Leitfaden Polizeilampen am Bsp Gladius/Barbolight/Inova/Hellfighter

Aufgrund einer Umstellung in der Arbeit verwende ich nun häufiger die Clips von Lampen, bzw möchte das tun. Der Gedanke ist, eine Arbeitslampe während den Nachtschichten an der Weste anzuclipsen, um sie schnell zur Hand zu haben. Im Holster am Gürtel wird dann eine Backup-Lampe getragen, denn "two is one, one is none".
IMG_20240517_013617_689.jpg

Es geht hier um die Öffnung mittig rechts neben dem Reißverschluss. Diese Stelle ist vor allem für ein Funkgerät und hat im inneren eine Metallverstärkung.

Der Plan hat mich aber feststellen lassen, dass es mit diesen Clips gar nicht so einfach ist. Ich will einen Clip, der fest an der Lampe sitzt und sich nicht sofort löst, wenn sich die Leuchte mal kurz verkantet. Der Clip soll stabil sein, um einen sicheren Halt zu bieten, weil ich meine Lampen behalten und nicht verlieren will. Er soll sich leicht an die Halterung/Gürtel/etc stecken lassen ohne Gefriemel, sich aber auch entsprechend einfach und schnell lösen lassen. Klingt nach eierlegenden Wollmilchsau und ungefähr so soll es auch sein. Hier mal ein paar Eindrücke zu den verschiedenen Clips, die ich nun getestet habe. Ausgangslage war immer, die Lampe an die Weste zu clipsen, an der genannten Stelle.

Eagtac D25A2
IMG_20240527_101857_240.jpg
IMG_20240527_101923_839.jpg

Die Eagtac hat einen Clip, der mittels Konterring gesichert ist. Er löst sich nicht von der Lampe, passt also. Das Anstecken und Ziehen geht schnell, allerdings ist das Metall des Clips zu weich und verbiegt sich bei geringer Kraftanwendung. Zudem ist der Clip recht kurz geraten, so dass diese Variante in meinem Fall schlecht funktioniert.

Alte Klarus XT11
IMG_20240527_101809_771.jpg
IMG_20240527_101834_220.jpg

Der angesteckte Clip löst sich viel zu schnell von der Lampe, bzw sitzt nicht sicher. Da der Kopf der Lampe etwas größer ist (aber immer noch normaler Standard bei Einsatzlampen), ist das anclipsen kein Selbstläufer, man muss etwas nachhelfen. Zudem verkantet sich die XT11 bereits leicht, wenn sie angesteckt ist, was dafür sorgt, dass der Clip sich schon zu einem Teil löst. Man kann dagegen steuern, indem man den Zigarrengriffring installiert, allerdings nur in dieser einen Richtung. Die andere Ausrichtung des Ringes wäre bequemer. Dieser klemmt den Clip fest, so dass das Problem gelöst ist. Der Rest passt einigermaßen, das Material ist noch robust genug. wenn auch nur bis zu einem bestimmten Grad. Die neueren Klarus, zB XT11GT pro, haben ebenfalls einen ansteckbaren Clip, der aber von der Endkappe fixiert wird. Er kann sich also nicht lösen. Ob das Metall des neuen Clips robust genug ist, kann ich mangels solcher Modelle nicht sagen. In dieser Konfiguration kann man die alte XT11 mit kleinen Einschränkungen so verwenden, optimal ist es immer noch nicht.

Acebeam Pokelit:
IMG_20240527_101733_862.jpg

Sie hat einen 2-Wege-Clip, lässt sich also in beide Richtungen anbringen. Das gefällt mir und funktioniert gut. Der Clip ist auch nur angesteckt, allerdings ist die Lampe sehr klein und leicht, so dass hier keine Hebelkräfte auftreten. Das Prinzip hier ist gut, die Lampe wird sicher gehalten. Da sie keine Einsatzlampe ist, soll sie nur eine Form des Zwei-Wege-Clips demonstrieren.
Ein weiterer Vertreter mit diesem Clip ist die Wurkkos TS22. Sie ist auch keine Einsatzlampe, der Clip gefällt mir aber.
IMG_20240527_102320_625.jpg


HDS Clicky
IMG_20240527_101748_109.jpg

Der Molle-Clip ist hässlich und so groß wie die ganze Lampe, aber er funktioniert schlicht am besten. Er ist absolut robust und massiv, sehr groß, lässt sich überall leicht anclipsen und auch wieder ziehen, hält die Lampe aber trotzdem sicher fest. Weiterhin ist er geschraubt, kann sich also auch nicht von der Lampe lösen. Der Federstahl gibt zwar nach, aber er bricht nicht, selbst bei etwas größerer Verbiegeaktion. Das ist mehr als gut und hier zeigt sich form-follows-function perfekt. Sowas an einer ausgewachsenen Einsatzlampe würde mir gut gefallen – die kleine Einschränkung in der Handlage nehm ich gerne mit. Leider ist die HDS nur eine Backup, für eine Hauptlampe ist sie zu schwach und hat zu wenig Laufzeit.


Was ebenfalls sehr alt ist und absolut top funktioniert: die Barbolight U04, die ich beim Kramen in Kartons wieder gefunden habe.
IMG_20240603_105701_562.jpg

Der Clip ist aus Titan und angeschraubt, Befestigung und Material sind allererste Sahne. Insgesamt war die Barbolight eine der besten Lampen, die ich je gehabt habe. Design, Handlage, Riffelung, Clip – zum Verlieben. Anstecken geht schnell, der Halt ist gut, Ziehen ist einfach und ohne Verhaken. Auch sowas darf gern mal den Weg an eine moderne Einsatzlampe finden, Klarus und Co!

Nextorch:
IMG_20240527_102011_873.jpg

Der Clip ist gesichert und löst sich nicht, v.a. in Kombination mit dem Fingerring. Der Clip ist ausreichend stabil vom Material her, allerdings recht klein und kurz. Hier würde eine Zunahme der Abmessungen ganz gut tun, um den Halt an Weste und Co wirklich sicher zu machen. In dieser Form war mir der Halt an der Weste zu unsicher.

Thyrm
IMG_20240528_140152_119.jpg

Der Thyrm Switchback hat einen Clip aus Kunststoff, der recht gut funktioniert. Er lässt sich durch die Form recht leicht anstecken und hält auch recht gut, wobei er mit den guten Metall-Clips nicht ganz mithalten kann. Die Stabilität habe ich jetzt noch nicht getestet. Praktisch ist auch, dass der Fingerring gegenüber das Greifen und Ziehen der Lampe erleichtert, insofern ist diese Kombination gar nicht verkehrt. Der Thyrm hat an der Weste in dieser Konfiguration gut funktioniert.


Fazit: Die meisten Lampen lassen sich nur sicher in einem Holster tragen, gerade, wenn man evtl etwas dynamischer unterwegs ist. Tatsächlich wäre das der erste Schritt, nach einem Holster zu suchen, das an der gewünschten Stelle am Gürtel, Rucksack etc befestigt wird. Wenn man aber clipsen will, rate ich dazu, vorher Lampe und bevorzugte Stelle miteinander zu testen, denn diese Clips sind in den meisten Fällen nur geeignet, eine Lampe zu halten, die IN einer Tasche steckt, nicht aber eine Lampe, die AUSSEN befestigt ist.
 
Last edited:
In letzter Zeit sind ja die taktischen Fingerringe ganz modern. Der Klassiker ist der Thyrm oder die Surefire-Ringe, inzwischen gibt es sie von Fenix, Nextorch und Wuben bzw fest an den Lampen angebracht (zB Brynite). Wenn ich mir so anschaue, was da geboten wird und zum Teil in Foren auch hochgejubelt wird, dann wird mir schlecht und ich frage mich, ob diejenigen jemals ernsthaft damit gearbeitet haben. Es gibt Lampen mit fest angebrachtem Fingerring aus Metall. Das ist grob fahrlässig und ein guter Weg, nicht mehr außendienstfähig zu sein. Ich kenne kaum einen Kollegen oder Kollegin, die nicht schon mal im Dienst einen Abflug gemacht hat, sei es auf Glatteis oder bei rutschigem Untergrund, beim Übersteigen eines Zaunes etc. Steckt der Finger in einem Metallring, wirkt die Lampe wie ein großer Hebel und bricht den Finger im guten Fall, im schlechten Fall halte ich (Teil)Amputationen für möglich. Es reicht ein normaler Mode-Fingerring aus, der sich an einem Metallzaun verhakte, um den Finger (Weichteile) fast komplett vom Knochen zu trennen, als der junge Mensch über den Zaun gestiegen ist. Denkbar ist auch, dass im Gerangel jemand anderes die Lampe als Hebel benutzt. Damit will ich sagen, dass ein fester Ring mit Hebel eine unglaublich blöde Idee für den Finger ist. Es gibt nur zwei sinnvolle Lösungen: weiches und nachgiebiges Material wie bei Surefire, oder Sollbruchstellen/Öffnungsstellen wie bei Thyrm. Gibt es hier Hebelkräfte, öffnet sich der Ring und verhindert eine Verletzung des Fingers. Der Nextorch-Ring bietet sehr viele Möglichkeiten, die Lampe zu handhaben und zu greifen, das ist top. Allerdings fehlt ihm die Bruchstelle. Der Bügel selbst gibt zwar zu einem gewissen Grad nach, allerdings ist die Hebelwirkung auf den Finger nicht ohne und doch auch schmerzhaft. Es empfiehlt sich also, bewusst einzukaufen.

Surefire
IMG_20240527_102244_927.jpg
IMG_20240527_102256_468.jpg
img_34616bsbu.jpg

Das hier ist nicht der Ring, sindern nur der Finger-Haken. Der Ring selbst ist noch in einem Umzugskarton, den habe ich aktuell grad nicht zur Hand, deswegen muss ein altes Bild herhalten. Surefire verwendet beim Ring im oberen Bereich etwas festeren Kunststoff, die Schlaufe selbst ist recht weich. Ein Verdrehen der Lampe schädigt den Finger nicht, allerdings funktionieren nicht alle Techniken wie zB beim Thyrm. Generell aber ein gutes Hilfsmittel, um trotz Taschenlampe mit dieser Hand noch arbeiten kann.

Thyrm
IMG_20240528_140143_935.jpg
IMG_20240528_140155_677.jpg
IMG_20240528_140337_554.jpg

Dieser Ring ist in meinen Augen die Referenz. Es funktioniert, die Lampe in der Hand zu flippen, je nachdem was man gerade machen will, man kann die Lampe wunderbar zusammen mit einem Gerät, das laute Geräusche macht, nutzen, vielseitiger als mit Surefire. Es gibt einen Clip, der sogar funktioniert und auch an die Sicherheit wurde gedacht, in dem eine Öffnungsstelle eingebaut wurde. Verkanten sich Lampe und Finger, öffnet sich der Ring und gibt den Finger frei - top. Der Ring ist dann auch nicht kaputt, man kann ihn einfach seitlich zurückstecken in die Aufnahme und alles ist wie zuvor. Natürlich sollte man mit diesem Ring üben, um ihn sinnvoll anzuwenden, er bietet in meinen Augen das beste Gesamtpaket.

Nextorch
IMG_20240527_101959_889.jpg
IMG_20240527_102005_596.jpg

Die Verwandtschaft zum Thyrm kann man erahnen. Der Ring bietet sehr viele Möglichkeiten, die Lampe zu halten (die ich hier nicht alle demonstrieren will), sei es in der taktischen Haltung (Daumen auf Schalter), oder zigarrenmäßig mit der Lampe zwischen den Fingern. Eine bestimmte Technik des Thyrm funktioniert mit dem Nextorch nicht, das ist aber nur für einen kleinen Teil der Waffenträger relevant, die sowas auch trainiert haben. Ob der Ring im polizeilichen Alltag (oder auch im Alltag eines zivilen Nutzers) stört, muss jeder selbst testen. Er bietet zumindest einen Vorteil, wenn die Lampe in dynamischen Szenarien genutzt wird.

Fazit: In den Schichten, in denen ich jetzt die verschiedenen Ringe bewusst ausprobiert habe, bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass ich für mich an der Hauptlampe den Ring nicht brauche (und bisher auch nicht genutzt habe). Die Haupttätigkeit bei mir ist das Suchen in Fahrzeugen, Lkw, Koffern etc., also eher ein Arbeiten mit Werkzeug, statt mit einem taktischen Einsatzmittel. Sollte auf die Schnelle was eskalieren, sind meine Hauptlampen in der Lage, auch hier zu bestehen. Auf der Backup-Lampe (Surefire 6P mit Malkoff Modul) ist ein Thyrm installiert - diese Lampe ist bei Dunkelheit immer am Mann und sonst griffbereit in der Tasche, wenn es zu einem Einsatz geht, der etwas "taktischer" werden könnte. Unterm Strich ist es also wieder der Einsatzzweck der Lampe an der ersten Stelle, dann Trainingsstand und Vorlieben des Nutzers, die bestimmen, ob so ein Ring Sinn macht oder nicht.
 
Last edited:
Back