
- einigermaßen leicht und flach für guten Tragekomfort
- Leichte Schärfbarkeit mit EP Klon und meinen Shapton Steinen

Ich hatte keins der Messer bisher in den Händen, ich kann euch aber sagen, warum ich das Tenacious und auch Endura erstmal ausgeschlossen hätte:
- Produktionsstandort: China möchte ich eher nicht, Japan od. Taiwan wäre noch OK, aber deutlich lieber wäre mir ein Spyderco aus den USA
- Klingenstahl: 8Cr13MoV gilt ja eher als einfacher günstiger Klingenstahl (und erfüllt daher wohl nicht meine Anforderungen, oder?), von VG-10 habe ich nur aus einem Endura Review entnommen, dass schnell wieder stumpf. Beides reine Mutmaßungen von meiner Seite ohne viel dazu zu wissen.

Budget: ursprünglich war ich eher bereit 100€ auszugeben, habe mein Budget aber auf 200€ erweitert. Mehr sollte es nicht werden.

Aktuelle Favoriten (alle mit G-10 Griffschalen):
- Paramilitary 2: scheint mir ein robuster Klassiker zu sein; leider ist Verfügbarkeit wohl schwierig, habe es leider nicht im Budget und lieferbar gefunden
- Manix 2: seeehr stimmiges Messer; leider nirgends zu ordentlichem Preis verfügbar; hier wird ja gern der Hebel gegen Titan getauscht: ist das notwendig?
- Smock: ganz anders vom Design, spricht mich aber definitiv an; vermutlich zu teuer/nicht lieferbar oder kennt jemand eine Bezugsquelle für unter 200€?
- ggfs. noch Endura 4 od. Delica 4, wenn ihr mir zu dem Klingenstahl raten könnt


Zu welchem Messer würdet ihr mir raten oder habt ihr Alternativvorschläge? Gerne auch Bezugsquellen für obige Messer, wenn ihr das Messer und Laden empfehlen könnt.

P.S.: Es ist mir klar, dass das Einhandmesser sind und ich habe mich auch mit der Thematik §42 auseinandergesetzt.
 

porcupine

Super Moderator
Hier gibt's das Paramili 2 für unter 200. Ist ein hervorragendes Schneidwerkzeug; erwarte aber keine Brecheisengeometrie. Manix 2 oder Endura wären da auch verfügbar. Das Endura kommt übrigens aus Seki/Japan.
VG-10 ist ein sehr guter Stahl, ich benutze meine Spydies aus diesem Stahl viel und habe daran nichts auszusetzen. Es kommt immer darauf an, was man mit dem Messer anstellt; stumpf bekommt man jedes.
 
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pebe

Premium Mitglied
Wenn Du ein bisschen hier im Forum stöberst, wirst Du mehrere aktuelle Berichte von mir zu Spydercos finden.

Nach Deinem Anforderungsprofil würde ich eindeutig ein Manix 2 empfehlen. Es ist nach objektiven Kriterien das stabilste, hier wären z.B. das separate Edelstahl Linerskelett und der über dem Pivot verschraubte Backspacer zu nennen.

Der Kunststoff ball cage hat gegenüber dem aus Titan eher optische Nachteile, der Verschluss arbeitet nicht so geschmeidig wie die Benchmade Lösung, aber funktioniert absolut ausreichend sauber. Für mich hat er nur Vorteile gegenüber dem compression lock, den ich unterm Strick zu frickelig finde - im direkten Vergleich.

Persönlich mag ich S90V und S110V an einem edc am liebsten. Es gibt viele gute und taugliche Stähle - diese beiden bleiben bei edc Schneidaufgaben spürbar länger scharf.

Ich würde entweder warten, bis das Manix 2 mit S110V bei K&T für 200,- verfügbar ist oder eines vom Sekundärmarkt nehmen - was auch ich getan habe. Die sind recht gut zu bekommen.

Das Smock halte ich für das beste Spinnen edc, aber als Rucksack- oder Outdoormesser würde ich es aus verschiedenen Gründen nur aus Verlegenheit einsetzen.

grüsse, pebe
 

Wipeout267

Mitglied
Danke, leider kein Manix 2 mit S110V oder S90V lieferbar gefunden, evtl. das hier in ein paar Tagen: Manix 2
Allerdings ist das das lightweight. Spräche da etwas dagegen? Das würde mir schon ziemlich gut gefallen. Bei Kleinanzeigen habe ich kein einziges Manix gefunden.

Ich bin noch über das Para3 gestoßen. Das gefällt mir auch gut wg der Fingermulde am Übergang Griff zu Klinge. Und relativ günstig zu haben und verfügbar: Para 3 LW.
Allerdings als Klingenstahl CTS-BD1N. Ist das ein großer Unterschied zu S110V oder S90V?

Deine Berichte schaue ich mir mal, Pebe.
 

pebe

Premium Mitglied
Sebenza für 200,-? WoWoWo?

Kleinanzeigen ist der falsche Ort. Spydercogruppen im GesichtsBuch schon eher..

grüsse, pebe
 

pitter

Forumsbetreiber
Teammitglied
Allerdings als Klingenstahl CTS-BD1N. Ist das ein großer Unterschied zu S110V oder S90V?

Ja, da gibts nen großen Unterschied. CTS Dings ist halt einer der aktuell üblichen stickstofflegierten, mehr oder weniger 0815 Stähle.
S110V will keiner bearbeiten, S90V iss a bisserl weniger anstrengend. Beide teuer, schnitthaltig, angeblich schwer zu schärfen, keine feinen Schneiden . .... das ganze PM Gedöns halt.

Was ist eigentlich Deine Frage? Ob der CTS besser/schlechter ist? Ja, ist er, alles von Beiden ;) In kurz, mach die Messerauswahl nicht zu sehr am Stahl fest. Ab 440C iss es in der Praxis wurscht. Das hab ich 2000 gesacht, das sag ich heute. Falls es nicht wurscht ist (Hackedings, 24/7 Salzwasser, Seeminen entschärfen, Cutting Tests, 3µ breite Tomatenscheiben, 360° Flextest....) reden wir wieder.

Ob das Ding gut in der Hand liegt, ne für Deine Anwendung geeignete Klingengeometrie hat, nicht wackelt und nuddelt und vor allem ob es Dir gefällt ... ist way more wichtig.

Pitter
 
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pitter

Forumsbetreiber
Teammitglied
Danke, leider kein Manix 2 mit S110V oder S90V lieferbar gefunden, evtl. das hier in ein paar Tagen: Manix 2
Allerdings ist das das lightweight. Spräche da etwas dagegen?

Ja, das hat viel Plastik. Sexy find ich das nicht.

Andererseits ....

Ich hab das mit CTS Dings Klinge als Garten-/Hinterhofmesser. Als Nicht-Spydercofan ist das eines meiner liebsten Messer. Liegt gut in der Hand, iss leicht, nicht zu groß, nicht zu klein. Und obwohl ich Null auf vernietete Konstruktionen stehe, stelle ich fest, dass an dem Ding nix wackelt und tut. Seit Jahren. Ok, mit S110V gibts auch mehr Sexyness. jetzt hast Du mich auf was gebracht ...

Pitter
 

pebe

Premium Mitglied
Das lightweight hat auser dem Preis und dem geringeren Gewicht nur Nachteile.

Null sexy, bestenfalls halbpraktisch, vernietet nicht geschraubt. Hat so gar nix vom Begleiter für alle Fälle.

Mit EP Klon plus Shapton gibt es Null Schleifprobleme. Statt 5x machst Du 10x die Züge im Vergleich zu deutlich weicheren Stählen.

Ich habe immer 20 Grad bezogen auf die Auflagefläche eingestellt. Die Klinge lege ich dann direkt auf die Primärfase des Flachschliffs - nicht auf‘s plane Ricasso.

Ich mache öfters Kartonzerlegen auf A5 oder A6 Format, in der Regel einen großen Müllsack voll. Die beiden genannten CPM sind dann immer noch sehr scharf und halten letztlich sehr lange eine wirklich brauchbare Schärfe, mit der man später nicht säbeln muss.

Ein Manix 2 mit S110V für max. 200 Euro ist zubekommen. Neben der reinen Funktion sind bei diesem Messer einige specials abseits 08/15 Einheitsbrei eingepreist, die das Messer durchaus besonders machen - und aus meiner Sicht jeden Cent wert.

grüsse, pebe


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Wipeout267

Mitglied
Danke euch für die vielen Antworten.

@pitter : leider habe ich kein Sebenza lieferbar gefunden, das mir gefallen hätte. Sonst hätte ich mein Budget evtl nochmal überdacht. Wenn man die darauf folgende Scheidung mit einrechnet, wäre das dann ein wirklich hochpreisiges Messer. Aber hey, Hauptsache hochwertig. ;)

Daher muss ich leider mit meinem Budget weitermachen und da ich eher ungeduldig bin, überlege ich, ob ich nicht einfach bei einem gänzlich schwarzen Manix mit S30V Klinge zuschlage für 179.-. Schaut echt geil aus so ganz in schwarz, ist nicht die, wie @pebe dargelegt hat, minderwertigere lightweight Version und der Stahl ist auch härter wie 440C, laut meiner Quelle sogar härter als S110V, aber vermutlich würde mir das eh nie auffallen, habe ja (noch) keinen Vergleich.

Ok, mit S110V gibts auch mehr Sexyness. jetzt hast Du mich auf was gebracht ...
Wie jetzt? Du willst dir doch nicht wegen des Klingenstahls so eine Plastikgurke kaufen?! :D
 
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Wipeout267

Mitglied
Ach so: und danke ans Verschieben des Threads in das Kaufberatungsforum. Mea culpa. Dachte schon, das gibt es unter "Klappmesser" nicht.
 

Partizan

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Ich würde noch LIonsteel mit in den Raum werfen wollen, als Beispiel das Thrill Materialien sind hochwertig, Verarbeitung von den Italienern ist hervorragendn ach meinen Erfahrungen. Thrill in Titan wäre 50 über deinem Budget, aber hier gibts das sogar für 210
 

Bukowski

Premium Mitglied
Der Spyderco Bradley 2 Folder kommt wahrscheinlich nicht in Frage, weil der M4-Klingenstahl keine hohe Rostträgheit aufweist, ich nenne es trotzdem, weil's aus meiner Sicht ins Anforderungsprofil passt ;)

Die 93mm langen Klinge ist mit dem schneidfreudigen Hohlschliff ideal für Foodprep, mit dem ausgewogenen M4 aber dennoch wiederstandsfähig genug für härtere Schneidaufgaben.
 

Wipeout267

Mitglied
Auf jeden Fall ein sehr schönes Messer. Bei meinen Aktivitäten kann es aber schon nass werden, daher wäre mir rostfrei lieber.
 

Wipeout267

Mitglied
Ein weiteres Messer, dass mir gut gefällt, wenn auch nicht Spyderco, ist definitiv das Benchmade 940. In der 940-2 Version mit G10 Griffen und S30V Klinge fast im Budget und lieferbar: Benchmade 940-2

Die Klingenform gefällt mir sehr gut. Leicht wäre es auch.

Kann jemand etwas zu dem Messer ggfs. im Vergleich zum Manix 2 sagen? Insb. bezüglich Öffnen Daumenpin vs Spydiehole.
 

pebe

Premium Mitglied
Das Benchmade geht eher in dir Richtung des Smocks - handliches edc.

Selbstverständlich kannst Du Dir auch ein schlichtes Hubertus Hirschhorn für die gedachten Aufgaben holen, andere kommen hier selbst mit einem einfachen Opinel klar.

Meistens ist es nicht die Frage, wieviel Reserven man braucht, sondern wieviel Reserven gewünscht sind. Die wenigsten Käufer von tactical edc Messern ziehen tatsächlich in den Krieg, sondern sind einfach begeistert von den overbuilt Reserven dieser Messer.

Ich persönlich mag am liebsten Daumenpin, am wenigsten Flippertaps - in erster Linie Ansichtssache und wie gut optisch sowie technisch umgesetzt.

grüsse, pebe
 

Bukowski

Premium Mitglied
Im Unterschied zu den meisten Spydercos, die eine hohe Klinge mit Vollflachschliff haben und sich zur Spitze verjüngen, sind die meisten Benchmades eher stabil geschliffen, so auch das 940: niedrige Klingenhöhe, Klingenschliff nur 3/4-hoch, kaum Verjüngung zur Klingenspitze, dennoch mit 2,9mm Klingenstärke fast so dick wie das Manix mit 3,2mm.

Spätestens wenn du mit beiden Messern im Vergleich eine Mahlzeit zubereitest, wirst du feststellen, dass das Manix besser schneidet (und trotzdem ausreichend stabil für dein Anforderungsprofil ist).

Im Gegenzug empfinde ich Griffergonomie und -konstruktion vom Standard G10 Manix 2 mit den Vollstahlplatinen ohne Ausfräsungen für "härtere" Einsätze als zuverlässiger.
 
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Wipeout267

Mitglied
Meistens ist es nicht die Frage, wieviel Reserven man braucht, sondern wieviel Reserven gewünscht sind. Die wenigsten Käufer von tactical edc Messern ziehen tatsächlich in den Krieg, sondern sind einfach begeistert von den overbuilt Reserven dieser Messer.
Das ist klar. Hier geht es primär darum etwas zu kaufen, das rein meine Wunschvorstellungen erfüllt und weniger objektive Anforderungen (auch wenn man sich das gern einredet). Und es darf einen gewissen Wert haben, obwohl ein Messer für viel weniger Geld auch ausreichen würde. Ein Opinel habe ich, das weckt bei mir keine Emotionen mehr.

Spätestens wenn du mit beiden Messern im Vergleich eine Mahlzeit zubereitest, wirst du feststellen, dass das Manix besser schneidet (und trotzdem ausreichend stabil für dein Anforderungsprofil ist).
Danke. Das ist eine sehr gute Info, da das tatsächlich etwas ist, das mir in der Praxis entgegenkommen wird.

Fazit: ich bestelle jetzt das Manix 2 S110V und hoffe, dass es bald geliefert wird. Vielen Dank für eure Hilfe!

P.S.: Dass das Manix 2 gewissermaßen noch Tuningpotential (Carbon Griffschalen, Titan Ball Ball Cage Lock) hat, finde ich auch ganz reizvoll.
 

columbo

Mitglied
Berichtest Du uns nach Erhalt den Ersteindruck zu Deiner Wahl?

Hab jetzt nicht gesehen, ob Du in oder außerhalb von Deutschland unterwegs bist. 42a ist dann ggf. ein Thema, welches das Manix bei offenem Tragen nicht erfüllt. Lil Native Slipit wär da eine Option (aber kompakt und klein) gewesen. Ich hab mir für so was ein altes discontinued Terzuola Slipjoint geholt.